Montag 29.08. Northern Lights

Wir hatten unser Nachtlager aufgeschlagen, etwas Leckeres gegessen, mit Aufsicht auf einen kleine Seen und einige Berge in der Ferne. Die Mücken sind zwar nicht mehr so stark vertreten wie im Hochsommer, allerdings kommen sie noch vor und sind durchaus lästig. Dadurch, dass es wirklich kalt war, waren die warmen Schlafsäcke eine willkommene Aussicht, weshalb wir uns früh am Abend in unser Auto verkrochen. Die Sonne war untergegangen und wir schauten uns passend zum Sonntagabend noch gemeinsam eine zuvor heruntergeladene Folge einer Serie an. Da diese spannend war, folgte im Anschluss auch noch die zweite Folge. Es war inzwischen kurz vor Mitternacht. Nebel stieg auf. Kurz bevor wir schlafen wollten, fuhr ein drittes Auto auf den Parkplatz und hielt. Während Annelie ihre App für Nordlichter checkte, wunderte ich mich, warum die Personen aus dem Auto in unsere Richtung schauten und Fotos machten. Wir hatten die ganze Zeit schon Ausblick nach Nordlichtern gehalten, doch bisher keine entdecken können. Doch dann sahen wir unsere ersten Polarlichter hinter der Autoscheibe tanzen. Es war atemberaubend. Wir öffneten die Tür und stiegen aus oder streckten zumindest den Kopf hinaus in den Himmel. Es war ein wunderschönes Spektakel. Nach gut zehn Minuten war es dann auch schon wieder vorbei, aber eine tolle Erfahrung. Wir hoffen, sie in den kommenden Tagen erneut zu sehen.

Nach dieser aufregenden Nacht klingelte der Wecker 5:50 Uhr. Es war Zeit für das Meeting, welches verschoben wurde, weswegen wir auf dem Parkplatz in Whitehorse genächtigt hatten. Der Computer wurde aufgeklappt und ein Hotspot errichtet. Kopfhörer rein, damit Annelie weiter schlafen konnte und schon konnte es losgehen. Während es draußen noch kalt war, konnte man so drinnen eingekuschelt daran teilnehmen. Nunja, der essenzielle Teil des Meetings konnte nicht durchgeführt werden, wodurch es am Dienstag zu Part drei kommen soll. Wir werden sehen, ob es diesmal klappt. Im Anschluss wurde dann nochmal „kurz“ (bis 10:30 Uhr) weitergeschlafen, ehe wir gemeinsam aufgestanden sind und gefrühstückt haben.

Heute war Fairbanks angesagt. Erstmal ging es zu einem Tier-Forschungs-Reservat der lokalen Universität und im Anschluss zum Visitor Center. Die LARS (large animal research station) liegt idyllisch zwischen Bäumen und saftig grünen Wiesen auf welchen süße, zottelige Moschusochsen grasen und Kraniche über die Wiesen stolzieren. Besucher können sich von den Studierenden durch die Station führen lassen (11$/7$). Wir erhaschten aber nur den Blick von außen bevor es weiter für uns zum Visitor Center geht.


In erster Linie um hier Internet für Arbeit und Co. zu bekommen. Allerdings gab es dort drin eine wundervolle, kostenlose Ausstellung rund um Alaska und die Menschen der Region. Über die Tiere, über die Natur und auch über deren Leben. Das war äußerst spannend und ansehnlich. Nachdem wir 2-3h gearbeitet haben und die Besucherprospekte gelesen hatten, war es Zeit das schöne Wetter zu genießen.

Wir machten einen ca. 40 minütigen Spaziergang zum Pioneer Park. Der Spaziergang ging immer entlang des Chena Rivers. Auf der Karte sieht der Weg jedoch deutlich schöner aus, als er sich in Wirklichkeit präsentiert, empfehlen würden wir ihn daher nicht unbedingt. Der Pioneer Park ist eine Art Outdoor-Museum. Kleine Hütten im Goldgräberstyle, ein großer Sielplatz und einige kleine Museen. Montag und Dienstag ist hier jedoch scheinbar eine Art Ruhetag, weshalb alle Shops und Essensstände geschlossen hatten. Wer hier in der Gegend ist, kann den Park mal mitnehmen und für Kinder ist es sicher eine tolle Gelegenheit sich auszutoben. Einen extra Zwischenhalt ist er unserer Meinung nach jedoch nicht wert.

