12. Woche 17.10.-23.10. Vancouver Island & Bowen Island

Montag 17.10.: Wäsche und Wale

Unser Montag begann in Squamish mit Wäsche waschen und einkaufen. Nach einem produktiven Morgen ging es dann Richtung Horseshoe Bay auf die Fähre nach Vancouver Island. Trotz der anhaltenden verschlechterten Sicht durch Waldbrände in British Columbia, hatten wir Glück mit dem Wetter und schipperten ganz gemütlich in den Sonnenuntergang. Bereits zuvor hatten wir gewettet, ob wir Tiere sehen werden. (Annelie=Ja, Hendrik=Nein). Als wir so auf das ruhige Wasser schauten, sahen wir plötzlich einige hundert Meter entfernt von uns etwas großes dunkles aus dem Wasser schauen. Dann eine Fontäne und kurz darauf erhob sich tatsächlich ein mächtiger Buckelwal aus dem Wasser.

Und das nicht nur ein- oder zweimal. Immer wieder platschten die Wale mit ihren Flossen aufs Wasser oder sprangen komplett hinaus. Wir dachten, die Wale wären schon viel weiter südlich und hatten definitiv nicht mit so einem Erlebnis gerechnet. Die Fähre fuhr extra langsam, damit die Wale nicht zu sehr gestört werden. Umso mehr Zeit blieb für all die aufgeregten Touristen die Wale zu bestaunen und zu fotografieren. Kurz nach der ersten Walsichtung tauchte auch auf der anderen Seite der Fähre eine weitere Buckelwalgruppe auf. Nun wusste man gar nicht mehr, wo man hinschauen sollte. Wir waren unglaublich beeindruckt von diesem Erlebnis. Auch auf der weiteren Fahrt konnten wir kurz ein paar Delfine, eine Familie Schweinswale sehen und später nochmal ein paar einzelne Buckelwalfontänen.

Die Fährüberfahrt wurde somit eher zu einer Whale Watching Tour. Die springenden Buckelwale übertrafen definitiv all unsere Erwartungen und Hoffnungen. Vancouver Island empfing uns mit einem feuerroten Himmel und wir suchten uns im letzten Tageslicht einen Schlafplatz. Nach einer leckeren Portion Nudeln ging es dann ab ins Bett.

Dienstag 18.10. Tofino

Jeden den wir gefragt haben, wo wir auf Vancouver Island hinfahren sollen, meinte zu uns: „Tofino“. Da wir unsere Zeit hier nicht wirklich planen können, haben wir uns dazu beschlossen, die wichtigsten und schönsten Orte zuerst zu besuchen. Also machten wir uns am Dienstagmorgen auf den Weg nach Tofino. Wenige Minuten Fahrt von unserem Schlafplatz entfernt, befand sich ein kleiner Rundweg durch den wunderschönen, mystischen Wald. Wir hielten kurz an und spazierten entlang mächtiger, alter Bäume auf einem schönen Weg eine kleine Runde. Diese hohen, majestätischen Bäume sind immer wieder ein faszinierender Anblick. Dadurch, dass viele der Stämme mit Moos bewachsen sind, macht es das Ganze noch märchenhafter.

Nach gut einer weiteren Stunde Fahrt hielten wir an einem großen Flussbett an. Der Fluss ist so weit zurückgegangen, dass er ausgewaschene Steinformationen hinterlassen hat, auf denen man jetzt prima umherwandern kann. Wäre es nicht so kalt, hätten sich einige Stellen im Fluss aufgrund der Tiefe auch perfekt zum Baden oder Klippen springen angeboten. So beobachteten wir einfach nur kleine Fische, die im klaren, blauen Wasser umherschwammen und nutzten die Gelegenheit uns ein bisschen die Beine zu vertreten.

