26. Woche 23.01.-29.01. Mompox, Santa Marta & Tayrona Nationalpark

Montag 23.01.: heiße Tage in Mompox

Mompox hat uns an diesem Tag direkt mit seinen hohen Temperaturen umgehauen. Mit einer Höhe von nur 33 m macht sich die Nähe zum Äquator nun temperaturmäßig deutlich mehr bemerkbar als unsere letzten Stopps. Daher verbrachten wir den Morgen in unserem klimatisierten Hotelzimmer. Eigentlich hatten wir uns extra einen Pausentag eingebaut um zu Arbeiten, jedoch war das WLAN dermaßen schlecht, dass selbst ein einfaches Googeln Minuten dauerte. Wirklich produktiv waren wir also an dem Vormittag nicht. Beim Frühstück hatte uns die sehr nette Rezeptionistin vorgeschlagen, an einer Bootstour auf dem Magdalena Fluss teilzunehmen. Wir hatten die Wahl zwischen der Touristen-Tour und der Natur-Tour. Da wir beide lieber Tiere und Pflanzen sehen, haben wir uns für die Natur-Tour entschieden, welche am Nachmittag startete.

Ursprünglich hatten wir von dem Ort Mompox wirklich gar nichts erwartet. Auf dem Weg hierher sind wir hauptsächlich an einfachsten Hütten und Häuschen vorbeigekommen. Doch sobald man an den Fluss des Städtchens gelangt, zeigt sich die Stadt von einer anderen Seite. Kleine bunte Kirchen und Häuser im Kolonialstil umgeben hübsche, belebte Plätze und formen ein doch recht hübsches Stadtbild. Als wir am Flussufer ankamen, gaben wir unser Ticket ab, was wir zuvor im Hotel gekauft hatten und über eine Holzplanke ging es für uns zunächst auf ein bereits, quaderartiges Schiff. Nun gut, da wir ja gar nicht wussten, was für eine Art Tour uns erwartete, nahmen wir an, dass das unser Boot für die Tour sein würde.

Doch ca. 10 Minuten später wies man uns an, in ein kleineres Boot umzusteigen. Gemeinsam mit den 7 anderen Teilnehmer:innen zogen wir unsere Schwimmwesten an und machten es uns bequem. Ganz gemütlich schipperten wir den sehr breiten Magdalenafluss entlang. Wir hielten uns immer relativ nah am Ufer, damit eine Chance hatten ein paar Vögel oder Leguane zu sehen. Wirklich gesprächig war unser Guide nicht, das störte uns jedoch auch nicht. Wir entdeckten auch allein recht viele Tiere.

Die ganze Landschaft ist hier, ähnlich wie unser Spreewald, von kleinen Flussarmen und Seen durchzogen. Auf den saftigen Wiesen links und rechts der Flüsse grasen Kühe und unzählige Vögel warten nur darauf, sich ihr Abendessen aus dem Fluss zu fischen oder ein paar Nager auf den Feldern zu fangen. Silberreiher saßen am Ufer, Greifvögel hoch oben in den Bäumen und Kormoran-Kolonien besiedelten ganze Baumkronen. Besonders beeindruckend war die Menge an Silberreihern. Prächtige Tiere mit einem sehr interessanten, S-förmigen Hals.

Sehr interessant waren aber auch die Menschen, die hier am Fluss und vom Fluss leben. Unter einfachsten Bedingungen bestritten sie hier ihr Leben. Kleine Hütten dienten als zu Hause, der Fluss war die Hauptwasserquelle und ein paar Hühner oder Rinder sorgten für den Lebensunterhalt. Ein absoluter Kontrast zu dem Leben, was wir kennen.