Den Abend verbrachten wir dann am Onlet Pond Campground. In Alaska sind, im Gegensatz zu British Columbia, die sogenannten Recreation Areas nicht kostenlos, sondern kosten 20$ pro Nacht. Da Wildcampingplätze in der Umgebung von Fairbanks bzw. weiter im Norden immer rarer werden, haben wir uns diesmal für den kostenpflichtigen Campingplatz entschieden. An einem kleinen Teich waren wir neben einem weiteren Camper und einem Biberpaar die einzigen Gäste und konnten so einen ruhigen und entspannten Abend erleben. Und das Beste war natürlich die Gelegenheit zum Angeln für Hendrik. Schon nach wenigen Minuten hatte er seinen ersten Fisch an der Angel und es folgte bald darauf der Zweite.
Dienstag 30.08. In Richtung Polarkreis
6:00 Uhr, 8°C, Nebel. Das Aufstehen fällt unter diesen Bedingungen besonders schwer, ist es doch so kuschelig in unseren Schlafsäcken. Aber die Arbeit ruft. Also raus aus den Federn und zusammenpacken. Gerade als Hendrik aus der Tür steigt hört man ein lautes „Platsch“. Die Fische sind scheinbar auch schon lange wach und springen durch den Teich. Ein bisschen Zeit haben wir ja noch, denkt sich Hendrik, schnappt sich seine Angel und holt tatsächlich innerhalb weniger Minuten seinen ersten Fisch des Tages raus. Dieser wird zu dem anderen Fisch von gestern Abend in die Salzlake eingelegt, bevor wir nun wirklich zusammenpacken können und uns auf die Suche nach Internet machen. Wir fuhren um viertel vor sieben los und kamen nichtmal bis zum Highway, da hatten wir schon passables Internet. Da es eh nur noch 5min bis zum Meeting waren, hielten wir kurzerhand am Wegesrand. Hendrik wählte sich ein, Annelie machte sich einen hießen Kakao und einen Bagel. Nach anderthalb Stunden war das Meeting zu Ende und es konnte weitergehen. Oder doch nicht? Einer der letzten Sätze war, dass gewisse andere Themen in einem Anschluss Meeting noch zu besprechen waren, und Hendrik dabei sein sollte. Da plötzlich das Internet einbrach, entschieden wir in Richtung Fairbanks zurück zufahren, bis es wieder besseres Netz gäbe. Nunja, das resultierte darin, dass wir komplett die fünfzehn Minuten bis Fairbanks zurückfuhren und uns bei einer Filiale einer globalen Fastfood-Kette mit WLAN und Strom versorgten. Dort empfingen wir dann auch die Nachricht, dass Hendrik nicht an dem weiteren Meeting teilnehmen brauchte. Jetzt waren wir schon zurückgefahren, dann nutzten wir die Zeit für andere Dinge, für die wir Internet benötigten.

Nach gut drei bis vier Stunden kam es dann zum kompletten Systemabsturz bei McDoof, wodurch alle Personen gebeten wurden das Lokal zu verlassen. Da das WLAN durch den Absturz eh nicht mehr funktionierte, brachte uns der Ort eh nichts mehr. Kurz nochmal rüber zum Walmart und zwei, drei Notwendigkeiten kaufen, ehe es wieder auf die Piste ging. Glatt nach Norden in Richtung Polarkreis. Wir fuhren ungefähr zweihundert Kilometer, bis zum 5 Mile Campground. Nachdem wir angekommen waren, wurde ausgepackt und allmählich auch alles zum Räuchern des Fisches vorbereitet. Der Fisch wurde an Haken gehängt, ein Räucherzelt gebaut und ein Feuer entzündet. Beim Sammeln des Zubehörs, wurde, keine fünfzig Meter vom Auto entfernt, eine Biberburg an einem kleinen Teich entdeckt. Die Biberfamilie werkelte auch fleißig an ihrem Bau oder schwammen zumindest genügsam im Teich. Ein toller Anblick. Später setzten wir uns sogar an den Rand des Teiches, verhielten uns ruhig, wodurch die Biber auf bis zu fünf Meter rankamen.
Das Räuchern des Fisches funktionierte leider nicht wie geplant. Schuld trug in erster Linie der zu dem Zeitpunkt recht penetrante Wind und die dafür nicht optimale Struktur des Räucherzelts. Zusätzlich wurden wir von nervtötenden Fliegen der Größe einer Eintagsfliege geplagt, die auf uns krabbelten und zum Teil unangenehm in die Haut bissen. Der Rauch und das Feuer schienen sie sogar noch weiter anzulocken.

