Montag 30.01.: Die ersten Kite-Surfing Erlebnisse

Die Nacht war durch den anhaltenden angenehm warmen Wind sehr gemütlich und obwohl wir uns in einer Wüste befanden, nicht zu heiß. Der dezent leicht salzige Geruch von Meerwasser im Wind vervollständigt das schöne Klima. Durch den ständig vorhandenen Wind ist dieser Teil der Küste auch so beliebt bei Kite-Surfern. Wir frühstückten etwas trockenes Baguette mit Käse und entspannten noch etwas an der Unterkunft. Dann fuhren wir zu dem ungefähr zehn Kilometer entfernten Treffpunkt, wo wir uns zuvor mit Daan von der Kitesurf-Schule verabredet hatten. Um zurück auf die Hauptstraße zu kommen, mussten wir zunächst direkt durch die Wüste und durch Matsch, Schlamm und über reine Sandstraßen fahren. Dort entdeckten wir auch Salzablagerungen um große natürliche Pfützen herum.

Diese waren zum Teil mehrere Zentimeter dick. Rund um die Pfützen konnte man auch vertrocknete und mit Salz überzogene Reste von kleinen Fischen und Krabben finden. Generell konnte man auch richtige tierische Knochen in der Wüste verstreut vorfinden. Sehr spannend alles. Da wir allerdings die Verabredung hatten, haben wir nur für einen kurzen Moment die Umgebung um die Salzablagerung erkundet. Wir erreichten wieder die Hauptstraße und fuhren diese zurück in Richtung Santa Marta bis zu dem nicht weit entfernten Treffpunkt. Der Treffpunkt war an einer kleinen, ebenfalls nicht asphaltierten, sondern schlichtweg aus Sand geschaffenen, Straße.

Um zehn nach elf kam Daan mit seinem Wagen an dem Abzweig an und wir fuhren gemeinsam durch die Wüste in Richtung Küste. Wir hofften darauf nicht anhalten zu müssen, da der Weg oftmals aus unbefestigtem, Zentimeter tiefem Sand bestand und wir sehr schnell darin hätten stecken bleiben können. Es verlief alles gut und Hendrik entdeckte wieder etwas die Ralley-Gene in sich. Doch mit Franky oder auch Jacky und der entsprechenden Möglichkeit des Allrad-Antriebs und den besseren Reifen, hätten wir uns hier wohler, beziehungsweise entspannter gefühlt. Wir erreichten ein umzäuntes Grundstück, auf das wir dann fuhren und dort parkten.

Auf dem Grundstück steht ein Hotel, welches gerade teilweise neu gebaut wird, und zu Teilen einfach nur renoviert. Auch hier ist es wieder kein großer Komplex, sondern mehr eine Ansammlung von mehreren Hütten, wo dann die Zimmer für die Gäste drin sind. Wir parkten unseren Van, zogen uns (langärmlige) Klamotten an und gingen dann zum Strand. Das langärmlige Shirt hat zwei Gründe, einerseits zum Sonnenschutz, andererseits um warm zu bleiben, wenn man dann im Wasser ist und auch die ganze Zeit dem Wind ausgesetzt ist. Wir wurden unserem Instruktor vorgestellt, der mit jedem von uns jeweils 3-3,5 Stunden arbeiten würde und uns an das Kite-Surfen heranführen würde. Hendrik fing an.

Zunächst wurden allgemeine Dinge erklärt, wie beispielsweise, dass man sich stets bewusst sein muss, von wo der Wind kommt und wie stark dieser ungefähr ist. Außerdem sollte man nur bei auflandigem Wind (also Wind, der vom Meer in Richtung Land weht) Kite-Surfen, zumindest, wenn es kein Rettungs-/bzw. Notfallboot im Wasser gibt. Dann beschäftigten wir uns mit dem Equipment, mit den Gurten und dem Kite selber, den Steuerungsseilen und den jeweiligen Sicherheitsmechanismen. Das Wichtigste beim Kite-Surfen ist das Handling des Kites. Aus diesem Grund, mussten wir zuerst die Handhabung verstehen, ehe wir an Aktivitäten im Wasser denken konnten. Die Zeit verging wie im Flug.

Wir lernten das Kite in die Luft zu bekommen und dort zu steuern. Wir marschierten mit dem Kite, welches an einem Hüftgurt befestigt ist, den Strand entlang, immer darauf bedacht, dass der Kite-Schirm in der richtigen Position bleibt. Das hört sich alles recht banal an, ist aber deutlich komplizierter und schwieriger als man denkt. Wenn man den Schirm auf einer Seite hat, muss man die Steuerung mit einer Hand durchführen und jede kleinste falsche Bewegung lässt den Kite auf die andere Seite umschwenken oder gar abstürzen. Nachdem Hendrik alle Trockenübungen durchgeführt hatte, inzwischen waren bereits zwei Stunden vergangen, war Annelie an der Reihe. Derweilen gab es für Hendrik Mittagessen, welches Annelie etwas zeitversetzt ebenfalls zu sich nahm.