Irgendwann entwickelte sich aus dem Fluss eine Art See, wo wir einen möglichen Badestopp einlegten. Nachdem wir jedoch ahnen konnten, welche Abwässer und Fäkalien im Fluss landen, verzichteten wir lieber aufs Baden und blieben im Boot. Doch auch von hier aus ließ sich die wundervoll stille Natur bestens bestaunen. So langsam ging sie Sonne unter und sorgte auf unserer Rückfahrt für perfekt, romantisches Fotolicht. Hätte man die Kamera bloß mal vor dem Ausflug geladen…

Nach 3h legten wir im Sonnenuntergang wieder in Mompox an und waren wirklich sehr begeistert von der super entspannten Schiffstour (Empfehlung!). Nun mussten wir nur noch etwas Gutes zu Essen finden. Dank Google hatten wir schnell das beste Restaurant der Stadt herausgesucht und ließen es uns bei argentinischem Steak und Tomatengratin schmecken. Wir mussten zugeben, dass wir der Stadt zu Beginn mit unserer Beurteilung unrecht getan hatten und ein Besuch sich durchaus lohnen kann, wenn man sowieso auf der Nord-Südstrecke unterwegs ist.

Dienstag 24.01.: Weiterfahrt nach Santa Marta

Wir waren generell wieder gestärkt, gesundheitlich wieder voll da und ausgeruht. Es wurde Zeit, die Sachen wieder in das Auto zu räumen und weiterzufahren. Wir wollten die Karibikküste erreichen und somit stand wieder ein relativ langer Fahrtag an. Es wurden knapp sechs Stunden vom Navi veranschlagt, doch wir wissen, dass das meist bedeutet, dass wir eher bei sieben oder acht Stunden landen. 300 km durch das ebenerdige Inland, bei den Straßen, die wir auf der Hinfahrt nach Mompox erlebt hatten, mit all den Schlaglöchern, durchaus anstrengend. Wir waren gespannt, wie dieser Streckenabschnitt werden würde.

Die Straßen waren in besserem Zustand, als wir gedacht hätten und so fuhr es sich ausgesprochen angenehm. Die Vegetation war sehr abwechslungsreich und wirklich schön anzusehen. Wir freuen uns immer wieder über die Entscheidung, mit dem Auto das Land zu erkunden. Man sieht deutlich mehr und uns macht es dann doch einfach Spaß gemeinsam auf der Straße unterwegs zu sein. Immer wieder die gleichen Lieder hören, immer wieder ähnliche Themen diskutieren und doch macht es uns beiden Spaß. Das ist auf jeden Fall das Wichtigste.

Kurz vor unserem Ziel wurden die Straßen dann nochmal voller und die Häuser größer. Wir waren am Meer angekommen. Für uns stand die Küste Kolumbiens immer als Symbol des Endes der Reise. Wir wussten, wenn wir den türkisen Ozean sehen, dann geht es bald für uns nach Hause. Tatsächlich macht sich in uns auch schon eine Aufbruchstimmung breit. Wir wissen, dass wir ja eigentlich noch ein paar Tage vor uns haben, doch im Vergleich zu der langen Zeit, die wir schon unterwegs sind, ist es nur noch ein Blinzeln. In Santa Marta hatten wir uns auch ein Hotel genommen, da es nicht wirklich schöne Campingplätze gab. Wir konnten das Auto in die Garage stellen und checkten in ein kleines Zimmer mit großem Fenster ein. Auf dem Dach gab es sogar einen kleinen Pool und ein paar Hängematten.

Zum Abendessen hatte Hendrik uns ein schönes Restaurant direkt am Wasser ausgesucht. In anderen Städten ein Restaurant, was nicht in unserem Tagesbudget liegt, hier gar kein Problem. Wir stießen mit Maracuya- und Wassermelonensaft auf den letzten Abschnitt der Reise an. Auf die nächsten Tage, die folgen werden und all die Tage, die hinter uns lagen. Wir hatten es gar nicht erwartet, doch Santa Marta ist eine wirklich hübsche Stadt. Lichterketten beleuchten kleine bunte Gassen und überall herrscht ein buntes Treiben.

Mittwoch 25.01.: Pausetag in Santa Marta

Den Mittwoch hatten wir als Pausetag eingeplant. Pausetag heißt nicht faul auf der Haut herumliegen, sondern alle Aufgaben, die sonst liegen geblieben sind, abzuhaken. Uni, Arbeit, Planung, Blog … Einfach ein paar Stunden vor den Laptops sitzen und ein bisschen produktiv sein, sodass man danach wieder ganz entspannt Abenteuer erleben kann. Annelie nutze den Morgen, um ein bisschen die Stadt zu erkunden und ein paar Fotos zu machen. Doch die brutale Mittagssonne verschlug sie bald wieder zurück ins Hotel und in den Pool. Auch wenn dieser mit 80 cm nicht gerade tief war, konnte man doch ein bisschen abkühlen und die Sonne genießen. Hendrik war indes fleißig am Arbeiten.

