Montag 16.01: Villa de Leyva

Am Montag begannen wir unseren Tag sehr entspannt mit ein wenig Arbeit, Uni und Nichts-Tun in der Anlage unseres Hostels/Campingplatzes. Gegen späten Vormittag schnürten wir unsere Turnschuhe, packten unsere Kamera ein und machten uns auf, Villa de Leyva zu erkunden. Der kleine Ort ist ein Touristenmagnet und in jedem Reiseführer zu finden. Kleine, gepflasterte Straßen führen vorbei an weißen Häusern im Kolonialstil, von dessen Mauern bunte Blumen wachsen. Seinen Charme konnte die kleine Stadt behalten, da sie als Nationaldenkmal gilt und daher bestmöglich im alten Stil erhalten wird. Wir schlenderten durch das historische Zentrum, vorbei am (angeblich) größten Marktplatz Kolumbiens und durch die Gassen und Straßen. Eigentlich waren wir auf der Suche nach etwas Leckerem zu Essen, da wir das Frühstück ausgelassen hatten.

Doch leider waren wir noch ein wenig zu früh dran, sodass alle Restaurants geschlossen hatten. Am anderen Ende der Stadt fanden wir eine kleine Bäckerei, wo wir mit ein paar Croissants den ersten Hunger stillten. Auf dem Rückweg legten wir noch einen Stopp in einer Saftbar ein und auf dem Plaza Mayor fanden wir schließlich noch eine kleine Pizzeria, welche schon geöffnet hatte. Ein kulinarisches Meisterwerk war diese Pizza zwar nicht, aber wir hatten erst mal was im Magen. Wer möchte, kann in Villa de Leyva auch noch einige interessante Museen besuchen z. B. das Schokoladenmuseum oder in der Umgebung kleinere und größere Naturabenteuer erleben. Wir stapften am frühen Nachmittag jedoch wieder hinaus aus der Stadt, einen kleinen, aber steilen Hügel hinauf zu unserem Hostel und machten uns erst am Abend nochmal auf Essenssuche in die Stadt.

Diesmal hatten wir bereits vorher ein Restaurant ausgesucht. Im Happy Monkey werden alle Speisen auf Grundlage von Kochbananen zubereitet. Diese sehen den herkömmlichen Bananen zwar sehr ähnlich, sind jedoch geschmacklich ein bisschen weniger süß und „bananig“. Für Hendrik gab es BBQ Rippchen und Annelie probierte die vegetarische Gemüselasagne, deren Platten aus Kochbanane waren. Ganz unser Geschmack ist diese Art von Banane nicht, da sie relativ viel Süße mitbringt und einen Eigengeschmack besitzt, den man recht gut herausgeschmeckt. Trotzdem hatten wir einen ganz gemütlichen, leckeren Abend und eine sehr angenehme, kühle Nacht.
Dienstag 08.11.: Nichts tun, muss auch mal sein

Am Dienstagmorgen standen mal wieder gemeinsam mit uns auch alle anderen auf. Die Alarmanlage lief in diesen Tagen zu Höchstformen auf und performte zu jeder Gelegenheit ihr nervenden Lied. Eigentlich dachten wir, wir hätten das System verstanden und könnten es austricksen, doch an diesem Morgen bewies uns unser Auto, dass wir definitiv die Dümmeren sind.

An diesem Dienstagmorgen wollten wir einmal das Hostelfrühstück probieren. Für ca. 4-5€ pro Person bekamen wir jeweils ein Omlette, Sandwich, Kaffee und Saft. Natürlich war das Essen kein Vergleich zum heimischen Frühstück, wir wurden jedoch gut gesättigt und konnten mit Energie in unseren Arbeits-/Uni-/Planungstag starten. Während es sich Hendrik im Gemeinschaftsraum bequem machte, kuschelte sich Annelie in das Bett im Van und so konnte jeder für sich einen mehr oder weniger produktiven Tag verbringen.
Mittwoch 09.11.: über Berlin nach San Gil

Am Mittwoch kamen wir erst gegen Mittag von unserem Campingplatz los. Wir hatten beide ein wenig vergessen, wie lang die Fahrt sein würde, die vor uns liegt. Bis nach San Gil sollten wir ca. 4h brauchen. Da wir jedoch immer versuchen vor 17 Uhr anzukommen, blieb uns gar nicht mehr viel Zeit. Also los ins Auto und abgeht die Fahrt. Über eine kleine Bergstraße ging es immer auf und ab durch die Landschaft. Ab und an wurden Hendriks Fahrtkünste mal wieder auf die Probe gestellt, wenn Bodenwellen uns fast zum Fliegen brachten oder plötzlich ein bisschen Straße fehlte. Wir hatten unseren Spaß und kamen irgendwann auf die wenig breitere Hauptstraße, wo wir in einer großen LKW-Auto-Schlange gemächlich nach San Gil fuhren. Als wir gerade in eine kleine Ortschaft kamen, waren wir plötzlich ganz aus dem Häuschen. So sind wir tatsächlich auf unserem Weg in Berlin gelandet. Nun gut, wir dachten eigentlich, wir müssten nach Haus fliegen, aber vielleicht war unser Bodenwellenflug, schon genug. Ein bisschen verändert hat sich unsere Stadt dann schon. Wir hatten in Erinnerung, dass hier mal mehr los war. Aber wir waren ja auch eine ganze Weile weg.

