24. Woche 09.01.-15.01. Desierto de la Tatacoa, Villa de Leyva & San Gil

Montag 09.01.: Lasst das Adrenalin fließen

Das Gewitter mitten in der Nacht war wirklich heftig. Die Blitze erhellten das Zimmer durch die hohen Fenster taghell und der Donner brachte alles zum Beben. Zusätzlich prasselte der Regen auf das Dach. Es war faszinierend. Gegen zwei Uhr morgens wurde es ruhiger und das Gewitter ebbte ab. Hendriks Wecker ging um kurz vor halb fünf, da um fünf Uhr bereits ein wichtiges Uni-Meeting anstand. Die Präsentation wurde dann im, zu allen Seiten hin offenen, „Büro“ durchgeführt. Im Anschluss wurde dann noch der Blog der letzten Woche mit den finalen Fotos gespickt und hochgeladen. Dann ging es zurück ins Bett und zum Glück konnten wir beide noch etwas Schlaf bis um halb zehn finden.

Die Idee, direkt im Anschluss an das Meeting nach Salento zu fahren und dort Mountainbiking zu machen, hatten wir zum Glück verworfen. So stand uns ein ganz entspannter Tag an. Pablo war um halb sechs mit unserem Auto losgefahren, um das Solarpanel und die Batterie checken zu lassen. Gegen halb zwölf kam er dann mit positiven Nachrichten diesbezüglich zurück. Alles funktioniert wieder und somit soll der Ventilator und auch der Kühlschrank wieder gut nutzbar sein. Das wird vor allem für die Zeit an der Küste wichtig werden. Gleichzeitig fragte er, ob wir hier nicht noch Paragliding machen wollen. Wir brauchten nicht lange uns zu besprechen, für 30 € pro Person wollten wir uns den Spaß nicht entgehen lassen. Wir hatten es sowieso geplant für die Reise, nur noch nicht hier. Er rief bei den Verantwortlichen an und bestätigte uns, dass wir heute noch fliegen können, wenn die Bedingungen passen. Wir waren in der Warteliste, vier Leute waren noch vor uns. Doch leider fehlte aktuell der Wind. Wir würden Bescheid bekommen, wenn sich die Konditionen bessern würden.

Erstmal hatten wir Hunger. Wir hatten bisher noch nichts gegessen, da all unser Essen mit dem Van unterwegs war. Wir waren gerade dabei uns Nudeln zuzubereiten, als es so richtig zu schütten begann. Es regnete und regnete und wollte gar nicht mehr aufhören. Aus ein Uhr wurde halb zwei, dann Viertel nach zwei und schließlich drei Uhr. Der Regen wurde zwar etwas weniger und es klarte etwas auf, aber gute Konditionen waren es immer noch nicht. Die Zeit verstrich und wir waren uns sicher, dass wir nicht mehr fliegen würden, schließlich würde in etwas mehr als zwei Stunden auch schon die Sonne untergehen. Wir überlegten, ob wir die Fahrrad-Tour, die für Dienstag geplant war, noch einen Tag nach hinten schieben sollten. Wir standen gerade auf unserer Terrasse, bzw. im „Büro“ und redeten über unsere bisherigen Erlebnisse der Reise und schauten und ein paar Fotos an, als wir plötzlich Bewegung mitbekamen. Unser Standort war auf halber Strecke zwischen dem Haupthaus von Pablo und dem Paragliding-Absprunghügel und wir hatten beide Orte bestens im Blick. Pablo bekam den Anruf, dass sich die Bedingungen so weit gebessert haben, dass wir sofort losfliegen können. Wir haben alles verstaut und erstmal die Frage gestellt: „Was zieht man eigentlich an?“. Lange Hose und ein langärmliges Shirt wurden uns empfohlen. Also wurde sich ganz schnell umgezogen und keine zehn Minuten nach dem Anruf standen wir bereits auf dem Paragliding-Hügel.

Wir wurden nett begrüßt und dann mussten wir uns erstmal in eine Liste eintragen. Als wir die Blutgruppen angeben mussten, fragten wir uns, ob das wirklich so eine gute Idee sei, mit wildfremden Menschen einfach mal einen Hügel herunterzurennen. Wir bekamen die Helme und uns wurde in die Kombination aus Sitz und Gurten geholfen. Die Einweisung war eigentlich sehr simpel und lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen. Beim Abflug, erstmal in großen Schritten laufen, bis zum Signal und dann wirklich rennen, und dabei bloß nicht stoppen oder die Füße anziehen. Im Flug dann bitte entspannen und alles einfach genießen. Bei der Landung, die Beine ausgestreckt nach vorne anwinkeln und sich nach hinten lehnen. Dann wurde es auch schon ernst und die Beine wurden etwas zittriger, der Puls ging höher. Die Aufregung war jetzt endgültig da. Es wurde Realität, da gleich den steilen Abhang immer weiter herunterzurennen und bloß nicht aufzuhören mit dem Laufen.

Hendrik startete als Erster. Plötzlich kam das Signal, der Wind passt und dann aber auch direkt und schnell los. Die Zeitfenster für den Start sind schließlich begrenzt. Man lief an, der Gleiter spannte sich, man spürte den Widerstand, man lief schneller und plötzlich lief man nur noch in der Luft. Es war ein total angenehmer, gleitender Übergang und plötzlich flog man. Es war fantastisch. Man war tatsächlich einfach am Fliegen, über die wunderschönen grünen Hügel der Anden. Kurze Zeit später startete auch Annelie und wir flogen gemeinsam über die Bergkette. Wir flogen dahin, ließen den Wind durch unser Gesicht strömen, lachten, grinsten und erfreuten uns einfach des Augenblicks. Es war ein Genuss. Annelies Guide wollte noch einen drauflegen und flog ein paar wilde Kurven, kurz meldete sich der Magen, wurde aber vom Adrenalin in Schach gehalten. Uns beiden hat es wirklich viel Spaß gemacht. Die Windbedingungen waren leider nicht ausreichen für einen extrem langen Flug, aber wir segelten zumindest knapp zehn Minuten über das Land und hinunter in Richtung Tal.