Am Abend beschlossen wir dann, dass es genug Arbeit für den Tag war und suchten uns noch was zu Essen. Nachdem wir längere Zeit durch die Stadt gelaufen waren und nichts Passendes gefunden hatten, wollten wir es nochmal am Pier probieren, wo wir den Tag zuvor waren. Hier gab es mehrere Restaurants und wir aßen in einem davon. Ganz überzeugt hatte es uns nicht und Hendrik hatte danach noch ziemlich Hunger. Also gab es noch eine Pizza und Cocktail zum Nachtisch in einem anderen Restaurant in der Stadt. Nun waren wir aber wirklich pappsatt und bereit fürs Bett.

Donnerstag 26.01.: Abtauchen!

Früh um sechs Uhr klingelte der Wecker, Hendrik war wach, Annelie bräuchte erstmal noch zwei Kaffee, um wach zu werden. Diese gab es allerdings leider nicht. Es blieb auch das Frühstück aus, denn wir machten uns direkt fertig für den Weg zur Marina. Mit GoPro, Handtüchern, wasserdichtem Sack und Badeklamotten liefen wir den knappen Kilometer zum Hafen. Es wurde allmählich schon etwas wärmer, doch die Sonne war noch sehr angenehm. Dort angekommen wurden wir auch direkt von den Leuten der Tauschschule begrüßt, bei der wir eine Tour gebucht hatten. Mit 45 € pro Person für zwei Tauchgänge, ist Tauchen hier verhältnismäßig günstig. Das wollten wir natürlich auch nochmal mitnehmen, nachdem wir den Tauchschein in Mexiko absolviert hatten.

Wir bekamen Neoprenanzüge, zogen uns um und wurden unserem Tauchguide vorgestellt. Zusammen mit einer vierten Person würden wir zusammen die Tauchgänge durchführen. Dann waren auch schon alle weiteren Personen versammelt und es ging auf das kleine, 80 PS starke Boot. Leinen los und die wilde Fahrt konnte beginnen. Tatsächlich spürte man relativ schnell einen ganz guten Wind, welcher natürlich inklusive der Wellen von vorne kam. Dadurch wurden wir regelmäßig von Wellen geduscht und durch die noch fehlende Wärme der Sonne wurde uns recht schnell kühl. Vor allem Annelie begann sofort wieder an zu frieren. Die Kälte wurde sie leider auch den ganzen Tauchgang über nicht los.

Nach halbstündiger Fahrt erreichten wir den ersten Tauchspot. Es wurde nochmal das Equipment gecheckt, alle Anschlüsse überprüft, dass der Atemregler funktioniert und auch, ob genug Luft im Tank ist. Dann wurden die Gewichte angelegt, die Flossen angeschnallt, die Maske aufgesetzt, ehe man die eigentliche BCD-Weste zur Auftriebsregulierung anlegte. Hand auf die Maske und an die andere an den Gewichtsgürtel, fixieren, und schon ging es per Rückwärts-Rolle ins schöne, klare Nass.

Als unsere Gruppe vollständig im Wasser war, wurde abgetaucht und die Unterwasserwelt erkundet. Es hat direkt wieder richtig Spaß gemacht. Auch, wenn man sich erstmal wieder an die Regulation des Auftriebs gewöhnen musste. Man will ja beim Tauchen möglichst wenig nach oben und unten treiben, sondern möglichst gleichmäßig durch das Wasser treiben, beziehungsweise schwimmen. Die Sicht war zwar nicht ganz so grandios wie damals auf Isla Mujeres, allerdings immer noch sehr gut.

