13. Woche 24.10.-30.10. Vancouver, San Francisco & Bay Area

Montag 24.10.-Donnerstag 27.10.: Warten und bangen

Nach einer angenehmen Nacht in einem richtigen Bett nahmen wir Abschied von Rebecca und fuhren am Mittag mit der Fähre zurück zum Festland. Zunächst ging es für uns nach West Vancouver, wo Hendrik Annelie seine frühere Heimat zeigte. Es ging zu seiner alten Schule und im Anschluss in Richtung Park Royale. In dem Einkaufszentrum kaufte Annelie sich noch neue Schuhe, da die Alten nicht mehr ganz so stattlich aussahen. Nach einem kurzen Spaziergang durch Ambleside, und am Wasser den Seawalk entlang, fuhren wir nochmal nach Squamish. Dort hatten wir uns mit einer Interessentin für das Auto verabredet. Im Anschluss ging es dann den Sea-to-Sky-Highway entlang zurück nach Vancouver und direkt zu Hendriks früheren Gasteltern Neil und Kristy. Dieser Teil der Reise endet somit dort, wo er auch begonnen hat. An dem Abend, so wie auch den darauffolgenden, saßen wir gemütlich am Kamin, tranken ein Glas Wein oder Bier und erzählten von unseren Abenteuern und Erlebnissen.

Die darauffolgenden Tage verliefen äußerst unspektakulär. Das Wetter war sehr verregnet, wodurch man sich generell eher drinnen aufhalten wollte und ein Deal zum Autoverkauf war auch noch nicht wirklich gefunden. Es gab zwar viele Interessenten, die meisten davon hatten allerdings nur Interesse am Auto selber und nicht daran, dass es zu einer Campingmöglichkeit umgebaut ist. Wir gaben unser Bestes, inserierten und schrieben mit potenziellen Käufern. Am Mittwoch fuhren wir dann noch die diversen Autoverkäufer an, um uns Angebote einzuholen. Neben den eklig, schmierig unfreundlichen Verkäufern, gab es zur Überraschung auch durchaus nette Verkäufer, die durchaus interessiert an dem Auto waren. Allerdings zu einem Preis, der deutlich unter unseren Vorstellungen lag. Vielleicht war es Schicksal, Karma oder Glück, doch am Ende der Woche meldete sich Thomas aus Australien bei uns. Er war auf der Suche nach einem Auto, wie wir es haben. Wir verstanden uns direkt gut uns so wandelte sich unser Autoverkaufsproblem doch noch zum Guten. Er war bereit einen Preis zu bezahlen, der uns nicht so sehr wehtat und wir wussten unseren Franky in guten Händen.

Freitag 28.10.: Ein letzter Tag in Vancouver

Unser letzter Tag im wunderschönen Vancouver sollte mit dem endgültigen Autoverkauf beginnen. Also fuhren wir ein letztes Mal mit unserem Franky durch Vancouver. Das Geld für das Auto hatten wir bereits vorab überwiesen bekommen, weshalb wir nur noch das Auto abstellen und die benötigten Papiere (Autoplan-Kaufvertrag & den unteren Teil der Versicherungs- und Registrierungsbescheinigung) an den Käufer abgeben mussten. Und dann waren wir wieder zu Fuß unterwegs. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, unser Auto da einfach stehenzulassen. All die Erinnerungen und schönen Erlebnisse, die wir in den letzten drei Monaten gesammelt haben, verbinden wir schließlich mit Franky. Die Kochabende in Sonne und Regen, die Panoramafahrten durch die Rockys, die Fahrt zum arktischen Ozean und unsere vielen, wunderschönen Nächte auf einsamen Campingplätzen. Und jetzt ist Franky nicht mehr unserer, sondern beschert jemand anderem diese Erlebnisse. Wir sind uns sicher, dass das Auto für unsere Reise und unsere Situation die perfekte Wahl war. Würden wir die Reise nochmal machen, so würden wir das nächste Mal auf jeden Fall jedoch nach etwas Größerem schauen. Es wäre an so manchem Regentag schön gewesen, nicht draußen vor dem Auto kochen zu müssen oder um 18 Uhr im Bett zu liegen, weil es draußen zu ungemütlich ist. Unseren Allradantrieb und die Geländetauglichkeit würden wir jedoch auf keinen Fall missen wollen. Eine Pickup-Wohnkabinenkombination oder ein höher gelegter Gelände-Van wäre sicher eine gute Wahl für so eine Reise. Nicht zuletzt entscheidet aber schließlich das Budget, wie viel Komfort man sich auf so einer Reise leisten kann.

