20. Woche 12.12.-18.12. La Fortuna, Santa Elena und Nicoya Halbinsel

Montag 12.12.: Santa Elena – Nebelwald

Am Montag ging es für uns endlich in den Dschungel. Costa Rica ist vor allem für seine Nebelwälder rund um Monteverde bekannt. In diesem Naturreservat dürfen pro Tag aufgrund des Naturschutzes nur 160 Besucher. Früh aufstehen lohnt sich also. Für alle, die hier kein Glück hatten oder schlichtweg ein bisschen günstiger unterwegs sein wollen, lohnt sich das Santa Elena Reservat direkt nebenan. Auch wir entschieden uns aufgrund des Preises für diesen Nationalpark. Der Eingang war nicht weit von unserem Schlafplatz entfernt und so machten wir uns nach einem entspannten Morgen ganz gemütlich auf den Weg. Mittlerweile sind wir es gewohnt, dass überall um uns herum Hunde sind. Egal ob auf staubigen Schotterstraßen oder großen Landstraßen. Hunde gehören einfach zum Straßenbild. Die beiden Hunde, die uns auf dem heutigen Weg begegneten, sahen aber doch ein bisschen anders aus. Als wir realisierten, dass wir zwei sehr hübschen Kojoten gegenüberstanden, waren die beiden auch schon im Wald verschwunden. Die Kamera war noch gar nicht Foto-bereit, weshalb es leider kein Foto der beiden Hübschen gibt.

Vor dem Santa Elena Reservat liegt ein großer, kostenloser Parkplatz, auf dem man sein Auto abstellen kann und am Eingang gibt es Besuchertickets (Spartipp: Studierende bekommen Ermäßigung). Wer eine Führung machen möchte, sollte sich möglichst schon 1–2 Tage vorher per Mail anmelden (Info hier). Das seit 1992 bestehende Reservat liegt auf ca. 1600 Metern Höhe und beheimatet durch sein von den Passatwinden geprägtes feuchte Klima unterschiedlichste Tier- und Pflanzenarten. Einige von ihnen gibt es nur hier in Costa Rica zu finden. Je nach Ausdauer und Zeit kann man im Reservat zwischen verschiedenen Wanderwegen wählen. Diese dauern zwischen 25 min und mehreren Stunden. Wir entschieden uns für die größte Runde, schließlich hatten wir viel Zeit und wollten möglichst viele Tiere sehen. Auf unserem Weg von über 3 Stunden begegneten wir gerade mal 4–5 Personen.

black guan
collared redstart

Die meiste Zeit genossen wir also die absolute Stille um uns herum, welche nur ab und zu durch ein Rascheln oder Zwitschern unterbrochen wurde. Schon nach den ersten Metern fiel uns auf, dass wir uns fühlten, als wären wir im Tropenhaus im botanischen Garten. Dank der Höhe, lagen die Temperaturen bei angenehmen 20 Grad, die Luftfeuchtigkeit war jedoch enorm hoch und um uns herum sahen wir nur grün. Wunderschöne Lianen schlängelten sich die majestätischen Bäume hinauf, Schmarotzer- und Halbschmarotzerpflanzen begrünten die braunen Äste, und Pilze, Flechten und Moose überwucherten den Boden. Der dichte Nebelwald machte es natürlich auch unglaublich schwer, Tiere auszumachen. Auch wenn wir immer wieder ein Knacken oder Rascheln hörten, sahen wir die Tiere dazu größtenteils nicht. Ein paar schöne bunte Vögel wie den „collared redstart“ (endemisch in Costa Rica) oder den „black guan“ bekamen wir dann doch noch auf die Kamera. Doch auch ohne Faultier oder Affen-Sichtung lohnte sich die Wanderung allemal. Wir waren wirklich sehr begeistert und würden einen Besuch in den Nebelwäldern Costa Ricas jedem empfehlen. Man bewegt sich durch so einen Wald dann doch ganz anders als durch die Wälder und Nationalparks Kanadas und Alaskas. Dort versucht man durchaus Geräusche zu machen, um die Bären nicht zu überraschen, hier versucht man jedes Geräusch zu vermeiden und zum Teil lieber zu schleichen. Wir versuchten, für die Hobby-Ornithologen unter den Lesern, möglichst viele Bilder von Vögeln zu bekommen, allerdings sind diese entweder zu schnell (beispielsweise die Kolibris, die wir gesehen haben), oder zu weit weg für unser Kamera-Objektiv. Oftmals hörte man auch nur deren Gezwitscher in diesem dichten Wald.

