22. Woche 26.12.-01.01. Puerto Jiménez, Uvita & Bogotá

Montag 26.12.: Osa Peninsula

Nachdem wir die letzten Tage auf dem wirklich schönen Campingplatz (Casa Viva) in Uvita verbracht hatten, fühlten wir uns hier mittlerweile schon ziemlich zu Hause. Wir kannten unsere Nachbarn, es gab gutes W-Lan und wir hatten die perfekte Konstruktion zum Laden unserer Geräte an den herabhängenden, kreativ gestalteten Steckdosen gefunden. Nach einem entspannten Vormittag rafften wir uns schließlich auf, packten unser zu Hause auf vier Rädern zusammen und entschieden uns dafür noch ein Stück weiter in den Süden zu fahren. Wir wollten gern noch die Osa Halbinsel erkunden. Die Hauptattraktion ist hier der Corcovado Nationalpark. Ein Nationalpark mit der wohl vielfältigsten Besiedlung an Flora und Fauna. Sicherlich ist der Nationalpark ein wunderschönes Fleckchen Erde, doch der Besuch ist nicht ganz einfach und nur mit einem Guide möglich.

150 € pro Person waren uns dann aber einfach zu viel. Dafür hat uns Costa Rica auch abseits der geschützten Gebiete zu viel geboten. Mittlerweile hatten wir fast alle „Wunschtiere“ gesehen und entschieden uns daher gegen den Besuch im Nationalpark. Über eine gut asphaltierte Straße ging es gegen Mittag bei guter Musik ca. 3h bis zur Ostseite der Osa Halbinsel. Wir durchquerten ein Gewitter, erklommen einige Hügel und durchfuhren alte Regenwälder, bis wir kurz hinter Puerto Juarez in Richtung Meer abbogen. Wir fanden ein kleines Plätzchen mit Blick aufs Meer und brüllenden Affen in den Bäumen. Hier konnten wir sehr gut unsere letzten Tage verbringen. Es wurde spät, der Himmel öffnete seine Pforten und wir verzogen uns ins trockene Bett.

Dienstag 27.12.:  Robinson Crusoe im Paradies

Die paradoxe Stille des Meeresrauschens begleitet uns beim Aufwachen. Einige wärmende Sonnenstrahlen fielen durch das Blätterdach über unseren Camper. Bei dem Ausblick, den wir von unserem Dachzelt genießen dürfen, freut man sich direkt auf den Tag. Eine ganz sanfte, frische Brise wehte durch das in beide Richtungen offene Dachzelt. Nur Fliegengitter sind an den Öffnungen zu unserem Schutz. Welches für Mücken und Fliegen hier aufgrund der großen Löcher jedoch kein Hindernis darstellt. Während Annelie das Frühstück mit leckeren Pancakes zubereitete, machte Hendrik mit Kamera bewaffnet den ersten Strandgang. Nach wenigen Schritten entdeckt er bereits ein wunderschönes Scharlachara Paar. Immer wieder faszinierend, diese wundervollen Geschöpfe zu beobachten.

Wir frühstücken ganz entspannt und blicken auf das Meer. Die Sonne fängt direkt wieder mit ihrer Arbeit an und bringt uns zum Schwitzen. Unsere Nachbarn, die auf dem nächsten Grundstück wohnen, begrüßten uns ausgesprochen freundlich. Nach dem Frühstück gingen wir auf einem gemeinsamen Spaziergang den Strand entlang. Schon aus der Ferne konnten wir die Papageien und Affen hören. Während wir die Papageien, wieder einmal Scharlacharas, recht schnell ausfindig machen konnten, ließen sich die Affen leider nicht blicken. Hoch oben in den Bäumen saßen vier knallig bunte Aras. Als wir uns ihnen näherten, meckerten sie ein wenig und wechselten einer nach dem anderen den Baum. Und so begleiteten sie uns einige Minuten den Strand entlang. In jedem Baum boten sie uns eine andere Pose für das perfekte Foto an. Irgendwann hatten sie dann genug und flogen in die andere Richtung davon. Der Strandgang war wirklich schön, auch wenn die Sonne uns ordentlich brutzelte. Irgendwoher muss ja die gesunde Hautfarbe kommen, die wir inzwischen bekommen haben. Als wir wieder bei unserem Auto angekommen waren, setzten wir uns erstmal in den Schatten.

