7. Woche 12.09.-18.09. Homer und Seward

Montag 12.09. Homer

Mit dem Rauschen des Meeres im Ohr geweckt zu werden, ist immer wieder toll. Auch, dass wir keine Regentropfen auf unser Dach fallen hörten, gefiel uns. Es wurde mal wieder Zeit für eine Campingdusche, um frisch in den Tag starten zu können. Leider hätten wir uns die bei dem gerade wieder einsetzenden Regen auch sparen können… Da bekamen wir eine doppelte Dusche.. Schade… Naja, wir versuchen ja stets das Beste daraus zu machen und uns die Laune nicht verderben zu lassen. Also nur ein kurzes Frühstück und dann ins kuschelige Auto, um uns in Richtung Homer auf den Weg zu machen. Keine zehn Minuten gefahren, schon gab es die erste Schrecksekunde. Eine riesige Elchkuh kam plötzlich aus dem Gebüsch, wenige Meter vor uns gerannt, über die Straße und verschwand auf der linken Seite. Man war kurz verdutzt und froh, dass man rechtzeitig bremsen konnte. Der Tag fing also mal wieder mit Wildlife an, das finden wir auf jeden Fall schonmal schön.

Nach gut einer Stunde Fahrt erreichten wir dann das kleine Städtchen Homer. Zunächst spazierten wir zum Strand. Das Wasser zog sich gerade immer weiter zurück, Ebbe herrschte. Auf einem trockengelegten Felsen sahen wir es dann. DAS Symbol für Freiheit und für die Vereinigten Staaten von Amerika – zumindest aus Sicht der US-Bürger, einen Weißkopfseeadler. Ein weiteres wundervolles Tier, welches wir nun auf unserer Reise bewundern konnten. Nach dem kleinen Spaziergang ging es weiter in Richtung Hafen von Homer. Auf einem kleinen Damm fährt man bis in den Meeresarm hinein, wo sich das touristische Zentrum Homers befindet.

Hier reihen sich viele süße Läden aneinander. Doch die meisten eint ein Schild: „Closed for this year – see you next season“. Die Saison 2022 ist nunmehr wohl auch offiziell zu Ende. Wir können uns aber sehr gut vorstellen, wie hübsch es hier bei schönem Wetter im Sommer sein kann. Nachdem wir die Erkundung abgeschlossen hatten, verließen wir Homer und es ging wieder in Richtung Soldotna. Auf dem Rückweg sahen wir dann erneut einen Elch, allerdings in dem Fall ein deutlich jüngeres Exemplar. Uns fehlt leider weiterhin der Anblick eines Grizzlys und eines männlichen Elchs, mit dem wunderschönen Geweih. Aber wir können uns nicht beschweren.

Da das Wetter weiterhin regnerisch ist, kehrten wir am Nachmittag ein, um im Trockenen etwas zu arbeiten und auf besseres Wetter zu hoffen. Im Anschluss fuhren wir an einem Industriegebiet vorbei, um zu unserem Schlafplatz zu gelangen. Ein kleiner, gemütlicher Parkplatz, keine fünfzig Meter vom Strand entfernt. Man konnte auch hier wieder das Meer rauschen hören. Sogar der Regen hatte inzwischen aufgehört. Nach einem kleinen Strandspaziergang machten wir uns noch etwas zu Essen und legten uns dann ins Bett. Keine Sekunde zu spät, wie sich herausstellte. Kaum war die letzte Tür zu, fing es richtig schön an zu regnen.

Dienstag 13.09. Über die Kenai Halbinsel nach Seward

Mit Sonnenstrahlen im Gesicht wurden wir geweckt. Herrlich, endlich wieder gutes Wetter! Erstmal ging es wieder an den Strand und zum Meer, dort sahen wir auch erneut einen Weißkopfseeadler. Diese schönen Tiere begegnen uns hier nun wirklich regelmäßig. Zum Frühstück gab es Hendriks Spezial Ei-Käse Bagel, Erdnussbuttertoast und heißen Kaffee. Das sollte uns eine Weile satt halten.

Endlich konnten wir mal entspannt draußen sitzen, das Auto säubern und umräumen, ohne dass alles sofort nass ist. Wir versuchten uns auch nochmal als Automechaniker/innen und checkten ein paar Dinge, die unsere Motorkontrollleuchte auslösen könnten. Unsere Vermutung ist nach wie vor, dass sich an irgendeinem Sensor zu viel Dreck abgesetzt hatte. Also krabbelte Annelie unter das Auto und klopfte allen Dreck ab, der irgendwie störend aussah, während Hendrik den Motorölstand checkte.

