10. Woche 03.10.-09.10. Terrace, Prince Rupert & Prince George

03.10. Montag: Fahrt von Hyder nach Terrace

Am Morgen waren wir noch einmal kurz zum Fish Creek gefahren, in der Hoffnung nochmal einen Bären zu sehen, diesmal allerdings erfolglos. Im Anschluss ging es mal wieder über die Grenze. Das ist nun unsere vierte Einreise nach Kanada. Wir fuhren durch Stewart durch, gingen kurz spazieren, ehe es wieder „back on the road“ ging. Den Gletscher, den wir auf der Hinfahrt im Regen kurz gesehen hatten, wollten wir jetzt nochmal bei gutem Wetter sehen. Allerdings mussten wir feststellen, dass zwar in Steward die Sonne schien, keine zwanzig Minuten weiter mit dem Auto, die Wolken allerdings wieder tief in den Bergen hingen. Von dem Gletscher sahen wir tatsächlich weniger als am Samstag, auch wenn diesmal der Regen fehlte. Nun gut, kann man nicht ändern, weiter geht es.

Der restliche Tag verlief erstmal relativ unspektakulär. Nachdem wir wieder ein Hörspiel heruntergeladen hatten, hörten wir dieses und fuhren einfach weiter in Richtung Vancouver. Wir erreichten schließlich Terrace, ein Örtchen in BC. Dort gingen wir seit langer Zeit mal wieder in einen Tim Hortons, in erster Linie um das Internet zu nutzen. Die Zeit verging und wir machten uns, als die Sonne langsam unterging, auf in Richtung eines Schlafplatzes. Den ersten Ort, den wir herausgesucht hatten, konnten wir nicht erreichen, da die Straße auf halber Strecke endete und ein riesiges Baugebiet da war, wo eigentlich eine Straße sein sollte. Also gut, das heißt also nach einem anderen Schlafplatz suchen. Zu diesem benötigten wir nochmal fast 40 Minuten. Es wurde immer dunkler. Die Straße wurde zu einer Gravel Road und die Schlaglöcher wurden mehr und mehr. Wir erreichten schließlich den kostenlosen Zeltplatz im finsteren Wald. Dort war noch einiges los. Einige Pickup-Trucks kamen uns auf dem Weg bereits entgegen und auch am Zeltplatz selber waren noch einige geparkt. Wir waren etwas verunsichert, bogen dennoch auf den schmalen Waldweg, der einem Schild nach, zu Stellplätzen führen sollte. Wir nahmen schließlich den ersten Platz und fingen sofort an das Auto umzubauen und vor allem auch zu kochen. Die Mägen knurrten. Der Wald war stockdunkel und die Bäume gewaltig, um uns herum knacksten Äste. Es war gruselig. Alle Taschenlampen und Stirnlampen waren an, um uns zumindest etwas mit Licht zu versorgen. Zum Essen gab es Nudeln mit Pilz-Sahnesauce, für Hendrik gab es dazu noch das letzte Stück Lachs. Sechs Tage hat der Lachs gereicht und Hendrik jeden Abend ein kleines Festmahl beschert. Doch heute war das Essen ungemütlich, nicht durch die Kälte, sondern durch unsere stetige Sorge vor Bären. Wir waren schon an Orten gewesen, wo wir weniger mit Bären gerechnet haben, und wurden selbst tagsüber von denen dann besucht. Immer wieder leuchteten wir in die Büsche um uns herum, sahen aber nichts. Schnell wurde gegessen und der halbvolle Kochtopf in den Fußraum des Autos gestellt. Es war uns beiden einfach zu unsicher, dabei war es erst halb neun. Wir packten alles zusammen, verkrochen uns im Bett und schlossen den Wagen zu.