Kurz darauf erreichten wir den Pacific Rim Nationalpark und Tofino. Leider ist es hier nicht einfach, bis sogar unmöglich einen kostenlosen Schlafplatz zu finden, also checkten wir diesmal auf einem Campingplatz ein. Wir hatten Glück und fanden direkt einen Stellplatz am Strand. Wir mussten nur noch eine Treppe hinabsteigen und schon hatten wir wunderschön, weichen Sand unter den Füßen. Wir spazierten den Strand entlang, reckten unsere Köpfe in die Sonne und genossen das rauschende Meer. Durch die Sonne und den Nebel ergaben sich wunderschöne Lichtspiele und das Meer sah noch ein Stück schöner aus, als es sowieso schon ist.

Als es dann langsam Abend wurde, holten wir unsere Campingstühle und setzten uns an den Strand. Hendrik nutzte das Wlan, um noch ein wenig zu arbeiten und Annelie genoss einfach den Sonnenuntergang. Mal wieder geht ein wunderschöner Tag zu Ende.

Mittwoch 19.10. Tofino und Ucluelet

Wir starteten recht früh in den Tag. Nach einem leckeren Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren in das Städtchen Tofino. Leider hielt sich über der Insel so viel Nebel, dass die Sicht sogar in der Stadt recht schlecht war. Das Meer selber konnte man fast gar nicht sehen. Trotzdem genossen wir einen kleinen Spaziergang durch den Surfer-Ort Tofino. Kleine hübsche Holzhäuschen stehen hier hoch auf dem Hügel über dem Meer. Wir besuchten ein paar Lädchen und verbrachten eine Stunde in der Mini-Bücherei. Nach dem Stadtspaziergang machten wir uns auf den Weg an den Strand zum Pacific Rim Nationalpark.

Ein kleiner Abstieg durch den Regenwald führte uns an den wundervollen, langen Sandstrand. Das Meer zog sich gerade zurück und so tobten die Wellen in einiger Entfernung von uns. Das Wetter blieb so eigenartig, wie es begonnen hatte. Die Sonne schien, aber trotzdem war es, als müssten wir mal unsere Brillen putzen. Der Nebel zog immer weiter zu und bald sahen wir fast nichts mehr. Eigentlich hatten wir gehofft, ein paar Tiere zu entdecken. Doch diese hätten bei der Sicht einen Meter vor uns sein müssen, damit wir sie hätten sehen können. Trotzdem war der Ausflug an den Strand wunderbar. Wir wateten durch das kalte Wasser und wärmten unsere Füße im warmen Sand.

Leider hatten wir nicht so viel Zeit an diesem Tag, da wir am nächsten Tag schon wieder woanders sein müssen, um einem Interessenten unser Auto zu zeigen. Also blieb der Besuch am Strand kürzer als gewünscht, denn wir wollten natürlich noch mehr in dieser Gegend sehen. Wir fuhren wieder einige Kilometer zurück, parkten unser Auto am Radar Hill und machten eine kleine Wanderung. Diesmal ging es wieder zu einem Wrack. Diesmal aber nicht, wie letzte Woche, zu einem Zugwrack, sondern zu einem Flugzeugwrack.

Im Jahr 1945 ist hier ein Flugzeug der Royal Canadian Airlines abgestürzt. Das Militärflugzeug hatte einen Motorschaden und dem Piloten ist es gelungen, das Flugzeug so abzubremsen, dass es im Hang landen konnte und rettete damit seiner Besatzung das Leben. Wie Rebecca treffend formulierte „Nur in British Columbia macht man aus allen möglichen Unglücken und Unfällen eine Sehenswürdigkeit“. Wir erreichten das Wrack nach 45 Minuten Gehzeit. Sogar die Triebwerke liegen noch neben dem Flugzeug. Wir erkundeten das Wrack, kletterten ein wenig drumherum und machten einige Fotos, bevor es in der Nachmittagssonne zurück in Richtung Auto ging.