Am Parkplatz angekommen gab es dann erst mal eine kleine Stärkung bestehend aus Ananas und Muffins. Vor allem die Ananas mit ihrem süßen Geruch blieb jedoch nicht unentdeckt. Und so besuchte uns ein kleiner, neugieriger und scheinbar sehr hungriger Nasenbär. Ganz mutig kam er immer näher und versuchte irgendwann sogar ins Auto zu klettern, was ihm nach einigen Anläufen auch gelang. Er war so niedlich und lieb, dass wir ihn zwar aus dem Auto wieder herausschickten, uns aber trotzdem herzlich über seine weiteren Annäherungsversuche amüsierten. Am liebsten hätten wir ihn ja mitgenommen, aber im Dschungel Costa Ricas fühlt sich der Kleine dann wahrscheinlich doch wohler als im Berliner Großstadtdschungel.

So langsam wurde es Abend und wir genossen eine wundervolle Fahrt raus aus dem Nebelwald in Richtung Küste. Hoch oben auf den Bergkämmen ging es über gut asphaltierte Straßen immer in Richtung Sonnenuntergang. Wir wollten heute zum ersten Mal wild campen. Von unserem ausgesuchten Campingspot trennte uns nur noch eine wirklich steile Schotterstraße und viele Höhenmeter. Also Allrad an und los gehts. Langsam aber stetig kämpften wir uns den Berg nach oben. Und dann gings plötzlich nicht mehr. In einer besonders steilen Kurve war es einfach zu steil für unseren Jacky und der Motor verreckte. Auch gutes Zureden half nicht viel, also mussten wir in einer abenteuerlichen Aktion wenden und hinab ging es wieder. Dann eben ein anderer Spot. Auch unser zweiter Spot war ein bisschen schwer zu erreichen, der Berg dahin war jedoch nur wenige Meter lang und für Hendrik und Jacky ohne Probleme zu bewältigen. Wir schlugen unser Dachzelt in der untergehenden Sonne auf und stießen mit unserem Sun-Downer (Rum + Saftmix) auf einen wundervollen Tag an. Ja, so kann es weitergehen.

Dienstag 13.12.:  Nicoya Halbinsel – Puntarenas nach Paquera

Nachdem wir die Berge und das Inland von Costa Rica kennengelernt hatten, wollten wir die nächsten Tage gern wieder am Meer verbringen. Wir konnten zwischen zwei Routen wählen. Eine übers Land, eine beinhaltete eine Fähre. Da unsere Fährüberfahrten in Kanada immer so romantisch waren, wollte Annelie auch diesmal gern die Fähre nehmen. Also ging es für uns ab nach Puntarenas von wo aus die Fähre auf die Nicoya Halbinsel ablegt. Hier muss man sich in einer langen Autoschlange anstellen und ein Mann in Warnweste verteilt Tickets, mit welchen man sich Fährtickets kaufen darf. Ein kompliziertes System, was wir auch erst nach einer Weile verstanden haben… Als der Ticketverteiler bei uns angekommen war, hörten wir ihn nur sagen „Full! Maybe, maybe you get a space“. Wie jetzt? Voll? Na toll. Die nächste Fähre würde erst in über drei Stunden fahren und im Auto grillten wir schon langsam bei 30 °C in der prallen Sonne. Der Plan mit dem spontanen Fähre fahren war also erstmal nicht so gut aufgegangen. Wir hätten die Tickets auch vorher online kaufen können, aber wo wäre da das Abenteuer geblieben, außerdem wussten wir ja nicht ganz genau, wann wir es zur Fähre schaffen würden.