Nachdem wir das Auto abgestellt hatten, machten wir uns auf die Suche nach Frühstück. In einer hübschen Bäckerei gab es dann für Annelie lecker Brötchen und um die Ecke für Hendrik ein Stück Pizza. Ein Punkt auf unserer Auto-Verkauf-Liste stand jedoch noch offen. Wir machten uns nochmal auf den Weg zu einem Versicherungs-Broker, da unsere Autoversicherung noch gut 1,5 Wochen weiterlaufen würde. Mit einer vorzeitigen Kündigung war es uns möglich 80 € wiederzubekommen, was wir natürlich sehr gern annahmen. Auch wenn es nur ein paar Tage sind, lohnt es sich also, die Versicherung vorzeitig zu kündigen.

Mit dem Bus ging es dann wieder Richtung Downtown, wo wir uns ein paar Räder ausliehen und bei perfektem Herbstwetter den Stanleypark umrundeten und eine hübsche Runde durch Downtown drehten. Nach zwei Stunden hatten wir uns ein wenig ausgepowert und gaben unsere Räder ab. Mit dem Seabus, einer kleinen Fähre, fuhren wir nach North Vancouver wo wir uns mit Kristy und Neil in einem modernen, aber gemütlichen Pub zum Abschiedsessen trafen. Wir tranken Cider und Bier, aßen Hot Dog und Pizza und quatschten über unsere Reiseabenteuer. Eine wundervolle Zeit in Nord-Nordamerika geht hier für uns zu Ende. Wir hatten unglaubliche Erlebnisse, die wir wohl ein Leben lang in unserer Erinnerung behalten werden. Natürlich gab es auch mal Momente oder Tage an denen nicht alles rund lief. Wo alles kalt und nass war, wir Hunger hatten oder keinen Stellplatz gefunden haben. Aber diese Momente hielten sich zum Glück in Grenzen, wir haben sie gut gemeistert und wir blicken zurück auf 16.000 Fahrt-Kilometer durch Bilderbuchlandschaften, auf Begegnungen mit 18 Bären, einem Wolf, einigen Murmeltieren und vielen Elchen, auf die buntesten Sonnenuntergänge und schönsten Zeltplätze. Wir kommen wieder, das steht fest.

Samstag 29.10.: Abreise aus Kanada

Als unser Wecker klingelte, war es draußen noch Dunkel. Kristy und Neil brachten uns zu unserer Metrostation, von wo aus wir ganz entspannt mit dem SkyTrain bis zum Flughafen fahren konnten. Das Gepäck wurde eingecheckt und wir verbrachten die Zeit bis zum Boarding mit der Suche nach Frühstück und Arbeiten. Um 11:30 Uhr stiegen wir dann in unseren Flieger und machten es uns in der letzten Reihe bequem. Da wir in der Nähe der hinteren Toilette saßen, bekamen wir schnell mit, dass hier wohl etwas nicht ganz funktioniert. Nach einiger Zeit machte auch unser Captain die Ansage, dass die Toilettenspülungen der beiden Toiletten nicht funktionieren, das Problem nur leider nicht behoben werden kann. Ein volles Flugzeug und keine Toilette geht nur leider nicht. Also mussten alle wieder raus aus dem Flieger. Na toll. Mittagessen in San Francisco fällt damit aus. Die Airline buchte uns auf einen Flug am Abend um, sodass wir nun 8 Stunden auf dem Flughafen warten mussten. Von der Airline bekamen wir zumindest Essensgutscheine im Wert von zusammen 80 $, womit wir uns ein ordentliches Flughafen-Dinner gönnen konnten und Hendrik auch noch Tim Hortons halb leer kaufen konnte. Unsere Wartezeit hatten wir damit also gut über die Runden gebracht.