04.10. Dienstag: Ein Tag in Terrace

Wir haben die Nacht überlebt und wie das so ist, am Morgen, im Hellen, wirkt die Umgebung schon gleich viel freundlicher und nicht mehr gruselig. Wir blickten in einen dichten Wald um uns herum, leider mussten wir aber auch feststellen, dass einiges an Müll auf diesem Stellplatz von vorherigen Besitzern zurückgelassen wurde. Während Hendrik sich die restlichen Nudeln vom Vorabend warm machte, steckte er die Speicherkarte der Wildkamera, die wir uns vor ungefähr zwei Wochen zugelegt hatten, in den Computer. Unsere ersten Versuche, nachts ein paar Tiere zu Gesicht zu bekommen, waren enttäuschenderweise kläglich gescheitert. Doch man wird besser und lernt dazu, wo man am besten die Wildkamera aufstellen sollte. Kurz bevor wir am Vortag ins Bett gegangen waren, hatte Hendrik die Kamera noch positioniert. Er staunte nicht schlecht, als er die Videos auf der Kamera sah. Nach den anfänglichen Misserfolgen hatten wir nicht mehr nach jedem Aufstellen die Ergebnisse geprüft. Es stellte sich heraus, dass uns am 01.10. bereits ein Fuchs nachts besucht hatte. Das Video findet ihr auf unserer Seite für Tierfotos (ganz unten). Doch auch für die vergangene Nacht waren zwei Videos auf der Speicherkarte zu finden. Neben einem Fuchs am späten Abend, entdeckten wir auch, dass um halb vier in der Nacht ein Schwarzbär direkt an unserem Auto vorbeigelaufen war. Unser Gefühl vom Vorabend hatte uns also nicht getrogen. Hier das Video:

Der Bärbesuch vom 04.10.2022

Da waren wir schon etwas baff, als wir das sahen. Es ist ja zum Glück alles gut gegangen. Aber das wäre somit Bär Nummer 17. Hendrik ging dann noch etwas spazieren und entdeckte wenige Meter vom Eingang des Campingplatzes entfernt den angrenzenden Fluss. An diesem standen dutzende Angler und versuchten Lachse herauszuholen. Auch wenn er sich gerne dazugesellen wollte, in Anbetracht dessen, dass er diesen dann wieder ganz alleine für womöglich weitere sechs Tage essen müsste, entschied er sich dann doch dagegen. Es war dennoch interessant zu beobachten und man sah auch die unzähligen angespülten toten Lachse, die bereits gelaicht haben und dann im Anschluss gestorben waren. Das Spektakel erklärte aber auch die Menschen, die uns am Vorabend begegnet waren. Alles ist weniger gruselig, wenn man es versteht.

Wir verließen den Schlafplatz und fuhren erneut nach Terrace. Dort haben wir erstmal Lebensmittel gekauft, ehe wir uns nochmal Internet besorgten. Wir fuhren die Straße in Richtung Prince Rupert schließlich für ungefähr eine halbe Stunde weiter, ehe wir uns hier einen Schlafplatz sicherten. Auch wenn offiziell Campen verboten war, stellten wir uns auf den großen, abgelegenen Parkplatz eines Parks mit anliegendem Fluss, da sonst keiner dort parkte und es schon niemanden stören würde.

Die Bäume, die uns umgaben, waren unglaublich schön und vor allem alt. Auf einer Informationstafel fanden wir heraus, dass die ältesten Bäume um uns herum zwischen 350 und 650 Jahre alt waren. Wir machten nach dem Essen noch einen kleinen Spaziergang zu dem nahegelegenen Fluss, an dem Hendrik zuvor bereits Tierspuren entdeckt hatte und wo er seine Wildkamera aufstellen wollte. Neben Biberspuren, entdeckten wir auch große Bärenspuren. Wir stellten die Kamera auf und gingen dann zurück zum Auto. Diesmal wurde es erst vollständig dunkel, als wir schon gegessen hatten und vollständig umgebaut hatten. Die Nacht verlief ruhig und angenehm.

05.10. Mittwoch: Ab nach Prince Rupert

Am Morgen ging Hendrik erstmal runter zum Fluss, um die Wildkamera zurückzuholen. Wie sich bei der Auswertung herausstellte, gab es gleich fünf neue Aufzeichnungen. Neben einem Fuchs um 19:30Uhr am Abend, waren Nachts zwischen vier und fünf Uhr fleißig Biber am Arbeiten. Die Biberaufnahmen waren leider nicht so gut von der Qualität, da es da gerade regnete, wodurch die Regentropfen sehr reflektierten. Trotzdem waren die oder der Biber gut zu erkennen, wie dieser immer wieder Äste anschleppte.