Doch wie so oft war auch hier das Glück auf unserer Seite. Vielleicht war der Ticketverteiler genervt von Annelies ständigem Nachfragen oder wir hatten wirklich einfach nur Glück. Denn 2 Minuten vor Abfahrt bekamen wir dann als allerletzte noch ein Ticket zum Ticketkauf. Also im Sprint zum Ticketschalter und wieder zurück. Zentimetergenau passten wir dann noch in den letzten Platz auf der Fähre. Bereits beim Drauffahren waren die Taue der Fähre gelöst und wir hatten noch nicht mal die Handbremse angezogen, da hatten wir schon abgelegt. 75 sonnige Minuten später erreichten wir nach einer gemütlichen und schönen Fährüberfahrt Paquera.

Von hier aus waren es noch 15 Minuten bis zu unserem ausgesuchten Campingplatz. Auch diesmal wollten wir wieder freistehen und fanden ein hübsches Plätzchen zwischen Palmen am Strand. So haben wir uns Camping am Meer vorgestellt. Jeder Platz hatte eine Betonbank und eine Sitzgruppe. Diese werden scheinbar hauptsächlich von einheimischen Badetouristen genutzt. Wir schnappten uns Schnorchel und Flossen und stürzten uns ins kühle Nass. Leider ist die Sichtweite hier nicht mit dem karibischen Meer zu vergleichen. Vor allem der schwarz-braune Sand macht es beinahe unmöglich, die Unterwasserwelt zu bestaunen. Hendrik konnte trotzdem einige Fische und Muscheln ausmachen. Am Nachmittag spazierten wir den Strand entlang, sammelten Muscheln und setzten uns schließlich mit unseren Campingstühlen zum Sonnenuntergang an den Strand. Und schon wieder ist ein Tag vorbei.

Mittwoch 14.12.: Curu Reservat und Montezuma

Unser Tagesrhythmus beginnt langsam, sich der Sonne anzupassen. Geht die Sonne um 6 Uhr morgens auf, sind wir wach. Ab 18 Uhr herrscht hier totale Dunkelheit und wir werden langsam müde. So schwamm Hendrik auch an diesem Tag bereits um 6 Uhr morgens im Pazifik und Annelie genoss ihren Morgenkaffee in der Morgensonne. Auch heute sollte es wieder in ein Reservat gehen, mit der Hoffnung auf ein paar Tiersichtungen. Das Curu Wildlife Refuge befindet sich im Südosten der Nicoya Halbinsel und gibt seit 1983 ein Heim für Tier- und Pflanzenwelt auf über 1000 ha Fläche. Wer richtig viel Zeit und Glück hat, könnte rein theoretisch über 200 Vogelarten, 78 unterschiedliche Säugetiere und 87 Reptilienspezies beobachten. An der Einfahrt zum Reservat trägt man sich in eine Liste ein und kauft das Ticket für die Tagesnutzung (30€/2 Personen). Mit dem Auto geht es dann noch ca. 2km über einen kleinen Feldweg bis zum kleinen Parkplatz im Wald.

Wir haben bereits auf diesem kurzen Weg unsere erste Tierbegegnung gemacht. Aus dem hohen Gras guckten uns ein paar Rehaugen an und am Waldesrand tollte eine Nasebärfamilie herum. Als wir aus dem Auto gestiegen sind, umgab uns eine unglaubliche Ruhe und Entspannung. Da alle Besucher möglichst viele Tiere sehen wollen, bewegen sie sich dementsprechend vorsichtig und ruhig, was zu einer sehr angenehmen und entspannten Atmosphäre im Reservat führt. Wir haben uns einen kleinen Wanderplan in der Info besorgt und los ging es. Auf mehreren kleinen Rundwegen kann man den tropischen Wald erkunden. Auch wenn wir schon von Beginn an immer wieder ein Rascheln im Unterholz oder entferntes Brüllen hörten, sahen wir lange Zeit kein Tier. Hendrik entdeckte schließlich unser erstes. Ein uns bisher fremdes Tier, welches ein bisschen aussah wie ein zu groß geratenes Meerschwein suchte scheinbar ein Mittagessen im Gebüsch. Später fanden wir heraus, dass es sich um ein Aguti handelte, welches tatsächlich mit Stachelschweinen und Meerschweinen verwandt ist.