Hendrik landete zuerst und wir waren beide überrascht, wie sanft so eine Landung geht. Generell waren wir vom Abflug und der Landung positiv überrascht. Weder sackte man plötzlich weg, noch war der Aufprall hart. Der Gleitschirm wurde wieder ordnungsgemäß verstaut und Hendrik konnte Annelie bei der Landung zusehen. Danach freuten wir uns, dass wir das gemacht haben und wieder sicher am Boden angekommen waren. Wir warteten dann am Straßenrand von der Kuhwiese, auf der wir gelandet waren, auf unsere Abholung. Es kam schließlich, wie Annelie gehofft hatte, ein schöner Jeep. Von denen hatten wir zuvor schon einige gesehen und immer wieder gesehen, wie Leute hinten auf einer kleinen Plattform draufstanden. Das roch nach Abenteuer, das wollten wir auch. Die Paragliding-Piloten schienen unsere Gedanken zu lesen, doch sie boten uns nicht die hintere kleine Plattform zum Mitfahren an. Während die Gleitschirme und Sitze sicher im Inneren des Jeeps verstaut wurden, durften wir auf dem Dach des Autos mitfahren.

Ganz nach dem Motto, wie sie uns erzählten, „In Deutschland dürft ihr sowas doch bestimmt nicht, dafür seid ihr in Kolumbien, um Spaß zu haben“! Wir freuten uns ungemein. Also wieder Kamera an, gut festhalten am Gepäck-Gitter, und losging die wilde Fahrt. War vielleicht für diese Aktion in Wirklichkeit die Frage bezüglich der Blutgruppe? Wir wussten wirklich nicht, was abenteuerlicher war und was uns mehr Spaß machte. Es war der Hammer! Die Zentrifugalkraft spürten wir deutlich in jeder rasanten Kurve. Wir hatten die Strecke mit zehn Minuten in Erinnerung, als wir sie damals hochgefahren waren, es waren in Wirklichkeit 25 Minuten, die wir oben auf dem Autodach verbrachten und uns freuten wie ein Honigkuchenpferd. Es war ein Heidenspaß. Sowas macht man wirklich nicht alle Tage und wenn wir ehrlich sind, hätten wir alleine für so eine Tour etwas bezahlt.

Oben angekommen, bezahlten wir dann noch. Hendrik hatte dort die Schutzhülle seiner GoPro zurückgelassen und wir versuchten auf Spanisch diese zurückzubekommen. Genau nachdem, wir gerade bezahlt hatten. Hülle auf Englisch heißt case und auf Spanisch, laut Google-Übersetzer, caso. Was wir nicht wussten, so wie wir es aussprachen oder womöglich caso an sich, bedeutet in Kolumbien so etwas wie Diebstahl. Nachdem der, der die Hülle entgegengenommen hatte, sich an die Hülle erinnerte und wir Bilder davon für das Verständnis gezeigt hatten, mussten wir alle herzlich über dieses Missverständnis lachen. So ist das halt manchmal mit den Sprachbarrieren. Wir verabschiedeten uns von allen und gingen zurück zu unserem Chivita-Van. Da wir am kommenden Tag endlich die Mountainbike-Tour machen wollen und dafür um halb sechs losfahren müssen, verabschiedeten und bedankten wir uns noch von den beiden super lieben Inhabern des Chivita-Van-Unternehmens. Es war ein wirklich angenehmer Aufenthalt bei ihnen.

Dienstag 08.11.: Wir haben Dreck am Stecken

Die Nacht war mal wieder sehr kurz und wir wurden um 5:15 Uhr vom Wecker aus dem Bett geklingelt. Wir hatten schließlich einen Termin um 8:15 Uhr in Salento. Dafür müssen wir allerdings fast zweieinhalb Stunden fahren. Wir packten also alles ein und fuhren noch vor Sonnenaufgang los. Die Wolken hingen tief und dementsprechend nebelig war es. Durch die Kombination mit beschlagenen Scheiben und leichtem Nieselregen, konnte man fast gar nichts sehen und musste sich etwas mehr auf sein Gefühl verlassen, wo sich die Straße befinden könnte. Etwas weiter im Tal wurde die Sicht zum Glück besser, auch weil es langsam deutlich heller wurde. Bevor wir uns auf den Weg nach Salento machen konnten, mussten wir allerdings noch kurz tanken und Bargeld abheben. Dann ging die gemütliche Fahrt los.

Wir erreichten Salento um 8:20 Uhr und parkten das Auto auf einem der kostenpflichtigen Parkplätze. Da Salento sehr eng ist, gibt es sonst keinen Platz zum Parken und nicht jedes Geschäft hat seinen eigenen Parkplatz. Wir stiegen aus und wurden auch schon von dem Mountainbike-Unternehmen angerufen, wo wir denn bleiben. Deutsche Pünktlichkeit in Kolumbien hat uns dann doch etwas überrascht. Auf dem kurzen Weg zum Treffpunkt, kamen auch gleich noch zwei weitere Nachrichten rein, dass wir uns beeilen sollen, alle anderen seien bereits da. Wir erreichten das Geschäft schließlich und sahen bereits das Auto, das mit Fahrrädern auf dem Dach und am Heck beladen war.

