Montag 28.11.: Eine verkürzte Walking Tour

Mérida gilt als eine der wärmsten Städte Mexikos. Das bekamen wir auch den Tag über zu spüren. Generell sind tagsüber wenige Menschen unterwegs, erst abends, wenn es kühler wird, kehrt das Leben zurück auf die Straßen. Allerdings ist es selbst abends noch wirklich warm und auch generell recht feucht die Luft. Hinzu kommt, dass quasi kein Lüftchen weht. Trotzdem ist es eine sehr interessante Stadt. Dies bekamen wir auch mit, als wir am Abend bei einer Free-Walking-Tour teilnahmen. Wir hatten einen wirklich sehr coolen und witzigen Guide. Er war sehr offen und sprach voller Leidenschaft über die Stadt und die Historie. Wie er später erzählte, lebt seine Familie seit über 1400 Jahren in Yucatan und in der Gegend von Mérida. Man kann also durchaus sagen, dass wir eine Tour von einem Einheimischen bekamen.

Die Stadt besitzt verschiedene architektonische Akzente. Neben dem offensichtlich kolonialen Einfluss, gibt es auch orientalische Einflüsse und auch spät-europäische Einflüsse, die man in den Fassaden wiedererkennen kann. In der Stadt von Mérida standen einst fünf Maya Pyramiden. Die letzte und größte, mit einem Ausmaß von drei Blocks (300m) Länge, wurde zu Beginn des 19.ten Jahrhunderts von den Spaniern zerstört. Aus dem Stein der Pyramiden wurden dann wiederum in erster Linie Kirchen errichtet. Mérida besteht seit fast 500 Jahren als Stadt, wie man sie seither kennt. Die Kirchen wurden von der Kolonialmacht errichtet, damit die Bevölkerung möglichst schnell die Anpassung an die neue Herrschaft anerkennt. Allerdings waren die Spanier sehr enttäuscht von der Gegend, da es hier weder Gold noch Silber oder ähnliches gab. Mit dem Handel von Seilen, gefertigt aus den Fasern der Blätter von Agaven, gelangten dann einige wenige Familien der Stadt zu enormen Wohlstand. Da diese Familien dann vor allem Europa bereisten und von deren Architektur begeistert waren, begannen sie damit, beispielsweise eine Oper im Wiener Stil nachzubauen.

Wir zogen mit dem Guide und der Gruppe Touristen, die hauptsächlich aus Europäern in unserem Alter bestand, weiter durch die Straßen. Es war inzwischen dunkel geworden und gerade, als wir vor einer der Kirchen standen, fing es an zu regnen. Wir schafften es noch gerade rechtzeitig, einen Unterschlupf zu finden, ehe der Regen so richtig loslegte. Dort verweilten wir eine gute Dreiviertelstunde, allerdings blieb die erhoffte Wetterbesserung aus. In der Zwischenzeit erzählte der Guide noch die ein oder andere Geschichte und gab uns Empfehlungen, was wir an Essen und Getränken in der Gegend noch ausprobieren sollten. Nachdem es nicht besser zu werden schien, entschied die Gruppe, dass ein Fortfahren der Tour leider nicht sinnvoll ist. Somit bedankten wir uns beim Guide, gaben ihm Trinkgeld und jeder machte sich auf seinen Weg. Wir liefen noch zu einem Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten noch zu besorgen.

