15. Woche 07.11.-13.11. Oaxaca, San Cristóbal & Cancún

Montag 07.11.: Pyramiden von Monte Alban und ein Nachtbus

Am Montag entschieden wir uns für einen Ausflug. Nur 30 Minuten von Oaxaca entfernt liegen die Monte Alban Pyramiden. Die einstige Hauptstadt der Zapoteken. Da wir bereits aus unserer Unterkunft auschecken mussten, organisierten wir über Airkeep eine Gepäckaufbewahrung in einem Hotel (7€/Gepäckstück). Danach machten wir uns auf den Weg zu einem Shuttle-Service welcher uns in 20 Minuten zu den Pyramiden fahren würde. Alternativ kann man natürlich auch mit dem Taxi oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Pyramiden gelangen. Bei letzterer Option muss man wohl noch ein ganzes Stück zu den Pyramiden laufen, was wir uns bei den hohen Temperaturen und vielen Höhenmetern gern gespart haben. Hendrik kaufte sich noch einen Hut, um Sonnenbrand auf der Kopfhaut zu entgehen, und schon waren wir bereit für die Erkundung.

Wir besuchten die Pyramiden am Nachmittag und waren beinah die einzigen Besucher. Bei perfektem Nachmittagslicht genossen wir zuerst eine tolle Aussicht über Oaxaca, bevor wir gemütlich durch die Anlage schlenderten. Es war sogar möglich, auf einige Pyramiden zu steigen, wodurch uns die Ausmaße der Anlage erst richtig bewusst wurden. Bereits 8 v. Chr. siedelten sich hier die ersten Menschen an. Gut ein halbes Jahrtausend später erlebte die Stätte ihren kulturellen Höhepunkt. Auf einigen Hinweisschildern konnten wir auch Informationen zur Geschichte der Pyramiden und vermutlichen Bedeutung der Wandgestaltungen finden. Wir verbrachten gut 1.5 Stunden bei dem UNESCO-Weltkulturerbe, bevor uns der Shuttle wieder zurück in den Ort brachte.

So viel Geschichte und Sightseeing macht hungrig, weshalb es an der Zeit für Abendessen war. Oaxaca hat sehr viele, sehr schöne und hochwertige Restaurants, doch das lässt sich mittlerweile auch im Preis sehen. In den letzten drei Jahren haben sich die Preise in einigen Restaurants beinahe verdoppelt, weshalb wir uns für ein einfaches Tacco-Restaurant entschieden. Endlich gab es hier auch mal eine vegetarische Tacovariante und für Hendrik eine bunte Mischung aus mexikanischen Spezialitäten. Zum Nachtisch gab es dann noch eine Waffel vom Straßenkiosk und gut gestärkt machten wir uns auf den Weg unser Gepäck abzuholen.

Mit unseren je 35-40 kg ging es dann nochmal quer durch die schmalen Gassen Oaxacas bis zum 10 Minuten entfernten Busbahnhof. Wir hatten uns aufgrund der Länge der Busfahrt nach San Cristóbal de las Casas für einen Nachtbus entschieden. Leider gab es keinen Premiumbus (Ado Glamour) mehr auf dieser Strecke, weshalb wir vorlieb mit dem normalen OCC-Bus nehmen mussten. Der einzig wirklich bemerkbare Unterschied war die Bustoilette, welche im Gegensatz zu den höherklassigen Bussen von Männern und Frauen geteilt wird. Trotz brutalsten Kurven bei sehr rasanter Fahrweise versuchten die Männer die Toilette im Stehen zu treffen. Wie das ausgeht bzw. die Toilette nach einigen Stunden aussah, kann sich wohl jeder denken… Die besagte Fahrweise und Strecke machten es uns auch unmöglich einen der vorher heruntergeladenen Filme zu gucken, ohne unser leckeres Abendessen wieder nach oben zu befördern. Also hilft nur Augen zu und durch. Schließlich war ja eh Nacht und wir wollten schlafen. Den erhofften erholsamen Schlaf bekamen wir in dieser Nacht leider nicht.