Wir mussten noch kurz bezahlen und dann ging die wilde Fahrt auch schon los. Keine zehn Minuten gefahren, mussten wir auch schon stoppen. Der anhaltende Regen der vergangenen Tage hat zu einem Erdrutsch geführt, der große Teile der Straße mitgerissen hat. Alle mussten aussteigen, über die Kante laufen und durften dann zusehen, wie der Fahrer mit dem Truck versuchte, die enge Passage zu bewältigen. Man versuchte bereits mit Schaufeln, Schubkarre und Spitzhacke, die Straße wieder befahrbar zu machen, gefährlich war es dennoch alle Male. Man weiß ja nie, wann ein weiteres Stück abbricht. Es war ein faszinierendes Bild, wie dort zusammengearbeitet wurde und nach einer unkomplizierten Lösung gesucht wurde, indem man einfach die Straße tiefer in den Berg gräbt.

Im zweiten Anlauf schaffte er es und wir konnten alle wieder einsteigen. Weiter ging es zum Gipfel. Gegen 10:15 Uhr erreichten wir dann den Gipfel. Dieser liegt in 3.400 Meter Höhe. Wir mussten uns auch eingestehen, mit dem Chivita Van hätten wir diese Straße nicht gepackt. Es wurden dann erstmal alle Fahrräder abgeladen und mehr oder weniger gut auf die einzelnen Fahrer angepasst. Die Wolken halten sich auch hier wieder penetrant. Als alle bereit waren, ging die Fahrt los. Zunächst fuhren wir eine fast zehn Kilometer lange Strecke. Ganz nach dem Motto, wer bremst, verliert, ging es rasant über Stock und Stein.

Der Matsch spritzte nur so in alle Richtungen. Bereits nach der Hälfte der Strecke war unser Gesicht gesprenkelt und sah aus, als hätten wir viele neue Sommersprossen bekommen. Die Waden und Schuhe waren voller Dreck und die Matsch-Spur zog sich den Rücken entlang bis hoch zum Helm. Wir wurden so richtig dreckig und es machte verdammt viel Spaß. Endlich wieder auf einem Fahrrad zu sitzen, tat schon gut. Es unterscheidet sich zwar deutlich von unseren üblichen Vorlieben, insbesondere dem Rennrad, aber es ist definitiv auch verdammt spaßig.

Nach der zehn Kilometer langen Abfahrt, stellten wir die Räder beiseite, legten die Helme ab und gingen auf eine Wiese. Dort gab es dann erstmal für jeden ein Lunch-Paket mit Obst, Sandwich und Crackern. Wir hatten eine tolle Aussicht auf die riesigen Quindio-Wachspalmen. 70 % der ungefähr 2.000 Quindio-Wachspalmen, die ausschließlich in Kolumbien vorkommen, lagen im Tal vor uns. Wir entspannten uns für eine halbe Stunde, ehe wir die Bikes wieder auf das Begleitauto luden und die Strecke wieder hochfuhren. Schon auf dem Weg zurück zum Gipfel fing es wieder an zu regnen. Wir beide hatten als Spätzügler die Plätze auf der Rückbank bekommen und nicht wie die anderen Teilnehmer auf der Ladefläche des Pick-Ups. In dem Fall waren wir darüber ausgesprochen froh. Doch auch wir wurden relativ schnell sehr doll nass. Egal, Fahrräder abladen, Helme aufsetzen und weiter geht die wilde Fahrt.

Diesmal ging es die andere Seite hinunter. Also genau die Straße, die wir zu Beginn hochgefahren waren. Der anhaltende Regen machte alles nur noch nasser, matschiger und somit dreckiger. Unsere Füße schwammen relativ schnell in den mit Schlamm überzogenen Schuhen. Was können wir dazu sagen? Es war geil. Es hat Spaß gemacht. Der Regen und der Matsch hat seinen Teil dazu beigetragen. Immer wieder goss sich ein Schwall Schlamm-Wasser über und auch in die Schuhe, wenn man mal wieder durch eine der vielen tiefen Pfützen fuhr. Wenn wir hier von Straße reden, die wir entlang fuhren und das als Mountainbike-Downhill-Aktivität, muss man verstehen, dass diese Straße in Deutschland nicht mal als mit Schlaglöchern übersäter Gravel-Feldweg erlaubt wäre.

Immer wieder rutschten die Reifen im Matsch, doch wir konnten uns immer wieder fangen. Dreck und Regen trübten die Sicht und man musste zum Teil wirklich deutlich langsamer werden, dann viel blinzeln und etwas die Augen zumachen, um wieder einigermaßen sehen zu können. Es war zwar durch die Nässe kalt und wurde inzwischen auch anstrengend, aber es machte uns weiter Spaß. Irgendwie hatte der Dreck, Schlamm und Regen seinen eigenen Flair. Dadurch wurde alles nochmal etwas anstrengend und anspruchsvoller. Die ständigen Vibrationen und Erschütterungen, die man trotz guter Federung abbekommt, wurden tatsächlich auch ziemlich anstrengend. Insbesondere die Hände und der Oberkörper, durch den Griff am Lenker und die generelle Körperanspannung, ermüdeten etwas.