Wir haben wieder viele unterschiedliche, farbenfrohe und schöne Fische und Korallen gesehen. Von Kugelfischen, über Trompetenfischen, bis hin zu Moränen war alles dabei und noch viel mehr. Besonders beeindruckend bei den Korallen war eine Art, welche bei Annäherung sofort alle Polypen einzog und sich somit quasi versteckt. Der Tauchgang war vor allem Hendrik schon wieder zu schnell vorbei. Doch wenn die Luft weniger wird, muss man halt auftauchen. Was wir bisher noch nicht erlebt hatten, war die extreme Strömung, die an diesen Tauchspots herrschte. In die eine Richtung war das Schwimmen sehr angenehm, nur als es wieder zurückging, kam man fast nicht von der Stelle.

Es ging zurück an die Oberfläche und zurück auf das Boot. Es war Zeit für eine kleine Pause. Zur Stärkung gab es ein paar Kekse und etwas zu Trinken. Wir lösten das Boot von der Boje und fuhren zu unserem zweiten Tauchspot. Annelie versuchte sich in der Sonne etwas aufzuwärmen, was zumindest etwas gelang. Wir freundeten uns in der Zwischenzeit mit unserem Mittaucher an, welcher zufälligerweise auch aus Deutschland kam. Es wurde mal wieder viel über Reiseerfahrungen und Pläne gesprochen, allerdings auch über die Sichtungen des Tauchgangs. Dann wurde es Zeit für den zweiten Durchlauf.

Wir sahen im zweiten Durchgang nochmal mehr Moränen. Insgesamt fast zehn Stück, so viele hatten wir nicht erwartet. Vor allem nicht von deren Größe. Sehr faszinierende Tiere, wenn auch nicht ungefährlich. Annelie war mal wieder der Meinung, Hendrik wäre mit der Kamera zu nah an die Tiere herangegangen, sodass es hätte gefährlich werden können. Hendrik sah das, wie bei der Boa Konstriktor in Costa Rica etwas entspannter. Es ist auf jeden Fall alles gutgegangen.

Später sah Hendrik noch einen riesigen Lobster. Von der Größe, größer, als er ihn je auf einem Teller oder der Wildnis gesehen hat. Ein echtes Monstrum. Leider waren die anderen schon zu weit entfernt und verpassten dieses Exemplar dadurch. Doch wir sahen noch drei kleinere Exemplare gemeinsam.

Der zweite Tauchgang war ebenfalls wirklich sehr schön und hat sehr viel Spaß gemacht. Heikel wurde es nochmal, als wir nach dem Auftauchen wieder im Boot saßen und eigentlich schon losfahren wollten, als Hendrik entdeckte, dass Jens, der andere Deutsche aus unserer Gruppe verschwunden war. Wie sich später herausstellte, hatte er beim Getümmel der Taucher rund um die Boote beim Ausstieg zwei andere Taucher, für Hendrik und den Guide gehalten und war denen zunächst weiter gefolgt. Er tauchte dann aber auf, als es ihm zu merkwürdig vorkam und er dachte, dass Annelie weg sei. Dann konnten wir ihn einsammeln. Eine lustige Geschichte, weil alles gut gegangen ist, aber sowas kann theoretisch auch böse enden.

Die Rückfahrt war deutlich entspannter. Der Wind hatte nachgelassen, die Wellen kamen von achtern, die Sonne wärmte und Annelie taute auf. Wir fühlten uns wohl und genossen die Fahrt. Das war nochmal richtig schön. Um 12 Uhr legten wir wieder im Hafen an und verließen das Boot. Ein toller Ausflug. Gut, dass wir den Tauchschein gemacht haben. Vor allem Hendrik ist ein großer Fan von der faszinierenden Unterwasserwelt. Doch Tauchen macht hungrig, dadurch entschieden wir uns, mit Jens zusammen im Anschluss etwas Essen zu gehen.