Nach einem Foto mit dem Ortseingangsschild erreichten wir ca. 30 Minuten später San Gil. Im ziemlichen Verkehrschaos schlängelten wir uns zu einer Wäscherei vor, da wir mittlerweile keine einzige saubere Socke mehr besaßen und dringend unsere Wäsche waschen mussten. Nachdem das von unserer Liste abgehakt war, ging es zu dem Campingplatz, den wir uns herausgesucht hatten. Durch ein bewachtes Eingangstor ging es an einem großen Hotelkomplex immer weiter den Berg hinunter dem „Camping Area“ Schild folgend. Die Straße fand ein Ende an einem Parkplatz, hinter dessen eine Art Freibad lag. Wir durften auf der Wiese des Freibads parken und hier unser Lager für die nächsten Tage aufschlagen. Ganz begeistert waren wir nicht, da jeder Hotel- und Freibadgast vollen Blick auf unser Auto hat und die „Camping Area“ eher ein wenig improvisiert ist für motorisierte Camper. Aber was solls, jetzt sind wir hier und machen das Beste draus. Da wir leider keine ebene Fläche gefunden hatten, mussten wir schräg parken und den Topf beim Nudeln kochen permanent festhalten, damit er nicht vom Herd rutscht. Nicht ideal, aber auch das ist machbar. Unsere Nudeln trainierten wir uns bei einer Runde Tischtennis ab und dann gings in Bett. Der morgige Tag würde schließlich sehr aufregend werden.
Donnerstag 10.11.: Ahoi ihr Landratten
Wir waren mal wieder vor dem 7 Uhr Wecker auf den Beinen. Wir organisierten unseren Van etwas, ehe wir zum Hotel den Hügel hochgingen, um Frühstück zu essen. Die Erwartungen waren hoch und die Vorfreude entsprechend hoch, dass wir in diesem grundsätzlich gut aussehenden Hotel ein ordentliches Frühstück bekommen würden. Wir wurden leider etwas enttäuscht. Es war zwar ein Miniatur-Buffet aufgebaut, allerdings musste man angeben, was man haben möchte und durfte auch nur eines der „Hauptgerichte“ nehmen. Wir nahmen beide Rührei und bekamen dazu zwei kleine Brötchen, die an Milchbrötchen erinnerten. Das haben wir uns anders vorgestellt, aber so ist das manchmal. Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf ein richtig schön deutsches Frühstück mit leckeren Brötchen und gutem Aufschnitt. Im Anschluss ging es zurück zum Van und wir packten unsere Sachen und warteten auf unsere Abholung.

Für die Tage in San Gil hatte ausnahmsweise Hendrik die Planung übernommen. Sonst übernimmt Annelie die Planung und Hendrik das Fahren, so hat es sich einfach nach über fünf Monaten Reise eingependelt.
Wir wurden um 10:15 Uhr mit dem Taxi abgeholt, unsere erste und voraussichtlich auch einzige Taxi-Fahrt in Kolumbien, und zum Treffpunkt mit den anderen Teilnehmern des heutigen Abenteuers gebracht. Mitten in San Gil war Abfahrtort und Zentrale von „Colombia Rafting“. Dort wurden auch schon die Fahrzeuge mit dem Equipment beladen. Wir gingen zunächst in das Büro und erledigten den Bürokratie-Kram. Unter anderem wurde auch hier wieder nach unserer Blutgruppe gefragt und wir mussten zustimmen, dass wir wissen, dass man bei der Aktivität sich verletzen kann und sogar sterben kann. Aber wir machen doch nur Rafting dachten wir uns, was kann da schon große passieren? Da sahen wir im Werbevideo von denen, wofür wir uns angemeldet haben.
Zunächst zu den Fakten. Sogenannte Rafts, welche heutzutage eher mit Schlauchbooten zu vergleichen sind, werden genutzt, um mehr oder minder gefährliche und schnelle Flüsse zu befahren. Je nach Verlauf des Flusses werden dabei Stromschnellen und Flusspassagen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade gemeistert. Es gibt insgesamt sechs verschiedene Schwierigkeitsgrade, wobei der leichteste mit 1 kategorisiert ist und der schwerste mit 6. Eine kurze Erklärung zu den unterschiedlichen Level. Level 1 bedeutet leichte Wellen und leichte Hindernisse. Level 3 bedeutet unregelmäßige hohe Wellen bei engen Passagen mit einzelnen Blöcken und Hindernissen. Bei Level 5 hat man dann bereits komplexe Stromschnellen, extreme Wellen und Wirbel und freie Sicht ist kaum gegeben. Level 6 hingegen ist beinahe unmöglich zu befahren, unter bestimmten Bedingungen eventuell von Profis befahrbar. Wir wären nicht wir, wenn wir uns nicht direkt für die schwierigste verfügbare Rafting-Tour entschieden hätten. Für uns ging es auf den Suarez-Fluss mit dem Rafting-Level 4&5.

Gleich zu Beginn in dem Büro des Rafting-Unternehmens kamen wir mit verschiedenen anderen Mitfahrern ins Gespräch. Hierbei stellte sich heraus, dass alle drei Deutschen auch aus Berlin kommen. Später lernten wir noch weitere Leute kennen und insgesamt waren bei der Tour acht weitere Jungs und Mädchen in unserem Alter aus Deutschland, allesamt aus Berlin. Zufälle gibt es. In zwei Kleinbussen, inklusive eines Anhängers mit den drei Rafting-Booten und zwei Rettungs- bzw. Begleit-Kajaks, ging es los zum Fluss. Wir fuhren wieder durch Berlin und kamen nach ungefähr vierzig Minuten am Zielort an. Dort wurde erstmal das Equipment ausgeladen, jeder bekam einen Helm, eine Schwimmweste und ein Paddel. Dann ging es runter zum Fluss und wir bekamen eine grundsätzliche Einführung. Von der grundsätzlichen Sitzposition, über das Handling mit dem Paddel, bis hin zu den Kommandos war alles dabei. Doch der wichtigste Part und auch ausführlichste Part war bezüglich der Situation, wenn einer, mehrere oder alle Personen eines Bootes über Bord gehen.