Dann kamen wir wieder an den Ort, wo der Erdrutsch passiert war und es sah noch deutlich unpassierbarer aus. Viele Leute waren am Werkeln und es wurde versucht, mithilfe von gefällten Bäumen, nun eine Art Brücke zu bauen. Dafür wurde mehr Erde der eigentlichen Straße abgetragen und in die Kuhle dicke Baumstämme gelegt. Es gab nicht mal mehr einen Pfad der breit genug gewesen wäre, mit dem Fahrrad oder einem Roller rüberzukommen. Wir mussten unsere Fahrräder tragen, entweder geschultert oder über dem Kopf und dann auf die andere Seite balancieren. Man muss sich das wie folgt vorstellen. Man nehme fünf große Bäume, fällt diese, halbiert die Stämme und wirft die Stämme dann einfach zusammen auf einen Haufen. Nicht ordentlich parallel, sondern einfach wie es gerade passt, kreuz und quer. Jetzt muss man nur noch mit dem Fahrrad über dem Kopf über die nassen Baumstämme balancieren. Allerdings darf man nicht nach links fallen, denn da geht es direkt fünfzehn Meter in die Tiefe und auch nicht zwischen die Baumstämme treten, da dort auch keine Erde, sondern einfach nur Leere ist. „That is Colombia“, das ist halt Kolumbien, wie die Einheimischen dazu lachend sagen. Es war aufregend und definitiv auch etwas gefährlich, aber wir schafften es alle heil rüber.

Unser Begleitfahrzeug hingegen blieb auf der anderen Seite zurück und auch ein beladener Kleintransporter musste entladen werden. Die Güter wurden dann einzeln über die Konstruktion getragen und in einen zweiten Kleintransporter geladen. Wir konnten mit unseren Fahrrädern die Fahrt fortsetzen und bis nach Salento zurückfahren. Alle Passanten mussten bei unserem Anblick schmunzeln.

Wir waren alle von oben bis unten dreckig. Durchs Dorf ging es dann bis zum Geschäft, von wo wir auch gestartet waren. Dort wurden die Mountainbikes abgestellt, die Helme abgelegt und dann gab es für alle noch ein gemeinsames Bier. In unserem Fall für Hendrik zwei, da Annelie ja kein Bier mag. Durch die Nässe, die uns komplett ummantelte, und vor allem die klitschnassen Schuhe, war uns ziemlich kalt geworden. Wir gingen noch kurz in einen kleinen Supermarkt, um das Nötigste zu holen, ehe wir zum Auto zurückkehrten.

Wir fuhren, noch mit unseren dreckigen Klamotten am Leib los und fuhren wieder zu dem Campingplatz, direkt vor Salento, auf dem wir in der vergangenen Woche bereits eine Nacht verbracht hatten. Wir wurden auch sofort erkannt und wieder nett begrüßt. Unsere Spuren vom letzten Mal konnte man noch im Rasen erkennen, auch, wo wir uns festgefahren hatten. Wir campten diesmal woanders, allerdings auch wieder auf einer Wiese. Wir spülten unter der nahegelegenen, allerdings kalten Dusche, den Dreck vom Laib und wurden direkt zwei Hauttöne heller. Danach wurde sich in frische Kleider gewickelt und aufgewärmt. Inzwischen war es schon nach 17 Uhr und so kochten wir noch schnell Nudeln und legten uns anschließend auch schon ins Bett, um dort noch gemütlich Serie zu schauen oder zu lesen.

Mittwoch 09.11.: Tatacoa Wüste- ein geologisches Paradies

Diesen Morgen kamen wir zwar ohne Steckenbleiben vom Campingplatz hinunter, dafür weckten wir mit unserer Alarmanlage wahrscheinlich die ganze Nachbarschaft. Unser Auto hat die Angewohnheit, dass es sich ständig selber verriegelt und somit die Alarmanlage ausgelöst wird, wenn man mit verriegelten Türen losfährt oder eine Tür öffnet. Da die Alarmanlage aber auch für eine gewisse Zeit nicht mehr ausgeht, mussten wir laut hupend und dröhnend losfahren. Nach ein paar Minuten gab die Alarmanlage auf und wir konnten unsere Fahrt in Ruhe fortsetzen. An diesem Tag wollten wir bis in die Tatacoa-Wüste fahren. Eigentlich ist der Weg mit 270 km nicht sehr weit. Doch in Kolumbien benötigt man für diese Strecke ca. 6h, weshalb wir recht früh starteten, um den Weg zu schaffen. Die Tatacoa Wüste würde unser südlichster Punkt sein, den wir in Kolumbien besuchen. Danach geht es nur noch Richtung Norden.

Unsere Fahrt verlief sehr angenehm auf guten Straßen und bei schönstem Sonnenschein. Durch die offenen Fenster wehte der Fahrtwind und unsere Musik sorgte für die perfekte Untermalung. Nach gut 2,5h machten wir einen ersten Halt an einem kleinen Supermarkt, um uns mit Getränken und Snacks für die nächsten 3h einzudecken. Außerdem benötigten wir auch noch einige Lebensmittel zum Abendessen. Der Supermarkt war, entgegen unserer Erwartungen, jedoch eher dürftig eingerichtet. Wir hatten uns nach unserem Einkauf in Bogotá schon so sehr über kolumbianische Supermärkte gefreut. Dieser war jedoch wohl eher die Ausnahme als die Regel. Die Supermarktkette „Jumbo“, in welcher wir in Bogota waren, gehörte ehemals dem französischen Carrefour an und wurde 2012 von der chilenischen Einzelhandelskette Cencosud übernommen. Dieses Unternehmen wiederum wurde von einem Deutschen im Jahr 1960 gegründet und ist einer der leitenden Einzelhandelsunternehmen in Südamerika. Vergleichbar sind die Supermärkte mit kleinen Walmarts oder Targets. Es soll wohl noch einige weitere dieser modernen und vielfältigen Supermärkte geben, in ländlichen Regionen findet man jedoch eher einfachere Supermärkte, wie wir sie auch aus Mexiko oder Costa Rica kennen. Die Auswahl ist oft eher begrenzt und spätestens wenn man an der charakteristisch riechenden Fleischtheke vorbeikommt, wird man freiwillig zum Vegetarier. Die wichtigsten Sachen packten wir trotzdem ein und weiter ging die schöne Fahrt. Ca. 100 km vor der Ortschaft Neiva wollte unser Navi, dass wir eine kleine Abkürzung fahren. Beim Blick auf die „Straße“ bzw. den Feldweg entschieden wir uns dann doch für den 30 min längeren Weg außen herum. Doch auch hier wurden die letzten 20 km eine kleine Wackel-Partie. Die Straße wechselte sich immer wieder mit Feldwegabschnitten und Schlaglöchern ab. Für uns und unser Auto war das jedoch kein Problem und so kamen wir am Nachmittag in der Tatacoa Wüste an.