Baden im Meer war durch die Ebbe leider nicht möglich, wobei man auch dazu sagen muss, dass das Meer oftmals so warm ist, dass es nicht mal für Annelie eine Abkühlung ist. Hendrik entschied sich zur Beschäftigung eine Fischreuse selber zu bauen. Vollständig aus natürlichen Materialien. Es dauerte zwar seine Zeit, aber langsam und sicher nahm die Reuse tatsächlich Gestalt an. Allerdings forderten die Arbeiten auch direkt die Nutzung des Medikits. Das eigentlich inzwischen recht stumpfe Messer war dann doch scharf genug, um der linken Hand zwei schöne Schnittwunden zu verpassen. Nach der ärztlichen Versorgung durch Annelie, konnte der Bau allerdings weiter gehen.

Hier ein kleiner Tipp für alle zukünftigen Tropen-Reisenden. Vielleicht hat man es schon oft gehört, aber auch wir können sagen, es stimmt! Selbst kleinste Schnitte und Wunden, welche zu Hause in kürzester Zeit verheilen, benötigen in diesen Gefilden Tage. Durch die extreme Feuchtigkeit weichen Wunden immer wieder auf und auch Entzündungen entstehen unglaublich schnell. Daher sollte auf jeden Fall ein gutes Medikit zusammengestellt werden (Verbände, Wundauflagen, Pflaster (inkl. wasserfest), Tape, Desinfektionsmittel, antibiotische Creme/Jodsalbe/Zinksalbe, Mittel zur Behandlung von Stichen). Während uns in Mexiko vor allem der Magen geärgert hat, sind es hier Ausschläge, Wunden und Insekten.

Am Nachmittag kam dann eine ganze Familie Affen zu Besuch. Bestimmt über zwanzig Tiere hangelten sich von Ast zu Ast und sprangen von Baum zu Baum. Die Kapuzineraffen waren durchaus etwas neugierig, aber wollten gleichzeitig auch nicht, dass man ihnen zu nahe kommt. Vor allem die Mamis mit ihren Babys funkelten uns böse an. Schließlich standen wir mit unserem Camper ja genau auf ihrem Weg. Doch die Affen verstanden, dass wir einfach nur gucken wollen und zogen ihrer Wege. Witzig war es alle Male diese neugierigen Tiere von ganz Nahem zu sehen. Immer wieder faszinierend wie begabt die Tiere beim Klettern und Schwingen sind. Ähnlichkeiten zum Menschen lassen sich durchaus auch immer wieder beobachten. Besonders süß sind natürlich auch die Jungtiere, die sich noch im Fell der Mutter festkrallen.

Gut anderthalb Stunden später entdeckten wir dann noch einen Geoffroy-Klammeraffen. Neben den Aras, die man regelmäßig hörte und auch fliegen sah, sah und hörte man noch einige andere Vögel und Tiere. Es war wunderbar von so viel Natur umgeben zu sein und so viele Tiere direkt am Schlafplatz zu sehen. Uns gefällt der Stellplatz wirklich ausgesprochen gut. Am Abend wurden die Becher dann noch mit lokalem Rum und Saft befüllt. Ein leckerer Sundowner ist am Ende eines schönen Tages schon etwas Feines. Hendrik probierte noch sein Angelglück im ruhigen Wasser, mit zunehmender Flut, war allerdings leider erfolglos. Witzig anzusehen war es dennoch, wie oftmals nur noch die Angel und der Kopf rausschaute, da er gänzlich im Wasser stand. Während es langsam dunkler wurde, lasen wir noch, ehe wir uns in unser Zelt begaben. Als es schon dunkel war und wir im Bett lagen, sahen wir noch einige Menschen mit Taschenlampen, die durch die Ebbe freigelegten Steine entlanglaufen. Wir vermuten, dass sie Hendriks Fischreuse mitgenommen haben, am nächsten Tag war jedenfalls keine Spur mehr davon zu sehen, wo sie am Vortag positioniert worden war.