Dann begann Hendrik mit den Übungen im Wasser. Doch wer dachte, dass man sich jetzt bloß noch das Board schnappen musste, um vom Kite gezogen über die Wellen zu brettern, hatte falsch gedacht. Erstmal hielt man sich bei dem Lehrer am Gurt fest und man ließ sich vom Kite gemeinsam durch das Wasser ziehen, vollkommen ohne Board, um ein Gefühl vom Kite im Wasser zu bekommen. Man startete an einem Ende des Strandes und ließ sich zunächst vom Ufer weg tragen, ehe man drehte und wieder zum Ufer zurückfuhr, allerdings kam man dann deutlich weiter weg vom Startpunkt aus dem Wasser. Dann musste man wieder mit dem Kite den Strand entlangspazieren und gleichzeitig dieses steuern, die Zugkraft des Kites ausgleichen und schauen, wohin man lief. Wir waren schließlich so weit auch ohne Guide komplett alleine im Wasser zu sein. Wir hingen am Kite und ließen uns durch die Wellen ziehen. Wenn das Kite in die Wellen fiel, mussten wir unser Bestes geben, das gelernte anzuwenden und das Kite wieder aufzurichten.

Leichter gesagt als getan. Rückwärts strampelnd, entgegengesetzt zum Wind und den Wellen muss Spannung auf die Führungsleinen gebracht werden, sodass sich das Kite in der Regel von alleine leicht aufrichtet. Dann kann man mit geschickten Bewegungen und durch Zupfen der einen Seite der Steuerungsleine das Kite wieder in die Luft bekommen. Generell kann man sagen, dass Kite-Surfen sehr anders ist als wir es uns vorgestellt haben. Paradoxerweise sowohl einfacher als auch gleichzeitig schwieriger. Den Kite-Schirm zu steuern ist in der Theorie nicht schwer und auch grundsätzlich relativ simpel, doch das wichtige, das Finetuning, hat es in sich. Es ist körperlich nicht so anstrengend wie es aussieht, da man anders als beim Wasserskifahren nicht dauerhaft mit den Armen die Spannung auf dem Zugseil halten muss. Die Kraft kommt von dem Kite und man ist durch den Hüftgurt damit verbunden, darauf wirkt auch die ganze Kraft und man muss sich nirgends krampfhaft dran festhalten.

Mit den letzten Sonnenstrahlen endete unser erstes Kite-Surfing Abenteuer. Der Himmel war wunderschön erleuchtet und in der Ferne konnte man die Umrisse der Sierra Nevada de Santa Marta sehen. Die bis zu 5.775 Meter hohe Bergkette rund um Santa Marta. Zwischen uns und dem Gebirge liegen mehr als 150 km, doch in erster Linie Wüste und sehr flaches Land, wodurch wir einen perfekten Blick auf die Silhouette der Berge haben. Wir mussten uns nun entscheiden, ob wir das Kite-Surfen weitermachen wollen oder nicht. Spaß hat es gemacht und da wir beide noch nicht wirklich gesurft sind, beim Kite-Surfen, oder ein Board unter den Füßen hatten, war es für uns nicht wirklich vollständig und wir wollen den Schnuppertag um einen weiteren Tag ergänzen. Die Entscheidung fiel zugunsten des Kite-Surfens aus, trotz der hohen Kosten von 125 € pro Person.

Wir verbrachten den Abend und die Nacht am selben Ort, und blieben auf dem zukünftigen Hotelgelände. Dort haben wir Toiletten, Wasser und sogar ausgesprochen gutes WLAN. Das erste Mal, dass wir Internet via Starlink genießen und die Geschwindigkeit ist endlich wieder zumutbar, im Vergleich zu den Hotels zuvor, bei denen es angeblich gutes Internet gab. Dadurch können wir auch die weiteren Tage nochmal etwas besser planen. Am Abend quatschten wir noch etwas mit den Besitzern und erzählten von unseren Erlebnissen und auch unseren Erfahrungen mit dem Van. Wieder einmal mussten davon natürlich Fotos gemacht werden, um zeigen zu können, dass Leute, die im Auto schlafen, bei Ihnen gewesen sind.
Dienstag 31.01.: Auf die Bretter, fertig, los!