Vor vielen Millionen Jahren war die Gegend hier von üppigem Regenwald bedeckt. Mit der Entstehung der Anden wurde die Region zwischen Ost- und Zentralkordillere eingebettet und liegt somit im Regenschatten der Gebirgszüge. Die hohen Temperaturen, gepaart mit vergleichsweise zu wenig Niederschlag, macht es Pflanzen und Tieren sehr schwer hier zu leben. Der wenige Regen, der fällt, verformt den lehmigen Boden und schürft kleine Canyons wodurch das einzigartige Hügel-Labyrinth und die heutige, berühmte Tatacoa-Wüste entsteht. Ein Paradies für Wanderer, Touristen und vor allem Paläontologen.

Wir hatten einen Platz auf einem Parkplatz eines Restaurants abbekommen, mit direkter Sicht auf die Wüste. Auch wenn der Betreiber des Restaurants/Hostels recht unfreundlich und geldgierig war, fanden wir unseren Platz sehr schön. So eine Aussicht macht einiges wett. Die Sonne schien unermüdlich, doch wir begaben uns trotzdem auf Erkundungstour. Wir folgten einem kleinen Weg durch die Felsen, wurden irgendwann jedoch vom matschigen Untergrund aufgehalten. Also nahmen wir eine Abzweigung zurück zu unserem Auto, um uns im Schatten ein bisschen abzukühlen. Wer die Tatacoa-Wüste besucht, sollte möglichst früh oder spät für eine Wanderung aufbrechen.

Eigentlich gibt es unterschiedliche ausgeschilderte Wege und Pfade durch das Labyrinth, man kann jedoch auch einfach, wie wir, auf eigene Faust losziehen. Wer möchte und das gewisse Gefährt besitzt, kann auch per Auto die Off-Road Straße weiterfahren und noch mehr von der Wüste erkunden. Nachdem wir uns im Schatten ein wenig abgekühlt hatten, nutzte Hendrik die Abendluft für ein kleines Läufchen und Annelie sorgte sich um das Abendessen. Bald wurde es Dunkel und irgendwann Zeit für Bett. Leider hatten unsere Nachbarn das nicht so gesehen und hielten uns bis nach Mitternacht mit ihrer unglaublich lauten Musik wach. Auch die enormen Temperaturen in unserem Van erleichterten das Einschlafen nicht wirklich. Der schöne Tag endete also in einer nicht ganz so erholsamen Nacht. 

Donnerstag 10.11.: Auch mit dem Van klappt Offroad

Nach einer unruhigen und relativ kurzen Nacht, mussten wir feststellen, dass es zusätzlich auch noch regnete. Der Boden war nass und die Erde wurde so richtig schön lehmig klebend. Wir verzichteten auf ein Frühstück im Regen und versuchten möglichst schnell alles abfahrbereit zu machen und dabei möglichst wenig Dreck und Matsch in den Van zu bringen. Unter unseren Schuhen klebte zum Teil mehrere Zentimeter dicker Schlamm. Generell klebte man ziemlich gut am Boden fest, auch durch das Gewicht des Matsches an den Schuhen, dass man, wenn man einen Schritt machen wollte, manchmal fast aus den Schuhen stieg und diese am Boden zurückblieben. Der Matsch musste mit den Fingern von den Schuhen gekratzt werden, um wieder normal laufen können und vor allem vor der Abfahrt, um die Pedale gut nutzen zu können. Wir waren ganz froh, eine kleine Wanderung durch die Formationen am Vortag bereits gemacht zu haben. Bei den aktuellen, extrem nassen und matschigen Konditionen, wäre das nicht nur weniger schön gewesen, sondern auch extrem anstrengend.

Wir waren aber auch sehr gespannt, ob der Van sich durch den Matsch kämpfen würde, oder ob er recht schnell stecken bleibt. Wir starteten den Motor, fuhren los, Annelie öffnete noch das Tor und dann hieß es hoffen, dass alles gut geht. Zumindest vom Stellplatz runter hatten wir es schon durch den Matsch geschafft und auch die weiteren Hügel, die zum Teil sehr schwer befahrbar aussahen durch die Pfützen und all den Matsch, schafften wir ohne große Probleme. Ein leichtes Rutschen hier und dort oder ein kurzes Durchdrehen der Reifen passierte zwar, doch wir schafften es durch den Schwung alles zu Meistern. Ganz nach der Devise „wer bremst, verliert“ oder anders formuliert, wer bremst und stehen bleibt, bleibt womöglich stecken, fuhren wir immer weiter. Unser Tagesziel war es näher an die kleine Stadt Zipaquirá heranzukommen, welche wir am darauffolgenden Tag besichtigen wollten.

