Hüttentour 2020

Tipps & Wissenswertes

  • Unsere Wegbeschreibung findet ihr hier
  • Giglachseehütte:
    • 53€ p.P. mit Abendessen á la Carte und Frühstück+ Lagerplatz+ Dusche (5€)
  • Keinprechthütte:
    • 60€ p.P. Abendessen + Frühstück + Lagerplatz+ Dusche (4€)
  • Gollinghütte:
    • 47€ p.P. Abendessen á la Carte und Frühstück + Lagerplatz+ Dusche (5€)
  • Preintaler Hütte:
    • 50€ p.P. Abendessen á la Carte und Frühstück + 2 Bett Zimmer + Dusche (4€)

Tag 1

Unser erster Tag begann recht früh um 6:45 Uhr. Ein Blick auf den Wetterbericht lies jedoch nichts Gutes ahnen. Bei Regen und Gewitter wollten wir wirklich nicht 7 Stunden durch die Berge wandern. Also entschieden wir uns, eine verkürzte Tour zu gehen und stellten den Wecker aus. Nach einem entspannten Frühstück mit Kaiserbrötchen und Erdbeermarmelade machten wir uns auf den Weg ins 40 min entfernte Schladming. Im Internet hatten wir uns vorher einen Parkplatz ausgesucht auf dem man auch über Nacht stehen darf. Das ist hier auf den kostenlosen Wanderparkplätzen nämlich nicht (!!) der Fall. Hier begann unser kleines morgendliches Drama. Für den Parkautomat brauchten wir 33€ für 5 Tage in Münzen. Münzen gabs aber nur bei der Bank. Also einmal über die Straße gerannt und Münzen besorgt. Der Automat wollte dann jedoch kein Ticket für 5 Tage hergeben. Also ab zur Seilbahninformation. Hier bekommt man auch ein Parkticket für mehrere Tage. Unser eigentlicher Wanderbus mit dem wir die verkürzte Tour geplant hatten war mittlerweile weg. Die nette Dame empfahl uns jedoch auf den Wanderparkplatz in Hochwurzen zu fahren, dieser ist schließlich kostenlos. In einer letzten Euphorie versuchten wir noch den ursprünglichen Wanderbus auf dem Weg einzuholen, scheiterten dann aber an der Navigation. Also setzten wir alles zurück auf Anfang und fuhren zur Gipfelbahn Hochwurzen , wo wir unser Auto kostenlos abstellten.

Von dort aus ging es auf den Gipfel und dann weiter Richtung Roßfeld. Wir wählten von hier aus eine vereinfachte Tour, die auch sehr gut bei Regen oder mit Kindern bewältigt werden kann. Der Nebel hing noch tief über den Bergen und ein leichter Nieselregen sorgte für einen rutschig, feuchten Weg. Da wir jedoch größtenteils durch Bäume und Wälder wanderten störte uns der Regen nicht wirklich. Als wir eine schöne Alm betraten, lies sich sogar die Sonne blicken. Scheinbar gab uns die Sonne so ein gutes Gefühl, dass wir meinten es wäre Zeit für eine Abkürzung. Naja diese Abkürzung, war keine! Also bleibt auf den Wegen!

An der Ursprungalm legten wir noch eine kurze Pause ein. Hierhin führt auch ein Wanderbus, für alle die eine ganz kurze Tour möchten oder direkt von ihrer Anreise kommen.

Die letzte Stunde ging es eine Fahrstraße nach oben bis zur Giglachseehütte. Annelie merkte mit jedem Schritt, dass sie über die letzten Monate doch ein bisschen Kondition verloren hat. Aber mit Hendrik als Motivationscoach gings dann doch. Auf der Giglachseehütte gab es dann lecker Spiegelei und Gulasch und wir konnten uns für den nächsten Tag ausruhen. Die Hütte ist wirklich sehr schön am See gelegen und die Kühe vor der Haustür sind vor allem für Kinder ein Highlight. Alles in allem, eine wirklich gute Tour für den ersten Tag.

Tag 2

Unser zweiter Tag startete mit einem Geräusch, was wohl die meisten Wanderer hassen. Regen. Dicke Tropfen fielen auf das Dach und begruben die Wanderlust unter sich. Doch beim Frühstück verzog sich der Regen und die ersten Flecken von blauem Himmel wurden sichtbar. Um 8:20 Uhr schulterten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf zur Keinprechthütte. 