Nach einem gemeinsamen Frühstück fuhren wir dann weiter bis Prince Rupert. Dort zog es uns zunächst nochmal in die Bibliothek, um etwas zu arbeiten. Am Nachmittag besuchten wir das Recreation Center. Eine Art Gemeindezentrum mit Schwimmhalle, Fitnessstudio, Sporthallen und einer Eishalle. Für gerade einmal 3€ konnten wir ins Fitnessstudio und anschließend unsere Bahnen ziehen, vom Sprungturm springen und den Abend in der Sauna oder Whirlpool ausklingen lassen. Wir sind absolut begeistert von diesen Angeboten, die es in vielen kanadischen Städten zu finden gibt. So etwas würden wir uns bei uns zu Hause auch sehr wünschen. Da die ersten Wettkämpfe für 2023 bereits gebucht sind, war dieses Training auch nötig.

Nach dieser Sporteinheit knurrte der Magen. Also besorgten wir uns in Prince Rupert noch etwas zu essen und wandelten durch die Stadt. Wie schön, einfach mal nur eine leichte Jacke anziehen zu müssen.

06.10. Donnerstag: ein Sonnentag in Prince Rupert

Unser Wecker klingelte um 7:30 Uhr, da Hendrik ein Arbeitsmeeting hatte. Unsere Nacht haben wir auf einem Wanderparkplatz neben zwei anderen deutschen Pärchen verbracht. Wir hatten schon die Tage zuvor auf der Wetterapp gesehen, dass die nächsten Tage perfektes Wetter werden würde. Und die App sollte recht behalten. Der Himmel ist blau und die Sonne strahlt mit aller Kraft. Nach einem kleinen Frühstück machten wir einen kleinen Spaziergang. Ein ca. 5.5km langer Rundweg führt durch einen verwunschenen Märchenwald bis an den Fjord und zu Gezeiten bedingten Stromschnellen. Je nachdem wie groß der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ist, können hier, wenn das Wasser sich zurückzieht, sehr starke Stromschnellen und eine Art Mini-Wasserfall entstehen.

Nach diesem wunderschönen Morgenspaziergang erkundeten wir ein wenig das kleine Hafenviertel der Stadt. Kleine Holzhäuschen und süße Shops runden den schönen Hafen ab. Dieser ist der dritt-tiefste, von Natur aus eisfreie Hafen der Welt, weshalb hier ohne Probleme große Tanker einfahren können. Und auch Wale und andere Meeressäuger fühlen sich hier pudelwohl. Wir schauten uns die Boote an, sahen ein paar Robben und ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen.

Im Anschluss verbrachten wir ein paar Stunden in der Bibliothek, ehe es erneut in das Recreation Center ging. Nachdem es uns am Tag zuvor so gut gefallen hatte, wollten wir gleich nochmal hin. Nach einer Kraft-Ausdauer-Einheit ging es dann schließlich ins Becken. Die Bahnen wurden fleißig geschwommen und wir belohnten uns am Ende mit einem Bad im 40 Grad warmen Whirlpool. Im Anschluss gingen wir nochmal zu dem Pita Restaurant vom Vortag, ehe wir zu unserem Schlafplatz von der vorangegangenen Nacht zurückfuhren.

07.10. Freitag: ein weiterer Tag in Prince Rupert

Auch heute strahlte die angenehm warme Sonne im blauen Himmel. Prince Rupert, sonst bekannt für die regnerischen Oktober (durchschnittlich 22-23 Regentage im Oktober), wird auch heute wieder vom Sonnenlicht verwöhnt. Wir frühstückten gemütlich selbstgemachte Pancakes, ehe wir nach Prince Rupert reinfuhren.

Hier gingen wir zunächst noch am Hafen spazieren, schauten aufs Wasser hinaus und besuchten den Pacific Mariners Memorial Park, wo an die auf See gebliebenen erinnert wird. Danach ging es in den Waschsalon und wir reinigten unsere Kleidung. In der Wartezeit gab es bei Tim Hortens noch einen Kaffee, sowie Internet und Strom. Im Anschluss fuhren wir bis Terrace zurück, kauften noch kurz etwas ein, ehe wir zu unserem Schlafplatz fuhren.