Dann war es endlich so weit. Die 21 Teilnehmer teilten sich auf und gingen zu ihren Rafts. Wir gingen zu dem kleineren Raft für maximal sechs Personen, exklusive Guide. Anders als bei den anderen Rafts, besaß dieses Raft keine großen, langen Ruder für den Guide. Hier musste wirklich die Teamarbeit stimmen und der Guide hatte weniger Spielraum zur Korrektur. Jeder bekam eine Position im Raft zugewiesen und dann wurde das Raft ins Wasser getragen. Mit den Schuhen und Klamotten standen wir dann bereits hüfthoch im grau-braunen Wasser. Wir merkten schnell, es würde heute richtig nass werden. Wir durften schließlich in das Boot klettern und sofort ging es mit der Übung der diversen Kommandos los. Zusätzlich wurden auch noch Übungen durchgeführt, wie man ein Teammitglied aus dem Wasser rettet.

Nach ungefähr 15 Minuten auf und im Wasser, begann das eigentliche Rafting-Abenteuer. Mit dem Kommando „Forward“, also „Vorwärts“, paddelten wir in Richtung Flussmitte und wurden von der Strömung erfasst. Nach wenigen Minuten erreichten wir auch schon die ersten Stromschnellen. Man merkte, dass wir noch nicht eingespielt waren, doch wir kamen hindurch. Es machte direkt richtig Spaß und wir lachten schon über das ganze Wasser, dass wir abbekamen. Dann erfuhren wir, dass das gerade mal Raftingstufe zwei war. Okay, jetzt hatten wir etwas Sorge vor den Stromschnellen der Stufe 4 und 5, die uns erwarten würden. Tatsächlich kam zwei Stromschnellen-Abschnitte später auch schon die erste mit Kategorie 5. Nach jedem, oder jedem zweiten Abschnitt machten wir eine kurze Pause. Einerseits zur Erholung, andererseits zur Besprechung, was vor uns liegt und wie wir uns verhalten müssen. Zu welcher Flussseite wir gegebenenfalls schwimmen können und zu welcher auf keinen Fall.

Wir überprüften unsere Sitzpositionen, stellten sicher, dass unsere Füße gut verankert waren, damit wir nicht so leicht rausfallen und dann fuhren wir weiter, hinein in Rapid Level 5. Es war durchaus richtig heftig. Zum Teil wurde in zwei Meter hohe Wellen hineingefahren, die dann komplett über dem Boot brachen und mehr als einmal dachte man, dass man nun aus dem Boot fliegen würde. Trotzdem musste man eigentlich die ganze Zeit weiter paddeln. Das war super anstrengend, aber auch verdammt spaßig und gab einen guten Adrenalin-Schub. Wir waren auch sehr erleichtert, es ohne große Probleme geschafft zu haben. Wir fuhren noch durch weitere Abschnitte, ehe es hieß, dass wir in dem folgenden Abschnitt alle von Bord gehen sollen und einfach mal mit der Strömung schwimmen sollen. Also ab in die Fluten.

Wir ließen uns treiben und lachten viel, merkten aber auch, welche Geschwindigkeit der Fluss hat und wie wenig man dagegen ausrichten kann, insbesondere beim Schwimmen. Dann ging es zurück aufs Boot und schon mussten wir wieder ackern, es gab immerhin Stromschnellen zu bewältigen. Als einziges Boot fuhren wir auch rückwärts durch einen Abschnitt, einfach, weil wir es konnten und den Befehlen unseres Guides folgten. Abenteuer pur. Die letzte große Stromschnelle war noch einmal eine der Kategorie 5 und hatte den Namen „Surprise“. Somit wussten wir ja, was uns bevorstand. Gegen zweieinhalb-Meter Wellen kämpften wir an und blieben zum Glück alle im Boot. Die Zusammenarbeit war auch schon deutlich besser als noch am Anfang.

Dann gab es noch einen weiteren Schwimm-Abschnitt, ehe wir die Boote zum Land steuerten. Das war ein richtiger Spaß! Wir können es jedem weiterempfehlen und freuen uns, es auf der Reise noch gemacht zu haben. Unser Boot hat auch deutlich besser harmoniert als die anderen und wir mussten durch die fehlenden großen Ruder des Guides deutlich mehr selber machen, als andere Boote. Das gefiel uns und auch unser Guide hat mit seiner Stimmung zu dem tollen Ausflug beigetragen. Im Anschluss gab es noch gemütlich Bier und Lunch, unter anderem mit leckerem Obst, auf der Kuhwiese, wo unsere Fahrt geendet hatte. Die Kühe schauten auch durchaus interessiert. Wir unterhielten uns noch mit den diversen anderen Mitfahrern über das gerade erlebte oder auch unsere Erfahrungen und Pläne unserer Kolumbien-Reisen.