Dazu mussten wir zuerst die Rotmandlspitze erklimmen. Der Weg führte uns hinein in die Berge. Teilweise war der Weg etwas ausgesetzt und schwierig. Vor allem die letzten 100 Höhenmeter erforderten eine gute Ausdauer. Ein Stück neben dem Weg konnten wir eine Horde an Krähen sehen, die sich an einem Schafskadaver zu schaffen machten. Wir liefen getreiben vom Verwesungsgeruch sehr schnell an diesem vorbei und erreichten nach 2h die Spitze.

Dort erfolgte unser erster Gipfelbucheintrag und ein Gipfelbild. Hier oben war es durch den starken Wind recht kühl, weshalb wir uns schnell wieder auf den Weg nach unten machten. Über ein Geröllfeld ging es immer bergab. Ein Stück weiter im Kessel der Berge machten wir dann auch unsere wohlverdiente Mittagspause und stärkten uns bei Trockensalami und Müsliriegel. Nach diesem kruzen Abstieg mussten wir nochmal ein paar wenige Höhenmeter laufen um eine kleine Scharte zu überqueren.

Auf der anderen Seite konnten wir schon unser Ziel erkennen. Die Keinprechthütte lag einige hundert Meter unter uns geschützt am Fuße der Klippen. Durch eine wunderschöne, romantische Almlandschaft ging es immer stetig bergab. Bei unserer zweiten Pause machten wir Bekanntschaft mit einer Schafsherde. Diese hat uns direkt in die Herde aufgenommen und machte sich mit uns auf den Weg nach unten. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob die Schafe wirklich in Frieden kommen, weshalb das Herz doch ein wenig schneller geklopft hat, als ein Schafsbock auf uns zugestürmt kam. Irgendwann waren wir dann wohl doch zu uninteressant für die Schafe und wir konnten die letzten Meter alleine hinter uns bringen. 

Vor der Keinprechthütte befindet sich ein kleiner flacher See. Dieser lud zum erneuten Picknick ein. Wir aßen unser Mittagessen mit dem Blick auf ein wunderschönes Bergpanorama, bevor wir die Keinprechthütte bezogen. Heute erwartete uns ein kleines Lager unter dem Dach. Die Attraktion dieser Hütte sind wohl die vielen Tiere. Zwei große starke Pferde trabten über die Almwiesen, neben der Terasse hoppelten einige Zwergkaninchen und die Schafe grasten auf den saftigen Weiden.

Wir beschlossen diesen kurzen Wandertag mit einem leckeren Kaiserschmarrn zu feiern und lasen Bücher und spielten Spiele in der Sonne.

Der nächste Tag würde schließlich anstrengender werden. 

Tag 3

Am Tag drei war unser Ziel die Gollinghütte. Direkt nach dem Frühstück stiegen wir im Schatten der Berge immer höher in Richtung der Trockenbrotscharte auf. Wir waren sehr froh über die noch kühlen Temperaturen, da der Weg zwar nicht außerordentlich anspruchsvoll war, jedoch immer steil bergauf ging. Zum Glück rückte unser erstes Etappenziel immer näher.

Auf 2237m Höhe erreichten wir die Trockenbrotscharte, wo es an Stelle von trocken Brot, knusprige Kekse gab. Von diesem Punkt aus, konnten wir unsere nächstes Ziel mehr als deutlich erkennen. Vor uns erhob sich der Hochgolling. Wir beide waren uns sicher, da kann doch kein Weg hinauf führen, so schroff und steil wie er war. Doch irgendwie musste es ja möglich sein.

Um das genau herauszufinden, begaben wir uns auf direktem Weg in Richtung des Hochgolling. Anstatt abzusteigen und auf der anderen Seite des kleinen Tals wieder bergauf zu gehen, entschieden wir uns für den Höhenweg. Dieser ist als anspruchsvoll beschrieben. Bei schönem Wetter und Sonnenschein und zu dem Zeitpunkt an dem wir da waren (später August) war die Begehung jedoch kein Problem. Ein schmaler Weg führt immer oberhalb der steilen Klippen auf ungefähr einer Höhenlage in Richtung der Gollingscharte. Lediglich eine kleine Passage erfordert etwas Klettergeschick. Am Ende des Höhenweges erwartete uns dann noch ein großes Geröllfeld, welches wir für die letzten Höhenmeter bis zur Gollingscharte überwinden mussten. 