Auch wenn das Räuchern selber nicht so einwandfrei verlief, schmeckte das Resultat dennoch wunderbar. Sehr saftig, nicht nach Räucherfisch, aber sehr zart und fiel unmittelbar von jeglichen Gräten ab. Im Anschluss an unser Essen gingen wir noch etwas spazieren, mit der Hoffnung den Fliegen etwas zu entkommen und gleichzeitig vielleicht noch etwas wildlife zu sehen. Beide Wünsche gingen leider nicht in Erfüllung. Eine dunkle Wolke näherte sich dann schließlich uns und wir entschieden gerade rechtzeitig ins Auto zu krabbeln und uns ins Bett zu legen, ehe der Regen wirklich anfing.
Mittwoch 31.08. Über dem Polarkreis

Nach einer ruhigen und langen Nacht ging es dann am Mittwoch immer weiter in Richtung Norden. Schon nach wenigen Stunden hatten wir unser Ziel erreicht. Der Polarkreis. Ganz unspektakulär steht da ein großes Holzschild auf verlassenem Parkplatz. Wir knipsen das typische „Wir-waren-hier“ Foto und wandeln noch etwas in der Gegend rum, als ein kleiner Van anhält und ein alter Mann mit weißem Vollbart aussteigt, so ganz typisch Alaska eben. Wir unterhalten uns kurz, woher wir kommen, wohin wir wollen. Als wir ihm sagen, dass wir eigentlich jetzt wieder nach Süden wollen, sagt er nur knapp: „Fahrt doch nach Deadhorse, sind nur noch 300 Meilen“. Dann dreht er sich um und verschwindet im Wald.


Wir beide schauen uns an und wissen, dass wir denselben Gedanken haben. Wollen wir es machen? Wir wollen es machen. Also ab ins Auto und los gehts. Wir wollen an den Arktischen Ozean, an den Nordzipfel Alaskas. Wie weit wir generell noch über den Polarkreis wollen, war vorher schon Diskussionsgrundlage. Jetzt war das Ziel klar und dementsprechend fuhren wir los. Weiter den James Dalton Highway entlang. Der James Dalton Highway, zählt zu den einsamsten und gefährlichsten Straßen der Welt. Insgesamt drei Tankmöglichkeiten gibt es auf dem langen Highway. Es wird empfohlen, stets mindestens zwei Ersatzreifen mitzuführen.

Der Dalton Highway ist am Ende eine 666km lange Gravelroad… Bei guten Verhältnissen, nur eine staubige Straße. Sobald es dort regnet, wird es eine Schlammfahrt. Wer mehr, über die Straße erfahren will, dieser Artikel hat es ganz gut erklärt oder man schaltet bei DMAX eine der Trucker Dokus über die schwierigsten Straßen ein, da ist die Straße auch regelmäßig zu finden. Wie schlimm kann es schon werden? Unser Auto war ja schon etwas dreckig (dachten wir), und robust ist es auch, da wird doch diese kleine Straße auch keinen Unterschied mehr machen.