Der zweite Kite-Surf Tag stand an. Doch zunächst machten wir uns einen gemütlichen Morgen. Wir frühstückten, nutzten das gute WLAN und machten uns fertig für den zweiten Durchgang. Gegen 11 Uhr kamen dann Daan und die restlichen Leute der Kiteschule und andere Schüler beim Strand an. Wir begrüßten uns, quatschten kurz und teilten uns dann auf. Jeder hatte seinen eigenen Lehrer heute. Zunächst wurde die Ausrüstung angelegt, die Kites wurden aufgepustet und die Leinen angebracht. Diesmal ging es direkt ins Wasser. Das Wasser ist zwar nicht kalt, doch mit dem Wind wird es relativ schnell frisch. Zunächst wurde wieder etwas Bodyboarding betrieben. Wir ließen uns also vom Kite nur mit dem Körper durch das Wasser ziehen. Eine wichtige Übung, wie sich später herausstellte, insbesondere für den Fall, dass man das Board verliert und dann versuchen muss zu diesem zurückzunavigieren.

Langsam und sicher wurden wir dann auch an das Kiteboard herangeführt. Dann mussten wir üben, erstmal die Füße im Wasser liegend in die Schlaufen des Boards zu bekommen und gleichzeitig den Kiteschirm zu kontrollieren und nicht davongetragen zu werden. Gar nicht so simpel, wie man es sich vorstellt. Bei den Profis, bzw. denen, die es schon können, sieht es immer so einfach aus. Nach zwei Stunden gab es erstmal Lunch. Es gab leckere Nudeln mit Gemüse für Annelie und Reis mit Hühnchen für Hendrik. Dazu noch etwas zu Trinken, um den Durst zu stillen. Danach ging es wieder ins Wasser, doch der große Durchbruch blieb leider aus. Man schaffte es zwar ein oder zweimal kurz sich aufzurichten, fiel aber ins Meer zurück, ehe man wirklich losfuhr. Der Ehrgeiz war groß, doch es machten sich auch Zweifel und Frust breit, dass man noch nicht so weit war, wie man gedacht und gehofft hatte.

Am Ende des Tages sprach Daan nochmal mit uns. Er wollte unbedingt, dass wir weitermachen, wir konnten aber aus finanzieller Sicht erstmal nicht zusagen. Dafür ist Kite-Surfen doch zu kostspielig. Allerdings bekamen wir das Angebot für nur 25 € pro Person am nächsten Tag für 2, statt 3 Stunden nochmal weiterzulernen. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen und so sagten wir zu. Wir waren wirklich kurz davor endlich auf den Brettern zu stehen und das wussten wir und wollten die anderen Tage nicht umsonst gewesen sein lassen. Wir verstehen auf jeden Fall inzwischen, warum die Anfänger-Kurse zwischen vier und fünf Tagen dauern. Am Abend gab es ein bescheidenes Mahl, bestehend aus Reis und ein wenig Soße, und dann legten wir uns auch schon recht erschöpft ins Bett.
Mittwoch 01.02.: Wir stehen wie eine eins.

Aus einem Tag Kite-Surfen wurden drei, so schnell geht das. Der dritte und definitiv letzte Tag war angebrochen. Wir hatten wieder eine sehr gemütliche Nacht mit schöner, frischer Luft, durch den Wind, der durch die offenen Fenster zog. Diesmal startete unser Unterricht nicht um 11 Uhr, sondern etwas später, um kurz nach 12 Uhr. Da der Gurt für Annelie fehlte, musste sie erstmal noch zusehen, wie Hendrik sich anstellte. Doch das hatte den Vorteil, dass zuerst sie von Hendrik und später Hendrik von Ihr Fotos machen konnte. Es wurde alles vorbereitet und dann ging es auch schon für Hendrik in die tosenden Wellen. Doch es lief einfach nicht. Der erste Durchgang war doof, dann wurde mit Kite und Brett der Strand wieder dem Wind entgegen hochgelaufen. Doch auch der zweite Durchgang lief nicht nach Plan.
Immer wieder ging das Board beim Versuch das Brett an den Füßen zu befestigen verloren. Manchmal auch erst danach, während auch das Kite ins Meer stürzte. Dann musste erstmal wieder versucht werden, das Kite aufzurichten und in die Luft zu bekommen, ehe man irgendwie versuchen musste, das Brett zu bergen. Frust setzte ein. „Das lohnt sich alles nicht, das wird eh nichts, ich schaffe das nicht“. Doch der Ehrgeiz trieb einen jedes Mal wieder in die Wellen und man versuchte es erneut. Der dritte Anlauf lief dann endlich gut. Das Kite wurde unter Kontrolle gehalten und das Board fand seinen Weg an die Füße, ohne, dass vorher oder direkt danach alles schiefging. Diesmal gelang es ihm auch wieder, sich fast hinzustellen. Im Anschluss an den dritten Durchgang wurden die Steuerungsleinen von Hendrik ausgetauscht. Die kürzeren Anfängerleinen wichen den längeren Steuerungsleinen für Fortgeschrittene. Annelie hatte am Ende des Vortags schon mit diesen gearbeitet.
Längere Leinen bedeutet deutlich mehr Kraft. Vor allem, da an dem Tag der Wind stärker wehte, war die Kraft durch das Kite deutlich größer. Doch diese gesteigerte Power muss man auch kontrollieren. Die zusätzliche Kraft im Kite und eine verbesserte Fußstellung, sorgten allerdings auch dafür, dass Hendrik es erstmals schaffte für mehrere Sekunden richtig zu surfen. Endlich! Der zweite Versuch bei dem Drift endete dann allerdings in einem kurzen Superman-„Sprung“. Die Kraft des Kites war zu groß und riss ihn beim Aufstehen geradewegs vom Board und ließ in mehrere Meter weiter unsanft mit dem Kopf voran auf die Wasseroberfläche knallen. Zum Glück hat man einen Helm auf. Der letzte Durchlauf lief wieder etwas besser und sah etwas mehr nach Kitesurfen aus. Dann war die Zeit auch schon rum und Hendriks Kite-Erlebnis erstmal zu Ende. Doch inzwischen war auch Annelie im Wasser. Sie hatte am Anfang deutlich weniger Startschwierigkeiten und schaffte es sehr schnell für viele Meter richtig zu Kite-Surfen.

