9. Woche 26.09.-02.10. Yukon, Haines & Hyder

26.09. Montag: Yukon, British Columbia, Alaska

„Leise rieselt der Schnee“. Mit diesen Worten wird Annelie morgens von einem aufgeregt, singenden Hendrik geweckt. Es hat geschneit! Nicht nur ein paar Flocken, sondern so richtig. Als wir aus dem Auto steigen, knirscht der Pappschnee unter den Füßen. Der Wald wird mit einer fast schon magischen Stille gefüllt. Wir ziehen also unsere dicken Schuhe und Jacken an und machen uns auf zu einem morgendlichen Schneespaziergang.

Der Schnee um uns herum ist vollkommen unberührt. Nur ein-, zweimal wird die glatte, ebenmäßige Schneedecke von kleinen Spuren im Schnee unterbrochen. Annelie hat sich immer Schnee gewünscht und kaum haben wir Alaska verlassen, wird dieser Wunsch erhört. Wir spazieren ca. eine halbe Stunde durch den Wald, bevor es vor allem Annelie ein wenig kalt wird (dünne Sportleggings sind nicht die beste Kleidung für so einen Tag).

Nun wird unser Franky mal richtig gefordert. Mal sehen, ob er auch Schnee kann. Natürlich kann er das. Ohne Mühen kommen wir aus dem Waldweg raus auf die geräumte Straße. Wobei wir durchaus über den Allrad-Antrieb froh waren. Tatsächlich sind die Straßen, hier mitten im Nirgendwo, besser geräumt als an manchem Schneetag in Berlin.

Ab und zu steckt dann auch noch die Sonne ihr Gesicht durch die Wolken, was die Winterlandschaft perfekt macht. Und so fahren wir gemütlich durch die schneebedeckten Berge, vorbei an stillen Seen und mit einem Kleid aus Schnee geschmückten Bäumen. Am Straßenrand finden wir dann sogar noch einen Baumstachler. Er sieht aus wie ein Stachelschwein, ist mit diesem aber nur im Entferntesten verwandt. Den hatten wir bisher noch nicht in unserem Fotorepertoire.

Kurz hinter Haines Junction weicht dann plötzlich die weiß-grau-blaue Landschaft bunten, leuchtenden Farben. Die Straße ist trocken und die Luft warm. Hier sind wir fast 15 Grad von Schnee entfernt. Wir haben uns für den heutigen Tag noch einen Abstecher ins amerikanische Haines vorgenommen. Der Weg dahin führt uns auf einer wunderschönen Straße durch das Gebirge. Bis zum Horiziont schmücken braun-orangene Büsche die Hänge der Berge. Wir halten die ganze Fahrt Ausschau nach Tieren, werden aber nicht fündig. Trotzdem hat sich Haines für uns schon allein wegen der Fahrt hierhin gelohnt. Gut 60km vor Haines befindet sich der Grenzposten zwischen Kanada und der USA. Fast schon routiniert beantworten wir die Fragen des entspannten Grenzpostens und dürfen nach wenigen Minuten die Grenze passieren. Die Straße schlängelt sich nun immer entlang des riesigen Chilkat Flusses, auf wessen Sandbänken majestätische Weißkopfseeadler über den Fluss wachen.

Unseren Nachmittag verbringen wir in der hübschen Bibliothek von Haines. Zum Abschluss des Tages nutzen wir die hiesige Schwimmhalle, um endlich einmal wieder Sport zu treiben. Wir ziehen für 2 Stunden unsere Bahnen, genießen eine heiße Dusche und haben nach dem Sport in der Dunkelheit absolut keine Lust mehr selber noch etwas zu kochen. Doch leider haben auch schon alle Restaurants in der Umgebung geschlossen. Nur eine Bar hat noch geöffnet. Da es hier auch Pizza gibt, geht es für uns zum Abendessen also hier hin. Am Rand von Haines, in einer Parkbucht am Meer beenden wir dann diesen aufregenden und wunderschönen Montag.

27.09. Dienstag: Endlich Sonne

Für diesen Morgen hatten wir uns einen kleinen Ausflug zu einem See vorgenommen, wo es angeblich Bären geben sollte. Eine schmale Straße führt aus dem Ort Haines heraus, immer am Meeresarm entlang bis zu dessen Ende. Hier verwandelt sich das Meer in einen türkisen Fluss und schließlich in einen wunderschönen See. Auf unserem Weg zu dem See hielten wir immer wieder für tolle Fotos an und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Überall saßen Weißkopfseeadler und erfreuten sich am Lachsbuffet. Leider fehlten allerdings die Bären. Egal, weiter zum See und die Augen offen halten.