Dienstag 08.11.:  San Cristóbal de las Casas

Sehr müde kamen wir also um 8 Uhr am Busbahnhof in San Cristóbal de las Casas an. Trotzdem waren wir noch voll motiviert die 20 Minuten (nach kurzem Verlaufen eher 30Min) zu unserer Unterkunft zu gehen. So bekamen wir zumindest schon mal einen ersten Eindruck der Stadt. Vor allem die vielen Hügel sind im Gedächtnis geblieben. Ein bisschen Sport haben wir also für den Tag auch abgehakt.
Wir übernachteten in San Cristóbal im Casa Tequio. Ein kleines, hübsches Hostel im Norden des Zentrums. Unser Zimmer versteckte sich ziemlich originell hinter einer Geheimtür im Bücherschrank. Blöderweise haben wir jedoch bei der Buchung übersehen, dass es sich bei dem Zimmer um ein Dachbodenzimmer mit Dachschrägen und einer maximalen Höhe von 1.65 m handelt, mit Gemeinschaftsbad. Auch das Wlan funktionierte nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. In Kombination mit Schlafmangel und Erschöpfung ergab das eine gute Mischung an Enttäuschung. (Nach einer Nacht sah das schon ganz anders aus). Den Tag verbrachten wir hauptsächlich damit, den Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Wirklich effektiv konnten wir also den Nachtbus nicht nutzen. Vor allem Annelie hatte mit dem Schlafmangel zu kämpfen und war froh, dass wir uns bereits zuvor bewusst gegen weitere Nachtbusse entschieden hatten.

Am Abend schlenderten wir noch gemütlich durch die Straßen der kleinen Stadt. Überall bieten Händler:innen ihre Waren an, darunter leider auch viele bettelnde Kinder. Auch wenn die Stadt einen anderen Flair hat als Oaxaca und die Armut der Menschen hier noch ein bisschen deutlicher zu spüren war, fanden wir das Stadtbild des Zentrums sehr hübsch. Das Restaurant für unser Abendessen hatten wir auf einem anderen Blog gefunden. Italienisch sollte es werden. Spätestens als wir dann im Restaurant sahen, dass der Holzofen vornehmlich mit Pappe und nicht mit Holz geheizt wurde, war uns eigentlich klar, dass wir die Restaurantempfehlungen dieses Blogs nicht mehr befolgen würden.

Mittwoch 09.11.: San Cristóbal de las Casas

Am Mittwoch wollten wir uns Zeit nehmen, die Stadt bei Tageslicht zu erkunden. Nach einem kleinen Frühstück im Hostel ging es also los in die Gassen der Stadt. Mehr aus Zufall schlossen wir uns einer Free Walking Tour, einer spenden basierten Sightseeing-Tour von Einheimischen, an. Diese war sogar auf Englisch. Auch wenn wir nicht alle Hintergründe verstanden, unter anderem, da wir erst später hinzukamen, konnten wir viele spannende Informationen über die Stadt und den Bundesstaat Chiapas erfahren. Der Guide versuchte uns zu erklären, woher die Probleme des sehr armen Bundesstaates kommen und wieso es Proteste und Gewalt in der Region gibt. Ein Zusammenspiel aus Unterdrückung, Korruption und Ignoranz führt(e) zu großem Konfliktpotential, welches in den letzten Jahren versucht wird zu reduzieren. Letztendlich geht es darum, dass die Menschen unterschiedlichster Kulturen, welche hier alle gemeinsam in diesem Bundesstaat leben, gehört werden wollen und müssen. Und dass es nicht sein kann und darf, dass riesige Weltkonzerne Grundwasser und Umwelt verseuchen, ihr Zuckergetränk als heilig anpreisen und dann nicht mal mehr Steuern zahlen.

Am meisten im Kopf geblieben ist uns wohl die Tour über einen der Märkte. Zuerst ging es durch kleinste Gassen mit lauter Ständen voller Kerzen und anderer religiös behafteter Waren. Anschließend kamen wir in eine große Halle, dessen Geruch den Hunger auf das Mittag sehr schmälerte. Bei guten 20-25 Grad wurden hier Wurst- und Fleischwaren aller Art ungekühlt verkauft. Schweinefüßchen lagen neben Würsten und Innereien. Am Boden bildete eine undefinierbare Suppe ein paar kleine Pfützen und am nächsten Stand lagen die gerupften Hühner fein aufgereiht mit baumelnden Köpfen. Allerspätestens jetzt haben wir eine Ahnung woher unsere Magen-Darm-Probleme stammen könnten.

