11. Woche 10.10.-16.10.: Prince George, Whistler & Squamish

10.10. Sportlich unterwegs in Prince George

Wir verbrachten eine stürmische Nacht auf einem kleinen Zeltplatz am See. Der Sturm flaute auch am Morgen nicht ab und sorgte für eine richtige Herbststimmung. Dank des Windes hatten die kleinen Wolken am Himmel keine Chance die Sonne lang zu verdecken und so konnten wir ein sonniges Burrito/Quesadilla Frühstück genießen. Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und wollten ca. 30min über eine kleine Schotterstraße zurück zum Highway fahren.

In einer Kurve wurde uns dann aber von einem Pick-Up vor uns der Weg versperrt. Als wir näher kamen, sahen wir auch schon die Ursache. Ein großer Baum war auf die Straße gestürzt. Doch die Besitzer des Pick-Ups hatten schon ganz Arbeit geleistet und einen Teil der Straße so frei geräumt, dass wir hindurchpassten. Auf unserem weiteren Weg lagen dann nur noch ein paar kleinere Äste auf der Straße, die wir aber ruckzuck weggeräumt bekamen. Kurz vorm Ende der Schotterstraße huschte dann auch noch Bär Nummer 18 vor uns über die Straße. Da er aber so klein war, dass Annelie zuerst dachte, es handele sich lediglich um eine sehr fette Katze, haben wir zu spät reagiert, um ein Foto vom Babybär zu bekommen. Unser Tag heute sollte uns nach Prince George bringen. Auch hier gibt es ein großes Gemeindezentrum mit Fitnessstudio und großer Schwimmhalle. Also gönnten wir unserem Körper ein bisschen Abwechslung vom ewigen Auto fahren und powerten uns aus.

Nach unserer Sportsession und einem kleinen Internet-Stop suchten wir uns auch schon einen Platz für die kommende Nacht. Auch diesmal konnten wir einen Zeltplatz an einem See finden. Schließlich wollte Hendrik schon seit mehreren Tagen endlich mal wieder Fisch auf seiner Speisekarte haben. Heute hatte er auch tatsächlich Glück und so gab es für ihn Fischburger am Lagerfeuer zum Abendessen. Leider wird es mittlerweile sehr früh dunkel. Die Sonne verabschiedet sich gegen 7 Uhr und ist spätestens um 8 der kompletten Dunkelheit gewichen. Oft ist es uns dann doch ein wenig zu unheimlich oder auch ungemütlich abends so lang in der Dunkelheit allein im Wald zu sitzen, weshalb wir uns dann doch recht früh in unser Auto verziehen. Die langen, sonnigen Abende vermissen wir schon ein wenig.

Dienstag 11.10. Prince George nach Quesnel

Auch an diesem Morgen begrüßte uns die wunderschöne Herbstsonne. Um ehrlich zu sein, macht Camping so doch um einiges mehr Spaß, als noch im regenreichen und kalten Alaska. Nach einem kurzen Frühstück schnappte sich Hendrik nochmal seine Angel, um sein Glück zu versuchen, während Annelie einfach nur versuchte so viel Sonne wie möglich zu tanken, bevor wir wieder in die Stadt fuhren. Hendrik musste noch einige Arbeit fertig bekommen, weshalb wir es uns für einige Stunden in der öffentlichen Bücherei bequem machten.

Auch diesen Abend verbrachten wir an einem kleinen See im Wald. Hendrik ließ es sich auch diesmal nicht nehmen, sein Abendessen zu fangen. Im glasklaren Wasser konnte man die Fische schon sehen, wie sie angesammelt am Ufer umherschwammen. Diesmal waren es aber Fische, die wir vorher noch nie gesehen hatten. Wir diskutierten und googelten, bis wir zu dem Schluss gekommen sind, dass es sich um den Kokanee Lachs handeln muss. Ein Rotlachs, der entgegen seinem Verwandten, in Seen lebt und deutlich kleiner ist als diese. Also gab es für Hendrik Lachs zum Abendessen.

Gerade als wir beim Essen waren, hörten wir wie es um uns herum raschelte und knackste. Da war etwas im Gebüsch, und zwar was ganz Großes. Als wir dann mit der Taschenlampe dahin leuchteten, starrten uns aus der Dunkelheit zwei orange leuchtende Augen an. Als dieses etwas dann aber mit einem lauten „MUUUH“ weiterzog, war uns klar, dass es sich hier nur um eine Kuh handelt. Diese hatten wir zum Glück schon bei unserer Ankunft im Hellen gesehen, weshalb sie uns nicht so sehr erschrecken konnte. Seit einigen Kilometern und auch auf dem weiteren Weg nach Vancouver sehen wir überall Kühe und Pferde, die auf den weiten Graslandschaften und im Wald grasen, umherlaufen und es sich sichtlich gut gehen lassen.