Wir fanden einen gemütlichen Platz in einem leckeren vegetarischen Restaurant. Hierbei mussten wir im Laufe des Essens Zeuge davon werden, wie dem Paar, scheinbar auch Deutsche, vom Nachbartisch ein Rucksack geklaut wurde. Der scheinbare Obdachlose hatte die ganze Zeit um Essen gebettelt am Rande des Außenbereichs, in dem wir alle saßen, setzte sich dann neben einen Aufsteller. Schließlich stand er mit einem Daypack-Rucksack auf und ging langsam davon. Wir hatten es zwar gesehen, dachten uns aber nichts dabei, erst als keine Minute später eine andere Passantin das Paar darauf aufmerksam machte, zählten wir eins und eins zusammen und erkannten, dass es nicht sein Rucksack war. Die Aufregung war groß, sie liefen dem hinterher, fanden ihn sogar wieder und bekamen den Rucksack zurück. Allerdings mussten sie etwas später auch feststellen, dass knapp 400 € Bargeld fehlten. Ärgerlich! Wenigstens waren die Pässe und Kreditkarten noch da, aber trotzdem bitter. Das machte uns nochmal wieder bewusst, dass man vor allem in diesen Touristengebieten wirklich sehr auf seine Sachen achten muss. Unsere Lehre, beziehungsweise der Gedanke, bloß nicht nachlässig werden in den letzten zwei Wochen. Nur weil bisher alles gut gegangen ist, auch weil wir sorgsam waren, muss es nicht immer so sein.

Im Anschluss an den aufregenden Restaurantbesuch gingen wir zurück zum Hotel. Dort trafen wir uns dann nochmal mit Jens, da dieser Hendriks Fotos und Videos des Tauchgangs kopieren wollte. Dies taten wir in der Lobby und quatschten generell noch über verschiedenes, als sich ein im Vergleich zu uns, etwas älteres Paar zu uns gesellte. Wir redeten zu fünft noch über verschiedene Ziele innerhalb Kolumbiens, generelle Reisemöglichkeiten und Erfahrungen, zeigten den Dreien unseren Van und hatten somit einen gut ausgefüllten Nachmittag. Im Anschluss ruhten wir uns im Hotel aus, ehe wir beide uns am Abend doch noch dafür entschieden Essen zu gehen. Diesmal nicht in die gut belebte Gasse mit den vielen Restaurants, sondern quasi in die andere Richtung. Hendrik hatte das Restaurant herausgesucht. Nach fünf Minuten Fußmarsch waren wir da und sahen, dass die Tür zu war. Die Fenster und gläserne Tür waren mit einem Stoff verhangen, der eine gute Sicht unmöglich machte. Allerdings sah man, dass durchaus Menschen drinnen saßen und aßen. Doch die Tür war verschlossen. Als Hendrik das zweite Mal leicht an der Tür rüttelte, wurde die Tür geöffnet und wir wurden sehr freundlich hereingebeten. Vor allem durch den Namen „das Kartell“, waren wir uns doch etwas unsicher, wo wir jetzt hineingeraten waren. Doch der Hinterhof war wirklich hübsch und gemütlich. Das Essen und Trinken war wirklich lecker und wir hatten ein gutes Abendessen hier. Der Eingang war auf jeden Fall ungewöhnlich. Doch grundsätzlich ist das ständige Abschließen der Türen hier normal. Das ist bei unserem Hotel ebenso, hier wird uns auch immer die Tür aufgeschlossen und nach uns abgeschlossen, wenn wir rein oder rauswollen.

Freitag 27.01.: weiter nach Palomino

Da wir diesen Tag nur eine kurze Fahrt hatten, konnten wir ganz entspannt unseren Morgen verbringen. Da Hendrik noch ein bisschen was im Hotel erledigen wollte, ging Annelie allein frühstücken. Sie war so begeistert gewesen von dem Restaurant gestern, dass sie unbedingt nochmal einen Kaffee hier trinken wollte. Schließlich war der Kaffee in anderen Restaurants oder Hotels nicht gerade lecker gewesen. Aber hier gab es endlich guten Kaffee. Dazu Sauerteigbrot mit Roter Bete, Spinat und Ei. Endlich mal ein Essen nach Annelies eruopäischem Geschmack! Für Hendrik gabs noch einen seiner geliebten Maracuyasäfte To-Go und schon waren wir am Mittag wieder unterwegs.