Hierfür mussten wir in erster Linie die Strecke des Vortags zurückfahren. Allerdings hatten wir uns zuvor dazu entschieden, eine Offroad-Straße zu umgehen und dafür die deutlich längere Strecke zu fahren. 40 Kilometer Offroad fahren mit diesem Auto, ist dann doch ein ganz anderes Kaliber als die Strecke mit Franky oder Jacky zu fahren. Mit denen hätte es diese Entscheidungsfrage nie gegeben, wir wären immer die Offroad-Straße gefahren. Annelie gab schließlich nach und ließ Hendrik entscheiden und dieser entschied sich für die rein von der Distanz her kürzere Offroad Strecke. Wir waren aber beide unsicher, ob es wirklich spaßig und abenteuerlich werden würde oder eine Qual und zum Scheitern verurteilt. „Erstmal schauen und notfalls umkehren, wenn es nicht anders geht“, so unser Motto.

Doch die Strecke war durchaus besser befahrbar als zunächst angenommen. Tatsächlich auch nicht ganz so matschig wie erwartet. Es klappert zwar alles, ruckelt ordentlich, man wird gut durchgeschüttelt und spürt dank fehlender Dämpfer auch jede Erschütterung, aber der Wagen hält der Belastung gut Stand. Annelie war zeitweise ziemlich angespannt, Hendrik genoss die Fahrt und hatte wirklich Spaß dabei. Die vorbeiziehende Landschaft war wirklich schön und abwechslungsreich. Viele interessante Felsformationen wechselten sich mit steppen ähnlichen Teilen ab. Vieles war Weidefläche, doch wir entdeckten auch etwas abgelegenere kleine Dörfer mitten im Wald. Es war wirklich spannend und durch den wenigen Verkehr sehr entspannt zu fahren.

Nach einiger Zeit erreichten wir plötzlich einen Tunnel. Das sah spannend aus, also hinein dort, umkehren wäre nach einer Stunde Fahrt auch doof. Hupender Weise, um möglichen entgegenkommenden Fahrern zu signalisieren, dass man im Tunnel ist, fuhren wir den schmalen, einspurigen Tunnel entlang. Dieser verlief über einen halben Kilometer lang durch das Gestein, natürlich vollkommen unbeleuchtet und der Straßenbelag war in erster Linie eine Mischung aus großen Pfützen und weiteren Schlaglöchern. Kurz hinter dem Tunnel lag eine lange, nicht mehr ganz stabil aussehende Brücke. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Mit Schwung wurde auch dieser Part ohne Probleme gemeistert und dahinter lag auch direkt ein zweiter Tunnel.

Dieser war allerdings etwas kürzer, jedoch mit einer etwas mehr als zehn Meter langen und die komplette Breite des Tunnels ausfüllende Pfütze. Wie das so ist, weiß man nie, wie tief diese denn wirklich sind und ob es sinnvoll ist durchzufahren. Da wünschen wir uns doch den Schnorchel von Jacky zurück. Augen zu und durch. Es ruckele zwar etwas, da es durchaus auch in der Pfütze wieder Schlaglöcher gab, aber wir schafften es hindurch und der Rest der Strecke war dann auch vergleichsweise leicht. Wir haben uns schon vorgestellt, wie wir den Vermieter kontaktieren müssen und ihm mitteilen müssen, dass das Auto in irgendeinem kaum befahrenen Tunnel, in einer tiefen Pfütze stecken geblieben ist, auf einer der „Top-Offroad“-Straßen Kolumbiens. Wir hatten unseren Spaß, insbesondere Hendrik, und waren dann froh wieder heil auf der Hauptstraße angekommen zu sein. 40 Kilometer in etwas unter eineinhalb Stunden.

Die anschließende Fahrt war ruhig und unspektakulär. Hendrik hat sich inzwischen sehr an die Fahrweise in Kolumbien und generell den Ländern Mittel- und Südamerikas angepasst, wodurch ihn der Verkehr nicht mehr aus der Ruhe bringt. Wobei wir durchaus sagen müssen, dass ein generelles Rechtsfahrgebot durchaus sinnvoll ist, welches hier kaum berücksichtigt wird, wodurch zu gleichermaßen von rechts und links überholt wird. In Giradot haben wir dann in einem großen Einkaufsladen noch einige Lebensmittel nachgekauft und fuhren dann weiter. Wir hatten mal wieder bei iOverlander nach Übernachtungsmöglichkeiten gesucht und uns gemeinsam für einen Stellplatz entschieden. Um zu diesem zu kommen, mussten wir für gut drei Kilometer die Hauptstraße verlassen und einer ruppigen Gravelroad steil bergab folgen. Wir fragten uns schon, wie wir am kommenden Tag da wieder hinaufkommen wollen. Wir erreichten den Ort, wo die Finca mit dem Stellplatz sein sollte, doch der Name der Finca war nirgends zu finden.

Annelie klingelte schließlich an einer Einfahrt, um zu erfragen, ob man da campen kann. Mit der Hilfe von GoogleÜbersetzer gelang es ihr unser Anliegen deutlich zu machen. Wir parkten den Chivita auf dem Parkplatz und bekamen direkt eine Führung um die Finca herum. Uns wurde der Pool, Billardtisch und der Garten gezeigt. Der Besitzer pflückte auch direkt zwei grüne Orangen, die er uns schenkte. Diese schmecken wie eine Mischung aus Orange und Limette und machen köstliche Limonade, die uns später auch noch angeboten wurde. Die kleine fünfjährige Tochter, die dort ebenfalls lebte, hatte direkt Annelie als neue Spielgefährtin entdeckt. Auch, wenn sie sich nicht unbedingt verstehen konnten, hatten sie Spaß zusammen. Beim Stuhltanz und Puppenspielen entwickelten wir unsere ganz eigene Sprache und verstanden uns auf der einen Seite zwar gar nicht, auf der anderen aber sehr gut. Uns wurde dann gesagt, dass wir doch ruhig mal in den Pool gehen sollen und so machten wir das natürlich auch und erfrischten uns im kühlen Nass. Den Pool hätten wir am Tag davor gut gebrauchen können. Generell war die Familie, die durchaus die Finca auch für Gäste vermietet und den Garten zum Zelten anbietet, ausgesprochen gastfreundlich.