Anders als die meisten Anderen, hatten wir nicht bedacht oder in der Memo zu der Aktivität überlesen, dass empfohlen wird Wechselklamotten mitzunehmen, wir blieben in unseren pitschnassen Klamotten. Zum Glück schien noch etwas die Sonne, wodurch wir wenigstens etwas trockneten. Es wurde Zeit für den Weg zurück und wir bestiegen alle wieder die Kleinbusse. Wir wurden an der Einfahrt zum Hotelgelände herausgelassen und mussten nur noch den Weg bis zum Van laufen. Vor dem Abendessen gingen wir dann noch in den Pool-Bereich vor dem Hotel. Dort gibt es auch einen Spa-Bereich. Ob wir mit unserem Bändchen für Camping da wirklich rein durften, wissen wir nicht. Hendrik hatte zufällig auch sein Handtuch über dem Arm mit dem Bändchen, als er das Personal am Eingang dort nach der Sauna fragte und dann einfach hindurchging. So konnten wir noch einen Gang in die Dampfsauna und einen warmen Whirlpool genießen, ehe es zurück zum Van ging und nach einem kleinen Abendessen ins Bett.
Freitag 11.11.: Lasst das Adrenalin fließen
Die Action vom Vortag sollte an diesem Tag weitergehen. Statt nur einer Tour waren heute sogar gleich zwei geplant. Alle drei Touren in San Gil haben wir mit „Colombia Rafting“ durchgeführt. Die drei Touren an den zwei Tagen, inklusive aller Transfers und eines Übersetzers, der uns am zweiten Tag komplett begleitete, kostete uns insgesamt 200 €. Das ist tatsächlich weniger, als wenn man ausschließlich Rafting in Kanada gemacht hätte oder Ziplining in Costa Rica. Ein Grund, warum wir uns so auf Kolumbien gefreut haben, da es hier noch günstige und gute Touren mit Action gibt, die nicht einzeln bereits bei über 100 € pro Person liegen. Zurück zum Wesentlichen. Es wurde uns angekündigt, dass wir um 9 Uhr abgeholt werden. Um 8:40 Uhr kam bereits Carlos, unser Übersetzer, Guide und Begleiter für den Tag, zu unserem Van und teilte uns mit, dass wir grundsätzlich jederzeit loskönnten. Mit einer solchen Überpünktlichkeit hatten wir nicht gerechnet, wir waren gerade noch am Frühstücken. Scheinbar sind die Kolumbianer dann doch sehr pünktlich, es ist schließlich nicht das erste Mal, dass man bei einer Tour auf uns warten muss, und wir haben dann doch etwas zu sehr den entspannten Touch von México und Costa Rica noch im Blut.

Wir schafften es rechtzeitig bis um 9 Uhr alles parat zu haben und dann konnte die Fahrt auch schon losgehen. Die beiden Touren hätten zwar auch ohne zusätzlichen Englisch-Guide gemacht werden können, aber mit wäre besser und wir waren sehr froh ihn hinzugebucht zu haben. Schon auf der Fahrt zu unserer ersten Aktivität bekamen wir von Carlos zahlreiche Informationen zu der Gegend und zu weiteren Aktivitäten und Wanderungen, die man hier unternehmen kann. Nach einer halben Stunde wurden wir drei bei dem Höhlen-Adventure-Shop abgesetzt. Als Erstes ging es nämlich auf eine Höhlenerkundungstour. Wir wurden mit Helmen und Stirnlampen ausgestattet, quatschten noch kurz mit Carlos, ehe der eigentliche Guide die kleine Gruppe zusammenrief und es losging.

Nach einem kleinen Fußmarsch von weniger als fünf Minuten kamen wir an ein Gatter, welches von einer Kuh bewacht wurde, die wir dann einzeln immer zurückdrängen mussten, damit diese nicht entkommt. Das Höhlensystem heißt auch Cow-Caves, da es vor einigen Jahren von einem Kuh-Farmer entdeckt wurde, der stetig Kühe verlor. Er entdeckte schließlich, dass diese alle zum Trinken zum Höhleneingang gegangen waren und einige dort reingestürzt und dann verendet sind. Später wurde sie erkundet, der Eingang von der Weide abgeschottet und vor 25 Jahren wurde das Höhlensystem dann für touristische Touren freigegeben. Wir stiegen den Eingang hinab und schon wurde die Decke schmaler, das Tageslicht weniger und nass. Nicht nur etwas feucht, sondern wir stiegen direkt in knietiefes Wasser.

Aus diesem Grund hatten wir auch die noch nassen Schuhe des Vortags mitgenommen und angezogen. Wir wanderten oft geduckt und in einer stetigen Reihe durch das Höhlensystem immer tiefer hinein. Immer wieder hielten wir und uns wurden verschiedene Details erklärt. Wir sahen auch einige Fledermäuse, die an der Decke hingen. Immer wenn der Guide etwas erklärte, bekamen wir das von Carlos übersetzt. Wir fühlten uns schon etwas sehr privilegiert und abgehoben, aber es war schön, die ganzen Informationen zu erhalten und dadurch eine sehr spannende Tour. Inzwischen war es in den Höhlengängen ziemlich kühl und wenn wir nicht gerade im Wasser schwammen, waren zumindest unsere Klamotten noch komplett nass, wodurch uns und insbesondere Annelie, sehr kalt wurde.