Gäbe es hier kostenlose oder zumindest kostengünstige Campingplätze (aktuell 2022: 55-110 $ für einen Zeltplatz ohne Strom oder Wasser) würden wir wohl auch länger bleiben. Aber so verabschieden wir uns von diesem hübschen Stück Erde und kommen ein anderes Mal wieder. Für uns geht es wieder ins Inselinnere zu einem hübschen, kostenlosen Stellplatz im Wald. Zwar ohne Meer, aber mit einem kleinen Fluss und bunten Blättern.

Donnerstag und Freitag 20.-21.10. ein paar ruhige Tage in der Bibliothek

Den Donnerstag nutzten wir, um unseren Franky mal wieder so richtig sauber zu bekommen. Autowäsche außen, Unterbodenwäsche, Staubsaugen und wischen… das volle Programm. Nach gut einer Stunde sah er dann auch fast wieder aus wie neu und war bereit sich seinen potenziellen neuen Besitzer:innen die nächsten Tage zu präsentieren.

Unser erster Interessent warf einen kurzen Blick aufs Auto, war überzeugt, kann uns nur leider nicht das Geld anbieten, was unser Auto wert ist. Wir suchen also erst mal weiter. Schließlich würden wir uns freuen, wenn unser Auto und die Arbeit, die sowohl von uns als auch den Vorbesitzern hier drin steckt, gewürdigt und genutzt wird. Es wäre schön zu wissen, dass Franky auch weiterhin so tolle Abenteuer beschert, wie er es die letzten Monate getan hat.

Den Donnerstag Nachmittag und Freitag verbrachten wir in der Bibliothek, da Hendrik einiges an Arbeit zu tun hatte und das Wetter regnerisch war. Außerdem zeigte sich das Wetter am Freitag nicht gerade von der schönsten Seite, weshalb wir gar nicht traurig waren, den Tag drinnen zu verbringen.

Da wir am Wochenende Victoria besichtigen wollten und auch hier die Campingoptionen gering sind, entschieden wir uns für einen Provincial Park Campingsplatz, also ein Zeltplatz des Bundesstaates British Columbia. Dieser kostet im Gegensatz zu den privaten Campingplätzen einiges weniger (35$), bietet aber in der Regel mehr als die völlig kostenlosen Recreation Areas. Beispielsweise gibt es hier, Ranger, die auf den Platz aufpassen, sowie Sanitäranlagen und endlich mal wieder eine heiße Dusche.

Samstag 22.10. Victoria

Entgegen unserer Erwartungen, lies sich am Samstag sogar ein wenig die Sonne blicken. Wir zogen also zur Abwechslung mal stadttaugliche Kleidung an und machten uns auf den Weg nach Victoria. Wir parkten auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe von Downtown und spazierten durch Chinatown, entlang am Wasser bis zum Regierungsgebäude.

Immer weiter am Wasser entlang umrundeten wir das Stadtzentrum, vorbei an den bunten Hausbooten der Fishermans Wharf und dem langen Steg am Ognes Point. Hier konnten wir sogar eine dicke, schlafende Robbe beobachten. Mehr Tiere bekamen wir leider nicht zu Gesicht. So viel Stadtluft sind wir gar nicht mehr gewohnt, weshalb wir am Nachmittag erschöpft in ein kleines Cafe einkehrten und uns am frühen Abend auf die Suche nach einem Schlafplatz machten.

Unser Ziel war Swartz Bay, da hier die Fähre abfährt. Am Campingplatz angekommen, versperrte uns aber eine Schranke den Weg. Na toll. Saison vorbei, Camping geschlossen. Um uns herum fanden wir bis auf „Camping verboten“-Schilder auch nicht viel mehr. Also fuhren wir zurück in einen der RV-Parks. Diese gehören definiv nicht zu unseren Favouriten, da sie meist sehr teuer sind und man dann dicht an dicht mit den riesigen Campern steht. Wir bevorzugen dann doch etwas mehr Platz und Natur um uns herum. Es war nun doch schon etwas später und unser letztes Essen war das Frühstück. Dementsprechend hungrig waren wir. Wir wollten uns für unsere letzte Campingnacht nochmal was richtig Leckeres gönne. Spaghetti Carbonara sollten es werden. Das Wasser kochte, die Butter war in die Pfanne geschmissen und dann kam das Geräusch, was alle hungrigen Camper fürchten. Oder viel besser. Es kam kein Geräusch. Das Gas war alle. Und natürlich hatten wir auch keine andere Gasflasche mehr.