Mittwoch 28.12.: Jaco

Es war wieder ein wunderschöner Morgen am Meer. Direkt zu Beginn des Tages sahen wir ein Kapuzineräffchen in den Bäumen umhertollen und auch über unseren Köpfen flogen und riefen schon wieder die Papageien. Das nette Paar von nebenan hatte die Tage zuvor schon gesagt, dass falls wir etwas bräuchten, beispielsweise Wasser, wir nur Bescheid geben sollen. Jetzt fragten sie uns sogar, ob sie uns beim Einkauf etwas mitbringen sollen. Wir verneinten dankend, da wir uns allmählich zur Weiterfahrt aufmachen wollten. Generell waren die Beiden super lieb und erinnerten uns sehr an Neil und Kristy in Kanada. Wir haben uns an dem Strand und Wildcampingspot sehr wohlgefühlt. Es ist einfach ein schönes Gefühl, von eigentlich fremden Menschen so offenherzig empfangen zu werden. Ohne Vorurteile oder skeptischen Blicken, sondern einfach mit einem offenen Herzen. Uns ist hier mal wieder aufgefallen, dass es nicht viel benötigt anderen Menschen eine Freude zu machen. Ein Winken im Vorbeigehen am Strand von der Familie ein paar Häuser weiter, ein nettes „Good Morning“ oder ein kleiner Plausch über das schöne Wetter. Diese Dinge kosten wenig Zeit und schon gar kein Geld, versüßten uns aber unseren Tag und unsere Laune unglaublich und sind letztendlich ein großer Beitrag dazu, dass wir diesen Platz als einen der schönsten in Erinnerung halten werden. 

Doch auch hier war unser Abschied gekommen. Als wir ausparkten, riefen uns unsere Nachbarn noch ein „Bis zum nächsten Mal“ hinterher und weiter ging es. Wir mussten denselben Weg zurück nehmen, den wir auch schon auf dem Hinweg genommen hatten. Dank des guten Wetters konnten wir nun aber tolle Aussichten über das Meer genießen und landeten an diesem Abend auf einem Campingplatz. Weihnachten läutet die Hochsaison in Costa Rica ein, dies bekamen wir hier zum ersten Mal zu spüren. Der ganze Platz war voller Zelte, Autos und Menschen. Wir wussten vorher gar nicht, dass Camping ein Ding in Costa Rica ist. Doch tatsächlich waren außer uns hauptsächlich Locals auf dem Campingplatz vertreten. Ursprünglich hatten wir einen Campingplatz für WLAN und Strom angesteuert. Strom gab es zwar, WLAN jedoch nicht. 

Beispiel für eine typische Dusche/Toilette (Uvita)

Auch die Sanitäranlagen waren, sicher auch bedingt durch die Vielzahl an Campern, eher nicht so schön. Generell sollte sich jede/r bewusst sein, dass Camping in Costa Rica nicht den Komfort bereitstellt, den wir vielleicht in einigen europäischen Ländern gewohnt sind. Duschen sind prinzipiell kalt, getrennte Toiletten oder Duschen gibt es nicht und meist befindet sich die Dusche/Toilette in einer Art Schuppen oder Wellblechhütte. Auch das Abflusssystem kommt hier gern mal an seine Grenzen. All das ist kein Grund nicht Campen zu gehen, die Erwartungen sollten aber dementsprechend angepasst sein. Im Vergleich zu vielen Campingplätzen in Alaska und Kanada sind die Toiletten durchaus luxuriös, da es dort nur Plumpsklos mit Sickergrube waren.

Annelie gönnte sich auf dem Campingplatz trotzdem mal wieder eine Dusche, begleitet wurde sie dabei von ein paar Geckos und anderen Insekten. Wer in den letzten Wochen die YouTube Serie „7 vs. Wild“ gesehen hat, der kennt sicher die Sandfliegen/-mücken, welche einen in den Wahnsinn treiben. Kleinste Stechmücken, welche penetrant in jeden noch so kleinsten Teil des Körpers stechen und schon gar nicht von Fliegengittern oder Mückenspray abgehalten werden. Auch Ameisen, große Mücken und andere Insekten haben uns in den letzten Wochen oft geärgert. Leider scheint das Annelies Körper langsam nicht mehr lustig zu finden. Die Füße waren an diesem Abend mit Quaddeln übersät, angeschwollen, rot und juckten ohne Ende. Damit war auch die Nacht mehr eine Qual als eine Erholung. Auch diese Seiten gibt es bedauerlicherweise auf Reisen.