Mittwoch 12.10. Sonne pur

Seit mehreren Tagen werden wir nun von der Sonne verwöhnt. Und ganz zu unserem Erfreuen, sieht es auch nicht danach aus, als würde sie bald verschwinden. Heute fahren wir wieder einige Kilometer in Richtung Vancouver. Wir halten zwischendurch in 100 Mile House und spazieren ein wenig durch einen Park und einen Wald. Wir entdecken einen großen Bikepark, den Jugendliche gebaut haben und der mehrere Jahre nicht von der Stadt entdeckt wurde, wie uns ein Einheimischer erzählt. Wer sich hier die Rampen runterstürzt, der muss schon gewaltig Mut haben. Für uns wäre das nichts.

Nach dem entspannten Spaziergang sind wir bereit für eine weitere Stunde Fahrt bis zu unserem Schlafplatz. Eine Schotterstraße führt uns in die Berge und wir finden eine große Freifläche in der Sonne mit Blick aufs Gebirge. Wir nutzen die warme Sonne für eine Campingdusche, entzünden ein Lagerfeuer und Hendrik kocht für uns Gulasch. Die Nacht bricht rein und mit ihr, mal wieder, ein atemberaubender Sternenhimmel. Über uns erstreckt sich die Milchstraße, hinter uns der große Wagen und am Horizont vermuten wir Jupiter strahlen.

Donnerstag 13.10. Auf nach Whistler

Unseren Donnerstag Morgen verbringen wir mit Pancakes und Erdbeeren in der Sonne und wundervoller Stille. Es ist so friedlich und so schön warm, dass wir einfach nur den Moment genießen. Irgendwann wird es dann aber Zeit, aufzubrechen. Auf unserer Fahrt überlegen wir kurz, ob wir noch im richtigen Land sind oder ob wir schon Mexiko erreicht haben. Die Berge um uns herum sind grau-braun ausgetrocknet, in der Luft liegt eine Art Staub-Schleier und der Himmel ist wolkenlos. Ja, auch so kann Kanada aussehen, denken wir uns.

Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir Whistler. Unser erster Halt ist am Duffey Lake. Dieser wird an einem Ende von unzähligen Baumstämmen aufgestaut, welche sich in einer halbrunden Formation angeordnet haben. Das Wasser ist glasklar und spiegelt die schneebedeckten Berge am Horizont.

Weiter geht es zum Joffre Lakes Provincial Park, mit seinen türkisen Seen. Allerspätestens hier ist uns wieder bewusst, dass wir wieder unter Touristen sind. Auf der Straße gehören wir nun wieder zu den großen Autos und auch zu den ältesten Autos. Überall sind Menschen, die genau wie wir, bei dem schönen Wetter die Natur bestaunen wollen. Nur kommt es uns so vor, als wären hier alle ein wenig lauter und vor allem schlecht gelaunt. Ein bisschen merkwürdig finden wir das schon. Auf unsere „Hi“ oder „Hello“ bekommen wir nur selten eine Antwort der anderen Wanderer. Aber wir nehmen es mit Humor. Die Natur ist atemberaubend, aber die Einsamkeit der letzten Wochen, war dann doch ein wenig angenehmer. Am Nachmittag besuchen wir noch die Nairn Falls. Aufgrund der Uhrzeit sind hier ein bisschen weniger Touristen unterwegs, was uns sehr freut.

Leider ist es in Whistler nicht so einfach, einen schönen Schlafplatz zu finden. In der Stadt selber ist das Übernachten im Auto verboten und die wenigen Plätze, die es um die Stadt herum gibt, müssen für die vielen Wochenendtouristen reichen. Den ersten Platz unter Hochspannungsleitungen schauen wir uns kurz an und entscheiden schnell, dass es der auf jeden Fall nicht für die Nacht wird. Wir finden noch einen anderen Platz, ein wenig entfernt von der Hauptstraße an einem Staudamm. Nicht der schönste Platz, aber absolut okay für eine Nacht. Bei einer leckeren Portion Nudeln bereden wir unsere weitere Zeit in Kanada. Wir haben nur noch zwei Wochen und könnten noch so viel sehen. Und gleichzeitig müssen wir in unseren letzten zwei Wochen unser Auto verkaufen, die geliehenen Sachen zurückgeben und unsere weitere Reise planen. Alles nicht so einfach, aber wir lassen es einfach auf uns zukommen. Wir sind uns sicher, dass wir schon eine Lösung finden werden.