Im Anschluss machten wir einen kurzen Abstecher in die Stadt Kenai rein, ehe wir am frühen Nachmittag weiter nach Seward fuhren. Inzwischen sind wir bei über 8.000 km auf dem Tacho. Wir haben also eine ähnliche Distanz mit dem Auto zurückgelegt, wie wir von Berlin bis Vancouver geflogen sind. Während es auf dem Weg teilweise etwas regnete, hatten wir das Glück, dass es bei unserem Campingplatz wieder trocken war.

Wir campten am Kenai Lake. Kurz bevor wir unser Lager aufschlugen, hielten wir noch an einem kleinen Fluss. Auf diesen hatten wir von einer Aussichtsplattform einen guten Blick auf das Wasser und konnten so die dort schwimmenden Lachse sehen. Die großen, rot leuchtenden Tiere kämpften mit aller Kraft darum die Strömung zu überwinden. Immer wieder mussten einige aufgeben und wurden sofort mit der Strömung weggerissen. Angeln ist hier strikt verboten, und ehrlicherweise sehen einige Fische auch nicht mehr ganz appetitlich aus.

Unser Zeltplatz lag idyllisch an einem großen, kalten See, umgeben von alten Nadelbäumen. Wir waren scheinbar die einzigen auf dem Campingplatz, was die ohnehin schon etwas gruselige Stimmung noch verstärkte. Also aßen wir unsere Nudeln diesmal möglichst schnell um uns in das warme und zumindest tiersichere Auto zu kuscheln.

Mittwoch 14.09. Ausflug nach Seward

Nach einer ruhigen Nacht war es Zeit für ein Bad im glitzernden See. Dass der See SO kalt ist, hat Annelie jedoch nicht gedacht, weshalb sie nach wenigen Sekunden auch wieder draußen war. Hendrik musste danach auch noch einmal unfreiwillig baden gehen, da sich ein Köder in einem Stück Holz am Grund des Sees verhakt hatte.

Im Anschluss gab es dann ein kurzes Frühstück, ehe wir unsere Reise bis Seward fortsetzten. Dort ging es für uns in die lokale Bibliothek, um mit einem grandiosen Ausblick über die Bucht etwas zu arbeiten und zu lernen. Im Anschluss schauten wir uns noch etwas die kleine Stadt an. Auf einer Straße, nördlich von Seward, Richtung Gletscher, fanden wir dann einen schönen Ort für die nächtliche Ruhe. Direkt auf einem trockenen Flussbett, umringt von Bergen. Ein wirklich schöner Platz.

Nachdem wir etwas Feuerholz gesammelt hatten, entzündeten wir das Lagerfeuer und wärmten uns etwas auf. Nachdem das Feuer gut brannte und schön heiße Glut entstanden war, stellten wir die gusseiserne Pfanne in die Glut. Nach einigen Minuten war dann das herrliche Kartoffelgratin fertig. Die Sonne ging schließlich unter und es wurde kälter im Tal und somit Zeit fürs Bett.

Donnerstag 15.09. Erneut in der Bibliothek Seward

Für den Morgen stand eine Fahrt und mögliche Wanderung zum Gletscher an. Als wir allerdings um uns herum schauten, mussten wir feststellen, dass die Wolken äußerst tief hingen und man generell kaum etwas sah. Wenn man am Abend zuvor nicht den tollen Blick auf die Berge gehabt hätte, könnte man am Morgen fast meinen, es wären keine da. Wir entschieden uns somit nach einem kurzen Frühstück gegen die Tour zum Gletscher und wollten diese möglicherweise am Abend machen. Auf dem Weg nach Seward rein fing es dann auch schon wieder an zu regnen. Nach kurzen Besorgungen und dem Besuch im Waschsalon, schüttete es dann so richtig. Wir gingen also wieder in die Bibliothek, um an diesem regnerischen Tag produktiv zu sein. Mit dem Blick auf die Bucht, bei bestem Internet, lässt es sich an so einem regnerischen Tag durchaus ganz gut aushalten. Da es auch am Abend nicht aufhörte zu regnen, entschieden wir uns dazu bei Subway einzukehren und dort zu essen, statt im Regen dann noch kochen zu müssen. Im Anschluss fuhren wir zum Lowell Point, einem Aussichtspunkt auf die Bucht. Dort gab es bei einem Campingplatz noch Duschen, die wir nutzen konnten, um wieder schön warmzuwerden. Die Nacht verbrachten wir dann allerdings genau an dem Spot, wo wir die Nacht zuvor auch schon geschlafen haben.