Die Mittagshitze gepaart mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit in Costa Rica machten das spazieren zu einer sehr schweißtreibenden Angelegenheit. Doch wir wollten ja unbedingt noch ein paar Tiere sehen, also wanderten wir tapfer weiter durch das Blätterdach riesiger Bäume und über wackelige Holzbrücken. Irgendwann sahen wir dann auf unserem Weg auch noch ein paar kleine Mini-Wildschweine. Das war ja schon fast wie zu Hause in Berlin. Leider entdeckten uns die Schweinchen auch recht schnell, weshalb sie viel zu versteckt für ein schönes Foto blieben. Unsere Geduld sollte sich auch noch weiter auszahlen. Auf unserem letzten Wanderabschnitt hörten wir plötzlich etwas ganz laut über uns brüllen. Und da, als wir ein zweites Mal hinsahen, sahen wir endlich die Brüllaffen, die wir vorher immer nur gehört hatten. Und ein paar hudert Meter weiter konnten wir sogar ein Kapuzineräffchen beim Mittagsessen beobachten. Endlich hatte sich der Wunsch nach einer Affensichtung erfüllt (Damals wussten wir noch nicht, dass wir später noch sehr viel mehr Äffchen sehen würden).

Nach der heißen Wanderung suchten wir noch Abkühlung im Meer. Zu dem Refuge gehört nämlich auch eine Bucht mit großem, dunklen Sandstrand. Eigentlich hatte Hendrik gehofft, noch ein wenig Unterwasserwelt erkunden zu können, doch das flache, trübe Wasser machte eine gute Sicht unmöglich. Abkühlung brachte das Wasser trotzdem. Nach unserem Vormittagsausflug machten wir uns dann auf den Weg nach Montezuma, ein kleines Dörfchen etwas weiter südlich. Nach einem kurzen Bummel durch die eine kurze Straße des Örtchens beschlossen wir, unser Lager etwas außerhalb aufzustellen. Wir fanden ein sehr tolles Plätzchen zwischen großen Kokospalmen am Strand.

Vor unserem Stellplatz ragten ein paar hübsche Steine aus dem Wasser uns ergaben für uns die perfekte Sonnenterrasse. Zum Sonnenuntergang stießen wir mit leckeren Cocktails an und Hendrik versuchte sein Angelglück. Tatsächlich bissen auch zwei Fische an, gingen jedoch wieder ab. Ungünstigerweise verfing sich dann der Köder noch an einem Stein. Alles Ziehen und Ruckeln brachte keinen Erfolg und so musste der Köder leider im Meer zurückgelassen werden, was natürlich super ärgerlich war. Trotzdem verbrachten wir einen sehr schönen Abend am Strand und gingen erst bei totaler Dunkelheit wieder zurück zu unserem Auto und ins Bett.

Donnerstag 15.12.: Montezuma Wasserfall

Nach einer recht entspannten Nacht verbrachten wir den frühen Morgen erstmal ganz gemütlich am Strand. Es war gerade Flut und somit war die Strömung vor den Felsen moderater. Hendrik entschloss sich zu einem morgendlichen Schwimmausflug zu dem Ort, wo er am Vortag den Köder verloren hatte. Mit Flossen und Tauchermaske bewaffnet, ging es in die Fluten und vor allem durch die Flossen konnte er der Strömung sehr gut widerstehen. Die Sicht war zwar nicht so perfekt wie rund um Isla Mujeres in Mexico, aber durchaus ausreichend, um etwas zu sehen. Hendrik schwamm um die Felsformation herum und tauchte immer wieder ab. Er suchte und suchte, doch fand leider nichts. Schließlich gab er die Suche nach dem verlorenen Köder auf und hielt nunmehr nach Fischen Ausschau. Der Ausflug sollte sich ja immerhin etwas lohnen. Doch dann entdeckte er tatsächlich, ganz zufällig, den verlorenen Köder vom Vortag. Damit hatten wir beide wirklich nicht mehr gerechnet. Etwas weniger Müll im Meer und eine weitere Chance für den Köder, für den Hendrik schon so oft Baden war.