Dann gab es auch noch eine weitere Herausforderung. An einer Stelle konnte man nur weiterkommen, indem man einige Meter an einem Seil entlang tauchte. Das hatten wir nun wirklich nicht erwartet. Hendrik hatte zwar erwähnt, dass vielleicht die Schuhe etwas nass werden können, dass wir aber in der Höhle schwimmen und dann sogar blind tauchen müssten, wusste er nicht und wir waren beide etwas überrascht. Ob das alles wirklich sicher war, unwahrscheinlich. Alle hielten sich am Seil fest und einer nach dem Anderen tauchte unter, hangelte sich am Seil entlang und wurde am anderen Ende vom Guide in Empfang genommen. Das war schon wirklich verrückt. Eine durchaus besondere Erfahrung. Wir erkundeten weiter die erstaunlichen und wunderschönen kleineren und größeren Höhlen.

Wir konnten auch immer wieder Spuren der regelmäßig vorkommenden Erdbeben sehen, wo dann ganze Deckenteile oder Stalaktiten heruntergefallen waren. Etwas mulmig war einem dann doch. Wir durften auch nicht zu laut sprechen, da sonst die Gefahr besteht, dass etwas von der Decke oder ein Stalaktit abbricht. Es befanden sich im Durchschnitt 45 bis 55 Meter Gestein und Erde zwischen uns und der Erdoberfläche. Über uns tatsächlich das Dorf, durch das wir kurz zuvor noch gelaufen waren. Nach einiger Zeit erreichten wir den weitesten Punkt. Dort wurden dann noch Fotos gemacht, ehe wir uns auf den Rückweg machten.

Es gab zwar schon viele Expeditionen in dem Höhlensystem, manche über 17 Stunden lang, es wurde aber bisher kein zweiter Ausgang gefunden. Somit hieß es auch wieder durch das trübe Wasser tauchen. Es ging auch ein zweites Mal gut. Der Rückweg verlief deutlich schneller als der Hinweg und wir erreichten schon bald wieder den Höhleneingang und sahen endlich wieder Sonnenlicht. Wie viel Zeit wir unterirdisch verbracht haben? Das konnten wir in dem Moment überhaupt nicht einschätzen. Es hätte alles zwischen einer und drei Stunden sein können. Es waren ungefähr 90 Minuten, die sehr spannend und aufregend waren, alles in allem eine tolle Tour, wenn auch sehr nass und kalt.

Die Gruppe lief zurück zum Startpunkt beim Shop, wo alle sich erstmal abduschten und den Dreck herunterspülten. Allerdings auch wieder mit kaltem Wasser und mit den Klamotten am Laib, um auch den Dreck von den Klamotten zu bekommen. Unser Fahrer war inzwischen wieder da, wodurch wir sofort weiterfahren konnten. Auf halbem Weg zur zweiten Aktivität wurde noch kurz an einem Supermarkt gehalten, damit wir uns einen Snack und etwas zu Trinken kaufen konnten, ehe es weiter ging. Um halb zwei erreichten wir unsere letzte geplante Tour in San Gil. Der große Plan war, sich einen Wasserfall herabzuseilen. Allerdings sah das dort überhaupt nicht danach aus, sondern eher wie ein großangelegter Kletterpark, wie man ihn auch aus Berlin-Hennigsdorf oder aus dem Wildgehege Moritzburg kennt. Wirklich spannend sah das erstmal nicht aus, aber wir wollen ja immer nicht zu früh urteilen.

Wieder ging es mit einer anderen Gruppe zusammen auf Tour. Nach einer kurzen Einführung und Einweisung kam ein erstes kleines Highlight. Wir düsten nacheinander eine 190 Meter lange Zipline entlang zu einem zweiten Hügel, um dort mit dem eigentlichen Parkour zu beginnen. Der Ausblick auf die umliegenden Berge und das ganze Grün der Natur war wunderschön. Wir können Kolumbien noch in Grün sehen, ehe bald schon wieder alles braun und verdorrt ist, durch die Trockenzeit. Vor allem an den ersten Hindernissen wurde vom Guide und scheinbar auch Fotograf von jedem, der das Fotopaket gebucht hat, was wir dann ebenfalls hinzubuchten, ein Foto geschossen. Die Bilder haben wir noch nicht bekommen und werden entsprechend später in diesem Beitrag hinzugefügt. Da alle Teilnehmer das Paket gebucht hatten, ging es am Anfang sehr schleppend voran, wurde aber mit der Zeit besser. Wir erklommen die verschiedenen Hindernisse und kamen immer höher den Berg hinauf.

Der Ausblick war grandios und der Blick nach unten wurde immer schwindelerregender. Zum Glück waren wir gesichert und konnten so relativ unbesorgt den Parkour meistern. Schließlich kamen wir ganz oben an und konnten uns dem finalen Hindernis stellen. Es war durchaus das erhoffte Abseilen am Wasserfall. Allerdings war dieser gerade mehr ein Rinnsal als ein wirklicher Wasserfall, doch alleine die Höhe von über 70 Metern war beeindruckend und auch etwas beängstigend. Nachdem Annelie in der Höhle etwas eingeschüchtert war, war es nun an Hendrik dieses Gefühl beim Blick nach unten zu empfinden. Auch ohne Höhenangst muss man erstmal dem Seil vertrauen, in das man sich vollständig lehnen soll.

Annelie war zuerst an der Reihe und merkte relativ schnell, dass der Wasserfall aktuell zwar nur ein Rinnsal ist, dies allerdings ausreicht, um keinerlei Griff mit den Schuhen an dem feuchten Gestein zu haben. Wodurch das rückwärts „runterlaufen“ an der steilen Wand etwas schwieriger als erwartet war. Während Annelie sich noch abseilte, war Hendrik ebenfalls mit dem Abstieg beschäftigt. Eigentlich soll die linke Hand, die nur das Seil nach oben führt und keine unbedingt tragende Rolle besitzt, nur locker gehalten werden, während man sich mit der rechten Hand abseilt. Doch so wirklich wollte man dem ganzen nicht trauen und so klammerte man sich mit einer solchen Kraft mit dem linken Arm am Seil fest, dass dieser eigentlich unwichtige Arm am Ende besonders verkrampft war.