Der wunderschöne herbstliche Wald säumt die Seiten des Highways, während wir immer weiter nach Norden vordringen. Während wir mit angenehmer Geschwindigkeit die Straße entlang fuhren, links und rechts nach Tieren ausschau hielten und ständig den Schlaglöchern auswichen, wurde aus der angenehmen Straße allmählich die zuvor angekündigte Gravelroad. Wir erreichten schließlich Coldfoot, die zweite Tankmöglichkeit des Highways und unser Auto war auch durstig. Die Tankleuchte leuchtete bereits und so mussten wir das Auto volltanken. Während es in Fairbanks noch 4,4$/Gallon gekostet hat, kostet es an den Tankstellen auf dem Highway zwischen 7,8$ und 8,3$/Gallon. Letzteres entspricht immerhin 2,12€/Liter. Für Deutsche Verhältnisse zwar inzischen auch fast schon günstig, aber angenehm ist es dennoch nicht. Wir sind auch hier wieder froh, dass das Auto „nur“ zwölf Liter auf Hundert Kilometer verbraucht und nicht wie manch anderer Van oder Wohnmobil das doppelte. Vollgetankt werden muss, egal was der Preis ist, sonst kommen wir nicht bis oben. Das wussten wir. Und billiger würde es sowieso nicht werden.

Nachdem wir uns im Visitorcenter noch einige Informationen, sowie Broschüren und die Karte des Highways gesammelt hatten, ging es wieder auf die Straße. Wichtig war vor allem zu wissen, dass der Highway nur bis Deadhorse führt und nicht bis zum arktischen Ozean selber, da dazwischen noch ein bewachtes Industriegebiet liegt, welches man nicht selber befahren darf. Hierfür muss man im Voraus eine 70$/Person-Tour buchen, um die letzten zehn Kilometer zum Wasser gefahren zu werden. Also haben wir uns für den kommenden Tag noch eine solche Tour gebucht und unsere Passinformationen zur Überprüfung hinterlegt (sie lassen schließlich nicht jeden auf die Tour, aus Sicherheitsgründen für die Ölfirmen).

Wir waren ungefähr eine Stunde wieder von Coldfoot entfernt, da passierte das, was man auf einer der einsamsten Straßen der Welt gebrauchen kann: Die Motorkontrolleuchte ging an. Panik. Wir hielten an der nächsten Einbuchtung fest und öffneten die Motorhaube. Joa, der Motor war noch da. Viel mehr sagte uns der Blick allerdings nicht. Ein Blick auf das Handy, selbstverständlich weder Empfang noch Internet. Da wir beide kaum bis keine Ahnung von Autos haben, war dieser Moment der, vor dem wir uns mitunter am meisten gefürchtet haben. Insbesondere, da wir mitten im Nirgendwo standen.
Also erstmal kurz tief durchatmen und die Situation analysieren und die Meldung im Benutzerhandbuch des Autos genau studieren. Der Motor raucht nicht, der Motor hat bei der Fahrt keine komischen Geräusche gemacht, der Ölstand ist im guten Bereich, ein Verlust der Leistung des Motors war nicht festzustellen, es stand im Benutzerhandbuch – anders als bei anderen Meldungen – nicht, dass man sofort stoppen muss. Das sind erstmal keine ganz schlimmen Voraussetzungen. Welche Optionen haben wir? Zurück nach Fairbanks sind es ungefähr 450km. Dort sind defintiv Werkstätten, die uns gegebenenfalls weiterhelfen können. Weiter bis Deadhorse? Dafür ist es noch zu weit weg, als, dass wir uns guten Gefühls dorthin wagen würden. Zurück nach Coldfoot und schauen, ob es dort einen Mechaniker gibt? Erstmal die sinnvollste Alternative, vor allem auch, weil wir dort noch Netz hatten. Also ging es die fast einhundert Kilometer zurück bis Coldfoot. Es fühlte sich ein bisschen wie Versagen an. Natürlich würden auch im Süden Alaskas wundervolle Abenteuer auf uns Warten, aber wir wollten doch in den Norden. Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein.