Wir waren froh, als wir die Fleischabteilung verlassen haben und Richtung Obst-Gemüsesegment liefen. Auch wenn uns der Markt nicht wirklich Appetit auf Essen machte, sollte jeder Besucher der Stadt hier mal gewesen sein. Ein Erlebnis ist es allemal.

Irgendwann trennten wir uns von der Tour und liefen wieder auf eigene Faust los. Im Zentrum gibt es einige Einkaufsstraßen mit hübschen, modernen Restaurants, Läden und Touranbietern. Auf dieser Straße fanden wir auch unser Mittagessen. In einer spanischen Tappasbar gab es Nudeln und Burritos, um den Magen zu füllen. Da das Zentrum nicht riesig ist und von uns in einigen Stunden abgelaufen war, entschieden wir uns, zurück zu unserem Hostel zu gehen, um den Nachmittag ein bisschen entspannt anzugehen. Zum Abendessen fanden wir ein recht hübsch aussehendes Restaurant mit begrüntem Innenhof. Doch auch hier wurden wir leider wieder ein wenig enttäuscht. Das Restaurant-Glück war momentan wohl nicht auf unserer Seite.

Donnerstag 10.11.: Cañón del sumidero

Am Vorabend hatten wir kurzerhand eine der ausgeschriebenen Touren des Hostels gebucht. Nach einem kleinen leckeren Frühstück um 8Uhr, packten wir unseren Tagesrucksack und begaben uns auf die Straße vor das Hostel. Um 9Uhr sollten wir hier abgeholt werden, wenn denn alles klappt. Das Ziel des Ausflugs war der Cañón del sumidero. Neben einigen Aussichtspunkten und einer kleinen Stadtbesichtigung sollte es bei dieser Tour eine Bootsfahrt durch den Canyon geben. Alles zusammen für nicht einmal 25 € pro Person. Wir waren sehr gespannt, ob das alles klappt und wie das alles so wird. Kaum waren wir auf die Straße vor das Hostel getreten, rief schon jemand „Annelie?“. Wir antworteten mit „Si!“ und liefen ihm entgegen. Das war unser Fahrer für die Tour und wir stiegen in einen, zu unserer Überraschung, vollbesetzten Kleinbus ein. Los ging die Fahrt. Es kamen noch zwei, drei Personen dazu, sodass der Kleinbus am Ende mit 22 Personen, plus Fahrer, vollbesetzt war.

Am Morgen war es, auch durch anhaltenden Nebel und dichtere Wolken, noch recht kühl gewesen, wodurch wir beide mit Pulli eingestiegen waren. Auf der Fahrt wärmte sich der Bus aber bereits so auf, dass wir schnell ins Schwitzen kamen. Nach gut anderthalb Stunden erreichten wir den ersten Aussichtspunkt. Aus dem Bus raus wurden erstmal die Pullover ausgezogen und im Rucksack verstaut. Dann ging es zum Geländer, um einen Blick auf den Canyon zu erhaschen. Es kamen schnell weitere Kleinbusse mit Reisegruppen. Nach wenigen Minuten wurden wir wieder eingesammelt und wir wurden zum zweiten Aussichtspunkt gekarrt. Wir waren nun in einer dieser Reisegruppen, die wir auf unserer Roadtrip-Tour noch leicht verächtlich stets gemieden haben. Aber so ist das manchmal, andere Länder, anderes Reisen. Der zweite Ausblick war schon etwas schöner und spektakulärer, doch auch dieser Ausblick riss uns noch nicht wirklich vom Hocker. Nach zwanzig Minuten stiegen alle wieder brav in den Bus ein und nahmen auf ihren Plätzen Platz.