Das war wirklich cool und sowohl Hendrik, als auch ihr Coach Daan waren begeistert. Doch mit den vergangenen Tagen in den Knochen und den Anstrengungen vom starken Wind an dem Tag ließ mit der Zeit etwas die Kraft nach. Dadurch lief es genau andersherum als bei Hendrik. Zuerst war es super und zum Ende hin frustrierend. Immer wieder krachte der Kiteschirm auf die Wellen und musste mühsam wieder aufgerichtet werden. Das Board trieb dabei oftmals deutlich ab, sodass es ein ziemlicher Kraftakt wurde bodysurfend im Zick-Zack-Kurs sich dem Board langsam zu nähern. Zusätzlich wurde ihr dann mal wieder ziemlich kalt, durch den Wind, die nasse Kleidung und die fehlende Sonne, die sich heute mehr hinter den Wolken versteckte. Doch generell können wir sagen, dass uns auch dieser neue Sport sehr viel Spaß bereitet hat. Wir gehen davon aus, dass wir das eine oder andere Mal an der Ostsee es erneut probieren werden. Nach diesem anstrengenden, aber auch erfolgreichen Tag, endlich standen wir mal wirklich, haben wir uns gemeinsam mit allen Kite-Lehrern und anderen Kitern an der Hotelbar ein kaltes Getränk genehmigt.

Wir bezahlten bei den Eigentümern noch unsere Schulden, ehe wir uns wieder eine Portion Reis mit Soße kochten und diese verspeisten. Der Sonnenuntergang war, wie auch schon die letzten Abende, grandios. Am Horizont ragten die 5000 m hohen Gipfel der Sierra Nevada in den Himmel und die untergehende Sonne tauchte den Himmel in die leuchtendsten Orangefarben. Von unserem Campingspot aus hatten wir den perfekten Blick über die leere, weite, einsame Wüste und die untergehende Sonne. Auf jeden Fall war der Sonnenuntergang hier einer der schönsten, den wir in Kolumbien sehen konnten. Wir haben uns so mit dem Kite-Surfen beschäftigt, dass wir sogar angefangen haben davon zu träumen. Der Ort, wo wir die Tage verbracht haben, ist durch seine Abgeschiedenheit und Einfachheit wirklich toll. Die Wüste drumherum und der menschenleere Strand sind sehr entspannend. Nur unsere Füße mussten etwas leiden, da der Strand viele Muscheln hat, haben wir uns viele kleinere und ganz wenige etwas tiefere Schnitte an Muscheln zugezogen. Aber das verheilt zum Glück wieder schnell. Wir können den Ort auf jeden Fall weiterempfehlen. Alle, die ihre Ruhe haben wollen und gleichzeitig am Meer und in einer Wüste entspannen wollen, sind hier genau richtig. Ein besonderer Ort.



















