Donnerstag 29.12.: Wildcamping Brasilito

Am Donnerstagmorgen musste Hendrik erst mal Eis besorgen, damit Annelie ihre Füße kühlen kann. Auch das Zelt musste er leider alleine zusammen packen und der erste Ausflug war nach Jaco, die nächstgelegene Stadt, in eine Apotheke Coritsolcreme besorgen. Die Füße wurden eingeschmiert, eingebunden und ins Eis gelegt. So ließ es sich zumindest aushalten. Weiter ging die Fahrt an unseren letzten Wildcampingplatz in Costa Rica. An einem großen braun/schwarzen Strand genossen viele Familien, Pärchen und Freundesgruppen den sonnigen Tag und das ruhige Meer. Wir fanden ein ganz hübsches Plätzchen unter einem großen, Schatten spendenden Baum und machten es uns bequem. Wir lasen ein paar Bücher, hörten Musik und machten einfach mal gar nichts. Auch mit nichts tun geht ein Tag sehr schnell zu Ende. Ein kleiner Spaziergang, ein Sundowner und schon war die Sonne hinter dem Horizont verschwunden. Mit ihr verschwanden auch alle Tagestouristen und wir hatten den kompletten Strand für uns alleine.

Freitag 30.12.: Ein letzter Tag am Strand

Unser letzter Strandtag in Costa Rica war gekommen. Wir wachen wieder mit dem schönen Blick aufs Meer auf. Zum Frühstück gab es Spaghetti mit Tomatensauce. Da wir ja am Samstag weiterreisen, müssen die restlichen Lebensmittel aufgebraucht werden. Am Morgen ließ sich direkt ein Papageien-Pärchen in den Ästen über unserem Stellplatz nieder. Während Hendrik mit der Kamera versuchte, noch das eine oder andere Foto zu erhaschen, saß Annelie neben dem Camper und bekam so die eine oder anderen Fruchtreste ab, die die Aras fallen ließen. Es war trotzdem sehr, sehr schön.

Da Annelies Füße weiter anschwollen, sich verfärbten und ununterbrochen juckten, machte sich Hendrik gegen Mittag auf nochmal Eis zum Kühlen zu holen. Das einzige Problem war die Entfernung zum nächsten Supermarkt. Annelie hatte zwar laut Google einen 800 Meter entfernten Minimarkt gefunden, doch als Hendrik dort ankam, gab es dort nichts. Also wurde die gesamte Strecke zur Hauptstraße gelaufen. Immerhin fast 5 km in jede Richtung. Während der Rückweg mit dem Gewicht der Getränke und des Eises in der knallen Sonne durchaus zäh und anstrengend wurde, war der Hinweg noch sehr spannend. Es war wie ein kleiner Entdecker-Ausflug. Ganz faszinierend sind mal wieder die vielen, riesigen Bäume gewesen. Jeweils über und über mit Lianen und diversen anderen Pflanzen bewachsen. Einfach toll anzusehen.

Doch auch die Tierwelt ließ sich sehen. Neben diversen Leguanen und Eidechsen in den unterschiedlichsten Farben, sah Hendrik einen Klammeraffen, Geier, weitere Scharlacharas und unter anderem auch die kleinen Miniaturbienen, auf die wir schon bei der Faultier-Wanderung aufmerksam gemacht wurden. Doch das eigentliche Highlight war eine Schlange, die er direkt am Straßenrand entdeckte. Es handelte sich um eine Boa Constrictor und somit eine der größten Schlangen, die in dem Land vorkommen. Das hiesige Exemplar war ungefähr 2,5 bis 3 Meter lang und entspannte gerade in der Sonne. Hendrik ließ es sich nicht nehmen und ging immer weiter Stück für Stück näher, um schöne Bilder von diesem tollen Tier zu schießen. Auf weniger als einen halben Meter ging er an dieses mächtige, aber in dem Moment durchaus friedlich ruhende Tier heran. Mit so einer Begegnung hatte er definitiv nicht gerechnet, aber das machte den Ausflug definitiv lohnenswert.