Die rasante Fahrt durch die kurvenreichen Bergstraßen riefen Erinnerungen von der Fahrt nach San Cristóbal wach. Es wurde wieder etwas flau im Magen. Dazu kam, dass es sehr heiß und stickig im Bus war, die Tour uns bisher nicht überzeugt hat und sich unsere Laune somit etwas in Richtung Keller begab. Nach weiteren fast fünfundvierzig Minuten Fahrt erreichten wir den Bootsableger. Wir stiegen aus und sofort ergriff unser Fahrer das Mikrofon und erklärte in schnellem Spanisch das Prozedere. Wir verstanden mal wieder kaum etwas, orientierten uns aber an den anderen. Es wurden schnell Schwimmwesten ausgehändigt, Annelie schaffte es gerade noch auf Toilette zu gehen, ehe alle der Tour auf eines der kleinen, engen Boote gelotst wurden. Spätestens als wir ablegten und keine zwanzig Meter weit fuhren, ehe wir an ein Boot mit zur Verkauf stehenden Getränken, Chips und sonstigen Kleinigkeiten andockten, ahnten wir, dass dieser Trip nicht besonders gut werden würde. Soweit wir es verstanden hatten, würden wir zwanzig Minuten mit dem Boot durch den Canyon fahren, ehe wir in einem kleinen Städtchen herausgelassen werden würden, wo wir dann die restliche Zeit verbringen, ehe wir zurückgefahren werden würden.

Wir legten von dem Verkaufsboot ab und der Skipper beschleunigte. Das Boot hatte tatsächlich einiges an PS, wodurch wir direkt wieder bessere Laune bekamen. Das Ganze könnte doch ganz spaßig werden. Wir fuhren los und entdeckten direkt die ersten Pelikane und Kormorane. Immer wieder hielt unser Guide an, um uns etwas über die Tiere, Felsformationen oder Natur zu erklären – leider auf Spanisch, aber kleinere Teile verstanden wir dann doch immer mal wieder. Nach kurzer Fahrt waren wir schließlich so richtig im Canyon, umgeben von riesigen, grün-bewachsenen Felswänden. Das war nun wirklich spektakulär und wunderschön anzusehen. Wir genossen die Fahrt bei grandiosem Wetter sehr. Das einzige, was uns wirklich negativ auffiel, war mal wieder der Müll. Es erinnerte uns an Bali, auch hier schwamm neben Grünzeug und Holz leider einiges an Müll im Fluss. Ein Schuh, ein Ball, ein paar Flaschen und Eimer. Dieses Bild hatten wir auch, als wir das allererste Krokodil entdeckten. Das Krokodil saß gemütlich an einem kleinen felsigen Strand und davor schwamm ein Teppich aus Holz, Grünzeug und verschiedenem Müll. Ein tolles Erlebnis hatte dadurch einen bitteren Beigeschmack.

Nachdem alle eine Möglichkeit hatten, ein Foto zu machen, ging die Tour weiter. Kaum zehn Minuten später entdeckte der Guide die nächsten Krokodile. Diesmal ohne Plastik davor und ganz entspannt im Wasser chillend. Neben zwei ausgewachsenen Krokodilen waren dort auch zwei deutlich kleinere Exemplare. Wenn man die Krokodil-Rücken dort so im Wasser sah, musste man schon ein wenig an die Dinosaurier von früher denken. Durchaus sehr beeindruckend, dieses Erlebnis. Wir fuhren weiter den Canyon entlang, sahen wunderschöne Wasserfälle und viele schöne Vögel. Die Bilder sprechen hierbei für sich und dabei konnten diese nur einen Bruchteil der wahren Schönheit einfangen. Dann entdeckte unser Guide auch noch Affen in einem Baum und hielt kurz davor an. Es handelte sich um Makaken Affen, die dort durch den Baum kletterten und Früchte aßen. Sowohl kleinere als auch erwachsene Affen konnten wir beobachten. Das war schon sehr spannend. Kaum ließen die Affen Reste ins Wasser fallen, sah man, dass sich sofort Fische darüber hermachten.

Nach dieser tollen Begegnung fuhren wir weiter. Inzwischen waren wir über eine Stunde unterwegs. Wir hatten also wirklich etwas falsch verstanden und die Tour dauerte nicht zwanzig Minuten, sondern am Ende zwei Stunden. Kurz bevor wir uns der Zivilisation wieder etwas näherten, entdeckte der Guide gegen das Licht in einem Baum weit oben noch einen Leguan. Wie er das gesehen hat, wofür wir noch einige Momente trotz dahin Deutens brauchten, war uns ein Rätsel. Kurze Zeit später stoppte er erneut das Boot abrupt, zu unserer linken lag ein riesiges Krokodil auf einem Stein, mit weit aufgerissenem Maul. Es lag einfach nur regungslos dort und man könnte meinen es sei ausgestopft oder aus Plastik und dann extra für uns dort platziert worden. Doch nach einiger Zeit bewegte es sich und glitt schließlich langsam ins Wasser. Spätestens jetzt waren wir uns sicher, dass es echt war. Von der Schwanzspitze bis zum Maul hatte es eine Länge von mehr als zweieinhalb Metern.