Donnerstag 02.02.: Don’t do stupid shit! – again…
Die Nacht war wieder ausgesprochen ruhig, nur gegen 2Uhr wurden wir von 2 bis 3 Mücken geplagt. Doch um 3 Uhr nachts hatte das nervige Surren ein Ende. Wir wurden letztlich von der Sonne geweckt, die durch die offene Heckklappe uns direkt in die Gesichter schien. Nach Annelies obligatorischem Kaffee packten wir unsere Sachen zusammen und verließen diesen wunderschönen Ort in Richtung Santa Marta. Die Umrisse der Sierra Nevada de Santa Marta waren wieder am Horizont sichtbar und selbst aus der Ferne konnte man Schnee ganz oben auf einigen Gipfeln ausmachen. Ein wirklich faszinierender Blick. Wir fuhren die ewig geradeaus führende Straße, die uns sehr an die Straßen in Nordamerika erinnert hat, nur war diese von der Qualität des Asphalts deutlich schlechter. Riesige Schlaglöcher sprenkelten die ersten 20 km unserer Fahrt. Hendrik musste sein Bestes geben, um diesen mit möglichst wenig abbremsen, ohne Totalschaden zu umfahren.
Nach einer halben Stunde erreichten wir Riohacha, wo Daan lebt, denn wir mussten die vergangenen Tage mit dem Kite-Surfen noch bezahlen. Er zeigte uns einen Geldautomaten, wo man bis zu zwei Millionen Pesos abheben kann und dann wurden wir kurzzeitig zu Multimillionären. Leider bloß in der falschen Währung. Wir gaben ihm sein Geld und verabschiedeten uns von ihm und den anderen Leuten, die wir rund um die Kiteschule in den vergangenen Tagen kennengelernt hatten. Im Anschluss fuhren wir noch zu einem großen Einkaufsladen, um uns mit Lebensmitteln zu versorgen, ehe wir nach dem Tanken uns auf den Weg in Richtung unseres eigentlichen Ziels machten. Die Tankpreise von 50 Cent pro Liter werden wir in Deutschland auf jeden Fall vermissen. Unser Tagesziel lag kurz vor dem Tayrona Nationalpark, wo es einen schönen Strand-Campingplatz geben soll.

Die etwas weniger als zwei Stunden Fahrt verliefen mal wieder sehr angenehm und es kam zu keinerlei Zwischenfällen. Wir quatschten, hörten Musik, alberten rum oder genossen einfach das Gefühl „on the road“ zu sein. Dieses Gefühl von Freiheit und einfach der Nase nach zu fahren, die grüne Landschaft zu genießen und die frische Luft werden wir schon sehr vermissen. Wir erreichten den Campingplatz und checkten erstmal für zwei Nächte ein. Wir wollen vor der Rückreise ins dunkle, kalte Deutschland noch etwas das Strand-, Sonne- und Meerfeeling erleben. Der Strand ist wieder einmal fast vollkommen leer und außer uns scheint es erstmal nur ein weiteres Zelt zu geben. Sehr ruhig und schön daher. Doch der Campingplatz hat einiges zu bieten. Neben Duschen, Toiletten und Wasser gibt es hier auch eine Beachbar, Surfboard-Verleih, sowie Liegen und Stühle mit Tischen, die jeweils Steckdosen am Sonnenschutz befestigt haben. Somit kann man direkt am Strand arbeiten und gleichzeitig den Blick auf die sich brechenden Wellen genießen. Wundervoll!

Wir stellten unseren Van ab und setzten uns mit trockenem Baguette, etwas Käse vor den Van auf unsere Campingstühle. Nachdem wir gegessen hatten, brachte Annelie den Müll zu einem Mülleimer und fand dabei eine große Kokosnuss, die scheinbar noch gut war und in der das Kokoswasser schwappte. Dementsprechend wollte sie diese mit Hendriks Messer öffnen. Das klappte zunächst auch sehr gut, bis sie statt der Kokosnuss ihren eigenen Fuß traf. Das Messer schnitt einen ordentlichen Cut in den Fußspann, welches Hendrik eher durch ein beiläufiges, leises „Shit“ mitbekam. Da sie die Fleischwunde erstmal zudrückte, floss kein Blut, jedoch konnte man durchaus den Knochen sehen, wenn man die Wunde ohne Zusammendrücken der Haut betrachtete. Als Hendrik den Knochen sah, wusste er, dass ein einfacher Verband hierbei nicht genügen würde. Da sind wir bei „Don’t do stupid shit 2.0“, Erinnerungen an Costa Rica, wo Hendrik sich beim Bau der Fischreuse mit dem gleichen Messer verletzte, kamen hoch. Es wurde erstmal das Medikit herausgeholt, die Wunde desinfiziert und dann vorläufig verbunden. Da der Campingplatz komplett auf dem Strand liegt und dementsprechend leicht Sand in die Wunde reinkommen konnte, wollten wir relativ schnell handeln. Nach der ersten Hilfe humpelte Annelie auf den Beifahrersitz, Hendrik packte alles zusammen und losging die Fahrt zum nächstgelegenen Krankenhaus.