Im Anschluss wollten wir mit dem Uber nach Hause fahren, um dem Regen zu entgehen, allerdings war gerade Rushhour und kein Auto zu bekommen. Der Regen hatte etwas nachgelassen, wodurch wir uns für den Fußweg entschieden. Eigentlich war das auch nicht so schwierig, wir waren nur zwei Blocks von der Straße entfernt, der wir komplett bis zu unserer Unterkunft folgen konnten, doch die Praxis sah etwas anders aus als die Theorie. Durch den Regen, und die scheinbar schlichtweg nicht vorhandenen Abwassersysteme, staute sich das Wasser in den Straßen und insbesondere an den Kreuzungen. Dadurch war ein einfaches geradeaus nicht so wirklich einfach. Wir liefen eher im Schlangen-Stil, immer mal wieder zwei Blocks in die falsche Richtung, um dann eine Straße überqueren zu können, um dann wieder einen Block in die andere Richtung zu laufen, um wieder einen Block in Richtung unserer Unterkunft zu schaffen. Mit Gummistiefeln wäre das alles kein Problem gewesen. Man hätte einfach die Kreuzungen überqueren können und wäre durch das Wasser gelaufen. Mit normalem Schuhwerk war das allerdings nicht so einfach, wenn man diese trocken nach Hause bringen wollte. Weiße Leinenschuhe erwiesen sich hier als nicht wirklich praktisches Schuhwerk. Es war abenteuerlich und fühlte sich teilweise wie ein Parkour-Computerspiel an. Wir schafften es schließlich, mit einigermaßen trockenen Füßen, und ohne komplett von Autos mit Wasser bespritzt worden zu sein, nach Hause. Wir kochten uns dann noch etwas, ehe wir uns schlafen legten.
Dienstag 29.11.: Unspektakulärer Dienstag

Den Tag verbrachten wir relativ unspektakulär. Wir brachten mal wieder unsere dreckige Wäsche zu einer Wäscherei, damit wir wieder mit einigermaßen sauberen Sachen uns kleiden können. Viele der T-Shirts sind leider im Laufe der Zeit etwas eingelaufen, vergilbt, mit Flecken, die bei solchen normalen Waschgängen nicht mehr herausgehen, oder mit kleineren Löchern versehen. Auch wenn das zum Teil sicherlich etwas schade ist, haben wir damit grundsätzlich durchaus gerechnet, wodurch wir generell nicht unbedingt die absoluten Lieblingsklamotten eingepackt haben, sondern stets Klamotten an denen man nicht unbedingt hängt. Das würden wir auch jedem weiterempfehlen, der eine solch lange Tour macht. Nehmt insbesondere Sachen mit, die kaputtgehen können oder sonst wie Schaden nehmen können. Dann ärgert man sich nicht so über so etwas. Den restlichen Tag verbrachten wir viel mit der weiteren Reiseplanung.
Mittwoch 30.11.: Ausflug nach Uxmal

Nach dem entspannten Dienstag stand am Mittwoch wieder ein Ausflug an. Wir wollten eine der berühmten Pyramiden in Yucatan besuchen. Mit dem Bus fuhren wir entspannt vom ADO Busterminal nach Uxmal (10 € p.P Hin und Zurück). Leider gibt es nur recht wenige Busse, die von Mérida nach Uxmal fahren (9,12,15 Uhr) und auch nur einen bis zwei Busse, die wieder zurückfahren (15 und 17 Uhr). Daher ist man ungünstigerweise relativ beschränkt in der Buswahl. Wir nahmen also den Bus um 9 Uhr und waren 10:30 Uhr in Uxmal. Nach einem kurzen Fußweg kamen wir an den Pyramiden an. Der Eintrittspreis lag mit 25 € p.P. etwas höher als bei den anderen Pyramiden, die wir bisher besucht hatten. Die Anlage besteht aus zwei Pyramiden sowie einem Palast, dem sogenannten Nonnenkloster (von den Spaniern benannt) und einem Ballspielplatz. Die Anlage ist sehr gut erhalten und restauriert, weshalb man hier sehr einfach in das ursprüngliche Leben eintauchen kann. Vor allem die Vielfalt der Baustile und Verzierungen hat uns hier sehr gut gefallen. Wir liefen durch die Ruinen und die Teile, die rekonstruiert wurden und staunten immer wieder über die schönen Steinkunstwerke, die in die Gebäude verarbeitet wurden. Durch die grünen Wiesen, in Kombination mit der Sonne und dem blauen Himmel, sehen solche Stätten natürlich immer besonders toll aus. Wir entdeckten auch, dass einige Teile der Anlage nicht begehbar waren, da dort noch aktive Ausgrabungen und Rekonstruktionen stattfinden. Es ist immer wieder beeindruckend, was für Monumente vor vielen Hundert Jahren errichtet worden.