Auf der Gollingscharte angekommen, machten wir erstmal eine wohlverdiente Pause um unsere Kräfte zu sammeln, schließlich wollten wir ja heute noch bis nach ganz oben!

Um nicht unnötig Gepäck transportieren zu müssen und Bewegungsfreiheit für den anspruchsvollen Aufstieg zu haben, legten wir unsere Rucksäcke am Fuße des Gipfels ab und liefen ohne jegliches Gepäck los. Wir würden jedoch allen empfehlen eine Wasserflasche, welche man sich fest um die Hüften binden kann, mitzunehmen. Der Weg auf den Hochgolling ist wirklich anspruchsvoll und erfordert auch für erfahrene Wanderer sehr gute Konzentration und Ausdauer. Den größten Teil der Strecke klettert man schroffe Steine empor oder läuft über sehr schmale Wege. Wandere mit Höhenangst sollten diesen Weg auf keinen Fall gehen. Denn selbst uns ist beim Blick in die Tiefe etwas schwummrig geworden. 

Der Blick vom Gipfel entschädigt jedoch für die brennende Lunge und schmerzenden Oberschenkel. Wir hatten das riesige Glück, dass das Wetter auf unserer Seite war und wir ein wunderschönes Bergpanorama überblicken konnten. Von hier oben konnte Hendrik sogar seine Familie via Facetime an unserer Aussicht teilhaben lassen. Wir waren für den Tag wohl einer der letzten die den Gipfel erklommen haben und so konnten wir die unglaubliche Ruhe genießen. Jedoch auch nicht allzu lang, denn auf uns wartete ja noch der Abstieg bis zur Gollinghütte. Zum Glück ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, welche Strapazen für unsere Gelenke hier auf uns warteten.

Den Aufstieg auf den Gipfel meisterten wir in 1h40min, der Abstieg beanspruchte 1h20min. Ein schnelles bergab ist hier nicht möglich. An der Gollingscharte angekommen, mussten wir wieder unsere 13kg Gepäck aufnehmen und uns über ein steilen Geröllfeld nach unten kämpfen. Die Knie und Füße taten mit jedem Schritt mehr weh und sehnten sich nach einer Bank. Doch der Nachmittag war schon spät und wir mussten in unsere Hütte. Schließlich knurrte auch der Magen. Also kämpften wir uns Meter für Meter vorwärts.

Im Kessel des Hochgollings angekommen traten wir in eine Fantasiewelt ein. Hätte mir jemand erzählt, dies wäre für den neuen Disneyfilm extra inszeniert wurden, ich hätte es geglaubt. Unter unseren Füßen erstreckte sich ein hunderte Meter lange flache moosbedeckte Ebene über welche eine Horde Pferde galoppierte. Ein klarer Gebirgsbach plätscherte neben unserem Weg und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein Pony suchte sogar die Nähe zu uns und lies sich streicheln. Für uns war dies der schönste Moment unserer gesamten Tour. 

Leider konnten wir hier nicht so lang bleiben, wir würden es aber allen empfehlen für diesen Teil der Tour mehr Zeit einzuplanen. Wir folgten dem Fluss immer weiter bergab und nach einer gefühlten Ewigkeit erblickten wir endlich die Gollinghütte. Die Hütte ist wirklich sehr schön. Nicht nur das Bergpanorama und das Essen sind wunderbar, auch die Hüttenwirte und Kellner sind super nett. Hier konnten wir unseren aufregenden und anstrengenden Tag sehr schön ausklingen lassen.

Tag 4

Der heutige Tag sollte uns einiges an Kraft kosten. 10h reichten nicht aus um unsere Knochen und Gelenke wieder topfit zu machen und so wurde der heutige Aufstieg besonders anstrengend. Auf all unseren bisherigen Wegen hatten wir das Glück fast allein unterwegs zu sein. Heute jedoch, haben wir scheinbar eine stark frequentierte Route gewählt. Von der Gollinghütte ging es aufwärts bis zum höchsten See der Schladminger Tauern, dem Greifenbergsattelsee . Dieser See war unsere Rettung nach dem langen Aufstieg.