Annelie lebte noch das Motto: „Verlasse deinen Campingspot immer besser als du ihn vorgefunden hast“ und sammelte noch eine große Mülltüte mit angespültem Müll ein. Im Anschluss machten wir uns auf den Weg zurück nach Montezuma. Wir stellten unser Auto auf einem Parkplatz ab, schnürten unsere Wanderschuhe und setzten den kleinen Rucksack, gepackt, mit Badesachen auf den Rücken. Ein klein bisschen Abenteuer war angesagt. Ein ca. 20-minütiger Wanderweg führte uns durch und über einen Flüss, entlang eines Hanges und über glitschige Felsen, bevor wir am Montezuma Wasserfall ankamen. Das besondere ist, dass das Becken vor dem Wasserfall perfekt zum Baden einlädt. Wir freuten uns mal wieder im kühlen Süßwasser baden zu können, was eine schöne Abwechslung zum sonstigen Baden im Salzwasser darstellte. Der Wasserfall hat über die Jahre ein so tiefes Wasserbecken erschaffen, dass es sogar möglich ist von unterschiedlichen Felsvorsprüngen ins Wasser zu springen oder sich mit einer Seilliane ins Becken zu schwingen.

Nach anfänglichem Zögern und Beobachten trauten wir uns dann auch und sprangen mehrere Male von einem ca. 3 Meter hohen Felsen direkt ins Becken des Wasserfalls. Der Weg hinauf war zwar immer wieder beschwerlich, Spaß gemacht hat es aber jedes Mal. Die ganz verrückten Einheimischen springen auch tatsächlich vom oberen Punkt des Wasserfalls (25 m). Wir haben uns wirklich nur gefragt, wie verrückt und vielleicht auch bisschen lebensmüde man sein kann, um das zu tun. Schließlich könnte die Landung sehr unschön werden, springt man nur ein paar Meter zu kurz oder zu weit links/rechts. Doch an dem Tag gab es keinerlei verfehlte Landungen, sondern nur eine Menge Platscher, Spaß und Fotos.

Am Nachmittag fuhren wir dann weiter in Richtung Norden nach Puntarenas. Diesmal übernachteten wir auf einem Campingplatz, da wir Internet und Strom benötigten und außerdem ein paar negative Erfahrungsberichte zum Wildcampen in der Gegend gelesen hatten. Auch wenn uns der Campingplatz auf den ersten Blick nicht so sehr gefiel und die Betreiber eher ein bisschen genervt wirkten,bekamen wir am Ende doch einen recht hübschen Platz direkt am Strand. Wir nutzten den Strom und das Internet für all die Dinge, die in den letzten Tagen liegen geblieben waren und verbrachten einen ruhigen Abend und eine unspektakuläre Nacht.

Freitag 16.12.: Endlich Fahrspaß

Am Freitagmorgen erkundeten wir ein wenig den Strand von Mal Pais. Hier gibt es sogenannte Gezeitenpools. Also mit Meerwasser gefüllte Becken, die bei Ebbe entstehen und wie kleine Whirlpools zum Baden einladen. Wir waren zwar selber in keinem Pool drin, sammelten aber einige Muscheln am Strand und kletterten ein bisschen auf den schroffen Felsen entlang. Ursprünglich hatten wir geplant Santa Teresa, den Nachbarort zu erkunden. Nach einem kurzen Abstecher dahin entschieden wir uns jedoch dagegen. Der Strand soll wohl ein Surferparadies sein, der Ort hingegen besteht lediglich aus einer großen staubigen Straße und viel Verkehr. Also ging es für uns weiter nach Samara. Google Maps schlug uns dafür zwei Routen vor. Eine an der Küste entlang und eine außen rum. Die Äußere führte uns jedoch den kompletten Weg zurück, den wir die letzten Tage gefahren sind und war dann auch noch 100km länger. Zeitlich sollten sich die Routen jedoch nicht so viel nehmen. Das heißt, die Route an der Küste entlang verspricht Gravel Straßen und Abenteuer. Dafür haben wir ja schließlich unser Auto, oder nicht? Also los gehts. Ein gutes Abenteuerzeichen ist immer, wenn die Straße in die man fahren soll, gar nicht als wirklich Straße erkennbar ist. Über Feldwege und Schotterstraßen düsen wir also über Wind und Wiesen, durch Dörfer und Wälder.