Leider ist es momentan nicht mehr möglich die Pyramiden zu besteigen, dies war wohl vor einigen Jahren noch ein Highlight des Besuches. Wir benötigten knapp 1.5h, um die Anlage gemütlich zu erkunden. Danach blieb uns noch sehr viel Zeit, bis unser Bus zurück nach Mérida kommen würde. Der Ort Uxmal besteht aus den Pyramiden, einem Hotel und einem Restaurant. Somit waren die Möglichkeiten unsere Zeit zu vertreiben sehr beschränkt. Also hieß es warten. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen, da die Sonne mal wieder mit voller Kraft schien und vertrieben uns die Zeit. Auch wenn die Busse nach Fahrplänen fahren, ist die Abfahrtszeit relativ variabel. So kam unser Bus ca. 30min später als erwartet (Schwankungen von 1h sind hier normal). Ursprünglich hatten wir geplant, nochmal einen Stadtspaziergang zu machen. Da wir aber noch unsere Wäsche abholen mussten und uns der Tag etwas k.o. gemacht hatte, entschieden wir uns, direkt zurück zu unserer Unterkunft zu fahren. Wir kochten uns ein leckeres Abendessen und verbrachten einen entspannten Abend. Kurz nachdem wir zu Hause waren, setzte auch der Regen ein. Die Entscheidung gegen einen Stadtspaziergang war also gar nicht so doof gewesen.
















Donnerstag 1.12.: Weiterreise nach Valladolid

Wir verlassen die schöne Stadt Mérida, um nach Valladolid aufzubrechen. Nach einem leckeren Frühstück mit Ei, Bacon, Früchten und einem Smoothie, packten wir unsere Sachen und verließen die Unterkunft. Gefühlt werden unsere Rucksäcke jedes Mal etwas kleiner und die Sachen, die wir mithaben immer mehr. Wir wissen natürlich, dass das beides nicht unbedingt der Fall ist. Wir stiegen in ein Uber und ließen uns zum Busterminal fahren. Dort konnten wir nach einer kurzen Wartezeit auch schon in unseren Bus steigen. Statt eines normalen Reisebusses gab es für uns heute nur einen Kleinbus, mit dem wir sonst eher zu Ausflügen fahren. Sechzehn Personen fasst der Bus und ist natürlich bis auf jeden Sitz ausgebucht. Es gibt zwar eine funktionierende Klimaanlage, allerdings schaffte diese nicht, die Luft ausreichend zu kühlen, wenn sechzehn Passagiere im Bus sitzen und schwitzen. Somit war es relativ schnell, ziemlich warm und stickig im Bus, noch dazu hatten wir wenig Platz. Egal, sind ja „nur“ zweieinhalb Stunden. Kopfhörer rein und losgeht die Fahrt. Über die ruppigen Straßen Mexikos, mit den vielen anstrengenden Speed-Bumps, fahren wir rasant durchs Land. Um kurz nach 15 Uhr erreichen wir die kleine Stadt Valladolid. Wir schultern unsere Rucksäcke, nehmen unsere Handgepäck-Rucksäcke vor die Brust und jeder schnappt sich einen Beutel, dann geht der Marsch zur Unterkunft auch schon los. So langsam und anstrengend vergehen die Meter und Minuten sonst nur auf den letzten Kilometern von Langstreckenläufen.