Also mussten wir kreativ werden. Schließlich hatten wir ja Teelichter und Feuerzeug. Vielleicht half es, dass in Deutschland seit einiger Zeit vermehrt von Teelichtöfen geredet wurde. So bastelten wir uns aus Steinen uns Teelichtern eine kleine Herdplatte. Angefeuert wurde die dann noch mit Zeitungspapier und schon hatten wir ruckzuck gebratenen Bacon und das Abendessen war gerettet. Zwar war es am ende eher eine lauwarme bis kalte Carbonara, und grundsätzlich unter den Erwartungen, aber so ist das halt manchmal. Am Abend gab es dann noch entfernt ein Feuerwerk zu bestaunen, natürlich nur für uns und als Abschiedsgeschenk für unsere letzte Nacht im Auto, wie wir uns einredeten.

Sonntag 23.10. Vancouver und Bowen Island

Am Sonntag klingelte unsere Wecker um 7.30 Uhr. Wir packten unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zur Fähre. Gemütlich schifften wir über das ruhige Wasser und ließen uns den Wind um die Ohren pusten. Wir hatten aus unserer ersten Fährüberfahrt gelernt und waren nun dick eingepackt und mit Fernglas und voll geladener Kamera bestückt. Aber wie sollte es anders sein, bis auf eine neugirierige Robbe und eine Familie Schweinswale in weiter Ferne, trauten sich diesmal keine Tiere in unsere Nähe. Zumindest sahen wir sie nicht.

In Vancouver konnten wir dann nochmal einem australischen Paar unseren Franky zeigen, dieses Mal sieht die Besichtigung schon wesentlich vielversprechender aus.

Weiter geht es quer durch Vancouver bis nach West Vancouver, wo Hendrik Annelie seine alte „Heimat“ aus seinem Auslandsjahr zeigt. Wir fahren durch die kleine, kurvenreiche Straße am Meer Richtung Horseshoe Bay, von wo aus wir die Fähre nach Bowen Island nehmen. Nach der kurzen Fährüberfahrt sind wir also wieder hier, wo wir uns vor drei Monaten verabschiedet hatten und es fühlt sich an, als wären es nur ein paar Tage gewesen. Bei leckeren Burgern und Poutine freuen wir uns, Rebecca und Jay unsere Reiseabenteuer zu erzählen. Von den Bären und Elchen, von den Matschstraßen die wir gefahren sind und unseren Plänen für die nächsten Monate. Es fühlt sich an, als wäre unsere Reise vorbei. Aber eigentlich sind wir ja mittendrin in unserem großen Abenteuer: Weltreise.

3 Kommentare zu „12. Woche 17.10.-23.10. Vancouver Island & Bowen Island

  1. Euch haut auch nichts mehr aus der Bahn, super wie ihr euch zu helfen wisst. ( 🥘) 👍
    In Tofino, in dem Regenwald mit den uralten Bäumen und am Pazifik Rim waren wir 2009 auch mit euch, die langen Algen haben dich schon damals beeindruckt und waren ein tolles Spielzeug. Vielleicht kannst du dich daran noch erinnern?.
    Das Foto vom Buckelwal 🐋 genial.
    Viel Glück beim Autoverkauf!🍀
    Liebe Grüße

    Gefällt 2 Personen

  2. Karinoma beim Anblick der Wale hätte ich schon Panik bekommen,Aber Abenteurern wie euch kann nichts erschüttern, bitte aber in Mexiko aufpassen, dort soll es nicht so friedlich sein wie bisher,
    Viele Grüße aus Meissen oma und opa

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Annimama Antwort abbrechen