Erst über eine gut befahrene Stadtautobahn, später über eine entspannte Landstraße. Wir erreichten unseren Campingplatz für die Nacht. Wir durften mit Blick aufs Meer parken und fühlten uns gleich wohl. Den restlichen Tag verbrachten wir ganz entspannt am Camper. Das Meer war leider viel zu wild, um darin zu baden und so konnten wir es nur von außen betrachten. Wir müssen ehrlich sein, dass wir uns das karibische Meer ein bisschen anders vorgestellt hatten. Wer also blaues, klares Meer und breite weiße Sandstrände erwartet, ist an der kolumbianischen Karibikküste falsch. Was nicht bedeutet, dass das Meer hier nicht auch seinen Reiz hat. 

Samstag 28.01.: Tayrona Nationalpark

Die Nacht war ruhig und durch die offene Heckklappe hatten wir auch ausreichend frische, kühle Luft, um angenehm schlafen zu können. Wenn man uns vorher gesagt hätte, dass wir ausgerechnet in Kolumbien mit offenen Autotüren schlafen würden, hätten wir das definitiv nicht geglaubt. Selbst in Kanada und Alaska haben wir immer das Auto immer abgeschlossen, doch hier ist das durch die Wärme an der Küste einfach nicht möglich. Wir würden sonst im Wagen zu sehr schwitzen und durch die schlechte Luft nicht schlafen können. Dementsprechend sind wir besonders achtsam bei der Wahl der Schlafplätze. 

Kurz nach sieben klingelte der Wecker und wir machten uns wenig später auf den Weg zum Tayrona Nationalpark. Dieser befand sich nur eine halbe Stunde entfernt von unserem Stellplatz. Wir erreichten ihn um halb neun und es hatte sich bereits eine kleine Autoschlange gebildet. Der Park erlaubt täglich nur eine begrenzte Zahl an Besuchern und da er am 01.02. für einen Monat schließt, war dies das letzte Wochenende vor der Schließung. Der Andrang würde groß sein, wodurch wir rechtzeitig da sein wollten. Hendrik stellte sich in der Schlange hinten an und Annelie stieg aus, um die Lage zu erkunden. Sie fand heraus, dass man erst die Tickets und hierbei auch Parktickets kaufen musste, ehe das Auto zum Parkplatz durfte. Eine halbe Stunde verbrachte Annelie damit, die verschiedenen einzelnen Tickets zu erwerben, jeweils an anderen Kassen, die aber zum Teil direkt nebeneinander lagen. Es gab separate Tickets für das Parken, den Eintritt, sowie eine notwendige Versicherung (wofür genau verstanden wir nicht). 

Endlich durfte Hendrik dann vorfahren und wir durften durch das Tor. Doch direkt gab es Probleme. Der Typ, der das Ticket für das Auto überprüfte, wollte unser Auto nicht durchwinken lassen, da er es nicht für ein Auto hielt, sondern ein Collectivo. Es dauerte einige Zeit und das Vorzeigen der Fahrzeugpapiere, ehe er verstand, dass wir kein Collectivo waren zum Transportieren von Personen, sondern, dass das unser Auto und auch nur für uns sei. Dann durften wir endlich weiterfahren und unseren Van auf dem Parkplatz parken. Geschafft, jetzt den Rucksack schultern und los wandern. Doch nicht jeder läuft mit unserem Tempo und so wurden wir schnell von einer Gruppe ausgebremst. Es gelang uns nach einiger Zeit diese Gruppe zu passieren und je weiter wir fortschritten, desto leerer wurde es. Hauptattraktion des Nationalparks sind die wunderschönen Strände.

Den Ersten erreichten wir nach knapp einer Stunde. Kurz zuvor mussten wir noch halten, weil Hendrik in den Baumkuppen Brüllaffen und Mittelamerikanische Totenkopfaffen entdeckt hatte. Endlich wieder wilde Tiere! Der Strand war wirklich schön, doch uns war noch nicht danach uns jetzt schon in die Sonne zu legen, erstmal wollten wir noch etwas weiterlaufen und so ging es zu dem zweiten Strand. Hier gefiel uns ein schattiges Plätzchen und wir machten es uns gemütlich. Wir erfrischten uns im kühlen Nass und entspannten in der Sonne oder auch im Schatten. Baden ist hier nicht an allen Stränden erlaubt, da es viele starke Strömungen und auch große Wellen gibt. Dadurch sterben an diesen Orten jährlich einige Menschen, da sie die Warnungen missachten. Wir schwammen in einem durch natürliche Wellenbrecher geschützten Bereich. 