Wir schafften es zu unserer Unterkunft und kamen erschöpft und durchgeschwitzt bei einem schönen kleinen Appartment mit tollem grünen Innenhof an. Erstmal wurde geduscht und die Klimaanlage angeworfen. Nach einer kleinen Erholungsphase ging es zum lokalen Supermarkt, um sowohl das Frühstück und Abendessen der kommenden Tage zu sichern, als auch um ausreichend Trinken zu kaufen. In Mexiko wird schließlich generell dazu geraten, das Leitungswasser nicht zu trinken. Selbst die Lokals machen das meist nicht und das wollen wir dann erst recht nicht probieren. Was wir immer besonders witzig und interessant finden ist, dass Nutella oftmals, wie in Deutschland die hochprozentigen Getränke, weggesperrt sind. Da es bereits dunkel war, als wir vom Einkaufsladen zurückkamen, wird die Stadt erst am kommenden Tag erkundet. Wir kochten uns ein leckeres Nudel-Gericht und schauten uns gemeinsam das Donnerstagabend American-Football-Spiel an.
Freitag 2.12.: ein entspannter Tag in Valladolid

Wir haben in Merida erkannt, dass ein paar Tage Nichts-Tun uns sehr guttun. Also hatten wir schon vorher beschlossen, dass auch der Freitag ein „Frei“-Tag sein sollte. Wir hatten auch so genug zu tun. Blog schreiben, Fotos sortieren, Arbeiten, Reise planen. Gegen späten Mittag ging es dann zur Erkundung der Stadt Valladolid. Die kleine Stadt gefällt uns ausgesprochen gut, da sie zwar lebhaft ist, aber nicht unbedingt touristisch total überlaufen. Man entdeckt auch hier wieder die diversen baulichen Einflüsse. Besonders toll finden wir auch hier wieder die Hinterhöfe, die man zum Teil entdeckt. In einer ehemaligen Kirche fanden wir zufälligerweise eine kleine Ausstellung, in der auch das aktuelle Stadtbild der Straßen rund um die Kathedrale der Stadt modelliert wurde. Hier sieht man deutlich, dass die ganzen Straßenzüge zwar durch Häuser eng bebaut sind, diese wiederum aber fast alle große Hinterhöfe besitzen, in denen dann Gärten und der Gleichen zu finden sind.

Die Stadt, beziehungsweise der Stadtkern war relativ schnell erkundet und bald waren wir jede Gasse einmal abgelaufen. Im Anschluss setzten wir uns mit einer leckeren Kugel Eis auf eine Bank auf dem Platz vor der Kathedrale und genossen die Atmosphäre. Wir haben mal wieder ziemlich Glück mit dem Wetter und freuen uns über die warmen, sonnigen Tage. Allerdings kommt man dabei auch wirklich schnell ins Schwitzen, wodurch man sich über klimatisierte Räume hin und wieder durchaus freut. Wir streiften noch etwas durch die Straßen, ehe wir uns auf den Rückweg zu unserer Unterkunft begaben. Wir kochten mal wieder selber, ließen den Tag gemütlich ausklingen und gingen etwas früher als sonst ins Bett.
Samstag 3.12.: Ausflug nach Chichén Itzá

Heute sollte es zu einer der berühmtesten Stätten des ehemaligen Maya-Reichs gehen. Mitunter der Hauptgrund, warum wir überhaupt nach Valladolid gefahren sind, ist die Nähe zu Chichén Itzá. Um kurz vor sechs Uhr klingelte der Wecker und wir standen etwas zerknirscht auf. Wir verließen die Unterkunft um kurz vor sieben und begaben uns auf den Weg in Richtung des Bus-Terminals. Doch statt mit einem ADO-Bus wie sonst zu fahren, entschieden wir uns für ein „Colectivo“. Das ist quasi ein Gemeinschaftstaxi. Hiermit kostete die Dreiviertelstunden lange Fahrt nur 4 € pro Person für Hin- und Zurück. Somit kostete es nur ein Viertel von dem, was wir mit der großen ADO-Busgesellschaft bezahlt hätten. Wir stiegen in den vollbesetzten Kleinbus und losging die Fahrt. Um kurz nach acht Uhr kamen wir bei der archäologischen Ausgrabungsstätte von Chichén Itzá an. Da das Ganze um 8 Uhr öffnet, gehörten wir zu den ersten Besuchern. Genau so wollten wir es haben, da es dann noch nicht so voll und somit schöner sein soll.