Freitag 14.10. ein gemütlicher Tag in Whistler

Den heutigen Tag wollen wir entspannt angehen. Wir parken unser Auto in Whistler und machen einen kleinen Spaziergang zum Lost Lake. Ein See, der durch den ehemaligen Gletscher, der sich hier ausgestreckt hat, geformt wurde. Danach wandeln wir noch ein wenig durch das sehr hübsche Whistler, stöbern in Geschäften und genießen die Sonne. Hier fühlen wir uns wirklich wohl. So ein Spaziergang macht hungrig, weshalb wir in ein gemütliches Restaurant zum Burger essen einkehren. Unser Platz mit Blick in die Fußgängerzone ist perfekt, um das Treiben und all die verschiedene Menschen, die ihren Freitag hier verbringen, zu beobachten. In der großen, hellen Bibliothek können wir dann am Nachmittag noch einige Stunden arbeiten und das Internet nutzen, bevor auch dieser Tag irgendwann vorbei ist. Jetzt fehlt nur noch ein Schlafplatz.

Wir haben zwar einen im Internet gefunden, doch der Weg dahin war dann nicht so einfach wie gedacht. Wir mussten den Highway aus Whistler hinausnehmen. Doch die Einfahrt zum Schlafplatz lag auf der anderen Seite des Highways. Ein einfaches Abbiegen war aufgrund des Verkehrs nicht möglich. Also fuhren wir erst mal noch einige Kilometer weiter, um zu wenden. Und wie hätte es anders sein sollen, verpassen wir in der Dunkelheit schließlich die Einfahrt. Also noch mal wenden und das ganze Spiel von vorn. Wir erreichen unseren Schlafplatz gegen sieben Uhr, doch es ist mittlerweile stockfinster. Wir kochen uns noch schnell etwas Kleines zu essen, bevor nach einem Blick in den schönen Sternenhimmel in unser Bett kriechen.

Samstag 15.10. Hoch hinaus zum Garibaldi Lake

Unser Wecker klingelte um 6:45 Uhr. Draußen ist es noch dunkel und kalt. Doch wir haben uns vorgenommen, heute mal früh aufzustehen, um eine etwas größere Wanderung zu machen. Und da es schon so früh dunkel wird, ist der Wandertag automatisch relativ kurz. Als wir am Wanderparkplatz ankommen, stellt sich heraus, dass wir nicht die einzigen mit der Idee waren. Wir ergattern einen der letzten Parkplätze, schultern unseren Rucksack und los gehts. Durch den duftenden Zedernwald geht es immer weiter bergauf und bergauf. Nach 3h und knapp 1000 Höhenmetern lichtet sich der Wald und vor uns breitet sich ein wundervolles Panorama aus.

Der Gletscher am Horizont spiegelt sich im türkisen See, welcher von leuchtenden Bäumen umgeben ist. Ein richtiges Postkartenmotiv. Wir laufen noch ein paar Meter um den See herum, um einen schönen Picknickplatz zu finden. In der Sonne ruhen wir dann unsere Füße aus und essen ein paar Kleinigkeiten.

Am Ende unserer Pause springen wir dann noch in den eiskalten Gletschersee. Das Gefühl danach ist einfach wundervoll. Erfrischt und gut gelaunt machen wir uns auf den Weg zurück nach unten. Nach einigen Kilometern kommt jedoch die erste Langeweile hoch. Irgendwie fühlt sich der Weg bergab viel länger an, als der Weg bergauf. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass wir 9 Kilometer auf Serpentinen den Wald hinunterlaufen. Außer ein paar Eichhörnchen gibt es hier nicht viel Abwechslung und Unterhaltung. Die Füße und Knie sind dankbar, als wir dann endlich den Parkplatz erblicken.