Nach etwas über zwei Stunden kam Hendrik dann wieder am Stellplatz an und berichtete erstmal über seine Erlebnisse, war aber auch geschafft durch die Hitze der Sonne. Leider war gerade komplette Ebbe und kaum Wasser zum Baden vorhanden. Doch die Abkühlung kam keine Viertelstunde später von oben. Es fing richtig ordentlich an zu schütten. Na toll. Wir versuchten uns irgendwie unter den Ausläufern des Dachzelts zu verkriechen, letztlich wurden wir aber vollständig nass. So ist das hier nun mal, die meisten Klamotten besitzen eine ständige Feuchte und selbst Stoffbeutel fangen an zu schimmeln. Die T-Shirts vergilben, aber genau deswegen haben wir in erster Linie Klamotten mitgenommen, die notfalls danach auch wegkönnen.

Den restlichen Tag verbrachten wir in erster Linie mit Lesen und Musik hören. Annelie war froh über das Eis zum Kühlen ihrer Füße. Dann gab es den letzten Sundowner und wir sahen unserem letzten Sonnenuntergang in Costa Rica zu. Es war ein Fest.

Samstag 31.12.: Unsere Zeit in Costa Rica endet

Früh morgens um 5 Uhr klingelte ausnahmsweise mal der Wecker. Wir packten unsere Sachen ein, verstauten alles und machten uns eine halbe Stunde später, als gerade die Sonne aufging, auf den Weg in Richtung San José. Dort hatten wir uns um 9 Uhr mit den Vermietern des Autos verabredet, um unser Auto wieder abzugeben. Die Fahrt durch die Hügel Costa Ricas würde knapp zwei Stunden dauern. Nach ungefähr einer halben Stunde überquerten wir eine Brücke, an deren Seite fast zehn Personen mit Kameras in der Hand standen und von der Brücke fotografierten. Wenn wir eines immer wieder festgestellt haben, dann, dass wenn viele Menschen anhalten und fotografieren, es wirklich etwas Sehenswertes gibt. Da wir frühzeitig losgefahren sind, hatten wir definitiv noch Zeit für einen kleinen Halt und parkten direkt hinter der Brücke. Wir liefen zu den anderen Menschen und schauten in das Wasser unter der Brücke. Dort konnten wir dann tatsächlich einige Krokodile entdecken. Diese entspannten dort in der aufgehenden Sonne, manche im Wasser, andere vollständig am Land. Insgesamt sahen wir ein gutes Dutzend über die Uferlinie verteilt.

Nach gut zehn Minuten ging die wilde Fahrt dann weiter. Die leeren, sich windenden Straßen, brachten Hendrik schon wieder etwas in den Ralley-Modus. Allerdings bremste ihn die Sonne doch etwas, da diese so perfekt stand, dass man trotz Blende auf einigen Teilstrecken oder in mancher Kurve überhaupt nichts sehen konnte. Wir kamen um acht Uhr heile am Flughafen SJO an. Das Auto wurde final ausgeräumt und die Sachen wurden in die Rucksäcke gepackt. Doch da sich der Vermieter leicht verspätete und wir nur in der Kurzparkzone waren, fuhren wir mit dem Auto nochmal los. Wir hatten Hunger bekommen und in der Frühe hatte es kein Frühstück gegeben. Also ging es zu einem nahegelegenen Supermarkt, um sich etwas mit Getränken und Essen einzudecken. Im Anschluss ging es zurück zum Flughafen.