Langsam wird die Straße steiler und löchriger, doch das macht Rallye Hendrik natürlich nichts aus. Hinter einer Bergkuppe dann die erste scharfe Bremsung. Da wo die Straße sein soll, ist ein kleines Flüsschen. Eigentlich sollte Wasser für unser Auto kein Problem sein und tief sieht der Fluss auch nicht aus. Sicherheitshalber prüft Annelie nochmal den Bach und gibt die Fahrt frei. Mit Schwung geht es durch den Fluss und auf der anderen Seite ohne große Probleme wieder heraus. Die Taufe von Jacky ist somit gemeistert.

Einige Kilometer weiter, wieder an einer Bergkuppe kommt uns ein anderes Auto entgegen, aus welchem der Fahrer winkt und uns signalisiert anzuhalten. Hinter der Kuppe kommt wohl ein größerer Fluss, weshalb er wieder umkehren musste. Nach längerem Zögern und Überlegen gibt er uns dann doch ein GO und meint wir können es mit dem Auto ja versuchen. Dazu muss man wissen, dass er mit einem normalen Kleinwagen unterwegs war, welcher für so ein Gelände einfach nicht gemacht ist. Nach wenigen Metern verstehen wir nun auch, welcher Fluss ihn aufgehalten hat, wissen aber beide, dass der Fluss uns ganz sicher nicht aufhalten wird. Das einzige Problem ist wohl, dass im ersten Moment nicht erkennbar ist, wo denn hier eine Straße auf der anderen Seite weiterführen soll. Annelie macht wieder den obligatorischen Laufcheck, bevor Hendrik mit großem Spaß den Fluss entlang bis zur anderen Seite fahren kann. Überfahrt geglückt! Alle weiteren Bäche und Flüsslein kommen uns nun vor wie nichts und nach gut drei Stunden Abenteuerfahrt erreichen wir Samara. Schon für die Fahrt hierher hat sich der Ausflug in die Stadt gelohnt. Aber mal wieder merken wir, wer in Costa Rica unterwegs sein will, braucht einfach ein geländetaugliches Fahrzeug.

In Samara übernachten wir wieder auf einem Campingplatz auch direkt am Meer. Die größte Hürde ist auch hier wieder die Sprachbarriere. Mit Hand und Fuß versuchen wir uns mit dem Besitzer zu verständigen und irgendwie klappt das auch immer. Trotzdem glauben wir, dass durch die Sprachbarriere eine gewisse Distanz zu den Menschen hier vor Ort entsteht. Oft wäre es sehr viel einfacher, wenn wir uns wenigstens ein bisschen über das Wetter oder die Reise oder das Land unterhalten könnten. Oder wenigstens verstehen könnten, wo das Bad oder der Strom ist. Für unsere nächsten Reisen wollen wir auf jeden Fall versuchen, ein paar Spanisch-Grundlagen aufzubauen. Unseren Nachmittag füllten wir mit einer großen Strandwanderung und kamen erst zurück, als die Sonne schon untergegangen war. Wir erlebten einen der wohl schönsten Sonnenuntergänge in Costa Rica und freuten uns schon jetzt auf den morgigen Strandtag.

