4. Woche 22.08.-28.08. Liard Hot Springs, Whitehorse und Top of the World Highway

Montag 22.08. heiße Bäder in den Liard Hot Springs

Am Montag ging es für uns weiter in Richtung Norden. Unsere heutige Fahrt würde ein bisschen spannender werden als die letzten Tage. Allmählich kamen wir wieder ins Gebirge und so überraschte uns unsere Fahrt mit schönsten Aussichten ins endlose Weite. Unsere Fahrt wurde ab und zu von kleineren und größeren Baustellen unterbrochen. Meistens wird auf der Baustelle nur in einer Richtung richtig gearbeitet, sodass die andere Richtung von den Autos befahren werden kann. Ein sogenanntes Pilot Car führt dann die jeweilige Autogruppe über die Schotterstraßen.

Einen Mittagsstopp legten wir am Muncho Lake ein. Ein riesiger, blauer See, der einsam zwischen den Bergen liegt. Zum heutigen Mittag gab es bei uns Mac’n Cheese aus der Tüte. Das war aber nicht wirklich ein kulinarisches Erlebnis. Da sind uns unsere eigenen Nudeln mit Käse doch wesentlich lieber.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt kamen wir dann an einem kleinen Campingplatz an unserem Tagesziel an. Eine nette Rangerin empfing uns und wir durften uns unseren Stellplatz für die Nacht selber aussuchen. Wir hatten scheinbar genau das richtige Timing, da wir den letzten freien Stellplatz fanden. Zusammen zahlten wir für den Campingplatz (nur Plumpsklo) und die heißen Quellen 26$, was einem wirklich fairen Preis entspricht. Der Campingplatz ist an sich sehr hübsch, aufgrund der sanitären Situation jedoch geruchsmäßig nicht so lecker. Von Vorteil hingegen ist ein großer Elektrozaun um den Zeltplatz herum, sodass alle Camper:innen sich sicher fühlen können.

Nachdem wir unser Auto aufgebaut haben, was mittlerweile ratzfatz funktioniert, packten wir unsere Badesachen ein und gingen ca. 700m bis zu den Quellen. Schon der Weg dorthin ist wunderschön. Auf einem breiten Holzsteg geht man über die in verschiedenen Grüntönen leuchtende Sumpflandschaft. Je näher man den Quellen kommt, desto üppiger und bunter wird der Wald. Auf Grund der Wärme und dem nährstoffreichen Wasser können hier verschiedenste Pflanzen und Algen wachsen, die es im gewöhnlichen Klima Kanadas nicht geben würde.

Am Ende des Steges liegen zwei wunderschöne Naturbecken. Sicherlich ist der Effekt des heißen Wassers an kalten Tagen noch ein bisschen schöner, als wenn man draußen schon schwitzt. Aber ein Erlebnis ist es trotzdem allemal. Aus der heißesten Quelle strömt das Wasser mit 36°C Wassertemperatur, angefühlt hat es sich aber eher wie 46°C. Je weiter nach unten man im Becken läuft oder schwimmt, desto kälter wird es.

Wir verbrachten einige Stunden am Nachmittag und Abend hier, ließen uns im Wasser treiben und erkundeten die Becken. Es hat sich ein bisschen wie ein Spa-Tag angefühlt. Nur eine Dusche um den Schwefelgeruch wieder loszuwerden, vermissten wir doch herzlichst…

Als wir am Abend in unserem Bettchen liegen, sagt Hendrik noch: „Morgen werden wir Wildlife sehen.“ Und er sollte Recht behalten.

Dienstag 23.08. Wildlife Tag

Während wir unser Frühstück vorbereiteten, hörten wir hinter dem Elektrozaun plötzlich ein Knacken, dann ein Rascheln und man sah wie sich die Büsche bewegten. Und da, nicht mal hundert Meter vor uns schauten plötzlich zwei kleine schwarze Ohren aus dem Gebüsch, gefolgt von einer braunen Schnauze. Wir hatten also einen Frühstücksgast. Die Anwesenheit der Camper und die Geräusche schienen ihn nicht zu stören und so fraß er sich Stück für Stück durch das Gebüsch auf der anderen Seite des Zaunes, der uns zum Glück ein bisschen Sicherheit bot.