Unsere kleine Gruppe von Personen aus dem Colectivo wurde direkt von einem Guide begrüßt, der uns erstmal erklärte, wo wir später wieder abgeholt werden können, wo die Kassen sind, und einige weitere Details, ehe er seine Tour anbot. Zusammen mit insgesamt sechs weiteren ließen wir uns zu der Tour überreden, um mehr Informationen zu diesem berühmten Ort bekommen zu können. Wir kauften zunächst die Tickets, die mit 27 €/p.P ähnlich teuer wie in Uxmal waren. Dann ging die Tour los. Zunächst liefen wir an der eigentlichen Attraktion, der großen Pyramide von Chichén Itzá vorbei. Es ging zu einer Cenote. Unser Guide klärte uns über die Entstehung und das frühere Aussehen dieser auf. Früher hatten die meisten Cenoten noch ein natürliches Dach, welches mit der Zeit allerdings meist einstürzte, wodurch oftmals nur noch die (Wasser-)Löcher zurückbleiben. Zudem hatten die Cenoten zu Zeiten der Maya eine besondere symbolische Bedeutung. Ihrem Glauben nach, lebte in ihnen der Gott des Regens und der Fruchtbarkeit, schließlich befand sich viel Wasser in den Cenoten. Aus diesem Grund wurden regelmäßig Opfer, auch Menschenopfer, dem Gott erbracht, in dem lebende Menschen in die Cenoten geworfen wurden. Aus diesem Grund befanden sich auch oftmals Tempel entweder direkt an der Cenote, oder in der Nähe. Hierbei sei aber vermerkt, dass nur wenige der über 5.000 Cenoten in Yucatan für Opferungen genutzt wurden.

Im Anschluss liefen wir zu einer Nachbildung einer Maya-Hütte, wie sie früher die Bewohner hatten. Interessanterweise war die archäologische Stätte von Chichén Itzá noch bis vor weniger als dreißig Jahren dicht besiedelt mit solchen Hütten, in denen Einheimische lebten. Die Stadt und auch Straßen verliefen direkt an den Ruinen vorbei. Allerdings änderte sich das mit Beginn der Ausgrabungen, und die Häuser wurden abgerissen. Diese bestanden grundsätzlich aus Holz, Kalkstein und einem Blätterdach. Selbst unser Guide lebte als Kind noch in einer solchen Hütte.

Wir liefen weiter und standen endlich vor der großen Pyramide. Die Fakten und Geschichten, die er uns dazu erzählte waren wirklich spannend und man wäre ohne Guide definitiv nicht darauf gekommen. Beispielsweise spiegelt sich der Maya-Kalender komplett in der Pyramide wider. Es gibt unter anderem 91 Stufen, an jeweils vier Seiten, die mit der letzten gemeinsamen Stufe zur oberen Plattform zusammen, 365 ergibt. Jede Seite steht für eine Jahreszeit. Dass die Maya sehr präzise mit ihren Kalendern waren, auch wenn diese sich leicht von dem heutigen differenziert, war uns bewusst, dass sie aber den Kalender komplett in die Pyramide eingebaut haben, hätten wir nicht gedacht. Zusätzlich zu den Stufen gibt es noch diverse weitere Merkmale, die beispielsweise die Monate darstellen. Zusätzlich sind die Treppen mit riesigen Schlangen verziert. Im Gegensatz zum Christentum, welches die Spanier später einführten, war die Schlange bei den Maya heilig und ein positives Zeichen. Die Pyramide ist nicht mit den Seiten in die Himmelsrichtungen ausgerichtet, da sie so angelegt wurde, dass zweimal im Jahr die Sonne so steht, dass die Schlangen durch die Schatten besonders markant sind. Zusätzlich liegt eine Seite komplett im Schatten, während die andere Seite perfekt in der Sonne ist. Diese Tage markieren die Zeitpunkte zum aussähen beziehungsweise ernten der Felder. Die Pyramide diente nämlich auch als landwirtschaftlicher Kalender.