Samstag 17.12.: Samara, Surfen & Sonne

Für den Samstag hatten wir uns einen ganz entspannten Tag vorgenommen. Wir wollten mal so richtig „Pura Vida“ genießen und einfach einen tollen Urlaubstag verbringen. Der Tag startete perfekt mit einem leckeren Frühstück mit Blick auf das Meer. Nach unserem Frühstück liehen wir uns am Surfboardverleih ein paar Surfbretter aus und stürzten uns in die Wellen. Wir sind beide keine Surfprofis und haben eher wenig Erfahrung. Doch trotz ein paar unfreiwilligen Nasenspülungen und Bauchplatschern schafften wir es einige Wellen zu reiten. Angefühlt hat es sich auf jeden Fall, als wären wir Hawaiireif und könnten bald bei den großen Surftourneen mitmachen. Wir hatten sehr viel Spaß uns genossen das kühle Wasser bei den sehr heißen Temperaturen draußen. Samara gilt als recht Anfängerfreundlich, da der Meeresboden nur aus Sand besteht und die Brandung sehr sacht zugeht. Am Samstag wollte das Meer wahrscheinlich besonders sacht sein und brachte nur vereinzelt ein paar surfbare Wellen hervor. Wir hätten wahrscheinlich auch einfach ein Tick eher dran sein müssen.

Als die Wellen dann sehr klein wurden und unsere Haut langsam ein wenig zu rot, beschlossen wir, dass es Zeit für eine schattige Mittagspause ist. Also raus aus dem Wasser und rein in die Stadt. Nach einer kleinen Suche fanden wir einen kleinen Pizzastand in einem angenehm schattigen Food-Court und teilten uns eine leckere, riesige Pizza Magharita. Surfen macht schließlich hungrig und so war die Pizza im Nullkommanichts verputzt. Zum Nachtisch gönnten wir uns noch ein Eis und ließen den weiteren Nachmittag eher ein wenig entspannter angehen. Mit ein paar kühlen Drinks in der Hand beobachteten wir das Meer und genossen unser schattiges Plätzchen am Strand. Gegen Abend schmissen wir uns nochmal in die herannahende Flut und versuchten noch ein paar Wellen zu bekommen. Wir stellten schnell fest, dass wir die einzigen im Meer sind, mit Surfbrettern. Nach ein paar gescheiterten Wellenreitversuchen merkten wir dann auch warum. Wir gaben aber nicht auf und schafften es noch die ein oder andere Welle zu bekommen.

Als die Sonne langsam Richtung Horizont wanderte, schlüpften wir in unsere schönen Klamotten und machten uns auf zum Sonnenuntergang schauen. Wir sind immer wieder erstaunt, wie schnell die Sonne hier untergeht. Man kann wirklich richtig anschauen, wie die Sonne innerhalb weniger Sekunden verschwindet und die Nacht den Tag ablöst. War es im einen Moment noch richtig hell, ist es im nächsten stockdunkel. Wir schlossen diesen wunderschönen Tag mit einem superleckeren Abendessen in einem hübschen Strandrestaurant ab. Zum Essen gab es sogar noch eine Feuershow und Live-Musik. Schöner kann ein Tag in Costa Rica wohl nicht sein. Pura Vida.