Wenig später erreichten wir den Zielort und verließen das Boot. Dort wurden wir direkt wieder von Straßenhändlern empfangen, die uns irgendwelche Ketten, Souvenirs und Kleinigkeiten andrehen wollten. Wir sagten stets höflich „No, gracias.“ und winkten dankend ab. Wir stöberten noch eine Stunde durch die Gassen und am Rande des großen Platzes des Städtchens an den Verkaufsständen vorbei, setzten uns mit einem Eis in den Schatten eines Baumes und stiegen schließlich wieder in den Bus, der uns dann zurück nach San Cristóbal fuhr. Während der Bus am Anfang noch angenehm klimatisiert war, wärmte er sich durch die vielen Menschen schnell auf und die Luft wurde wieder stickiger. Gegen 17:30 Uhr erreichten wir dann das Zentrum von San Christóbal und somit das Ende unserer Tour. Nachdem wir am Anfang nicht sehr begeistert waren, wurde es noch eine ziemlich gute Tour. Womöglich auch, da man dann nochmal positiver alles sah, da man schon mit dem Schlimmsten gerechnet hatte. Wir entschieden uns direkt etwas essen zu gehen und liefen zu einem Restaurant, dass wir am Vortag schon besuchen wollten, dort aber noch zu hatte. Das Essen war wirklich richtig lecker, definitiv das beste Essen bisher in San Christóbal für uns. Im Anschluss schlenderten wir noch durch die Straßen, verzehrten ein Crêpe und liefen dann zurück zum Hostel, um dort den restlichen Abend zu genießen.

Freitag 11.11.: Entspannter Planungstag

Nach dem üblichen Toast und Omelette am Morgen in der Unterkunft, ging es für uns zurück auf unser Zimmer, um unsere Sachen zu packen. Wir verließen das Hostel und marschierten mit geschulterten Rucksäcken knapp zwei Kilometer zum Busbahnhof. Dort stiegen wir mittags in einen Bus, um in das nicht weit entfernte Tuxtla Gutierrez (Hautpstadt von Chiapas) zu fahren, unserem Abflughafen des kommenden Tages. Nach gut einer Stunde Fahrt waren wir am Ziel und fuhren zu unserem Hotelzimmer für die Nacht. Da Tuxtla Gutierrez selber nicht unbedingt ein Highlight oder sehenswert ist, nutzten wir den restlichen Tag, um unsere weitere Reise etwas besser zu planen und durchzurechnen. Die Finanzen wurden gecheckt, es wurde gerechnet, mit welchem Tagesbudget man wie lange reisen kann, welche Orte man in welcher Reihenfolge gerne noch besuchen würde, und was sonst noch so dazugehört. Am Abend machten wir noch einen Spaziergang, um uns mit Essen und Trinken auch für den kommenden Tag einzudecken. Im Gegensatz zu San Cristóbal ist es in Tuxtla übrigens schon wieder relativ warm. Währen wir in San Cristóbal angenehm kühle Temperaturen um die 20 Grad (Nachts deutlich weniger) hatten, war es hier schon wieder sehr heiß und ein wenig stickig. Schließlich liegen jedoch auch 1500 Höhenmeter zwischen den beiden Orten.