Wir trafen in Coldfoot ein und auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt, dass sie keinen Mechaniker haben. Das einzige was sie haben ist eine Reifenwerkstatt, doch deren Monteure sind bereits weg, kommen frühestens morgen um 8Uhr morgens zurück. Man könnte sie für 80$ anrufen, dann würden sie sich auf den Weg nach Coldfoot machen. Allerdings sind es Reifenmonteuere und generell steht nicht fest, ob sie einem irgendwie weiterhelfen können. Ernüchternd. Also erstmal die Personen per SMS konsultiert, die sich entweder generell mit Autos auskennen oder dieses Auto im speziellen sogar kennen. Das Problem: Es war zu dem Zeitpunkt 17Uhr, also 3Uhr nachts in Deutschland. Während wir den Motorraum nach gerissenen oder abgerissenen Schläuchen absuchten und die wichtigsten Sicherungen geprüft wurden, überlegten wir, wie es weitergehen sollte. Wir entschieden uns, in der Nähe zu nächtigen und es am kommenden Tag bei den Reifenspezialisten unser Glück zu versuchen.
Nach ungefähr einer Stunde starteten wir den Motor erneut. Er ging wie immer ohne Probleme an und sogar die Motorkonrtolleuchte war erloschen. Damit hatten wir jetzt nicht gerechnet. Inzwischen hatten wir auch Nachrichten aus Deutschland erhalten, dass es sich schätzungsweise um kein großes Problem handeln sollte, vielleicht liegt es an verdreckten Sensoren. Wir sagten uns, dass – in Anbetracht des gebuchten Termins am kommenden Tag – wir dann doch erstmal noch weiterfahren wollen. Also ging es wieder auf den Highway und der Blick wanderte stets etwas nervös zum Armaturenbrett, ob die Leuchte wieder anging.


Wir passierten die Stelle an der wir angehalten und umgekehrt waren, weiterhin ohne Anzeichen der Motorkontrolleuchte. Wir fuhren weiter und erreichten den Atigun Pass. Es war inzwischen eine wirkliche Schlammfahrt geworden. Die Straße war total aufgeweicht vom andauernden Regen und so hielten wir kurz vor dem Pass an einer Ausbuchtung an und schauten nach vorne. Wir stiegen aus und vertraten uns nochmal kurz die Beine. Als wir aus dem Fahrzeug stiegen versanken die Schuhe erstmal etwas im Matsch. Es war schlimm. Es regnete weiterhin etwas. Wir sahen hinauf zum Pass und waren beeindruckt. Dies war wirklich der Beginn der Brookskette, der zweitgrößten Gebirkskette Alaskas. Während wir einem LKW dabei zusahen, wie dieser sich durch den Schlamm den Berg hoch wühlte, verstanden wir, warum dieser Highway gefährlich war. Wir hatten es so weit geschafft, da schaffen wir das hier auch. Wir setzten uns mit matschigen Füßen wieder ins Auto, atmeten tief durch und schalteten den Allradantrieb ein. Da wir selbst auf der geraden Straße im Matsch zum Teil bereits erste Rutscherlebnisse hatten, gingen wir auf Nummer sicher und schlichen den Pass hinauf. Meter um Meter wühlten sich die Räder durch den Matsch und trugen auch immer weiter eine Dreckschicht auf das Auto auf. Wir schafften es und erklommen den obersten Punkt.
Es war inzwischen schon spät geworden und es wurde allmählich dunkler. Diesen Pass bei gutem Wetter befahren kann ja jeder, aber bei Regen, Matsch und in der Dämmerung? Wir wollen doch die ganze Erfahrung mitnehmen. Wo man hoch fährt, muss man irgendwann auch wieder runter, doch auch das schafften wir und das Auto ohne Probleme. Nach weiteren kleineren Anstiegen hatten wir es schließlich geschafft. Den letzten Baum hatten wir inzwischen hinter uns gelassen, Grund hierfür war allerdings nicht die Höhe der Gebirgskette, sondern da wir uns so weit im Norden befanden. Doch dann ging die Motorkontrollleuchte wieder an. Verdammt dachten wir. Für zurück sind wir jetzt zu weit weg und in Deadhorse soll es auch einen Mechaniker geben. Außerdem soll es ja eh nicht so schlimm sein. Wir fuhren in der starken Dämmerung weiter bis zu einer Campingmöglichkeit am Galbraith Lake. Hier gab es zusätzlich angenehmerweise auch noch Netz und auch Internet über die mobilen Daten. Es war inzwischen nach 23Uhr und wir können sagen, dass die Scheinwerfer des Autos nicht unbedingt für die Nachtfahrten gemacht sind. Erst Recht nicht mit 2-3cm Matsch obendrüber. Zum Glück ist es dort oben immernoch etwas länger hell. Nach dieser erschöpfenden und aufregenden Fahrt, fielen wir todmüde ins Bett und schliefen sogleich ein. Es muss allerdings noch erwähnt werden, dass die Natur und Aussicht trotz der Strapazen unglaublich schön anzusehen war.
Donnerstag 01.09. Zum Toten Pferd