Sonntag 18.12.: Weiterfahrt nach Tamarindo

Wir waren, wie zu erwarten, wieder sehr früh wach. Gegen halb sieben verließen wir das Dachzelt, cremten uns gut mit Sonnencreme ein und schlüpften in unsere Badeklamotten. Dann wurden die ausgeliehenen Surfbretter genommen und wir liefen den Strand runter zum Meer. Wir waren die Ersten am ganzen langen Strand, die mit ihren Surfbrettern durch die Wellen glitten. Die Wellen waren zum Surfen wieder etwas besser, und genauso wie erhofft, da es wieder kurz nach der Flut war. Ohne großes Zögern legten wir uns auf die Bretter und standen direkt die erste gute Welle gemeinsam. Die Sonne war zum Glück noch nicht so kräftig, sondern noch ausgesprochen angenehm. Mit der Kombination des Wassers, vor der wunderschönen Strand-Palmen-Aussicht, war das ein wundervoller Start in den Tag! Nach ungefähr anderthalb Stunden stiegen wir aus den Wellen und gaben unsere geliehenen Boards wieder ab. Dann wurde es Zeit für das Frühstück, dieses hatten wir schließlich ausgelassen, um uns direkt in die Wellen stürzen zu können. Im Anschluss entschieden wir uns dann dafür, keine weitere Nacht hier zu verbringen und stattdessen wieder einen neuen Ort zu erkunden. Also wurden die Sachen gepackt, das Zelt abgebaut und es ging wieder auf die Straße. Inzwischen fing die Sonne auch wieder richtig an zu brennen und wir waren froh im klimatisierten Auto zu sitzen. Selbst Annelie war es deutlich zu warm und beschwerte sich ständig über die Hitze. Womöglich haben wir auch einfach etwas zu viel Sonne am Tag zuvor abbekommen, allerdings ohne Sonnenbrand.

Wir fuhren bis Tamarindo, einem Surfer-Ort weiter nördlich auf der Halbinsel. Schon bei der Ankunft merkten wir, dass der Ort etwas größer, belebter und touristischer war, als der letzte. Zunächst ging es zum Camping-Platz. Dieser sah, nunja, interessant aus… Aber da wir einerseits Strom brauchten, es in dieser Gegend häufiger zu Diebstählen und Einbrüchen in Autos kommen soll und es WLAN geben sollte, entschieden wir uns erneut für einen Campingplatz. Mit 30 € für die Nacht definitiv überteuert, aber nun gut, was muss das muss.

Wir verbrachten den Nachmittag mit einem Spaziergang. Erst ging es durch das Örtchen, vorbei an den ganzen Läden und wir pausierten bei einem Smoothie-Laden. Dort wurden zwei leckere Smoothies getrunken, ehe wir den Weg zurück in Richtung Auto liefen. Diesmal allerdings am Strand entlang und nicht durch den Ort.

Als wir auf Höhe des Camping-Platzes waren, entschieden wir uns noch weiter den Strand entlangzulaufen. An den Felsen konnten wir dann noch die Wellen beobachten, wie sie langsam, mit zunehmender Flut, stärker wurden und sehr schön anzusehend an den Felsen brachen. Die Sonne ging langsam unter und wir wanderten noch kurz umher. In den Gezeiten-Pools konnte man wunderschöne kleine eigene Welten voller Leben bestaunen. Sowohl kleine Fische, als auch Krebse, Schnecken und Seesterne lebten dort.

Wir gingen auch diesmal nicht den gleichen Weg zurück, sondern wählten einen entlang der Straße. Zu unserem Glück, wie sich herausstellte. Wir sahen so noch einmal Affen. Eine Familie aus ungefähr 15-20 Exemplaren, die in den Bäumen kletterten und fraßen. Selbst ein ganz junges Tier war dabei, dass sich gerade so bei der Mutter festklammern konnte. Ausgesprochen süß. Als wir am Stellplatz ankamen, war es auch schon wieder dunkel. Das Zelt wurde noch aufgebaut und einiges am Computer erledigt. Zum Essen gab es dann noch leckere Gnocchi.
Hinter uns liegt wieder eine spannende Woche in einem wundervollen Land. Wir wissen noch nicht, wohin es uns als Nächstes hinführen wird, aber es wird sicherlich schön!

4 Kommentare zu „20. Woche 12.12.-18.12. La Fortuna, Santa Elena und Nicoya Halbinsel

  1. Spätestens nach diesem wunderbaren Bericht habe ich selbst große Lust nach Costa Rica zu reisen! Und das Auto finde ich auch sehr cool. Bitte unbedingt die Kontaktdaten von der Autovermietung aufheben! 😉

    Like

  2. Da habt Ihr uns ja richtig auf den Geschmack gebracht, ich glaube Costa Rica wird unser nächstes Reiseziel LG Mama und Papa (Annelie)

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Kathrin & Holger Hartenstein Antwort abbrechen