Das Erlebnis selber war atemberaubend und unglaublich toll. Wir waren beide wieder pitschnass und hatten zum Glück erneut die schon zuvor nassen Schuhe angezogen. Auch ein Rinnsal kann einen komplett duschen. Es war ein spektakuläres Erlebnis und wir waren sehr froh es überlebt, überstanden und gemacht zu haben. Im Anschluss ging es dann nochmal per Zipline, quasi zur Entspannung, zurück zum anderen Berg. Im Anschluss tranken wir noch ein Bier, bzw. Annelie eine Limonade, mit dem Guide zusammen, ehe wir von dem Fahrer aufgesammelt wurden und zurück zum Hotel-Areal gebracht wurden. Dort gab es dann noch einen Sun-Downer, ehe wir Abendessen machen wollten.
Doch letzteres sollte es nicht mehr geben. Hendrik bekam Bauchschmerzen, legte sich erstmal ins Bett und ruhte sich aus. Diese wurden jedoch nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Aus reinen Bauchschmerzen wurde Übelkeit und dann kam es tatsächlich oben raus. Ohne euch mit zu vielen Details anzuekeln oder vergraulen zu wollen, die sanfte Kurzfassung. Es machte zunächst den Anschein, dass das einmalige Erbrechen es wieder besser gemacht hatte, allerdings konnte man sich im Laufe der Nacht fast einen Wecker danach stellen, wann der gute Freund „Eimi“, den man auch bei Seefahrten kennt, umarmt wird. Wenn Hendrik tatsächlich nach Medikamenten bettelt, dann weiß man, es ist wirklich schlimm. Die zweite Tablette gegen Übelkeit um drei Uhr morgens brachte schließlich die ersehnte Wirkung und ließ die Nacht einigermaßen erträglich zu Ende gehen.
Die Ursache konnten wir nie eindeutig identifizieren. Ob es an Keimen im Flusswasser vom Vortag, dem Hühnchen am Vortag, dem mit Fledermauskacke-Durchtränktem-Höhlenwasser oder dem Saft des Sun-Downers lag ist unklar. Es gab dann doch sehr viele mögliche Gründe.









































































Samstag 12.11.: 100km – 6h- auf dem Weg nach Bucaramanga

Am Samstagmorgen hatte Hendriks Gesicht wieder ein klein wenig Farbe bekommen. An Frühstück war trotzdem noch lange nicht zu denken. Anstatt noch einen Tag in San Gil zu verbringen, entschieden wir uns dazu loszufahren in Richtung Norden. Eigentlich wollten wir noch eine von Carlos empfohlene Stadt und eine Ansammlung von vielen kleinen ineinanderfließenden Teichen besuchen, jedoch mussten wir diesen Plan über den Haufen werfen. Jetzt wollten wir wenigstens ein paar Kilometer schaffen, da wir, um ehrlich zu sein, auch einfach keine Lust mehr auf den Stellplatz hatten. Spätestens mit der letzten Nacht, hatten wir das Gefühl, für uns reicht es jetzt hier. Also packte Annelie schnell alle Sachen zusammen und losging die Fahrt. Hendrik ging es gut genug um generell zu fahren. Langsam und gemütlich schlängelten wir uns die Bergstraßen entlang. Die Sonne lachte und die Straßen waren vergleichsweise leer, was uns eine, den Umständen entsprechend, angenehme Fahrt bescherte.

Nach ca. 2h erreichten wir unser erstes Zwischenziel. Neben uns breitete sich der Chicamocha Canyon in seiner gigantischen Schönheit aus. Hunderte Meter tief ging es bergab und auf der anderen Seite wieder bergauf. Es schien, als würde sich dieses wunderschöne Panorama bis zum Horizont ziehen, so endlos weit war der Canyon. Ursprünglich hatten wir geplant hier zu schlafen, das war jedoch vor letzter Nacht. Jetzt wollten wir einfach nur in ein Hotel. Also entschieden wir uns auch gegen Spaziergang und Seilbahn, sondern bestaunten dieses Naturwunder einfach nur aus dem Auto heraus.

Tatsächlich hatten wir so auch die absolut perfekte Sicht, da sich die Straße immer am Rand des Canyons herum schlängelt. Uns wurde im Vorhinein gesagt, wir sollten auf dieser Nationalstraße sehr vorsichtig sein, da hier täglich mehrere Unfälle passieren auf Grund der großen Anzahl an Lastwagen, die hier lang fahren. Wir begegneten auf diesen 100 km jedoch kaum einem Auto oder LKW. Es schien, als hätten wir die Straßen fast für uns. Dachten wir … Nachdem wir einmal am oberen Rand des Canyons entlanggefahren und auf der anderen Seite wieder ins Tal gefahren waren, kamen wir plötzlich an einem Stauende an. Ganz deutsch, stellten wir uns natürlich hinten an. Drängeln bringt ja am Ende doch nichts. Als dann jedoch erst ein, dann zwei, dann drei Autos an uns vorbeifuhren, ging Annelie doch mal schauen, was hier los war. Tatsächlich sah es so aus, als würden die LKWs hier einfach Pause machen, sich ausruhen oder ein Treffen abhalten.