Doch am meisten erstaunt waren wir über die Bauweise in Bezug auf die Akustik. Generell ist die Pyramide, sowie eine nahegelegene Anlage so gebaut, dass sie die Akustik perfekt wiedergibt, ein Echo entsteht und Töne sogar noch verstärkt werden. Dies nutzten die Herrscher bei ihren Ansprachen vor dem Volk. Megafon oder Mikrofon gab es schließlich noch nicht. Wenn man klatschte oder etwas laut rief, wurde es mit einem lauten Echo zurückgeworfen. Doch eine Seite der Pyramide war besonders, wenn man hier in die Hände klatschte, wurde auch ein Sound zurückgeworfen. Allerdings hörte man das Geräusch eines einheimischen, und bei den Maya heiligen, Vogels. Dies funktionierte nur auf einer Seite, dafür aber auch immer und der Klang war sehr deutlich. Das war wirklich zutiefst beeindruckend, dass solche Besonderheiten in diesen Bau eingeflossen sind. Im Anschluss ging es noch zu einem Teil der Anlage, wo früher ein Ballspiel gespielt wurde. Die Wände waren mit interessanten Bildern, die in den Stein gehauen wurden, geschmückt. So eine Arena für den gleichen Sport hatten wir bereits in Uxmal gesehen. Allerdings erfuhren wir, dass mit diesem Spiel zum Teil auch die Menschenopfer ausgewählt wurden. Ganz sicher ist man nicht, wie die Regeln waren, oder wer dann geopfert wurde, ob Gewinner oder Verlierer. Nach anderthalb Stunden endete die Tour und wir erkundeten auf eigene Faust die restlichen Teile der Stätte und gingen auch nochmal zu den besonders interessanten Orten.

Unter anderem gibt es dort auch ein Observatorium, zumindest wird es so genannt, welches große Ähnlichkeit mit heutigen Observatorien aufweist. Allerdings konnte nicht zu einhundert Prozent bestätigt werden, dass es wirklich eines ist, wobei viele Indizien darauf hindeuten. Wir waren wirklich begeistert von diesem Ort. Der Besuch hat sich definitiv gelohnt. Vor allem hat es sich auch gelohnt, dass wir so früh dort waren, da es später immer voller wurde, insbesondere durch die vielen Reisebusse. Doch morgens ist es noch angenehm leer. Wir schlenderten noch über die Ausgrabungsstätte und kauften uns eines der wenigen Souvenirs, die wir über die Reise gesammelt haben. Eine Maske aus Holz. Wir dachten zunächst, es wären Massenanfertigungen, möglicherweise gar China-Ware, sahen dann aber überall, wie die Verkäufer diese Masken selber schnitzten. Das fanden wir wirklich toll und kauften somit ein Andenken. Im Anschluss verließen wir die Ruinen, nahmen aber nicht sofort das nächste Colectivo. Erstmal hatte sich der Hunger breit gemacht und wir liefen ein kurzes Stück zu einem kleinen Restaurant. Neben einer kalten Cola gab es auch ein leckeres Mittagessen. Das Gericht, welches uns der Guide aus Mérida empfohlen hatte. Schweinefleisch, welches mariniert wird und dann in Bananenblätter gewickelt und in einem Erdloch mit Glut überhäuft wird. Dort gart es dann für einige Stunden und es entsteht ein super leckeres Gericht, welches sehr an pulled Pork erinnert. Dazu gab es Tortillas, Reis, Bohnen und etwas scharfe Salsa. Hendrik war begeistert.
Wie das so ist bei solchen kleineren Restaurants, entweder man hat wirklich Glück, bekommt super leckeres Essen zu einem günstigen Preis, welches einfach authentisch ist und schmeckt, oder quasi das genaue Gegenteil. Das Essen ist schlecht, möglicherweise wird man noch krank und es ist keine gute Erfahrung. Hier hatten wir Glück und ersteres war der Fall. Im Anschluss ging es zurück zum Eingang zu den Maya-Ruinen, wo das Colectivo abfahren sollte. Das nächste kam auch schon nach 15 Minuten und wir fuhren zurück nach Valladolid. Inzwischen war es 16 Uhr und wir gingen somit nach einem tollen Ausflug zurück zur Unterkunft. Während Hendrik die ganzen Informationen mit einem kleinen Schläfchen verdaute, schaute Annelie noch eine Serie. Dann machten wir uns noch Nudeln, ehe der Tag auch schon wieder rum war.
Sonntag 4.12.: Weiterreise nach Holbox