Wir konnten unsere glühenden Füße kühlen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Auf unserer rechten Seite erhob sich unser heutiger Gipfel. Eigentlich war er nur noch 30min entfernt, doch hätte es nicht unbedingt sein müssen, hätten wir ihn wohl lieber ausgelassen. Denn der gestrige Tag steckte uns beiden noch ziemlich in den Knochen und die knallende Sonne tat ihr übriges. Doch am Vorabend hatte uns ein anderer Hüttengast Bilder des Ausblicks von da oben gezeigt. Diese waren die Motivation doch aufzubrechen und den wunderschönen Blick mit eigenen Augen zu sehen. Von hier oben bietet sich einem ein atemberaubender Blick auf den Klafferkessel.

Türkise und blaue Bergseen liegen still zwischen den steilen Gipfeln der Hohen Tauern. Wie gern hätten wir von hier oben ein Fallschirm gehabt um direkt an einem der Seen zu landen. Doch wir mussten den Abstieg zu Fuß bewältigen. Mit dem Gedanken an eine wunderschöne Mittagspause, ging dieser jedoch relativ gut und wir hatten schnell eine einsame Badestelle entdeckt. Auf grünem, weichen Moos breiteten wir unsere Handtücher aus und sprangen in das eiskalte Wasser. Eine Portion Wellness für unsere geschundenen Muskeln. Wir blieben eine gefühlte Ewigkeit an diesem See. Auch wenn die Sonne ab und zu von dicken Wolken verdeckt war, konnten wir eine wunderschöne Mittagspause genießen. Am Nachmittag wanderten wir dann durch den Klafferkessel. Vorbei an unzähligen wunderschönen Seen und grasgrünen Wiesen. Ein bisschen wie im Bilderbuch. Der Weg vom See nach unten zog sich dann jedoch nochmal ziemlich, weshalb wir sehr froh waren als wir am Abend unsere Unterkunft die Preintaler Hütte erreichten. 


Tag 5

Mit dem fünften Tag brach der letzte Tag unserer Wanderung an. Schon den ganzen Abend überlegten wir hin und her wie wir diese heutige Tour planen. Würde unser Körper die anspruchsvolle Tour mitmachen? Wollten wir uns das heute antun? Die Knie schmerzten, die Oberschenkel brannten schon vom Aufstieg in den zweiten Stock der Hütte. 

Doch wir waren schließlich zum wandern hier, nicht zum Bus fahren. Also rafften wir uns auf und liefen um kurz nach sieben los. Heute sollte es auf einem Höhenweg bis zur Seilbahn Planai gehen. Wir umliefen Gipfel um Gipfel. Nach jeder Kurve hofften wir endlich unser Ziel zu sehen. Doch es war noch in weiter Ferne. Bergab, bergauf ging es bei 29 Grad auf einem sehr schmalen Pfad immer in Richtung des Planais. Dieser Weg hatte es in sich. Ein falscher Schritt oder ein Ausrutscher hätte hier fatale Folgen gehabt. Doch mit dem Gewitter im Nacken konnten wir uns keine Pause leisten. So liefen wir fast 7 Stunden, 1200hm hoch und 950hm hinunter bevor wir endlich die Seilbahnstation erreichten. Der Weg selber bot uns einen Blick auf die Gipfel die wir in den letzten Tagen erklommen hatten. Wir konnten hinter uns die Strecke und die Wege sehen die wir gegangen sind und waren doch recht stolz auf uns! 

In der Schladminger Hütte wartete dann endlich unser Schnitzel auf uns. Das hatten wir uns sowasvon verdient. Wir waren sehr froh und glücklich, dass wir die Tour ohne größere Verletzungen oder Unfälle überstanden hatten. Wir hatten Kraft gesammelt und Zeit gehabt uns mit uns und unseren Gedanken auseinander zu setzen. Wir konnten hier unsere ganz persönliche Berg-Kur erleben und werden noch oft an einem tristen Wintertag an dieses Abenteuer zurückdenken.

Im Nachhinein haben wir übrigens ein riesen Glück gehabt, dass wir den Berg so früh verlassen haben. Am Nachmittag brach ein sehr heftiges Unwetter über die Schladminger Tauern hinein, welches ganze Straßen überflutete und aus kleinen Bächen reißende Flüsse und aus kleinen Felder, große Seen machte. Nicht auszudenken was uns da oben hätte passieren können. Doch hier wurde uns mal wieder bewusst gemacht was für Kräfte die Natur besitzt und was für ein unbedeutend kleiner Teil man als Mensch davon ist. 

Wir wurden daran erinnert, mit Erfurcht und Respekt den Bergen zu begegnen und wir wurden beschenkt mit einem wunderschönen Urlaub.

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