Nach dem anstrengenden Vortag klingelte der Wecker und es wurde Zeit aufzustehen und die Landschaft um uns herum bei Tageslicht zu bewundern. Ein wunderbarer Anblick. Auf der einen Seite liegen die Berge und auf der anderen Seite das sich endlos streckende Flachland. Nach einem kurzen leckeren Frühstück wurde nochmal der Motor gecheckt und auch etwas Öl nachgefüllt, was wir eh schonmal machen wollten. Dann der spannende Moment, was sagt die Anzeige? Die Anzeige leuchtete weiterhin, verdammt. Aber nun gut, so sei es. Trotzdem gut gelaunt ging es in Richtung Deadhorse. Es dauerte keine Stunde, ehe uns die ersten Caribu vor das Auto liefen. Da waren wir endlich wieder, in der Nähe des Wildlifes. Kurze Zeit später machten wir dann auch Bekanntschaft mit dem ersten Moschusochsen. Wirklich bezaubernde Tiere. Nachdem wir sie anfangs der Woche noch eingezäunt bewundert haben, konnten wir sie nun noch viel besser in freier Umgebung ansehen.

Während wir weiter die Gravelroad entlang fuhren und das Land flacher wurde, konnten wir wunderbar weit sehen und die Tiere auch in der Ferne entdecken. Zum Teil machten wir Pause um den Ausblick zu genießen und suchten dann mit dem Fernglas nach Tieren. Wir beobachteten auch dutzende Jäger, wie sie versuchten sich an Tiere heranzuschleichen. Ihr Ziel waren die Caribu. Allerdings herrschten gewisse Regeln, die die Jagd limitiert. Einerseits dürfen nur Pfeil und Bogen benutzt werden, andererseits darf nur auf die männlichen Tiere geschossen werden. Die weiblichen Tiere sind komplett unter Schutz, schließlich sind diese gerade noch trächtig oder führen ihre Jungen mit sich. Dank des weiten Ausblicks, ohne Bäume, konnten wir viele Caribu Herden und auch einige Moschusochsen Herden entdecken. Regelmäßig hielten wir auch für Tiere, die ganz nah am Auto waren, um Fotos und Videos von denen zu machen. Generell ohne Teleobjektiv zu fotografieren hat zur Folge, dass man ziemlich nah an den Tieren dran sein muss. Wenn man dann aber die scharfen Bilder betrachtet, kann man sich sicher sein, dass uns und die Tiere keine fünfzig Meter trennten.

Schließlich wurde die Straße ausgesprochen gut. Keine Schlaglöcher und ausschließlich Asphalt. Dann erreichten wir die Ansammlung Deadhorse. Einwohnerzahl: 27. Allerdings sind das die Personen, die wirklich das ganze Jahr dort leben. Aktuell sind im Durchschnitt ungefähr 2.500 Personen in Deadhorse. Das interessante ist, was wir später von unserem Guide erfuhren, dass alles per LKW angekarrt wird. Selbst das Wasser. Selbst das Trinkwasser wird vollständig angekarrt, das Abwasser wird dann wieder abtransportiert. Deswegen kostet eine Autowäsche – und die hätte unser Auto mehr als gebrauchen können – über 140$ gekostet.
Jetzt aber der Reihe nach. Nach unserer Ankunft in Deadhorse ging es erstmal zur Tankstelle. Einmal vollgetankt und dann den Mechaniker suchen. Wir wollen schließlich auf der sicheren Seite sein. Den fanden wir schließlich auch, auch wenn wir bei den genannten Raten etwas schlucken mussten. Allerdings würde ein Abschleppen aus dem Nirgendwo durchaus mehr kosten. Wir wurden angenehmerweise kurz dazwischengeschoben und nach nicht einmal zehn Minuten kam der Mechaniker zu uns. Er hatte die Diagnose laufen lassen und konnte uns den Fehlercode geben. Da sie allerdings nur Ford reparieren kann er für uns nichts tun. Es sei aber nichts gravierendes. Wir können bis Fairbanks ohne Probleme fahren und wenn das Licht dann wieder auftritt sollen wir einfach mal dort bei einem Toyota Händler eintrudeln. Ihr könnt also weitermachen, das war alles, schönen Tag noch. Bei der Frage bezüglich der Bezahlung winkte er ab und wir waren sehr erleichtert.