Alle paar LKW entstand eine große Lücke, in vielen der großen Laster saßen gar keine Fahrer drin. Wie ein normaler Verkehrsstau sah das nicht aus. Also machten wir es den anderen Autos nach und fuhren immer auf der linken Spur an den Lastern vorbei. Doch auch auf den nächsten Kilometern begegnete uns dieses merkwürdige Phänomen. Überall reihten sich Laster und Trucks. Beladen mit allen möglichen Gütern, bis hin zu Ziegen und Kühen. Teilweise fuhren wir Kilometer auf der linken Spur an den Lasterschlangen vorbei. Parkplätze, Rastplätze, Tankstellen oder einfach Wiesen waren zugeparkt. Es wirkte wie in einem Apokalypsenfilm, als wären mit einem Mal einfach alle LKWs ausgefallen und liegen geblieben. Vielleicht gab es eine Art Wochenendfahrverbot für LKWs? Nach weiteren vielen Kilometern bildete sich neben der LKW Schlange auf der rechten Fahrbahnseite nun auch eine PKW-Schlange auf der linken Fahrbahnseite. Na toll, was war denn jetzt los? Wir parkten hinter den anderen Autos und Annelie stieg aus, die Lage zu erkunden.

Ca. 500 m die Straße hinauf erklärte sich dann die Situation. In einem Ort, durch welchen die einzige Verbindungsstraße zwischen Nord und Süd läuft, fand eine Demo statt. Um die Dringlichkeit und Unzufriedenheit der Demonstrierenden zu unterstreichen, hatten diese eine Straßensperre errichtet. Ein LKW mit Bannern stand quer auf der Straße und Seile und Plastikpoller verhinderten jegliches Durchkommen. Eine aufgeregte Traube hatte sich bereits um die Barriere versammelt und diskutierte mit den vermeintlichen Chefs der Demos. Ein Umdrehen war nach so langer Strecke eigentlich sinnlos, schließlich gab es nur diese eine Straße für uns, damit wir in den Norden Kolumbiens kommen könnten. Eine andere Reisegruppe hatte einen Polizisten um Hilfe gebeten. Auch sie wollten doch einfach nur in die nächste Stadt. Doch auch der Polizist hatte keine Chance bei seinen Verhandlungen mit den Demonstrierenden.

Am Ende meinte er nur: „Vielleicht lassen sie euch in ein paar Stunden durch.“ Zwischendurch fiel sogar der Satz, sie würden 2 Tage (!!) demonstrieren wollen. Alles diskutieren und bitten half nichts. Wir mussten, wie die anderen hunderten Autos und LKWs warten und hoffen, dass die Demo irgendwann ein Ende finden würde. Wir schlängelten uns noch ein paar Parkplätze nach vorn, sodass wir nur noch ca. 300 m von der Straßenbarriere entfernt waren. Das Ziel war es, sobald es irgendwie möglich war, loszufahren, bloß keine Chance zu verpassen. Um uns herum standen Familien, Touristen, Einheimische, Bauern, LKW-Fahrer und Viehtransporte in der prallen Sonne. Minute um Minute, Stunde um Stunde. Wir versuchten wirklich Verständnis für die Situation aufzubringen und ruhig zu bleiben. Doch vor allem, als ein Krankenwagen versuchte durch die zugeparkte und verkeilte Automasse zu gelangen, fehlte uns jedes Verständnis für die Blockade. Statt die vier Fahrzeuge vor dem Krankenwagen und die Krankenwagen durch die Blockade zu lassen, musste minutenlang herum rangiert werden, damit nur die Krankenwagen durchkommen und bloß kein anderes Fahrzeug.

Autos versuchten Platz zu machen, rangierten am steilen Berg, überall wurde etwas auf Spanisch rumgeschrien und wir mittendrin im absoluten Chaos. Die ganze Situation war absolut absurd für uns. Viel später als nötig, konnten die Krankenwagen endlich passieren. Nach drei Stunden bewegte sich plötzlich etwas. Hendrik schmiss den Motor an, quetschte sich an unserem Vordermann, welcher sichtlich Probleme hatte seinen alten Truck den Berg rauf zu bekommen, vorbei und fuhr los. Wir konnten es gar nicht richtig glauben, doch die Barriere war weg und wir konnten das Dorf passieren. Ob die Polizei doch Erfolg hatte, die Situation der nicht durchkommenden Krankenwagen etwas mit der Aufhebung zu tun hatte oder ob ein anderer Grund hinter der Aufhebung der Sperre steckt, wissen wir nicht. Wir sind einfach nur froh, wieder zu fahren. Auf der anderen Seite des Dorfes stehen LKW-Fahrer und Polizisten mit ihren Handys und filmten die endlose Schlange an Autos, welche ihnen entgegenkommt. Wir haben das Gefühl, dass selbst für Kolumbien, diese Situation besonders war.