Wir verabschiedeten uns von Jacky und übergaben das Auto zurück an den Vermieter. Wir hatten eine grandiose Zeit mit dem Auto und würden die Costa Rica Reise jedes Mal wieder damit machen. Es ist einfach toll, total unabhängig und ohne Plan zu reisen. Wobei ohne Plan hier nicht falsch zu verstehen ist. Selbstverständlich hatten wir einen groben Plan, was wir sehen und erleben wollten und uns eine Route überlegt, aber wir hatten keinen festen Plan, wodurch wir gegebenenfalls an Orte gebunden gewesen wären. Mit dem Blick auf das Meer aufzuwachen, war auch jedes Mal wieder faszinierend. Vor allem unsere Wildcamping-Spots haben uns besonders gut gefallen. Dort haben wir uns wirklich frei und trotzdem sicher gefühlt. Wir können Costa Rica definitiv weiterempfehlen. Alleine die Flora und Fauna ist unbeschreiblich schön, in Fotos kaum angemessen einzufangen und die Menschen leben wirklich das Motto des Landes „Pura Vida“, sind sehr freundlich und entspannt. Camping in Costa Rica ist zwar nicht extrem verbreitet, aber gut möglich und mithilfe von der App iOverlander und etwas genereller Erfahrung, funktioniert alles wirklich prima. Wir würden auf jeden Fall einen geländetauglichen Camper empfehlen. Außerdem solltet ihr auf genug Durchzug für heiße Nächte und Regenschutz für den Tropenregen achten (daher auch lieber in der Trockenzeit fahren, falls möglich).

Da unser Flug nach Bogotá erst abends um acht Uhr geht, verbrachten wir den Tag am Flughafen. Wir hatten vor, in einer Lounge im Inneren die Zeit zu vertreiben, allerdings durften wir unser Gepäck vor 17 Uhr leider überhaupt nicht aufgeben. Naja, dann verbringen wir die Zeit halt in der großen Check-In Halle. Der Hunger kam allmählich auf und so bestellte Hendrik kurzerhand zwei Pizzen zum Flughafen. Tatsächlich wurden diese ohne Probleme geliefert und am vereinbarten Punkt übergeben. Die Leute waren ziemlich überrascht, dass man das so machen kann. Wir wurden sogar darauf angesprochen, wo wir die Pizza herhaben; den Neid konnte man vielen ansehen. Gut gesättigt konnten so die restlichen Stunden überbrückt werden. Wir checkten schließlich ein und kamen ohne Probleme durch die Sicherheitskontrolle.

Der Flieger hob mit etwas Verspätung ab, holte diese aber im Laufe des Fluges wieder ein. Dadurch, dass wir Premium Economy gebucht hatten, war der Flug ausgesprochen angenehm und komfortabel. Insbesondere für Hendrik, da er nun endlich mal Beinfreiheit genießen konnte. Premium Economy? Haben die Beiden doch noch einen Piratenschatz gefunden und sind auf Gold gestoßen, oder warum können sie sich sowas leisten? Letztlich hatte es einen simplen Grund. Wenn wir normale Economy gebucht hätten, lägen wir etwas weniger als 10 € unter dem Preis von Premium Economy, wenn man die Kosten für die Gepäckaufgabe hinzurechnet. Dadurch entschieden wir uns dann für den Komfort, da die Kosten fast gleich waren und wir somit etwas schwerere Koffer und auch mehr Handgepäck mitnehmen konnten. Im Anflug konnten wir das eine oder andere Feuerwerk in der Ferne sehen, durchaus eine interessante Perspektive.