Nach einer kleinen Stärkung in Whistler machen wir uns am Abend auf ins Schwimmbad. Diesmal aber nicht zum Sport machen, sondern vor allem wegen des Whirlpools. Nach wenigen geschwommenen Bahnen gönnten unseren Gelenken und Muskeln ein wenig Entspannung und obendrein gab es auch noch eine erfrischende Dusche. Wir fahren nur noch ein kleines Stückchen, um auf einem abgelegenen Parkplatz, wo Übernachten geduldet wird, mit einigen anderen Autos und Vans die Nacht zu verbringen. Die Auswahl an (kostenlosen) Schlafplätzen ist leider begrenzt, da es rund um Whistler zumeist untersagt ist im Auto/Camper zu schlafen. Der Sternenhimmel ist wieder grandios, allerdings spüren wir die Wanderung und das Schwimmen im Körper, wodurch wir nicht mehr lange draußen waren. Ein bisschen erschöpft und müde, aber glücklich schlafen wir dann ein und sind gespannt was die nächste Woche so bringt.

Sonntag 16.10. Ein gemütlicher Sonntag

Wir stimmten uns am doch recht kühlen Morgen auf Mexico ein und kochten uns leckere Frühstücks-Quesadillas. Doch relativ schnell kam dann die Sonne raus und wärmte uns auf. Auch dieser Tag sollte wieder von Sonne gesegnet sein. Zunächst fuhren wir nochmal nach Whistler rein, um uns in die Bibliothek zu setzen und am Verkauf des Autos zu arbeiten. Die Sonne lachte und alle Menschen hatten diese wundervolle Sonntags-Energie. Wir legten uns mit Kaffee und Eis auf den olympischen Platz und genosssen die Sonne für einige Stunden. Einfach nur daliegen, Leute beobachten, reden und entspannen. So sieht ein schöner Sonntagnachmittag aus.

Gegen 16 Uhr machten wir uns auf Richtung Squamish. Wir wollten noch zum Trainwreck-Trail. Nach einem Zugunglück liegen hier Mitten im Wald verstreut Güterwagons. Diese wurden damals auf Grund von Bergungsschwierigkeiten einfach in den Wald gelegt und verfristen seit dem ihr dasein. Mittlerweile sind sie bunt verziert und ein richtig schöner Wanderweg führt durch den mossigen Wald entlang der Wagons. Die Herbstsonne tat ihr Bestes um am Ende noch für das perfekte Licht an diesem perfekten Fotospot zu sorgen.

Unsere Nacht verbrachten wir auf einem schönen Platz in den Bergen. Hendrik holte mal wieder alles aus unserem Franky heraus und wir landeten hoch über Squamish mit einem Panoramablick auf die uns umgebenden Berge. Durch nahegelegene Waldbrände ist die Sicht leider sehr eingeschränkt. Alles liegt ein wenig nebelig und diesig vor unseren Augen. Der Vorteil ist jedoch, dass die Rauchpartikel die Sonnenuntergänge noch roter, noch schöner aussehen lassen, als sie es sowieso schon sind.

5 Kommentare zu „11. Woche 10.10.-16.10.: Prince George, Whistler & Squamish

  1. Die Seenlandschaften sind traumhaft, vor allem der Duffy und Garibaldi Lake.
    Euer Pärchenfoto ist wunderschön.🥰
    Wir freuen uns auch, dass das Wetter noch so sonnig und warm ist. Da ist das Leben in der Natur doch viel angenehmer, oder?
    Anni, hast du ein neues Haustier (Vögelchen)?Wie ist es dir gelungen, dass es so mutig auf deiner Hand sitzen blieb?
    Ich habe gerade unser Fotobuch von Alaska fertig gestellt, nun bin ich doch etwas wehmütig, wenn ich die schönen Erinnerungsfofos betrachte und auch ein bisschen neidisch auf euch. Aber ich gönne euch es von ganzem Herzen.
    Liebe Grüße von uns

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  2. Hallo ihr zwei Eisbader, mich friert es schon beim Anschauen des Gletscher Sees.Ich gehe ja jetzt wieder zur Wassergymnastik da sind die Duschen nur noch 25 gr ! das ist ganz schön kalt,
    Viele Grüße OMA

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  3. Hallo ihr zwei, ich hänge im Lesen eurer Berichte etwas hinterher. Ich bin ja nicht unbedingt ein Warmduscher, aber ich glaube bei einem Bad im Gletschersee, würde ich erst mal hörbar die Luft einsaugen. Hut ab.

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      1. Das glaube ich dir. Wahrscheinlich haben Arme und Beine gebizzelt, als ihr aus dem Wasser gekommen seid und langsam wieder warm wurdet. Weiterhin eine schöne und erlebnisreiche Zeit.

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