Dieses war im gerade einmal 4 km und 7 Fahrminuten entfernten Dorf. So vorsichtig wie nur möglich fuhr Hendrik die holprigen Straßen entlang. Dann mussten wir von der Hauptstraße runter und tiefer in das Dorf hineinfahren. Doch dort, wo laut Google das Krankenhaus ist, war nichts zu sehen außer einer großen Bananenplantage. Was nun? Weiter nach Santa Marta und dort behandeln lassen? Die Wunde ist ja erstmal erstversorgt, es ist Druck auf der Wunde und wir gehen davon aus, dass wir etwas Zeit haben, aber ein Nähen durchaus sinnvoll wäre. Wir entschieden uns dazu, erstmal mit den Einheimischen zu kommunizieren. Mit unseren grandiosen Spanisch-Kenntnissen sollte das ja kein Problem sein.

Aus einem der Häuser, dass an der Kreuzung stand, welche wir blockierten, während wir ratlos durch die Gegend schauten und unser Vorgehen berieten, kam bereits die halbe Familie und schaute uns an, ganz nach dem Motto „Was machen die da?“. Annelie kurbelte ihr Fenster runter, zeigte der einen Frau das Handy, worauf das Krankenhaus zu sehen war und fragte „Hospital? Medic?“ und zeigte dabei auch noch auf ihren verbundenen Fuß. Die Frau verstand und zeigte in die entgegengesetzte Richtung und meinte wir müssen nur der Straße folgen, dann kommt es auf der rechten Seite.
Wir fuhren die Straße aus Schotter und Sand entlang, überquerten eine Brücke und fuhren durch eine Bananenplantage, ehe die ersten ärmlichen Häuser wieder auftauchten. Hier soll ein Krankenhaus sein? So haben wir uns medizinische Notfälle in Kolumbien vorgestellt und genau das wollten wir meiden. Naja, es ist, wie es ist. Spannend und ein weiteres Abenteuer ist es auf jeden Fall. Wir schlängelten uns durch das kleine Dorf und nach etwas mehr als einem Kilometer sahen wir in einer kleinen Straße an deren Ende die kleine Klinik, die vom Aussehen der auf Google entsprach. Wir stellten das Auto davor ab und Annelie ging schonmal vor, während Hendrik noch das Geld und die Pässe aus dem Auto holte. Das kleine Krankenhaus war mit einem Arzt und einer Krankenschwester besetzt, Annelie kam sofort in ein (das einzige) Behandlungszimmer. Dort wurde dann kurz die Wunde betrachtet, wir konnten erklären, dass diese von einem Messer stammt und dann ging die Behandlung auch schon ohne viel Tamtam los.

Mit einer Spritze wurde die nähere Umgebung der Wunde betäubt, ehe die Wunde mit zwei Stichen genäht wurde. Das war der einzige Moment, wo es Annelie kurz wirklich schlecht ging und sie mit dem Kreislauf zu kämpfen hatte. Doch es verlief alles gut, auf die Wunde kam noch eine Salbe und eine Binde, ehe Annelie auch schon wieder entlassen wurde. Das Ganze hat keine 15 Minuten gedauert. Annelie bekam noch ein „Rezept“ für Antibiotika zur Vorbeugung einer möglichen Entzündung und wurde dann noch zur Kasse gebeten für die Behandlung. Genau 15.000 COP kostete die Behandlung, in Rechnung wurden nur die Kosten für die Materialien gestellt. Umgerechnet hat es also 3 € gekostet, Bürokratie Fehlanzeige, Annelie wurde nicht mal offiziell mit Namen aufgenommen. Vermutlich wird dieses Krankenhaus vom kolumbianischen Staat finanziert, wodurch die Behandlungskosten entfallen und nur das Material von den Patienten ersetzt werden muss. Das finden wir klasse, da viele der Menschen in der Region sich vermutlich keine teure medizinische Versorgung leisten können und diese somit einigermaßen erschwinglich ist. Gegenüber gab es eine kleine Pharmazie, wo Hendrik den handgeschriebenen Zettel mit dem Antibiotika-Namen und der Menge abgab und exakt die benötigte Anzahl an Tabletten bekam. Keine Schachtel, sondern ausschließlich einen Teil der Tabletten der Schachtel, auch diese kosteten ungefähr 3 €.