Hier campten wir direkt am See, mit dem Blick auf die Berge, hinter denen gerade die Sonne unterging. Wir kochten direkt am Strand eine leckere Carbonara, diesmal ohne, dass ein Bär vorbeischaute. Während das Essen kochte, entzündeten wir noch ein Lagerfeuer. Während das Lagerfeuer vor uns knisterte, die kleinen Wellen zu unseren Füßen brachen, konnten wir nochmal einen richtig schönen Sternenhimmel genießen.

08.10. Samstag: Vom Nebel zum guten Wetter

Nachdem der Freitag mit einem wolkenlosen, sternenklaren Himmel geendet hatte, begrüßte uns der Samstag mit einer dicken Nebelwand über dem See, sodass man die dahinterliegenden Berge nicht mehr sehen konnte. Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir wieder los. Es blieb ziemlich nebelig, während wir der Straße in Richtung Landesinnere folgten. Zu unserer Rechten lag eine Bergkette, von der wir nur dank Google Maps wussten. Als wir das kleine Örtchen Smithers erreichten, entfernten wir uns von unserer eigentlichen Route und fuhren einige Kilometer auf einem Schotterweg. Wenige Serpentinen reichten bereits aus, dass wir die Wolkendecke verließen und in wunderschönem Sonnenlicht gebadet wurden. Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt über die Schotterstraße im Wald, während der Hendrik mal wieder seine Rally Rennfahrer Gene entdeckte, erreichten wir unseren Stellplatz für die Nacht. An einem wunderschönen, klaren See gab es Stellplätze für drei bis vier Fahrzeuge und dazugehörig einige Campingtische. Das ganze mal wieder kostenlos, grandios!

Erstmal wurden die Campingstühle ausgebreitet, sich lesend in die Sonne gesetzt und die Aussicht genossen. Hendrik versuchte diesmal erfolglos einen Fisch zu fangen, und so blieb es zum Abendbrot bei Nudeln mit Tomatensoße. Nach einiger Zeit kam noch ein Vater mit seinen zwei Töchtern, und einem ganz wilden, aber liebenswürdigen energiegebündelten Hund namens Juno. Dieser hatte die Zeit seines Lebens und tobte die ganze Zeit über die Campingplätze. Auch heute wurde wieder ein Feuer entzündet, da neben unserem Stellplatz einiges an trockenem, fertig gestückeltem Feuerholz lag. Ein schöner Ausklang des Tages vor toller Kulisse.

09.10. Sonntag: Weiter in Richtung Prince George

Die Nacht war tatsächlich mal wieder richtig kalt. Das hatten wir so nicht erwartet, da die vergangenen Nächte wieder ziemlich mild waren, allerdings wird auch die Höhe für die tiefen nächtlichen Temperaturen verantwortlich gewesen sein. Wir wurden zu einem wunderschönen Sonnenaufgang wach. Am anderen Ende des Sees ging die Sonne auf und ließ den Himmel in allen möglichen Rot-, Orange- und Gelbtönen erstrahlen. Es war wunderschön.

Beim Ausstieg aus dem Auto wurden wir auch direkt wieder von Juno begrüßt. Sie war direkt wieder in Tobe-Laune und hätte sich sicherlich prima mit Hailey verstanden. Auch am Morgen entzündeten wir uns ein Feuer, um die Kälte der Nacht zu vertreiben. Hendrik freute sich, dass endlich mal jemand so viel Energie, wie er selber am Morgen hatte und hatte in Juno eine echte Freundin gefunden. Wir hätten sie auch glatt mit eingesteckt, aber das hätte ihre Familie sicher nicht so toll gefunden.

Nachdem wir die ersten Stunden des Tages an dem schönen Zeltplatz verweilt hatten, packten wir schließlich zusammen, verabschiedeten uns von Juno und ihrer Familie und fuhren die Schotterstraße zurück. Wir machten im Tim Hortons in Smithers halt, und kauften später noch einige Lebensmittel ein. Nach dem Tanken und der 13.000 Kilometermarke, ging es dann wieder auf die Straße und die Fahrt konnte weitergehen.

2 Kommentare zu „10. Woche 03.10.-09.10. Terrace, Prince Rupert & Prince George

  1. macht riesig Spaß Eure Reise zu verfolgen. Vielen lieben Dank, dass Ihr das alles mit uns teilt und Euch so viel Mühe gebt.
    Jeder Bericht ist ein Genuss!!!

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