Als wir beide gerade in unseren Campingstühlen saßen, es war inzwischen dunkel geworden, uns Bilder der Nordamerika-Reise ansahen, wurde uns sogar jeweils ein Teller mit Essen gebracht. Es war eine lecker gewürzte Mischung aus Reis und Kartoffel-Stücken, allerdings nicht trocken, sondern eher von einer Eintopf-Konsistenz. Dann gab es dazu noch die zuvor angesprochene Limonade und wir wurden gebeten ruhig auf der Terrasse Platz zu nehmen. Wir fühlen uns zwar bei unserem Camper und auf den Campingstühlen immer sehr wohl und hätten es nicht gebraucht, dankten aber für die Geste und konnten das Angebot aus Gastfreundlichkeit nicht ausschlagen. Dann wurde uns noch gesagt, dass wir ruhig eine Runde Billard spielen sollen und so folgten wir natürlich auch diesem Vorschlag. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Auch wenn die Situation sehr, es ist schwer zu beschreiben, interessant und auch etwas „random“ war, waren alle super nett zu uns und wir haben uns sehr sicher gefühlt. Generell ist die Freundlichkeit, die wir bisher in Kolumbien entgegnet bekommen haben, wirklich wunderbar.

Freitag 11.11.: Zipaquirá

Am Freitagmorgen verabschiedeten wir uns von der freundlichen Familie, natürlich nicht ohne eine kleine Tour durch unseren Van. Mal wieder waren die Einheimischen begeistert und erstaunt von den verrückten Deutschen, die in Kolumbien in ihrem Auto campten. Zum Glück fanden wir noch einen anderen Weg wieder hinauf auf die Hauptstraße und so war unsere Sorge vom Vortag es nicht mehr hoch zu schaffen, unberechtigt geblieben.

Nach einem kurzen Tankstopp ging es weiter, nördlich an Bogota vorbei bis nach Zipaquira. Die Fahrt war dieses Mal aufgrund des enormen Verkehrs sehr anstrengend. Auch gerieten wir in unsere erste Polizeikontrolle. Diese findet man hier ca. alle 100 km und bisher wurden wir immer durchgewunken. Diesmal jedoch nicht. Das Herz schlug ein wenig höher, schließlich wussten wir nicht, was wir von der kolumbianischen Polizei zu erwarten hätten. Doch der Polizist schaute sich nur schnell unsere Papiere an und wünschte uns dann eine gute Fahrt und gute Reise. Alles gut gegangen also. Wir schafften es irgendwie durch das Verkehrschaos bis zu unserem ersten Stopp. Die Region nördlich von Bogota ist für ihre Salzbauwerke bekannt. Hier wird schon seit hunderten von Jahren Salz abgebaut.

In Zipaquira wurde der nicht mehr genutzte Tagebau in eine Kirche umgewandelt, die heute Touristen aus dem ganzen Land in die Region zieht. Für schlappe 20€/Person kauften wir ein Basic-Ticket und machten uns auf in den Stollen. Zu Beginn sind wir irgendwie in eine spanische Führung gerutscht, konnten uns da aber unbemerkt herausschleichen, sodass wir alleine auf Erkundungstour gehen konnten. Die alten Abbaukammern wurden künstlerisch umgestaltet und präsentieren nun den Leidensweg Jesus. Der Weg endet in einer großen unterirdischen Kapelle, welche das wohl größte unterirdische Kreuz der Welt beherbergt.

Zu unserer Überraschung endete der Rundgang in einer Ansammlung aus Souvenirläden und Restaurants. Etwas, was wir hunderte Meter unter der Erde nicht erwartet hatten. Wir schauten uns noch einen Film über die Salzmine an, bevor wir mit einem Zug aus der Mine herausgefahren wurden. Im Gesamten fanden wir das ganze Konzept etwas wild und würden empfehlen evtl. lieber eine andere Salzmine zu besichtigen, welche nicht so sehr auf den Tourismus ausgelegt ist (Empfehlung von Rodrigo: Nemoćon Salzmine, die haben wir zeitlich leider nicht mehr geschafft).

Am Nachmittag ging es für uns weiter zu unserem Schlafplatz. Eine kleine Kurvenstraße führte uns weg von der Stadt, immer an einem See entlang bis nach Guatavita. Die gesamte Landschaft wirkt, als wären wir am Gardasee gelandet. Wir hatten zuvor einen sehr gut klingenden Zeltplatz herausgesucht und freuten uns schon auf ein wenig Infrastruktur. Doch wie sollte es anders sein, hatten wir uns das natürlich einfacher vorgestellt als es war. Die Zufahrtsstraße war gesäumt von tiefen Auswaschungen und Steinen und endete an einem von einem recht unfreundlichen Wachmann bewachten Tor. Auf die Frage nach dem Campingplatz zeigte er nur auf das Nachbargrundstück. Wie wir dahin kommen würden oder jemanden finden könnten, der uns hineinlässt, ließ er jedoch offen. 