Freitag 16.09. Auf zum Gletscher

Der Morgen bricht an, die Sonne strahlt, so ist es doch schön! Zwar ist es noch ziemlich kalt draußen, doch die Sonne, die wir nach Tagen endlich wieder richtig sehen, macht da einiges wett. Tolles Wetter bedeutete für uns eines: Unsere Chance, um zum Gletscher zu kommen. Also fuhren wir im Anschluss an das Frühstück die Exit Glacier Straße weiter, bis wir beim Exit Glacier ankamen. Dort ging es dann auf eine kleine Wanderung in Richtung Gletscher. Wir liefen immer wieder an Schildern mit Jahreszahlen darauf vorbei. Erst 1917, dann 1951 und 1965. Jeweils bis zu mehrere Hundert Meter auseinander. Bei dem Aussichtspunkt, mit Blick auf den Gletscher war dann das Schild 2005 und weitere fünfzig Meter weiter das 2010 Schild. Diese Schilder zeigen an, bis wohin der Gletscher in dem Jahr gereicht hat. Das zeigte uns auf negativ beeindruckende Art und Weise, wie extrem weit dieser Gletscher alleine in den vergangenen 12 bis 17 Jahren zurückgegangen ist.

Auf dem Rückweg vom Gletscher Aussichtspunkt gingen wir dann noch kurz auf das Geröllfeld, durch das sich der Gletscherfluss zieht. Hier wurden auch einige Eisbrocken angespült, die zuvor vom Gletscher abgebrochen sind. Nach der Wanderung ging es dann wieder zurück nach Seward und in die Bibliothek, um weiterzuarbeiten und fürs Studium Aufgaben zu schaffen.

Am Abend gab es dann Lagerfeuerpizza. Wir besorgten uns TK-Pizza, wickelten sie in Alufolie und legten sie auf die Glut des Lagerfeuers. Bis auf einige wenige Stücken, welche ein wenig zu viel Rauch abbekommen hatten, schmeckte die Pizza fantastisch. Das machen wir nochmal!

Samstag 17.09. Ein sonniger Bibliothekstag

Der Samstag, war ein Sonnentag. Die Wolken verzogen sich, der Himmel leuchtete blau und es schien, als wäre die Stadt zu neuem Leben erweckt wurden.

Wir nutzen das gute Wetter und fuhren noch einmal zum Gletscher, um ein Foto von ihm mit blauem Himmel zu erhaschen, bevor wir uns wieder Richtung Seward aufmachten.

Überall sah man Kinder und Familien, die kleinen Cafés und Läden hatten geöffnet und lockten zum Stöbern. Auch heute war ein Lern-/Arbeitstag für uns. Doch die Mittagspause konnten wir in der Sonne verbringen. Scheinbar waren die 15°C für Alaska ein Sommertag. So gab es tatsächlich jemanden, der sich an der Promenade in Badehose sonnte…

Sonntag 18.09. Wanderung zum Harding Icefield

Am Sonntag hat die Bibliothek geschlossen, weshalb wir hier nicht arbeiten können. Unsere Laptops hatten keinen Strom mehr und so war an Arbeiten am Camper auch nicht zu denken. Deshalb nutzten wir den freien Tag und das gute Wetter für eine Wanderung zum Eisfeld des Gletschers. Hatten wir ihn bisher nur von unten bestaunen können, so ging es nun 1000 Höhenmeter für uns bergauf. Der Weg beginnt an einem gut ausgebauten Parkplatz, verläuft durch bunte Wälder, über kleine Flüsse und schlängelt sich immer weiter in die Höhe. Schon nach kurzer Zeit begegnete uns unser erstes Wildlife. Ein Auerhuhnpaar saß auf dem Wanderweg. Während das Männchen beeindruckend versuchte das Weibchen zu imponieren, lieferte es uns ein wunderschönes Fotomotiv. So kann es weiter gehen, dachten wir uns.