Wir fuhren zum Startpunkt unserer Tour zum Arktischen Ozean und hatten noch kurz Zeit uns Nudeln zu kochen. Während wir Essen kochten, näherte sich ein neugieriger und wirklich schöner Fuchs.

Im Anschluss ging dann die Tour los. Mit vier anderen bestiegen wir gemeinsam den kleinen Bus und fuhren los. Unser Guide erklärte dann noch diverse Dinge und beantwortete all unsere Fragen. Er machte uns auf diverse verschiedene Vogelarten aufmerksam und fuhr uns schließlich durch das Industriegebiet bis hin zum Wasser. Da waren wir nun, am nördlichsten Punkt unserer Reise. Dann hieß es Schuhe ausziehen und einmal in das ungefähr vier Grad kalte Wasser gehen. Man hat so zumindest einmal kurz im arktischen Ozean gestanden. Hier trennten uns nur noch 1200 Meilen bis zum Nordpol.
Nachdem wir zurückgebracht wurden, verabschiedeten wir uns von Deadhorse und fuhren schon einmal ein wenig wieder gen Süden. Schließlich haben wir noch eine lange Rückfahrt vor uns. Wir hielten und schliefen mit einer wunderschönen Aussicht über das sich vor uns ausbreitende Flachland.
Freitag und Samstag 02.-03.09. Ab jetzt nur noch gen Süden

Fahren, Fahren, Fahren. Das beschreibt diese beiden Tage ziemlich gut. Während wir auf dem Hinweg noch ganz aufgeregt an jeder Kurve anhielten, kannten wir mittlerweile schon die Ausblicke, was sie natürlich kein Stückchen weniger imposant, aber nicht mehr ganz so aufregend machte. Stunde um Stunde sammelten wir Kilometer und näherten uns immer weiter Fairbanks, dem Anfang unserer Reise in den Norden. Freitag war der Regenbogentag. Da wir immer mit der Sonne vor uns dem Regen hinter uns weg fuhren, wurden wir quasi permanent von einem Regenbogen verfolgt. Sowieso ist die Anzahl an Regenbögen die wir in den letzten Tagen gesehen hatten unglaublich.

Die Nacht verbrachten wir auf einer Flussbank, zu welcher wir uns über Kies und kleine Nebenflüsschen unseren Weg bahnten. Als es dann abends leicht zu regnen begann, während wir in den Schlafsäcken lagen, kam uns der Gedanke, dass ein Flussbett möglicherweise nicht der beste Ort für die Nacht ist, wenn es regnet. Allerdings hörte der Regen auch schnell wieder auf und so konnten wir unbesorgt einschlafen. Das Highlight des Samstags war ein Schwarzbär, welcher plötzlich hinter einer Kuppe mitten auf der Straße auftauchte. Doch schon nach wenigen Sekunde war der Bär im Wald verschwunden. Endlich wieder einen Bären gesehen. Mittlerweile war das Wetter nicht mehr ganz auf unserer Seite. Regen und Nebel tauchten die bunten Wälder in ein tiefes Grau und sorgten nicht unbedingt für schönere Straßenverhältnisse. Aber auch solche Tage gibt es auf langen Reisen. Nachdem Annelie am Freitagabend mit Flusswasser das Auto etwas gereinigt hatte, war es nach der Fahrt am Samstag schon wieder komplett dreckig. Die Motorkontrollleuchte war inzwischen wieder angegangen, doch nachdem wir von vielen Leuten gehört haben, unter anderem auch vom Mechaniker in Deadhorse, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit wirklich nur mit Schlamm bedeckte Sensoren sind, machten wir uns weniger Sorgen. Nachdem wir über die Sicherungen die Leuchte nochmal zurückgesetzt hatten und eine zentimeterdicke Schlammschicht sowohl am Freitag, als auch Samstagabend vom Auspuff abgekloppft hatten, ging die Leuchte seitdem nicht mehr an.
Sonntag 04.09. Zurück nach Fairbanks