Samstag 12.11.: Endlich ans Meer

Früh um 5 Uhr klingelte der Wecker. Die Rucksäcke wurden wieder gepackt und dann klopfte es auch schon um kurz vor sechs an unserem Zimmer. Der Shuttle stand bereit. Gegen halb sieben erreichten wir den Flughafen. Die Rucksäcke wurden ohne Probleme aufgegeben und auch durch die Sicherheitskontrolle verlief reibungslos. Um 9 Uhr hob unser Flieger ohne Verspätung ab. Um kurz vor zwölf Uhr Ortszeit landeten wir in Cancún. Doch unser Ziel ist nicht Canún selber, sondern die vorgelagerte Insel „Isla Mujeres“. Aber wir müssen dafür erstmal vom Flughafen zu der Fähre kommen. Nachdem wir unser Gepäck aufgesammelt hatten, mussten wir uns überlegen, wie wir am klügsten und vor allem am günstigsten dorthin kommen. Kaum aus dem Flughafen raus, wird man nahezu belagert von verschiedenen Taxiunternehmen, die einem jeweils den allerbesten Preis und die tollste Möglichkeit für all unsere Wünsche anpriesen. Doch einerseits wissen wir, wer am lautesten schreit, ist selten wirklich der Günstigste oder Beste, andererseits hatten wir uns im Internet vorher durch Erfahrungen anderer belesen. Somit war unser Plan gegeben, mit dem Bus ins Zentrum und von dort ein Uber bis zum Fährterminal nehmen. Gesagt, getan, befanden wir uns kurze Zeit später im Zentrum Cancúns. Wobei Bus nicht gleich Bus in Mexico ist. Wir haben keinen der Kleinbusse genommen, die mit unseren Linienbussen verglichen werden kann, sondern einen Reisebus von ADO, mit denen wir schon gute Erfahrungen auf den Langstrecken zuvor gesammelt hatten. (Tickets gibt es außerhalb des Flughafens am Schalter, nur Bargeld)

Dank des Internets wussten wir auch, dass Uber, anders als beispielsweise in Mexico City, hier nicht so einfach zu bekommen ist. Insbesondere auch nicht direkt an den Busbahnhöfen. Die Taxi-Mafia ist hier relativ präsent und übt starken Druck auf Uber-Fahrer aus, wodurch man, um ein Uber zu bekommen, ein paar Straßen laufen muss, um eingesammelt werden zu können. Kurzer Einschub, warum wir lieber Uber als Taxis nehmen. Einerseits ist der Preis meist deutlich geringer als der von Taxi Fahrern, andererseits ist der Preis vorher fix und man weiß, was man bekommt. Die Fahrer werden sehr genau beobachtet von Uber über die Rezensionen, wodurch Fahrer mit schlechtem Feedback schnell aussortiert werden. Unsere Fahrt wird per GPS überwacht und wir können auf einer Karte jederzeit nachvollziehen, wo wir uns befinden. Zusätzlich haben wir die Sprachhürde, wodurch wir noch schlechter mit dem Taxi Fahrer kommunizieren können und eher abgezogen werden können. Bei der Taxifahrt per Uber-App fällt diese Sprachbarriere weg. Der gesamte Zahlungsverkehr läuft online ab, sodass wir weder für die Fahrt selber noch für Trinkgeld Bargeld benötigen. Alles in allem ist es für uns die sicherste und bequemste Lösung.

Wir erreichten schließlich mit einem Uber sicher das Fährterminal, kauften uns zwei Tickets (462 MEX $ Roundtrip p.P.) und gingen in den Wartebereich. Dort war es endlich so weit. Das wunderschöne, warme, blau glitzernde Meer lag vor uns. Während Oaxaca und auch San Christóbal durch ihre jeweilige hohe Lage warm aber angenehm waren, spürte man die Hitze in Cancún durchaus merklich. Wir warteten mit unserem ganzen Gepäck knapp zwanzig Minuten, ehe es endlich auf die Fähre ging. Zwanzig Minuten lang glitten wir in der prallen Sonne auf dem Oberdeck sitzend über das kristallklare Wasser. Der Fahrtwind machte es aber mehr als erträglich. Während der Überfahrt gab es noch ein kleines Live-Konzert eines Künstlers, was hier üblich zu sein scheint, denn auch auf uns entgegenkommenden Booten waren Musiker an Deck und unterhielten die Leute. Gut gelaunt gingen wir von der Fähre und ließen uns zur Unterkunft bringen. Dort wurden wir vom Gastgeber unseres AirBnBs bereits erwartet. Er zeigte uns unsere Unterkunft, welche alles hat, was wir brauchen. Das Beste, eine große Terrasse mit direktem Blick auf das Meer. Wir legten unsere Sachen ab, nahmen uns jeweils eine der bereitgestellten Sprites aus dem Kühlschrank, setzten uns auf die Terrasse und stießen auf die kommenden Tage und Wochen an. Nach der kleinen Pause hieß es: Schuhe und Socken aus, rein in die Flipflops und ab zur Inselerkundung.