Nach 30-40 Minuten wurde der Wald lichter und die Luft dünner. Die Beine waren zwar noch frisch, dennoch sind wir gut ins Schwitzen gekommen. Aber der Gipfel rief und so wanderten wir in einem ordentlichen Tempo immer weiter. Nach ca. 1/4 der Wanderung lösten große Büsche die Bäume ab und ein erstes Panorama auf den Gletscher offenbarte sich vor uns. Noch ein paar Höhenmeter später wichen auch die Büsche bunten Flechten, wodurch wir nun einen wunderbaren Blick auf die Gipfel vor uns hatten.

Plötzlich hörten wir ein schrilles Fiepen. Und dann bewegte sich plötzlich ein großer schwarzer Punkt am Horizont. Ein Bär! Voller Aufregung zückten wir Kamera und Fernglas und versuchten dieses massive Tier irgendwie festzuhalten. Dann raschelte es plötzlich im Gebüsch und zum Vorschein kam ein kleines Pelzknäuel. Daher kam also das Fiepen. Überall um uns herum sah man süße, runde Murmeltiere mit Gräsern im Maul. Sie nutzen den Sonntag scheinbar zur Nestpflege und bereiteten ihr Winterquartier vor. Beschwingten Schrittes liefen wir immer weiter den schmalen Wanderweg entlang. Mit so einem Wildlife hatten wir nicht gerechnet, auch wenn wir es uns vorher sehr gewünscht hatten. Nur wenige hundert Meter nach unserer ersten Bärensichtung tauchte der zweite Bär auf. Ganz gemütlich schlenderte er zwischen den Blaubeeren entlang und sah fast aus wie eine grasende Kuh. Leider immer noch zu weit weg für gute Fotos, aber trotzdem ein Moment für die Erinnerung. Diese beiden Bären waren definitiv deutlich massiver und größer als die beiden, die uns beim Auto besucht hatten.

Wir waren mittlerweile so weit oben angekommen, dass auf unserem Weg kaum noch Gräser oder Flechten wuchsen. Die bunte Landschaft verwandelte sich immer mehr in eine graue, surreale Gesteinswelt. Noch wenige Minuten und Höhenmeter, und wir hatten den Endpunkt der Wanderung erreicht. Vor uns eröffnete sich ein atemberaubendes Panorama auf das Eisfeld des Gletschers, welches bis an den Horizont zu reichen schien. So fühlt sich Freiheit an.

Nach einer kleinen Pause war es Zeit für den Rückweg. Und wer gedacht hätte, wir haben schon alles gesehen, der irrt. Wie sich herausstellte, war einer der Bären nicht allein unterwegs, sondern hatte noch zwei kleine Bärenjungen bei sich. Wir konnten unser Glück der Bärenbeobachtungen kaum fassen, als wir einen jungen deutschen Fotografen trafen und der uns zeigte, welche Bärenbilder er ein Stück weiter unten mit seinem Teleobjektiv zwei Stunden zuvor aufgenommen hatte. Sowas wollten wir auch! Und das Glück sollte auf unserer Seite sein. Kurz bevor die Flechten, den Büschen weichen, tauchte plötzlich ein wunderschöner Schwarzbär vor uns auf. Weit genug entfernt, als dass wir uns sicher fühlen, nah genug dran, um schöne Fotos zu machen. Der Bär schaute uns kurz an, nahm uns wahr und widmete sich dann wieder seinen Blaubeeren, sodass wir ganz entspannt ein paar tolle Schnappschüsse aufnehmen konnten. Vor dem Hintergrund natürlich faszinierend und durch die Nähe des Bärens auch ohne Teleobjektiv sehr gut machbar.

Was für ein wundervoller Tag! Heute waren wir einfach richtige Glückspilze! Im Tal wieder gut angekommen, fuhren wir erstmal zu einem Zeltplatz, um dort eine heiße Dusche in Anspruch zu nehmen. Auf dem Rückweg zu unserem üblichen Stellplatz sahen wir dann an der Seite sogar noch zwei Elche. „Variationen Alaskas“ beschreibt unsere Tiererlebnisse heute sehr gut.

2 Kommentare zu „7. Woche 12.09.-18.09. Homer und Seward

  1. Herrlich wieder der Bericht.Da es bei uns auch regnerisch und kalt ist, bin ich auch mit meinen Gefühlen bei euch.Weiterhin gute Fahrt und noch viele schöne Tierbegegnungen.Viele Grüße Eure Oma

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