Mit einer Insel hat unsere Zeit in Yucatan angefangen, mit einer Insel soll die Reise auf der Halbinsel auch wieder enden. Wir packten unsere Sachen nach dem Frühstück und verließen die Unterkunft. Nach einem zwanzigminütigen Marsch erreichten wir komplett durchgeschwitzt das Busterminal. Wir waren früh dran und hatten somit noch etwas mehr als eine halbe Stunde zum Akklimatisieren. Dann wurde unser Bus aufgerufen und luden unsere großen Rucksäcke in den Bus, ehe wir selber einstiegen. Die Fahrt dauerte drei Stunden und wir durchquerten mal wieder eine Zeitzone. Jetzt sind wir wieder auf sechs Stunden an Deutschland dran. Der Bus fuhr Straßen entlang, wo man immer wieder erstaunt ist, dass der Bus da lang passt oder lang fahren kann, und gleichzeitig von den Fähigkeiten der Busfahrer beeindruckt ist. Wir erreichten schließlich Chiquilá, ein winziges Dorf, von wo alle Fähren zu der Insel Holbox ablegen. Wir kauften uns Fährtickets (10 €/p.P. pro Fahrt) und gingen zu unserer Fähre. Ohne weitere Wartezeit wurden die Passagiere auf die Fähre gelassen und nach ungefähr einer Viertelstunde ging die Fahrt los. Das Wasser ist hier aktuell ziemlich grün und nicht so gewohnt klar und blau wie andernorts. Wir hoffen, dass es auf der anderen Seite der Insel, wo der Strand ist, besser ist.

Wir erreichten die Holbox schließlich um kurz vor fünf, gingen von Bord und machten uns direkt auf den Weg in Richtung unserer Unterkunft. Diese liegt nur 500 Meter vom Fährterminal entfernt, mitten im Kern vom Ort auf Holbox. Wir luden unsere Sachen ab, akklimatisierten kurz und machten uns dann auf Nahrungssuche. Wir liefen durch den kleinen Ort, mit vielen hübschen Läden und Restaurants, und entschieden uns schließlich für eines. Dort gab es für uns Burritos und Burger. Man spürt direkt, dass diese Insel sehr anders ist als Isla Mujeres, wo wir am Anfang waren. Es ist hier deutlich ruhiger, familiärer und gehobener. Die Restaurants sind sowohl vom Ambiente, als auch vom Preis ebenfalls gehobener. Das soll aber nicht bedeuten, dass nichts los ist, ganz im Gegenteil, die Straßen sind voll mit Menschen. Allerdings im angenehmen Maß und weniger reines Party- und Saufvolk und mehr Familien. Auf der Insel wird sich wieder vorzugsweise mit Golf-Karts fortbewegt, oder natürlich auch mit Rollern, beziehungsweise Dirt-Bikes. Autos gibt es fast gar keine. Hier sind sogar die Taxis, Golf-Karts. Wir sind gespannt auf die kommenden Tage auf der Insel und somit unseren Abschluss von Mexico.





