Die Insel ist ungefähr 7,5 km im Durchmesser und von unserer Unterkunft zum Zentrum der Insel, welches sich am Nordende befindet, sind es gut 2 km. Die Hauptfortbewegungsmittel sind hier Golf-Carts und Roller, aber auch einige Taxis und Autos gibt es. Tatsächlich hat uns die Menge an Verkehr schon ziemlich überrascht. Wir nahmen keine dieser Möglichkeiten, sondern nutzten unsere gesunden Füße. Nach einer guten halben Stunde, wir mussten zwischendurch noch einen kleinen Abstecher mit den Füßen ins Wasser machen, erreichten wir das Zentrum der Insel. Wir stöberten durch die Gassen und suchten verschiedene Läden auf. Wir erreichten schließlich den Laden, den wir gesucht hatten. Die bestbewertete Tauchschule der Insel. Wir wurden super freundlich begrüßt und fühlten uns direkt wohl. Nachdem wir uns bereits im Internet etwas informiert hatten, ließen wir uns hier noch persönlich beraten, ehe wir einstimmig entschieden, dass uns die Schule gut gefällt und wir unseren Tauchschein hier machen wollen (Stand 2022: 500€ für PADI Open Water). Wir hatten es schon damals auf Bali überlegt und uns dann während dieser Reise dafür entschieden auf dieser Reise endlich tauchen zu gehen. Wir regelten dir Formalitäten, bekamen die Zugänge zu den online Unterrichtsmaterialien und vereinbarten für den darauffolgenden Tag noch zusätzlich einen kostenlosen Schnupperkurs.

Im Anschluss liefen wir zum wunderschönen, weißen Nordstrand der Insel. Hier liefen wir etwas den Strand entlang, immer mal wieder mit den Füßen im Wasser und setzten uns schließlich in eine Strandbar. Bei einem kühlen Tequila Sunrise Cocktail blickten wir uns entspannt um und sogen das Gesamtbild nochmal so richtig auf. Endlich waren wir angekommen an dem Ort, den wir uns nun schon seit einigen Wochen herbeisehnten. Angekommen am weißen Strand, unter Palmen, mit dem blauen Ozean vor uns. Karibik Feeling pur. Die kommende Woche, die wir komplett auf der Insel verbringen werden, haben wir zum Runterkommen und entspannen eingeplant. Schließlich ist auch Reisen auf seine ganz eigene Art und Weise anstrengend.

Mit einem Abstecher zum größten Supermarkt der Insel liefen wir zurück zu unserer Unterkunft. Bis wir wirklich bei der Unterkunft angekommen waren, war die Sonne inzwischen gänzlich untergegangen. Wir kochten endlich mal wieder selber, und aßen eine leckere Spaghetti Carbonara – diesmal ohne Sorgen, dass plötzlich Bären auftauchen.

Sonntag 13.11.: Unterwasser

Die Nutzung der Klimaanlagen in den vergangenen Tagen forderte seinen Tribut und wir wachten beide mit einem leichten Kratzen im Hals auf. Doch das soll uns nicht abhalten. Nach einem kurzen Frühstück auf der Terrasse wurde noch etwas für den Tauchschein gebüffelt, ehe wir uns endlich auf den Weg zur Tauchschule für unseren Schnupperkurs machten. Strammen Schrittes liefen wir zur Tauchschule und holten unsere Verspätung auf, wodurch wir mit deutscher Pünktlichkeit dort eintrafen. Wir wurden wieder sehr freundlich begrüßt und uns wurde gezeigt, wo wir unsere Sachen ablegen konnten. Im Anschluss ging es dann erstmal für eine kurze Abkühlung in den Pool. Herrlich, bei den Temperaturen. Dann ging es auch schon los für uns. Wir bekamen eine kleine Einweisung des Aufbaus der Geräte und der wichtigsten Verhaltensregeln. Es war eine super Wiederholung der ersten Grundlagen aus den Lernkapiteln. Wir stiegen recht bald in den Pool und lernten, wie man dort das Equipment anlegt. Dann wurde es auch schon ernst. Der Daumen nach unten signalisierte, dass wir abtauchen. Dann wurden die ersten Atemzüge unter Wasser getätigt, wir gingen zur Kante des tieferen Bereichs, wo wir ein paar Übungen machten, ehe wir wieder auftauchten. Nach weiteren Atemübungen im flachen Bereich war dieser erste Testlauf auch schon wieder vorbei. Doch diese fünfundvierzig Minuten haben uns schon sehr gefallen und wir freuen uns auf die Tage, wenn es für uns endlich richtig losgeht. Der Tauchlehrer war begeistert von uns und wir von ihm, vielleicht bekommen wir ihn ja auch bei unseren richtigen Tauchstunden.