Um 22 Uhr landeten wir dann auch endlich in San Francisco. Eine Hürde gab es da jedoch noch. Unser Gepäck. Dieses tauchte nämlich auch nach ewiger Wartezeit nicht auf dem Gepäckband auf. Die Dame am Flughafenschalter erklärte uns dann, dass dieses noch in Vancouver festhängt. Sie versicherte uns aber, dass dieses schnellstmöglich nachgeschickt und in unser Hotel geliefert werden soll. Ein bisschen ärgerten wir uns schon über die ganze Situation, aber ändern konnten wir sie auch nicht. Zum Glück hatten wir unsere Laptops und Kameras im Handgepäck bei uns und sogar noch ein paar Ersatzsachen eingepackt gehabt. Ganz dramatisch war unsere Situation also nicht.

Dann doch etwas erschöpft, wählten wir die angenehmste Reiseart zur Unterkunft. Mit dem Uber ließen wir uns zu unserem Hotel fahren und konnten auf der Fahrt schon die ersten Eindrücke der glitzernden Wolkenkratzer von San Francisco entdecken. Unser Hotel ist eher mit einem Hostel zu vergleichen. Das Bad wird geteilt, draußen hört man das Halloween-Partyvolk und die Matratze besteht eigentlich nur aus harten Metallfedern. Dafür haben wir aber ein Zimmer mitten in Downtown für gerade mal 65$ die Nacht. Irgendwo muss man eben Abstriche machen.

Sonntag 30.10.: Ein Tag in San Francisco

Es reist sich ja, allgemein bekannt, besser mit leichtem Gepäck. Durch die zurückliegenden drei Monate on tour, hatten wir eine generelle Entspannung zu unerwarteten Ereignissen wie dem Gepäckverlust entwickelt. Da unsere Dokumente und Wertgegenstände in unserem Handgepäck sind, wir heil angekommen sind, ist das Wichtigste und der Rest wird schon wieder. Unser Frühstück hatten wir mit unseren Einkäufen im Tim Hortons am Vancouver Flughafen, direkt im Hotelzimmer.

Mit Kamera, Rucksack, bester Laune und Sonnenschein machten wir uns an diesem Sonntag schließlich auf den Weg, um San Francisco zu erkunden. Von unserem Hotel aus ging es hinein in die Wolkenkratzerstadt bis zum Union Square. Eigentlich hatten wir geplant uns hier ein paar Anziehsachen zu besorgen, doch die Geschäfte hatten noch nicht offen. Also stapften wir die steilen Hügel hinauf, vorbei an der Grace Cathedral, bis zur Lombard Street. Links und rechts von uns reihten sich wunderschöne, bunte Häuser aneinander, die von der Morgensonne beschienen wurden. An den Straßenkreuzungen konnten wir immer wieder einen kleinen Panoramablick auf die Stadt unter uns erhaschen. Ganz oben angekommen, ging es dann immer Richtung Meer wieder hinunter.

Wir schlenderten ein Stück die Fishermans Wharf entlang bis zu einem kleinen Strand. Viele Schwimmer:innen nutzen diese Bucht als Freiwasser-Trainingsstrecke. Und so sahen wir den Sportler:innen zu, wie sie elegant durchs kalte Wasser kraulten, mit der Golden Gate Bridge im Hintergrund. Wir glauben, es könnte schlimmere Trainingsorte geben. Da wir unbedingt auch zur Golden Gate Bridge wollten, leihen wir uns ein paar Fährräder aus (8$/h) und los ging es. Der aspahltierte Fahrradweg führt immer entlang des Wassers bis zur Brücke. Es herrschte so eine tolle Atmosphäre, dass wir aus dem Schwärmen gar nicht mehr rauskamen. Überall um uns herum, sah man Familien, Jogger:innen, Hunde und Touristen, die die Herbstsonne sichtlich genossen. Leider versperrte uns eine dicke Nebelwand die Sicht auf die Brücke und auch auf der Überfahrt selber, sahen wir außer dicken, fetten weißen Wolken nicht viel. Am Anfang hatte man noch einen kurzen Blick drauf, doch der Nebel zog immer weiter in die Bucht. Wir waren froh, dass wir am Morgen Alcatraz noch sehen konnten. Am Nachmittag war das schon nicht mehr möglich. Trotzdem hat sich der Fahrradausflug allemal gelohnt.