Am See angekommen, wir waren genau zum richtigen Zeitpunkt da, sahen wir dann, wie ein Angel-Altmeister einen riesigen Lachs aus dem See fischte. „Mich juckt’s ja schon in den Fingern, wenn ich das so sehe.“ Hendrik hatte leider keine Angellizenz, weshalb er hier bloß zugucken durfte. Das Risiko ohne Angellizenz, wie sonst auch, war uns mit den ganzen anderen Anglern etwas zu hoch. Doch so eine Angellizenz ist schnell besorgt und in Alaska nicht mal mehr teuer. Für 15 $ kann man einen ganzen Tag sein Glück versuchen und darf bis zu zwei Lachse angeln. Nachdem sich Hendrik so eine Lizenz also besorgt hatte und wir in einem Sportgeschäft noch den Erfolgsköder ausgesucht hatten, ging es also erneut zum See. Leider blieb das Anglerglück für Hendrik jedoch aus. Ein klein bisschen enttäuscht ging es dann doch ohne Fisch zu unserem heutigen Schlafplatz.

Auf dem Weg dorthin sahen wir dann, wie am Straßenrand einige Autos parkten und Menschen mit dicken Objektiven Fotos machten. Wo Menschen mit dicken Objektiven sind, sind immer auch Tiere. Also raus aus dem Auto. Und tatsächlich tollten nicht weit von uns entfernt zwei kleine Bärchen Junge im Fluss herum. Mama Bär versuchte den Kleinen wohl gerade zu zeigen, wie sie ihr Abendessen bekommen können. Bei diesem Anblick der zwei kleinen süßen Bären, wurde unser Herz ganz weich. Und endlich hatten wir einen, also sogar drei, Grizzlys bzw. Braunbären von Nahem gesehen. Die Bärenfamilie zog weiter und nach ca. 100 Fotos auch wir. Trotz ausbleibendem Angelglück war der Tag ein absoluter Erfolg. Nach einer großen Portion Spaghetti schliefen wir glücklich ein und freuten uns auf den neuen Tag.

28.09. Mittwoch: Alaska Feeling pur

Der Wecker sollte heute um 7:30Uhr klingeln, allerdings war Hendrik so aufgeregt, dass er schon deutlich vor dem Wecker wach war. Der Morgen war etwas kühler als erwartet, jedoch nicht annähernd so kalt, wie noch vor ein paar Nächten. Wir packten unser Auto zusammen und fuhren zum Chilkoot Lake, noch ehe wir ein Frühstück im Magen hatten oder Annelie ihren Kaffee hatte. Schließlich ging es heute um die Erfüllung des großen Ziels: Lachs fangen. Der See und die Berge drumherum waren noch in eine dichte Wolke gehüllt, doch man konnte das tolle Wetter des Tages bereits erahnen. Die Angel wurde zusammengebaut und jetzt hieß es geduldig sein und auf einen Fisch hoffen.


Während Annelie gemütlich ein Buch las und die Natur genoss, versuchte Hendrik immer wieder aufs Neue einen Fisch an den Haken zu bekommen. Der Nebel lichtete sich, die Sonne begann durchzuscheinen und uns zu wärmen. Der erste Biss. Doch leider ging dieser nach wenigen Sekunden wieder ab. Verdammt. Egal, jetzt erst recht, jetzt muss es doch klappen. Doch die Minuten verstrichen und es tat sich nichts an der Angel. Aus Minuten wurde erst eine halbe Stunde, dann eine Stunde, dann zwei. Das Zweifeln begann. Dann gabs ein Highlight. Wir entdeckten eine Robbe, die durch das Wasser des Sees schwamm. Sie muss die zwei bis drei Kilometer des Flusses hinauf geschwommen sein. Damit haben wir nicht gerechnet. Wo Robben sind, muss auch Fisch sein.