Im Anschluss durchstöberten wir die umgrenzenden Läden, mit einem Ziel: Schnorchelausrüstung zu finden. Da wir auf der weiteren Reise nicht nur ab und zu Schnorchel-Touren buchen oder Ausrüstung ausleihen wollen, sondern auch auf eigene Faust und häufig loslegen wollen, muss eigenes Equipment her. Nicht nur Brille und Schnorchel, sondern vor allem die Suche nach Flossen stellte sich durchaus als Herausforderung dar. Während im einen Laden der Schnorchel 400 Pesos kostete, kostete das exakt selbe Model im anderen Laden 900 Pesos. Als nicht spanisch sprechende Touristen wird man hier gern ein wenig übers Ohr gehauen. Daher versuchten wir uns möglichst viele Shops anzuschauen, um ein Gefühl für die Preise zu bekommen, welche doch sehr über unseren Erwartungen liegen. Wir schafften es schließlich zwei Sets zusammenzustellen (mittlere Qualität für ca. 90 €). Somit hieß es ab ins Wasser und Schnorcheln. Wir liefen wieder zum Nordstrand. Die Klamotten wurden im Schatten einer Palme zurückgelassen, während wir unsere Wertsachen in der Schwimmboje verstauten. Die Schwimmboje, die wir auch immer beim Freiwassertriathlon-Training dabei haben, gibt uns die Sicherheit, dass wir zumindest etwas besser gesehen werden und wir haben trockenen Stauraum für Wertsachen. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Watens durch das 29 Grad warme Wasser erreichten wir schließlich tiefere Gewässer. Dort legten wir unsere Flossen an und zogen die Brille übers Gesicht. Auf gehts. Nachdem es am Anfang noch etwas sandig und trostlos war, näherten wir uns zunächst einem Steg und später einem kleinen Riff. Dort sahen wir dann auch diverse Fische. Von großen einzelnen Fischen, über Schwärme, bis hin zu schönen Seesternen und bunten Korallen war alles dabei.

Ein kleiner Eindruck unseres Schnorchelausflugs

Wir hatten einen tollen ersten Ausflug in die vielfältige, bunte Unterwasserwelt. Wenn das Tauchen mindestens genauso schön wird, ist das schon genial. Wir sind gespannt und freuen uns über weitere Anblicke der Tierwelt im schönen blauen Wasser. Am allerschönsten ist es, dass selbst Annelie nach über 1h im Wasser nur ein klein wenig kalt war. Nach dem Schnorchelgang blieben wir noch kurz am Strand, ehe wir zur Unterkunft zurückliefen. Hier verbrachten wir den Abend auf der Terrasse und ließen uns die aufkommende warme Brise um die Nase wehen. Ein toller Abschluss der Woche.

Ein Kommentar zu “15. Woche 07.11.-13.11. Oaxaca, San Cristóbal & Cancún

  1. Karinoma, es wird ja immer spannender und schöner auf eurer Reise.Die Welt unter Wasser ist für mich pure Utopi.Ich bekomme schon Panik wenn ich mit den Kopf unter Wasser komme!
    Weiterhin viel Freude beim -sehen und erleben dieser schönen Welt.
    Am Sonnabend nehme ich wieder meinen LP mit ins Heim um Opa die wunderschönen Aufnahmen zu zeigen.Viele Grüße von Oma

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