Nachdem wir am gestrigen Tag relativ früh im Bett waren, wurden wir heute recht früh wach. Es regnete weiter. Na super. Um kurz nach acht hörte der starke Regen dann auf, wodurch wir uns nach draußen trauten. Der Boden war genauso matschig wie das Auto und regelmäßig saute man sich die Kleidung weiter ein. Inzwischen war auch das egal. Nach den vergangenen Tagen war eh alles dreckig. Es wurde Zeit für einen Waschtag. Es waren nur noch anderthalb Stunden Fahrt bis Fairbanks. Wir machten zwischendurch noch kurz Halt um die Angel auszuwerfen. Ohne Erfolg. Also weiter zurück zur Zivilisation. Zunächst ging es zum Walmart. Einkaufen war angesagt. Wir hatten inzwischen fast nichts mehr, weder für das Frühstück, noch fürs Abendessen. Selbst unsere Nudel- und Tomatensoßenreserven (welche auch für eine 5-köpfige Großfamilie hätten sein können) hatten sich aufgelöst. Dementsprechend mussten wir die Kreditkarte glühen lassen und konnten uns so wieder mit Nahrung eindecken. Im Anschluss wurde das Auto mit Nahrung versorgt. Hier wieder zum fast halben Preis im Vergleich zu Deadhorse oder Coldfoot.

Dann ging es endlich zum Waschsaloon. Die ganzen dreckigen und stinkenden Klamotten gingen in die Waschmaschine, während das Auto zur gleichen Zeit ebenfalls eine Wäsche spendiert bekam. Mit dem Hochdruckreiniger wurde der Schlamm entfernt und es kam langsam aber sicher das Silber wieder zum Vorschein. Selbst die Nummernschilder waren wieder erkennbar. Im Anschluss wurde sich noch für ein paar Stunden ins Internet eingewählt, ehe es zur Suche nach einem Schlafplatz ging. Diesen fanden wir letztlich alleine mitten im Wald, etwas abseits vom Highway. Ein wenig gruselig so alleine mitten im Wald, aber wird schon gut gehen. Wir sind gespannt, was uns die nächste Woche so bringt.




















Bei uns hat auch die Motorleuchte geblinkt und der Autovermieter hat nur abgewinkt und uns gesagt ,dass alles o.k. wäre , sollen uns keine Sorgen machen.
Wir wollten auch erst ganz hoch in den Norden. Das Vorhaben scheiterte jedoch an Mängel an Zeit. Im Nachhinein bezweifle ich , dass unser Wohnmobil die Fahrt geschafft hätte. War am Ende doch wesentlich abenteuerlicher als bei uns im Reiseführer beschrieben. Umso toller fand ich , dass ihr euch trotz vieler Unwegbarkeiten nicht habt unterkriegen lassen . Es gibt bestimmt nicht viele Touristen, die so weit im Norden waren. Die Landschaften und Tierwelt sind der Lohn für Mühen und Strapazen. Macht weiter so und wir drücken euch die Daumen,dass alles weiter so gut klappt.
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heute war wieder Kino im Heim.Opa hat da eine
große Freude dabei wenn ich ihm die Texte vorlese.Hast du deine Küchemaschine mit?etwas rotes war auf euren Tisch zu sehen.
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Hallo Oma,
Das ist schön, wenn ihr euch das immer zusammen angucken könnt!
Nein das ist unser Campingkocher. Da sind zwei kleine Gaskochplatten drin versteckt 😀
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