Der Altmeister, den wir gestern schon getroffen hatten, hatte sein Limit mit zwei Lachsen inzwischen erfüllt. Während ein Tourist aus Frankreich gerade ein Foto von den Anglern machte, wie diese vor dem Panorama beieinander stehen, passierte es. „Hooked on!“ Ein Fisch an Hendriks Angel und der Puls war ganz weit oben. Stück für Stück zog er den Fisch näher ans Ufer, dieser leistete regen Widerstand, doch mithilfe eines großen Keschers von einem hilfsbereiten Angler, konnte der Fisch gelandet werden.
Ein stattlicher Lachs hatte tatsächlich angebissen. Der französische, fotografierende Touri war ganz begeistert und machte freudig Fotos von Hendrik und dem Fisch, während sich seine Tochter dafür entschuldigte.

Dann ging es an die Verarbeitung des Fisches, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf das Ganze so zu machen, dass keine Reste oder zu viel Blut übrig bleiben, die die Bären anziehen und vor allem dann auch zum dort bleiben bewegen. Mit dem Filetier-Messer wurde dann der Lachs filetiert. Während Hendrik den Fisch säuberte, hörte Annelie gerade noch den Altmeister zu den anderen Anglern sagen: „Ich hätte nicht gedacht, dass er mit dem großen Köder einen fängt“. Er meinte allerdings auch, dass der Fisch grundsätzlich Derby Potenzial hat. Hätte man sich für 25$ noch ein Lachs-Derby Ticket gekauft, hätte man den Fisch wiegen lassen können und bei einem Sieg am Ende Geldpreise gewinnen können. Beim nächsten Mal vielleicht, erstmal freut man sich überhaupt einen gefangen zu haben.
Damit haten wir tatsächlich bis zu einem gewissen Grad auch nicht mehr gerechnet. Umso schöner, dass es doch geklappt hat. Auch wenn das Lachslimit pro Tag von zwei Lachsen noch nicht ausgeschöpft ist, und Hendrik es weiter hätte versuchen können, sind wir im Anschluss weggefahren. Die Menge an Fisch muss erstmal gegessen werden. Ein zweiter wäre deutlich zu viel gewesen und wir wollen ja nichts verschwenden.


Während die Weißkopfadler über uns kreisen, bei Sonnenschein und blauem Himmel, vor dem Bergpanorama einen Lachs zu fangen, war definitiv ein Highlight der Reise für Hendrik. So stellt man sich Alaska vor. Bären, Adler, Berge, Flüsse und Seen, weite Wälder und Sonne.
Um halb eins konnten wir somit weiterfahren und fuhren zunächst in die Stadt, um Eis und eine Styroporbox für den Lachs zu kaufen. Der soll schließlich frisch bleiben. Im Anschluss ging es dann in den Waschsalon, wo wir sowohl unsere Kleidung, als auch uns selber waschen konnten. Wir wollten ja nicht länger als nötig nach Fischkutter riechen. Dann wurde getankt und für eine halbe Stunde in die Bibliothek gegangen, ehe wir uns auf den Weg zur Grenze machten. Wir verlassen zum vermutlich vorerst letzten Mal Alaska und begeben uns wieder nach Kanada. Dann wird sich ein schöner Schlafplatz gesucht und das Wetter genossen.

29.09. Donnerstag: Das Wetter ist nicht immer toll

Am Mittwochabend fuhren wir zum Schlafen wieder zurück in die Berge. Dank des Sonnenscheines konnten wir nochmal ein perfektes Bergpanorama bestaunen, welches uns auf dem Hinweg nach Haines verwehrt geblieben war. Am Wegesrand entdeckten wir dann noch kurz einen Kojoten, der allerdings im Gestrüpp verschwand, als wir vorbeifuhren, wodurch wir nicht nochmal umdrehen konnten für ein Foto. Leider war das Wetter am Donnerstag nicht mehr so schön. Die Wolken hatten uns eingeholt und hingen schwer und grau zwischen den Bergen fest. Trotzdem genossen wir unsere Fahrt auf perfekter, leerer Straße durch die Berge bis nach Haines Junction und weiter Richtung Süden. Da das Wetter weiterhin ungemütlich blieb, machten wir aus dem Donnerstag einen Fahrtag. Am Abend suchten wir uns einen gemütlcihen Schlafplatz an einem hübschen See. Nach einem kleinen Spaziergang, war es dann aber auch so kalt, dass wir früh am Abend in unserem Auto lagen um uns zu wärmen.