Nach gut 2 Stunden gaben wir unsere Räder wieder ab und gingen zu Fuß weiter. Am Pier 41 aßen wir lecker zu Mittag, am Pier 39 bestaunten wir die laut schimpfenden Seelöwen und schlenderten durch die Souvenirläden. Langsam wurde es Nachmittag und die Sonne bestrahlte die Stadt in ihrem schönen warmen, orangen Licht. Wir ließen uns einfach treiben, durch die schönen Straßen, die Schatten der Hochhäuser und Palmen. Mittlerweile merkten wir den Tag schon ziemlich in den Knochen und Füßen, doch auf unserer Liste stand ja immer noch der Shoppingtrip. Also ging es wieder rein in die Hochhäuser und Geschäfte. Wir besorgten uns die wichtigsten Kleidungssachen, sodass wir zumindest für die nächsten Tage ausgestattet sind. Denn unser Gepäck ist, wie zu erwarten, natürlich nicht so schnell geliefert wurden, wie es die Dame am Schalter versprochen hatte. Immerhin hat es unser Gepäck mittlerweile wohl bis San Francisco geschafft. Ob wir es aber noch rechtzeitig in Empfang nehmen können, bevor wir nach Mexiko fliegen, ist unklar.

Am Abend suchten wir uns noch etwas zu essen in einem kleinen asiatischen Restaurant, bevor wir dann völlig k.o. und erschöpft in unser Bett fielen. Wir hätten gern noch einen weiteren Tag in San Francisco verbracht. Wir haben zuvor viel über diese Stadt gehört und auch wir müssen sagen. Wir sind begeistert. Wir kommen bestimmt auch hierhin nochmal, wenn wir ein bisschen mehr Zeit haben. Vielleicht dann ja auch mit Gepäck.

Update vom Montag, 31.10.2022: Unser Gepäck hat es bis zum Montag Morgen ins Hotel geschafft. Wir reisen somit (leider) nicht mit leichtem Gepäck weiter, aber zum Glück mit all unseren Sachen.

2 Kommentare zu „13. Woche 24.10.-30.10. Vancouver, San Francisco & Bay Area

  1. Wieder einmal ein sehr emotionaler Bericht! Erst der Abschied von Franky und dann die wundervollen Bilder von San Francisco, die mich in Erinnerung schwelgen lassen. Da wird mir ganz warm ums Herz. Wirklich einer der schönsten Städte, die ich bisher besucht habe. Obwohl ich schon 2mal da war, würde ich gern ein 3.mal diese Stadt bereisen.
    Wir freuen uns, dass es mit dem Gepäck doch noch gut geklappt hat, ihr vielleicht um ein paar Anziehsachen reicher seit und netter Weise auch die Verpflegung auf dem Flughafen finanziell abgesichert war. Ich sage da nur Gran Canaria-Calima!!
    Viel Spaß in Mittelamerika und hoffentlich weiter mit so tollen informativen Reiseberichten, denn nun betretet ihr ein Terrain, welches mir bisher nur aus Büchern bekannt ist. Bin gespannt.
    Liebe Grüße!

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  2. Karinoma es ist doch wundervoll was ihr so erlebt.Bei unserer Urlaubsreise Boltenhagen kam das Gepäck per DHL verschickt,auch erst nach 2 Tagen an-Ich hatte aber nichts im Handgepäck,das war besch…aber ein Nettomarkt in der Nähe.Weiterhin schöne Erlebnisse und guten Flug in ein unbekanntes Land
    Viele Grüße von Opa und Oma wieder aus Meissen

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