Zusammengefasst also ein relativ günstiges Unterfangen. Um direkt Entwarnung zu geben, Annelie geht es soweit gut, hat kaum Schmerzen und verbucht diese Aktion unter „Typisch Anni“. Aber so haben wir auch nochmal ein richtig ländliches Krankenhaus, quasi im kolumbianischen Dschungel, mitgemacht. Das zweite Mal in ein kolumbianisches Krankenhaus, wieder dank des gleichen Fußes. Die Behandlung wurde mit Fotos detalliert dokumentiert, allerdings ersparen wir euch hier die expliziteren Fotos. Wir fuhren wieder zurück zum Campingplatz und der Fuß wurde noch mit etwas Verband umwickelt, um die Möglichkeit, dass Sand an die Wunde kommt, weiter zu reduzieren. Dann wurde sich gemeinsam auf Liegen am Strand gelegt. Hendrik arbeitete noch etwas, Annelie entspannte sich nach der Aufregung. Die Möglichkeit surfen zu gehen werden wir jetzt vermutlich auslassen. Nachdem die Sonne untergegangen war, kochten wir uns Nudeln und machten es uns im Van gemütlich.
Freitag und Samstag 03.-04.02.: Strandtag

Wir hatten mit dem Campingplatz auf jeden Fall ein glückliches Händchen gehabt. Für kolumbianische Verhältnisse ist es ein wirklich perfektes Plätzchen, vor allem für unsere letzten Tage. Wir entspannten auf den Liegen am Strand, sonnten uns und tranken Säfte und Cocktails an der Beachbar. Leider waren die Wellen zu hoch und die Strömung zu stark, als dass man im Wasser hätte schwimmen können. Doch auch ohne Badespaß hatten wir zwei wirklich tolle Strandtage. Einfach nochmal nichts tun. Das wollten wir jetzt nochmal so richtig genießen. Zu Hause würde uns schließlich wieder genug erwarten. Und auch so viel Sonne würden wir lange nicht mehr bekommen.

Die größte Aufregung bestand in einem echten Vogelkrimi. Als eine Trauergrackel direkt vor unserem Camper, plötzlich heimtückisch aus dem Gebüsch einen kleinen, bunten Spatzen ähnlichen Vogel angriff, rücklings auf den Boden drückte und in dessen Kehle hackte, sodass dieser schließlich starb. Was der Grund für diesen brutalen Mord ist, haben wir nicht herausfinden können. Da sich die Trauergrackel nach dem Verenden des Vögleins verzog und nicht mehr zurückkehrte, gehen wir davon aus, dass sie den Vogel nicht als Nahrung gejagt hatte. Vielleicht ein Bandenkrieg im Vogelland. Ein wenig geschockt und traurig war vor allem Annelie aber schon. Vor allem als der/die Partner:inn des toten Vogels versuchte zu helfen, aber feststellte, dass seine Hilfe zu spät kam …

Am Samstag lieh sich Hendrik auch noch ein Surfboard aus, da er versuchen wollte ein paar Wellen zu reiten. Der spanische Verleiher meinte zu ihm, er solle es ein wenig weiter östlich an der Flussmündung probieren, da hier die Strömung nicht so stark ist. Also schnappten wir Hendriks Surfboard und die Kamera und machten uns auf die Suche nach den perfekten Wellen. Kurz vor der Mündung probierte Hendrik dann sein Glück. Doch die Wellen waren einfach so stark, dass es Hendrik unmöglich war, auch nur ein paar Meter hinter die Brandung zu gelangen. Nach einigen gescheiterten Versuchen und viel Wasser in Ohr und Nase probierten wir noch einen andern Spot. Hier kam Hendrik zwar hinter die Brandung, trieb jedoch direkt so weit raus, dass Annelie sich schon ein paar Sorgen machte.

Mit ein paar kräftigen Wellen schaffte es Hendrik zwar auch wieder an Land zu kommen, surfbar waren diese Wellen jedoch nicht. Vielleicht ist es nicht die richtige Jahreszeit um hier zu surfen oder es ist einfach prinzipiell kein Surfspot. Wir beschlossen jedenfalls das Surfen sein zu lassen und begaben uns zurück zu unserem Camping-Spot. Zum Abendessen gabs eine Portion Rotkraut, als Einstimmung auf die Heimat und weil wir nichts anderes mehr zu essen da hatten. Schließlich würden wir am nächsten Morgen den Camper abgeben. Also packten wir all unsere Sachen schonmal zusammen, damit wir am nächsten Tag nicht so viel Stress haben würden.
Sonntag 05.02.: Die letzte Fahrt