30.09. Freitag: Dünendüsen

Der Freitagmorgen versprach besser zu werden als der Donnerstag. Zum Frühstück gab es Pancakes, das hatten wir schließlich schon lang nicht mehr gehabt. Unser Highlight des Tages sollte die Carcross Wüste sein. Nur 5 Minuten von unserem Schlafplatz entfernt türmen sich große Sandhügel zwischen den Nadelbäumen empor. Vor vielen, vielen Jahren war hier einmal ein großer Gletschersee, der nun seine Sedimente zu Bergen aufgetürmt hinterlassen hatte. Wir waren hier jedoch nicht die einzigen. Ein kleiner Reisebus spuckte ca. 10-20 asiatische Touristen aus, welche genau wie wir beeindruckt von den Sandhügeln waren. Auch wenn wir, genau wie sie, Touristen sind, fühlte sich die Begegnung merkwürdig an. Die letzten Tage hatten wir, wenn überhaupt, nur ein paar wenige andere Touristen gesehen. Meist Camper, wie wir, aber keine mit Kamera und Selfiestick bepackten Touristengruppen. Das surreale Bild wurde perfektioniert von einem kleinen Sandbuggy, welcher scheinbar der Grund für den hiesigen Stopp der Reisegruppe war. Immer drei Leute fuhren (oder eher krochen) mit dem Buggy den Sandberg hinauf und hinunter, bevor die nächsten zwei bis drei Personen an der Reihe waren.

Wir spazierten also durch die kleine Mini-Wüste und Hendrik war sich nach dem Spaziergang sicher, dass so ein Sand-Marathon, doch nicht sein nächster Wettkampf sein würde. Als die Sonne hinaus kam, fühlte es sich ja fast schon an wie am Mittelmeer. Am Auto wieder angekommen, wollten wir der Touristengruppe mal zeigen, wie man wirklich Spaß in den Dünen haben kann. Also Allrad angemacht und los ging es mit Franky in die Sanddünen. Hendrik hatte sichtlich Spaß an diesem kleinen Abenteuer. Nach ein paar flinken Runden in den Dünen ging es für uns zurück auf Asphalt und weiter in Richtung Stewart.

Wir feierten unsere 11.000 Kilometer Marke mit dem obligatorischen Auto-Selfie. Da wir endlich wieder in British-Columbia waren, waren die offiziellen Campingplätze nun auch wieder kostenlos und wir fanden ein gemütliches Plätzchen an einem schönen Fluss. Nach einem schnellen, leckeren Abendbrot ging es für uns ins Bett.

01.10. Samstag: Das Wetter macht uns zu schaffen

Unser Samstag beginnt vielversprechend. Die Sonne lacht, es ist mild. Wir genießen ein entspanntes Frühstück, packen unser Zeug zusammen und los geht es für uns.

Die Sonne macht schnell dem Regen Platz und dieser will sich die nächsten Stunden auch nicht mehr verziehen. Bei diesem Wetter vergeht uns jede Lust irgendwo anzuhalten oder eine Wanderung zu unternehmen. Und so fahren wir und fahren und fahren. Nach acht langen, tristen Stunden Fahrt kommen wir in Stewart an. Es regnet immernoch, es ist kalt und grau. Die Laune ist dementsprechend ähnlich. Wir waren davon ausgegangen, dass uns ein ähnlich gemütliches Städtchen wie Haines begrüßen würde. Vielleicht sogar auch mit einem Schwimmbad oder so.

Doch die Realität sah anders aus. Die Häuser hatten alle schon mal bessere Zeiten gesehen. Es gab eine Straße und das wars dann auch. Da wir hier zum ersten Mal seit Langem wieder Internet hatten, versuchten wir unsere weiteren Tage zu planen. Doch die Fahrt lag in unseren Knochen, wir waren geschafft und vom Wetter deprimiert. Keine der Ideen wo man hin fahren könnte, überzeugte uns. Jetzt war es sowieso spät, wir brauchten was zu essen und einen Schlafplatz. Also fuhren wir noch ein paar Kilometer weiter, bis über die amerikanische Grenze nach Hyder. Wer dachte, dass Stewart trist wirkt, der hat Hyder noch nicht gesehen.

Zumindest an diesem Abend wirkte die Geisterstadt wenig einladend. Die Häuser waren zerfallen, wir furhen an alten verlassenen Fahrzeugen und vor sich hinqualmenden Schrotthaufen vorbei. Aiaiai… Dachten wir uns. Hier wollen wir schlafen? Doch hinter dem Schrotthaufen eröffnete sich eine große Wiese an einem hübschen, rauschenden Fluss. Hier siehts ja ganz hübsch aus eigentlich. Also geben wir dem Ort eine Chance. Wir schlugen hier unser Lager auf und ahnten noch nicht, dass die Entscheidung hier runter zu fahren die beste war, die wir machen konnten.