Im Internet fanden wir eine Nummer, der wir schrieben. Bis auf eine kurze spanische, nichts sagende Antwort kam jedoch nicht viel. Also drehten wir irgendwann um und versuchten den steilen Berg wieder nach oben zu kommen. Dann sahen wir endlich jemanden im Wald auf uns zukommen. Wir schienen also doch ein wenig Glück zu haben. Der freundliche Campingplatzbesitzer sprach leider nur spanisch, weshalb wir uns nicht wirklich verständigen konnten. Er zeigte uns sein riesiges Grundstück und zwei Plätze, an die wir uns stellen konnten. Mit einem europäischen oder nordamerikanischen Campingplatz hat dieser hier zwar nichts zu tun, aber wenigstens wussten wir nun, dass wir für die Nacht einen Platz hatten. Zumindest in der Theorie. Vorher mussten wir noch die Offroad Straße nach oben und zu den Stellplätzen gelangen. 

An einigen Stellen drehten die Reifen durch, ein/zwei Mal setzten wir auf, aber irgendwie manövrierte uns Hendrik bis zur Einfahrt des Campingplatzes. Jetzt blieb als vorletzte Herausforderung jedoch noch die Einfahrt durch das super enge Tor. Am Ende war es eine Frage von Zentimetern, aber auch das klappte. Einen hügeligen Feldweg ging es dann noch hinunter bis zu unserem Stellplatz mitten im Grünen. Auch hier war der Besitzer wieder sehr begeistert von unserem Gefährt und filmte sogar die Fahrt vom Tor zu dem Stellplatz und ließ sich ebenfalls das Auto zeigen. Was wir mittlerweile gelernt haben ist, dass egal wie einfach eine Stellplatzsuche in der Theorie erscheint, in der Praxis ist es jedes Mal ein Abenteuer. Abends wurde es dann sogar noch richtig kalt. Perfekt für ein feuriges Chili con carne à la Hendrik und eine frühe Nacht. 

Samstag 12.11.: ein entspannter Samstag

Am Samstagmorgen weckte uns die wärmende Sonne. Der Himmel war blau und nur am Horizont stauten sich ein paar Wolken in den Bergen. Wir entschieden uns noch eine Nacht auf dem Stellplatz zu bleiben. Schließlich war es hier sehr schön. Überall um uns herum war Natur, das Wetter spielte mit und wir brauchten mal einen ganz unspektakulären Tag. Dank unseres Solarpanels konnten wir all unsere elektrischen Geräte laden und an unseren Laptops arbeiten. Für kühle Getränke sorgte unser prima funktionierender Kühlschrank. Hendrik arbeitete ein wenig, Annelie schaute sich ein paar Vorlesungsfolien an und sortierte Bilder für den Blog.

Am Nachmittag machten wir uns auf, auf einen kleinen Spaziergang über das Grundstück der Finca. Begleitet wurden wir von Marqua, einer jungen, sehr, sehr wilden Labradorhündin. Dagegen ist unsere Hailey eine absolute Musterschülerin. Leider ging das Grundstück nicht bis ganz zum großen See, wodurch unser Spaziergang ein wenig kürzer ausfiel als geplant. Irgendwie war der Tag auch schon fast wieder vorbei. Nach einer kalten Dusche gab es eine große Portion Spaghetti Cabonara und ein kleines Gläschen Wein. Wir fühlten uns hier so richtig wohl. Es braucht oft nicht viel, um glücklich zu sein. Wir hatten gutes Essen, leckeres Trinken und uns beide. Was könnten wir in diesem Moment schon mehr wollen? 

Als es dunkel wurde, kamen die Mücken und wir verkrochen uns in unseren Van. Eingekuschelt in unsere Decken hörten wir noch ein Hörspiel und schliefen recht früh ein. 

Sonntag 13.11.: Auf nach Villa de Leyva

Da wir am Vorabend bereits so früh im Bett waren, standen wir recht früh auf. Mit uns standen auch alle anderen Camper und Bewohner der Finca auf, wenn auch nicht ganz freiwillig. Unsere Alarmanlage drehte mal wieder durch und hupte für mehrere Minuten das ganze Dorf zusammen. Nachdem sie sich beruhigt hatte, machten wir uns ein leckeres Frühstück, bestehend aus Kaffee und Rüherei-Wraps, wuschen unser Geschirr ab und los ging die Fahrt. Auf unserem Weg zurück begegneten wir unglaublich vielen Rennradfahrer:innen. Sowieso ist die Anzahl an Rennradfahrer:innen in Kolumbien unglaublich. Auf jeder Passstraße, jeder Landstraße und in jedem Ort begegnen wir Sportler:innen.

Da juckt es uns schon selber sehr in den Füßen endlich wieder auf unsere eigenen Räder zu können. Wir erreichten nach 3h und einer weiteren Polizeikontrolle den Ort Villa de Leyva. Wir hatten uns im Vorhinein ein kleines Hostel außerhalb des Städtchens ausgesucht. Hier darf man auf der Wiese campen und alle Annehmlichkeiten, wie W-Lan oder warme Duschen, des Hostels benutzen. Diesmal klappte die Anmeldung auch ohne Probleme und so konnten wir am Mittag unsere Campingstühle in der Sonne aufstellen und den Nachmittag entspannen. Hendrik schaute sich das Deutschlandspiel der Handball WM an und dann telefonierten wir noch mit der Heimat. Zum Abendessen gab es ein heißes Curry und schon war es Zeit fürs Bett. 

2 Kommentare zu „24. Woche 09.01.-15.01. Desierto de la Tatacoa, Villa de Leyva & San Gil

  1. nach 2 wochen Besucherstop im Allohheim habe ich wieder euren tollen Kolumbinbericht Opa vorgelesen und Draußen ist inzwischen ein Schneegestüber.Da muß ich vorsichtig gehen, wegen Sturzgefahr-Wir wünschen Euch noch eine gute Zeit-
    VG

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    1. Das ist toll, wenn ihr euch unseren Bericht wieder zusammen angucken konntet! Pass auf dich auf, wir können uns gerade gar nicht vorstellen, wie es ist Schnee zu haben.

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