In der langen Fahrzeugschlange ging es gemächlich bis in die Stadt Bucaramanga. Dort manövrierten wir uns noch durch den Großstadtdschungel und erreichten dann, endlich unser Hotel. Wir parkten unser Auto in der Tiefgarage, checkten ein und Hendrik fiel nur noch völlig erschöpft und am Ende ins Bett. Annelie machte sich erstmal auf Essen und Trinken zu besorgen und ein bisschen Abstand vom Autofahren zu bekommen. An diesem Tag waren wir einfach nur froh, nicht auf irgendeiner Bergstraße umgeben von kolumbianischen Truckern zu nächtigen, sondern in einem sicheren, halbwegs bequemen Hotelbett. Was ein Abenteuer!
Sonntag 13.11.: Das Straßenabenteuer geht weiter – Mompox

Die Nacht davor und der Vortag hatten seinen Tribut gezollt und Hendrik konnte vor Nacken und Gliederschmerzen in den Schultern um 2Uhr nicht mehr schlafen. Also mal wieder eine Tablette, diesmal eine Ibu. Neben den Malaria-Medikamenten, die wir provisorisch aktuell einmal pro Tag nehmen, ist das immerhin die fünfte Tablette in weniger als 48 Stunden, Rekord. Danach konnte er aber zum Glück gut schlafen und am Morgen war auch der Appeitit ein wenig zurückgekehrt. Nach einem kleinen Hotelfrühstück und einer Alarmanlageneinlage in der Tiefgarage fuhren wir aus Bucaramanga heraus in Richtung Mompox. Die Sirene und Alarmanlage des Autos verstehen wir allmählich wirklich nicht mehr. Jedes Mal, wenn man denkt ein System verstanden zu haben, wird man auf ein Neues überrascht. Heute lag eine besonders lange Autostrecke vor uns. Hendrik war wieder fit und so sammelten wir Kilometer um Kilometer. Insgesamt hatte uns das Navi 6,5h für die Fahrt vorausgesagt. Am Ende würden es 8,5h Stunden werden. Einen großen Anteil daran hatte die absolut schlechte Straße. Auf den Bergstraßen durch die letzten Ausläufer der Anden, war noch alles super. Die Straßen waren gut gepflegt und wir kamen in entspanntem Tempo, bei gemächlichem Verkehr voran. Doch als wir die Berge hinter uns ließen und ins Tiefland kamen, ging das Abenteuer los.

Gravelroads, Off-Roadstraßen, kleine Bergpässe… All das können wir, all das fahren wir mehr oder weniger gern. Doch diese Autobahn/Landstraße war eine Nummer für sich. Auf der zweispurigen, asphaltierten Straße tauchten plötzlich wie aus dem Nichts brutalste Schlaglöcher auf. Mal links, mal rechts oder einfach über die komplette Straßenbreite verteilt, erstreckten sich Löcher und Bodenwellen, die sicher täglich vielen Autos das Genick brachen. Die Löcher sind teilweise so tief gewesen, dass man bis zu den Schienbeinen in ihnen versunken wäre. Als Tempolimit galt auf dieser Straße übrigens 100 km/h. So sehr sich Hendrik auch Mühe gab im Slalom allen Hindernissen auszuweichen, erwischte es uns ein paar Mal ziemlich hart. Doch unser Auto hielt Stand, zum Glück. Tatsächlich war diese Straße sogar eine Mautstraße, wofür wir hier jedoch Geld bezahlten, wussten wir wirklich nicht.

Blöderweise landeten wir auch noch in einem fetten Stau, welcher die Fahrtzeit wiederum verlängerte. Nach ca. 7h bogen wir auf eine etwas kleinere, jedoch nur zu Beginn bessere, Straße ein. Wir waren mittlerweile schon lang aus den Bergen heraus und um uns herum lag eine riesige Seenlandschaft. Die Seen waren jedoch nicht, so wie von zu Hause gewöhnt, von Menschen angelegt oder in Form gehalten wurden, sondern entstanden einfach auf den Wiesen und Feldern. Dank des strahlenden blauen Himmels, wirkte die Landschaft sogar nochmal ein Stück schöner. Doch wir merkten auch, dass die Region hier sehr viel ärmer war, als das, was wir zuvor gewöhnt waren und gesehen hatten. Die Menschen scheinen hier vorrangig von Viehzucht und Fischfang zu leben. Ihre Waren verkaufen sie an den Durchgangsverkehr und versuchen so ein wenig Geld zu machen.

Die Verzweiflung und Armut der Menschen wurde uns dann jedoch ein wenig später bewusst. Plötzlich tauchten vor unserem Auto Kinder mit einem langen Strick auf, den sie quer über die Straße gespannt hatten und uns somit zum Anhalten zwangen. Zuerst wollten sie nicht aus dem Weg gehen, ließen ihr Seil dann jedoch nach einigem Hupen doch los. Dies war jedoch kein Einzelfall, sondern passierte sicherlich drei, viermal. Wir schätzen, dass die Kinder so versuchen, die Fahrer:innen zu zwingen, Geld für die Durchfahrt zu bezahlen. Ein wenig komisch und unsicher fühlte sich diese Situation dann doch an. Zum ersten Mal in Kolumbien, hatten wir wirklich das Gefühl, dass hier vielleicht nicht jede Gegend sicher ist und wir waren froh auch diese Nacht im Hotel und nicht auf einem Campingplatz zu verbringen. Auch wenn wir das Hotel im Voraus lediglich aus Temperatur-Gründen gebucht hatten, da ein Campen hier unerträglich sein soll. Die Hitze ist wirklich extrem und wir verstehen die Kommentare daher sehr gut. Gegen 17 Uhr erreichten wir dann endlich unser Ziel, die Stadt Mompox. Der Anfahrtsweg hatte es, dank der brutalen Straßen, wirklich in sich gehabt und so sind wir froh einfach im Hotel zu sein und zu entspannen.















































Unfassbar, was Ihr alles erlebt ! Hut ab!
Danke für die spannenden Berichte!
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