02.10. Sonntag

Wir schlagen die Augen auf, die Nacht war mild und wir werden am Morgen von der Sonne begrüßt. Endlich wieder Sonne. Endlich wieder blauer Himmel. Man könnte meinen der Frühling läge in der Luft, stattdessen ist es einfach ein wunderschöner Herbstmorgen. Von den Temperaturen so angenehm, dass man(n) sich sogar nochmal in kurzer Hose präsentieren kann.

Nach dem Aufstehen, wird erstmal ein kleiner Spaziergang durch die Gegend unternommen. Mit der Sonne wirkt alles gleich weniger bedrohlich oder unheimlich. Die herumstehenden Objekte wirken richtiggehend schön und interessant. Im Anschluss wird dann von der Campingdusche gebrauch gemacht und der Dreck vom Körper gespült. Während die Handtücher trocknen, packen wir das Auto komplett aus. Auch wenn wir es noch nicht ganz wahr haben wollen, unsere Zeit in Kanada und Alaska ist endlich und neigt sich allmählich dem Ende. Dementsprechend müssen wir auch an den Verkauf von Franky denken. Wir nutzten das tolle Wetter um unser Hab und Gut zu sortieren und das, was wir mit dem Auto zusammen abgeben würden, zu fotografieren. Vom Auto und dem Innenraum wurden auch nochmal zahlreiche Fotos gemacht. Im Anschluss wurde alles wieder ordentlich eingeräumt und verstaut. Es war inziwschen schon Mittag und die Sonne stand im Zenit als wir die Zelte endgültig abbrachen und uns zurück zur Straße begaben.

Unser erstes Ziel war der Salmon Glacier. Wir folgten hierfür einfach der Straße und fuhren gut gelaunt im Gebirge die Straße immer höher. Irgendwann konnten wir ihn dann erstmals erblicken. Absolut sehenswert. Die Straße ging weiter und wir fuhren bis zu einem kleinen Parkplatz, an dem wir hielten und den Ausblick direkt auf den Gletscher hatten. Es war herrlich. Allerdings auch etwas kälter, wodurch aus T-Shirt und kurzer Hose dann Pullover mit kurzer Hose wurde. Nachdem wir Fotos geschossen hatten, setzten wir uns noch auf eine Bank und saßen einfach da und sogen den Ausblick ein. Wir hatten von dort oben auch einen guten Blick auf die weiter unten liegende, ältere Straße, von der uns einer der wenigen Bewohner Hyders erzählt hatte. Die Straße war einst auf Höhe des Gletschers, wie er berichtet hatte. Nun trennen die Straße und den Gletscher viele Meter.

Danach fuhren wir die Bergstraße noch etwas weiter und kamen zu einem alten Tunnel, der inzwischen gesperrt ist. Man konnte noch das Licht des anderen Endes erkennen, allerdings führte heutzutage die Straße nicht mehr durch den Berg, sondern um den Berg herum. Danach ging es den Weg wieder zurück. Wir fuhren zurück bis kurz vor Hyder.

Dort gibt es das Fish Creek, eine Stelle, wo man im Sommer die wandernden Lachse beobachten kann und auch die Bären, die diese fangen und fressen. Es gibt dort einen gut zweihundert Meter langen, hochgelegten Steg, der als Aussichtsplattform und Grenze zu den Bären gilt. Diesen gingen wir entlang, in der Hoffnung möglicherweise noch einen Bären zu sehen. Wir spazierten den Steg gemütlich bis zum Ende, allerdings ohne den erhofften Erfolg. Nach kurzer Wartepause liefen wir dann zurück, in Richtung Auto. Unweit des Eingangs zu dem Steg war ein kleines Gewässer, wo wir uns unsicher waren, ob das wirklich tote Lachse darin waren. Statt der Idee zu folgen, den Weg neben dem Steg dorthin zu folgen und kurz nachzuschauen, ging Hendrik zum Auto zurück, holte das Fernglas und versuchte es auf diese, sicherere, Weise. Als Hendrik vom Auto zurückkam sagte er noch „Also vor drei Tagen wurden hier noch zwei Grizzlys gesehen“. Kurz danach, noch nicht an der Stelle mit dem Blick auf die möglichen Lachskadaver, deutete er dann auf das Ende des Stegs. Aus der Ferne sah es aus als würde ein dickes Zwergponny dort grasen, uns war uns jedoch klar, dass das ein Bär sein müsste.