Noch vor Sonnenaufgang klingelte unser Wecker. Wir hatten heute noch ein ganzes Stück Fahrt vor uns bis nach Cartagena, wo wir den Van abgeben würden. In ca. 4.5h brausten wir über leere Straßen Richtung Cartagena. Damit es nochmal bisschen unterhaltsam werden würde, nahmen wir noch eine Polizeikontrolle mit. Wir haben mittlerweile die Vermutung, dass die Polizisten mit unseren deutschen Papieren nichts anfangen können und entweder keine Lust haben, sich damit auseinanderzusetzen oder schlichtweg nicht zugeben wollen, dass sie nicht wissen, was das ist. Nachdem der Polizist heute also einige Sekunden auf die leere(!) Seite des internationalen Führerscheins geschaut hat, nickte er uns zu und ließ uns fahren. Kurz wurde es nochmal brenzlig, als die Tankanzeige Richtung Leerstand tendierte, die aber sonst so frequentierten Tankstellen scheinbar alle verschollen waren. Doch auch hier war das Glück auf unserer Seite und wir schafften es noch bis zur nächsten Tankstelle. Wir fuhren wieder einmal durch dutzende verschiedene Umgebungen. Von richtigen, vermüllten Slums, über wunderschöne grüne Wälder, bis hin zu ausgetrockneten oder überschwemmten Ebenen war alles dabei. Und dann lag Cartagena vor uns. Unser letzter Stopp. Das Ende unserer wundervollen Reise durch Kolumbien. Das Ende unserer wundervollen sechsmonatigen Reise durch Nord-, Zentral- und Südamerika.

Am Ende haben wir nicht nur Kolumbien, sondern auch Costa Rica, Kanada und Alaska ohne Unfälle, ohne Pannen oder korrupte Polizeikontrollen durchfahren. Wir haben festgestellt, dass dies unsere Art zu reisen ist, dass wir den Luxus, mit unserem Haus durch die Gegend fahren zu können, absolut genießen. Wir lieben es neue Plätze zu entdecken, am Morgen mit Blick aufs Meer aufzuwachen und am Abend unsere Nudeln mit Blick auf verschneite Gipfel zu essen. Für uns gibt es nichts Schöneres als „on the road“ zu sein. Als wir unseren Chivita zum ersten Mal in Bogota sahen, waren wir uns nicht so sicher, ob wir in einem Stück hier in Cartagena ankommen würden. Doch wir haben es geschafft. Über brutalste Straßen, Feldwege, Gravelroads und wuselige Autobahnen. Durch kleinste, primitive Dörfer und schönste Landschaften. Wir haben die schönen und die unschönen Seiten dieses Landes gesehen, welche einem im Bus oder gar Flugzeug wahrscheinlich verborgen geblieben werden. Wir können wirklich sagen, wir haben Kolumbien erlebt und doch gibt es noch so viel mehr zu entdecken.

Wir checkten in ein wirklich hübsches Hotel mit super motivierten Inhabern/Mitarbeiterinnen ein und gaben wenig später unser Auto an Pablo ab. Dieser ist extra aus Bogota nach Cartagena geflogen, um das Auto entgegenzunehmen. Wir halten nun offiziell den Rekord seiner am weitesten und längsten gefahrenen Kunden. 3200 km von Süd nach Nord, mit kleinen Ost-West Schlenkern. Pablo hatte auch seine Mama mitgebracht, die dann unbedingt noch ein Foto mit den Deutschen haben wollte. So einen riesigen (sie ging Hendrik bis zum Bauchnabel), blonden, jungen Mann sieht man ja auch nicht alle Tage! Aber das machen wir natürlich gern. Wir können das Unternehmen „Chivitas Camping Vans Colombia“ definitiv weiterempfehlen. Wir hatten mehrere Nummern, die wir 24/7 hätten anrufen oder benachrichtigen können, wenn etwas gewesen wäre. Sie haben uns mit vielen weiteren Informationen und Ideen versorgt und uns generell sehr wohlfühlen lassen. Nachdem wir das Auto abgegeben hatten, holten wir uns noch eine wirklich gute Pizza und dann ging’s zurück in unser Hotel. Das frühe Aufstehen hat uns ziemlich kaputt gemacht, weshalb der restliche Tag ganz unspektakulär aussah. Jetzt haben wir noch zwei volle Tage in Cartagena, ehe wir die Heimreise antreten.






































Karinoma mir kamen fast die Tränen ,weil die tolle Reise nun zu Ende ist und ich keine solche tollen Berichte mehr lesen kann und somit an Euren Leben teilhabe-Seit ein paar Stunden schneit es in Weinböhla.
Wiedermal gab es Hunde ,scheinbar Annelies Freunde.?
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Ihr seid ja wirkliche Abenteurer und lässt nichts unversucht, nun noch Kite surfen,klasse und Hut ab für euer Durchhaltevermögen. Anni , da hast du der Mama wieder einen riesigen Schreck eingejagt. typisch Anni , Ich hoffe deinem Fuß geht es halbwegs gut. Wir freuen uns ganz doll auf euch ,sind aber auch etwas traurig, denn die tollen Reiseberichte werden fehlen. Genießt die Tage und habt einen angenehmen Rückflug. Ganz liebe Grüße aus dem wi terlichen,kalten Sachsen.
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