Nach einer Stunde packten wir die Sachen zusammen und liefen weiter. Die Erfrischung hatte gut getan und die geschwitzte Kleidung wieder trocken. Gleich am Anfang wurden wir noch auf eine kleine Schlange aufmerksam gemacht, welche kurz vorher den Weg gekreuzt haben muss und sich im Anschluss perfekt getarnt durch die Büsche bewegte. Sie war sehr dünn, aber durchaus fast einen halben Meter lang. Sehr faszinierend. Kurz vor dem insgesamt dritten Strand sahen wir nochmals mittelamerikanische Totenkopfaffen, allerdings waren diese zu weit oben und verdeckt durch Äste und Blätter, um Fotos schießen zu können. Am Strand genehmigten wir uns erstmal jeder einen erfrischenden Mango-Smoothie. Sowohl an dem Strand, als auch schon am ersten Strand, gibt es Camping-Möglichkeiten. Jedoch ausschließlich für Zelte. Was wir vorher nicht kannten, allerdings auch schon in Costa Rica gesehen haben und generell nicht untypisch zu sein scheint, ist, dass man sich die Zelte hier auf dem Campingplatz mietet und nicht unbedingt eigene mitbringt.

Dadurch stehen zum Teil dicht an dicht die Zelte, mitten in der Sonne und erinnern eher an ein Festival. Doch das Angebot scheint nicht ganz unbeliebt zu sein. Vor allem auf dem Rückweg kamen uns einige entgegen, die eindeutig dort campen wollten. Wir entschieden uns gegen ein weiteres Baden, da uns der Strand schlichtweg zu voll und ungemütlich war. Auf dem Rückweg entdeckten wir nochmal Totenkopfaffen, diesmal auch von ziemlich nahem. Neben den Affen bekamen wir auch einige schöne Schmetterlinge und kleinere bunte Vögel zu Gesicht. Generell ein schöner Nationalpark, wenn auch mit 33 € für uns beide zusammen nicht unbedingt günstig. Dafür wenigstens ordentlich und ohne Müll, welchen man sonst leider schon häufig in Kolumbien sieht. Vor allem auch am Straßenrand.

Die Ausblicke im Park und die vielen schönen Bäume und anderen Pflanzen machten den Ausflug durchaus lohnenswert. Das Highlight waren für uns aber die Affen. Im Anschluss an den Nationalpark fuhren wir noch ganz kurz einkaufen, ehe es zurück auf den Stellplatz der vergangenen Nacht ging. Inzwischen war die Sonne bereits am Untergehen. Beim Kochen der Nudeln mussten wir dann feststellen, dass „Salsa de Tomata“ nicht Tomatensauce ist, sondern Ketchup. Somit gab es leider nur Nudeln mit Ketchup. Doch Tomatensauce ist hier enttäuschenderweise insgesamt recht rar. Hendrik hatte Kontakt zu einer Kite-Schule aufgenommen, denn wir wollen mal wieder einen neuen Sport ausprobieren. Um einiges abzuklären, telefonierte Hendrik am Abend noch mit dem Besitzer Daan, unter anderem auch, ob und wo wir dort campen könnten. Wir sind gespannt, denn bisher ist alles recht vage und wir bekommen die Antworten stehts via WhatsApp Sprachnachrichten und die Orte per Google Pinpoints, da es keine offiziellen Anschriften gibt.

Sonntag 29.01.: Eine gemütliche Weiterfahrt

Der Morgen war zunächst wieder ausgesprochen entspannt. Das Wellen brachen im üblichen Rhythmus und ließen das Meer wunderschön rauschen. Wir gingen es sehr gemütlich an. Für Annelie gab es einen Kaffee, ehe es für uns beide Schokoladen-Pancakes und Quesadillas gab. Die Sonne wärmte etwas unsere Gesichter, während der warme Wind die Haut gleichzeitig angenehm kühl ließ. Ein perfekter Morgen bei tollen Temperaturen. Der Plan für den Tag war grob gesetzt, aber ohne feste Zeiten. Wir warteten noch auf die Bestätigung und vor allem die Koordinaten von dem Typen für das Kite-Surfen, mit dem Hendrik seit wenigen Tagen kommuniziert und am Vortag auch telefoniert hatte.