Selbst aus der Nähe sah der Bär, ein Grizzly, wie sich herausstellte, aus, wie eine Mischung aus Ponny und Berggorilla. Für diese Jahreszeit also adequat wohlgenährt. Während der Bär in einiger Entfernung, aber trotzdem gut sichtbar graste, hofften wir darauf, dass er doch etwas näher kommen würde, damit wir ein gutes Foto hinbekommen würden. Unsere Geduld machte sich bezahlt und Schritt für Schritt kam der Grizzly näher. Dann stapfte er plötzlich in den Fluss hinein und trottete durch das Wasser. Es war grandios anzusehen. Immer wieder schauten wir uns ungläubig an, wie viel Glück wir gerade hatten, den Bären so nah zu sehen. Keine fünfzehn Meter trennten uns und den Bären. Immer wieder grasend oder an Lachskadavern schnuppernd und zum Teil fressend, lief er den Flusslauf hoch. Wir waren total begeistert. Dann kam er plötzlich auf den Hochsteg zu und lief unter diesem hindurch. Uns trennten nur wenige Zentimeter und wenige Holzlatten zu einem über dreihundert Kilo schweren Grizzly. Dieser hatte allerdings nicht böses im Sinn, sondern wollte nur in den kleinen Teich auf der anderen Seite um dort weiter zu fressen. Wir sahen nun einem schwimmenden Grizzly zu, wie dieser immer wieder Lachskadaver vom Boden des Teichs holte, Teile davon fraß und diese dann wieder ins Wasser fallen ließ.

Es war ein herrliches Spektakel. Immer wieder tauchte er auch mit dem Kopf leicht unter um auf den Boden zu spähen und weitere Kadaver auszumachen. Wir näherten uns langsam aber sicher dem Ende des Steges, welches auf den Parkplatz führte und der Bär schritt nach seinem Aufenthalt in dem Teich den Bachlauf weiter hinauf, welcher den Teich speist. Er wanderte somit direkt in Richtung des Parkplatzes, wo unser Auto stand. Wir verließen schnell den Steg und gingen auf den Parkplatz, allerdings nicht um zu unserem Auto zu gelangen, sondern um auf einen weiteren Steg zu gelangen, der den ersten mit dem zweiten Parkplatz verbindet. Der Weg folgte angenehmerweise direkt dem Bachlauf.

Wir gingen somit fast schon mit dem Bären spazieren. Hätte dieser sich aufgerichtet, hätten wir ihm die Pfote schütteln können, so nah waren wir dran. Es war unglaublich. Wir konnten unser Glück nun wirklich nicht mehr fassen. Selbst einem Bären im Zoo wäre man niemals so nah gekommen wie diesem Bären in der Wildnis. Und gleichzeitig konnte man sich auch noch sicher fühlen. Der Bär stapfte gemütlich weiter den Bach entlang und fraß mal hier, mal dort etwas von einem toten Lachs ab. Die Batterie der Kamera neigte sich langsam dem Ende zu, doch selbst mit dem Handy konnte man tolle Bilder und Fotos machen, da man nichtmal zoomen musste. Schließlich erreichten wir das Ende des Stegs.

Es gab keinen dritten Steg und wir hatten insgesamt immerhin schon gut eineinhalb bis zwei Stunden mit Beobachtungen zugebracht, wobei es uns viel kürzer vorkam. Grandios. Als wir dann langsam wieder zum Auto gingen, freuten wir uns nochmal so richtig über das gerade erlebte. Was für ein Zufall es doch am Ende war, dass wir zunächst den Steg entlang gegangen sind und nur weil wir das Fernglas nochmal holen wollten, haben wir das überhaupt erlebt. Ansonsten hätten wir davon nichts mitbekommen. Wären wir ungeduldiger gewesen, hätten wir nicht erlebt wie er badet, oder den Bach neben uns entlang lief.