Genau als wir vor der Sicherheitsbeamtin standen, um unseren Pass gestempelt zu bekommen, brach plötzlich lauter Jubel aus. Es war null Uhr, das neue Jahr war da. In diesem Sinne wünschen wir allen ein schönes und vor allem gesundes neues Jahr! Wir bekamen als allererste das neue Datum in den Pass gestempelt und dann war die Einreise auch schon geschafft. Wir nahmen ein Uber, wo der Fahrer uns berichtete, dass er ziemliches Adrenalin verspürte, durch die Anwesenheit der Taxi-Mafia und der Polizei, die jeweils Uber, insbesondere am Flughafen, nicht gerne sehen. Daher begrüßte er Hendrik mit Vornamen und ließ ihn vorn einsteigen. Es sollte den Anschein erwecken, als wäre man Bekannte. Wir nahmen absichtlich Uber und nicht eines der vielen Taxis, da wir einige Berichte von Entführungen direkt nach dem Flughafen im Taxi gelesen hatten. Nach einer sehr rasanten Fahrt, wir fühlten uns wie in einem Rennauto, erreichten wir sicher unsere Unterkunft. Wir bezogen unser Zimmer im vierzehnten Stock der wirklich schönen Unterkunft und wurden direkt im Fahrstuhl von Party-Gängern begrüßt. Scheinbar steigt im siebzehnten Stock, wo auch das Fitnessstudio und der Pool sein sollen, eine Silvester-Party. Wir waren dafür definitiv zu müde. Nach dem Duschen ging es schnell ins weiche Bett. Endlich mal wieder eine warme Dusche und ein Bett ohne Sand darin.

Sonntag 01.01.: Ein neues Jahr, ein neues Land

Nachdem wir bis nach zwei Uhr wach waren, was aktuell für uns ausgesprochen spät ist, wurden wir dennoch noch vor unserem 9 Uhr Wecker wach. Während Annelie noch eine Videokonferenz mit einem hier ansässigen Arzt hatte, um Klärung bezüglich ihrer Stellen an den Füßen zu bekommen, ging Hendrik auf kleine Erkundungstour. Primäres Ziel war es Geld abzuheben, um Bargeld zu haben und möglicherweise sogar noch eine SIM-Karte zu besorgen. Relativ schnell musste er aber feststellen, dass bis auf Pharmazien und Mini-Märkte quasi alles zu hat. Es ist schließlich auch ein Feiertag. Die Einkaufsstraße mit vielen geschlossenen Läden war gesäumt von vielen zwielichtigen Personen und auch Obdachlosen. So wirklich wohl fühlte man sich da nicht. Allerdings sieht das vermutlich an normalen Tagen durchaus anders aus. Berlin nach Silvester beispielsweise ist auch nicht besonders schön.

Tatsächlich hat man sich hierbei zuerst an einige Straßen von Vancouver erinnert. Dort gab es auch so einige Straßen, die zwar mal sehr schön war, die inzwischen aber doch eher etwas heruntergekommen sind und mit Gestalten gefüllt sind, die man eher meidet. Allerdings war definitiv nicht alles schlecht, beziehungsweise unschön. Hendrik fand schließlich doch noch einen Bankautomaten und konnte dadurch mal kurz 600.000 $ abheben. Allerdings liegt der Umrechnungskurs bei abgerundet 5.000 $ kolumbianischen Pesos zu einem Euro. Die Handyläden waren leider wirklich alle geschlossen und somit müssen wir uns am Montag darum kümmern. Im Anschluss kaufte Hendrik noch etwas Gebäck, Trinken und für Annelie einen Kaffee. Zurück in der Unterkunft war dann kurze Lagebesprechung angesagt.

Der Arzt, mit dem Annelie in Kontakt getreten war, gab ihr eine Adresse von einer Klinik, in der sie eine Labor-Untersuchung ihrer Füße machen sollte, um herauszufinden, ob es nur eine allergische Reaktion oder auch noch eine bakterielle Entzündung ist. Wir nahmen uns ein Uber und fuhren gemeinsam zu der Klinik. Die Fahrt führte uns durch komplett anders strukturierte Wohnviertel, wo es unter anderem sogar Fachwerkhäuser gab. Generell erinnerte die Gegend eher an England. Der Klinikbesuch war ganz schnell erledigt und wir mussten nur noch auf die Ergebnisse warten, die uns zugesandt werden würden. Wir entschieden uns nicht direkt zur Unterkunft zurückzufahren, sondern noch einen Abstecher zur „Basilica Sanctuary of the Fallen Lord and Our Lady of Monserrate“, eine Basilika, hoch oben auf dem Berg Monserrate. Sowohl die Basilika, als auch die Seilbahn, die hinaufführt, haben wir von unserem Appartment aus schon beobachten können.