Diese erhielten wir schließlich und packten im Anschluss alles zusammen und fuhren los. Musikbox an, Hörbuch weiter abspielen, Getränke und Snacks parat, der Roadtrip musste gut werden. Das wurde er auch. Wir tankten noch für umgerechnet 10 €, also ungefähr 40 L, an einer altertümlichen Tankstelle, ehe wir in einer größeren Stadt noch Lebensmittel einkauften und die Bargeld-Bestände auffüllten. Dann wurde es nochmal spannend. Die letzten knapp zwanzig Kilometer zu dem Standort, der uns übermittelt wurde, waren wieder mehr Schlaglöcher als Straße und auch weniger asphaltiert und mehr Gravelroad. Zusätzlich wurden auch wieder die kindlichen Straßensperren mit Seilen errichtet, wo die Kinder dann um Geld betteln. Wenn man einfach weiterfährt, lassen diese die Seile rechtzeitig fallen und man kann problemlos passieren.

Allmählich sind wir geübt, die lokalen Herausforderungen zu meistern und uns bringt nichts mehr so wirklich aus der Ruhe. Wir waren inzwischen in einer Wüste angekommen und wiedermal fasziniert von dieser komplett anderen Landschaft. Dann erreichten wir den Standort, der uns geschickt wurde. Zu sehen war: eigentlich nichts. Eine kleine Ansammlung von wenigen Hütten am Ende einer Staubstraße. Wir schickten dem Typen vom Kite-Surfen eine Nachricht, ob wir richtig seien und riefen ihn schließlich an, da er erstmal nicht antwortete. Wir waren richtig, sollten einfach bei den Hütten hingehen und auf ihn warten. Er würde in ungefähr einer Stunde oder etwas mehr dann zu uns kommen. Er war gerade noch am Unterricht geben. Wofür hatten wir uns hier nur entschieden und wo waren wir hier gelandet? 

Wir fuhren die Sandstraße zu Ende und gingen zu den Häusern. Dort wurden wir nett von den Besitzern begrüßt und erklärten kurz, wer wir sind und was wir wollen. Dann machten wir es uns im Schatten gemütlich und entspannten etwas. Nach anderthalb Stunden kam Daan dann angefahren und wir stellten uns gegenseitig vor. Ein super lieber Typ und grundsätzlich von seinem Handling eher so, wie man sich die Leute in Kolumbien vorgestellt hat, allerdings kommt er wohl aus Belgien. Spannend. Eigentlich sollte er uns noch den Weg zu unserer Unterkunft zeigen, da diese etwa zwanzig Minuten von diesem Hotel im Aufbau entfernt lag, allerdings war die Sonne bereits untergegangen, ehe alles bereit war. Somit entschieden wir uns für die andere Option und schlugen unser Lager direkt vor Ort auf. Das Hotel, welches gerade noch im Bau ist, besteht aus einem Haupthaus mit einem kleinen Restaurant und einer kleinen Bar, sowie einer großen Terrasse. Dazu kommen die acht Häuser für die Gäste. Der Strom wird mit einem Generator erzeugt und das Wasser wird in Tankern angeliefert. Aktuell ist noch keines da, wodurch weder Wasserhähne noch Toiletten funktionieren. Aber wir benötigen ja nicht viel und in erster Linie einfach einen Platz zum Abstellen des Autos. Wichtig ist, dass alles sicher ist und hier wirkt das erstmal gegeben.

Den Abend verbrachten wir dann mit dem Streamen von American Football und Blog schreiben. Zum Glück haben wir beide zusammen fast 24 GB an mobilen Daten und somit ausreichend um das fehlende WLAN zu ersetzen. Wir sind sehr gespannt, wie das Kite-Surfen am folgenden Tag wird. Außerdem steht die letzte Woche in unserem Van an, ehe wir ihn am 05.02. abgeben müssen und die Reise am 08.02. mit dem Heimflug nach Deutschland beenden werden. All das natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 

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