Die Sonne war inzwischen hinter den Bergen, es wurde somit etwas kühler, zumindest für eine kurze Hose. Trotzdem entschieden wir uns dazu, einfach nochmal kurz den ersten Steg zum Ende zu folgen. Ja, es passierte genau das, was man jetzt ahnen kann. Es war ein zweiter Bär dort aufgetaucht. Ungefähr an genau der Stelle, wo der erste Bär zunächst gestanden hatte. Wir waren baff. Ein zweiter Grizzly. Wir tauften die beiden Bären auf die Namen Victor und Bruno, so wie Hendriks Kuscheltier Bären früher hießen. Inzwischen sind wir bei 16 Bärensichtungen, davon 5 Grizzlys. Es ist unglaublich toll, was wir zu sehen bekommen. Wir entschieden uns, den zweiten Bären nur kurz zu beobachten und dann das Gebiet zu verlassen. Schließlich mussten wir noch unser Schlaflager einrichten. Nach einem kurzen Abstecher zu einer Brücke, die auf den Fjord führt, um ein tolles Foto des Himmels zu machen, ging es zurück zu dem Schlafplatz von letzter Nacht.

Es wurde das Laibgericht der Bären gebraten, Lachs. Dazu gab es Nudeln. Die Sonne war hinter den Bergen vollständig verschwunden und wir mussten auf das künstliche Licht der Taschenlampe zurückgreifen um zumindest etwas sehen zu können. Wir rekapitulierten den Tag und freuten uns über die zurückliegenden Stunden und das tolle Wetter nach dem Regen die Tage zuvor. Der Himmel wurde immer dunkler und die Sterne wurden sichtbar. Wir waren gerade dabei abzuwaschen, als wir im Himmel eine Reihe schnell fliegender Punkte entdeckten. Diese flogen alle in einer Reihe und es schien als würde die Reihe nie enden. Es handelte sich hierbei vermutlich um die „Perlenkette“ von SpaceX.

Im Anschluss genossen wir noch den Blick in den Sternenhimmel. Selbst die Milchstraße konnte mit bloßem Auge ausgemacht werden. Es war grandios. Auf den Bildern der Kamera konnte man am Horizont kurz sogar leichte Nordlichter erkennen, welche für das menschliche Auge nicht sichtbar waren. Annelie versuchte bestmöglich noch ein paar Fotos einzufangen, allerdings war der Akku der Kamera inzwischen bei 0% angelangt. Immer wieder wurde sie ganz kurz geladen, während wir uns weiter bettfertig machten, um dann doch nochmal zwei drei Fotoversuche unternehmen zu können. Im Anschluss schliefen wir dann schnell und sehr zufrieden ein. Was für ein Tag!

7 Kommentare zu „9. Woche 26.09.-02.10. Yukon, Haines & Hyder

  1. Am meisten beeindruckt hat mich der Baumstachler, noch nie gehört. Bildungslücke geschlossen, danke.
    Aber Eure Freude im Schwimmbad warauch nicht zu übersehen.
    Harder Fisch geschmeckt? Das filetieren sah wirklich professionell aus, Hut ab!
    Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Reisebericht.

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    1. Kannten wir vorher auch nicht und mussten wir googeln, um herauszufinden, was das ist.
      Es war toll, sich mal wieder so richtig sportlich zu betätigen! Das wollen wir definitiv wiederholen.
      Der Fisch war jeden einzelnen Tag super lecker. Ich hätte gedacht, dass es mir irgendwann zu viel wird, aber das ist zum Glück nicht eingetreten.
      Jahrelange Übung an kleineren Fischen, danke :D.
      Liebe Grüße, Hendrik

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  2. Einfach beeindruckend was ihr alles erlebt. Habt ihr da keine Angst vor den Bären?
    Viele liebe Grüße von Oma, Opa und Nati! 🙂

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  3. Wiederwahl unglaublich was ihr so erlebt.Jedesmal denkt man beim Lesen Eures Blocks das ist nicht mehr zu tippen, aber dann …..Sezt ihr noch einen drauf! Einem Grizly so nah zu kommen,solche Aufnahmen machen zu können ist der Wahnsinn! Aber auch die Fotos vom Gletscher, welche mich unheimlich faszinieren,und die Fotos vom Sternenhimmel sind auch wunderbar.Die Wüstenralley wäre auch was für Holger gewesen. Er hätte auch seinen Spaß gehabt. LG und noch viele sonnige Tage. Bei uns ist diese Woche der Altweibersommer, genial.Vitamin D tanken,

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    1. Ja wir denken auch immer: besser wird nichts mehr. Aber dann kommt immer wieder eine neue Überraschung 😍
      Genießt die Sonne! ☀️☀️

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