Wir waren sehr überrascht, wie voll es dort war, als wir an der Talstation ankamen, nachdem die restlichen Straßen Bogotas bisher eher leer waren. Eine lange Schlange tummelte sich vor dem Ticketschalter. Nun waren wir aber einmal hier, also stellten wir uns natürlich auch an. Scheinbar hatten wir mit dem ersten Sonntag des Jahres einen besonders vollen Tag erwischt, weshalb wir beinahe 1.5h in der Ticketschlange warteten. Wer schneller sein möchte, kann sich ein Online Ticket oder ein Fast-Lane Ticket besorgen. Irgendwann hatten wir es geschafft und wir stiegen in die Seilbahn ein, welche uns in rasantem Tempo hinauf auf 3200 m brachte. Als wir ausstiegen, wurde uns erst mal ein wenig duselig und das Herz raste nach den paar gestiegenen Treppenstufen. Solche Höhen sind unser Tieflandkörper nicht gewohnt. Wir schnauften erst mal ein paar Mal durch, bevor wir uns auf Erkundungstour begaben. Leider zogen so langsam die Wolken über die Stadt hinein, weshalb der Blick ein wenig diesig war. Trotzdem erschien uns der Ausblick gigantisch. Bis zum Horizont erstreckte sich vor uns die Hauptstadt Kolumbiens. Unter uns reihte sich Haus an Haus, Wolkenkratzer an Wolkenkratzer. Und hinter uns türmten sich die hohen, dunklen Berge auf. Ein wunderschöner Anblick.

Wir schlenderten durch eine Art Marktgasse, in welcher es einfache Restaurants und Stände mit lokalem Essen gab. Hendrik musste bei den guten Gerüchen natürlich wenigstens mal probieren und so bestellten wir uns eines der Gerichte. Aufgrund unserer nicht vorhandenen Spanisch-Kenntnisse war alles, was wir von dem Gericht verstanden: „BBQ“. Am Ende bekamen wir einen Teller gefüllt mit Reis, Salat, Avocado, einem Maisfladen und sehr leckerem und zarten Fleisch. Das Fleisch überzeugte auf ganzer Linie, der Rest war eher so mittelmäßig. Gerade als wir fertig waren, begann der Regen auf die Wellbleche zu prasseln. Da es aber schon recht spät war und wir noch einiges zu tun hatten, konnten wir nicht abwarten, bis der Regen vorbeizieht, sondern mussten im Regen im Schnellschritt zur Seilbahn laufen. Diesmal ging es aber gar nicht mit der Seilbahn nach unten, sondern mit einem Cable Car. Durch den Regen und die beschlagenen Scheiben, hatten wir leider keine Sicht, die Fahrt war trotzdem ein kleines Erlebnis. Rundherum war es ein gelungener Ausflug, den wir gern weiterempfehlen. Wir konnten an diesem Nachmittag ein klein wenig in Kolumbien, seine Menschen und seine Hauptstadt hineinschnuppern. Wir sind gespannt, was uns die nächsten Wochen erwartet. Es wird auf jeden Fall ein unvergessliches Abenteuer. 

2 Kommentare zu „22. Woche 26.12.-01.01. Puerto Jiménez, Uvita & Bogotá

  1. Karinoma, wenn bei mir am Zaun ein Buntspecht sitzt, freue ich mich schon, abre diese herrlichen bunten Vögel bei eurer Reise sind eine Pracht.Ich habe heute mal über Mail den Bericht von der 22. Woche gelesen,Über Blog war es nicht möglich da kam nochmal der vorherige Bericht.

    Like

  2. Bravo, ihr entwickelt euch ja zu Profitierfotografen. Schon in eurem letzten Blog waren die Bilder phantastisch anzusehen. Ich freue mich auch immer wieder über die detailgetreuen mit vielen Adjektiven gespickten Erzählungen. Bitte weiter so.
    Ich hoffe Anni, mit deinen Füssen ist nichts ernstes, nicht noch einmal. Da hast du schon mal sehr lange leiden müssen, weil die Wunde nicht heilen wollte.
    Ich wünsche euch für eure letzte Reisestation viel Spass und weiterhin so tolle Erlebnisse.
    Seit ganz lieb gegrüßt.

    Like

Hinterlasse einen Kommentar