Auf unserer Fahrt in Richtung Whitehorse knackten wir die 3000km Marke. Zeit für ein Foto! Ein wenig später verabschiedeten wir uns vom wunderschönen British Columbia und sagten „Hallo Yukon!“. Ein Tag der Mini-Meilensteine. Und noch ein Erlebnis machte den Tag zu etwas Besonderem…

Gerade, als Hendrik genüsslich in seinen Fahrtsnack beißen wollte (eine leckere Käseschnitte), war da plötzlich was Braunes auf der Straße. Bisons! Eine Herde aus vielleicht 20 Tieren trabte gemütlich von links nach rechts über die Straße. Die gewaltigen Tiere ließen die großen Autos ziemlich klein aussehen. Aus einer sicheren Entfernung schnappten wir uns alle Kameras, die wir griffbereit hatten und versuchten ein paar schöne Bisonfotos einzufangen. Vor Aufregung wusste man gar nicht genau wo man zuerst hinschauen soll. Genau für solche Momente hatte Hendrik die Regel eingeführt: Es muss immer eine voll geladene Kamera bereitgehalten werden.

Unser Zwischenstopp am heutigen Tag war der Schilderwald in Watson Lake. Wir hatten schon viel über diesen Ort gehört und wollten deshalb unbedingt hierhin. Was mit einem Schild von 1942 begann, wuchs bis heute zu einem beträchtlichen Sammelsurium aus hunderten Schildern aus aller Welt heran. Von Hennigsdorf, über Dresden und München waren zahlreiche deutsche Städte vertreten. Aber auch andere Orte aus aller Welt hatten sich hier mit einem Schild verewigt. Da wir es leider vor unserer Abreise nicht mehr geschafft hatten ein passendes Schild zu besorgen, konnten wir uns nur mit einem Mini-Magneten verewigen. Aber wer weiß, vielleicht bleibt er ja so lange hier hängen, bis wir nochmal herkommen.

Im Anschluss ging es weiter gen Westen. Ja richtig, nach Westen und nicht weiter nach Norden, da der Highway zunächst entlang der Yukon-BritishColumbia Border verläuft und regelmäßig die Provinzen wechselt. Wir fanden dann tatsächlich einen tollen Stellplatz, direkt am See. Auch hierbei handelte es sich mal wieder um eine der kostenfreien Recreation Areas. Wir stellten unser Auto direkt im Sand des Strandes ab und genossen die untergehende Sonne vor bestem Panorama. Es war einfach wunderschön. Super ruhig, und einfach herrlich dort zu stehen. Einmal mehr konnten wir sagen: „Uns geht es hier schon verdammt gut“. Die Fahrt und die Szenerie sind wie dauerhaftes Kino, welches wir hautnah erleben dürfen. Atemberaubend und gleichzeitig abwechslungsreich trifft es hierbei besonders gut.

Mittwoch 24.08. Yukons Hauptstadt

Am Mittwoch sollte es nun weitergehen bis zur Hauptstadt vom Yukon, Whitehorse. Doch zunächst mussten wir noch etwas das Panorama bewundern, welches wir beim Aufstehen erblickten. Der See glitzerte in der Sonne und eine leichte Brise fegte durch unsere morgendliche Frisur. Es war sogar relativ kühl durch den Wind, wodurch wir das Frühstück in komplett langem Outfit antraten. Heute gab es zur Belohnung der Aussicht, ein gemütliches Pancake Frühstück und dazu eine Tasse schwarzer Tee. Wir packten das Auto zusammen, und machten dann noch einen kurzen Spaziergang entlang des Strandes am Seeufer, ehe wir den buckeligen Pfad zurück zum Highway fuhren.

Während uns das Hörbuch um Patrick Lange, rund um das Thema Triathlon und Ironman begleitete, fuhren wir genüsslich weiter den Highway entlang. Gegen 13Uhr erreichten wir dann Whitehorse und spazierten zunächst durch die Straßen der Stadt. Für eine Provinz-Hauptstadt etwas beschaulich, aber mit sehr netten Aspekten. In der Alpine Bakery, geführt von einem deutschen Auswanderer-Paar, haben wir uns dann sogar auf Deutsch ein schönes Brot für den Abend gekauft.

Im Anschluss an den Stadtspaziergang fuhren wir noch zu der größten hölzernen Fischtreppe der Welt. Die Lachse, die hier ankommen, um etwas weiter stromaufwärts zu laichen, haben über 3.200km zurückgelegt. Nach dieser sehr aufschlussreichen und interessanten Erkundung, ging es zum Visitor Center, um nochmal etwas Internet abzustauben, ehe es zum lokalen Walmart ging, um sich noch günstig mit Vorräten aufzustocken. In wenigen Tagen soll schließlich die Überquerung der US-amerikanischen Grenze stattfinden. Große Einkaufsläden gibt es auf der dann folgenden Route nur noch wenig.

Da am kommenden Morgen um 7Uhr ein Arbeitsmeeting anstand, und auch die Wäsche für den kommenden Tag noch eingeplant war, wollten wir die Nacht in Whitehorse selber verweilen. Auf dem Parkplatz des „Real Canadian Superstore“, vergleichbar mit der Metro. Wir waren tatsächlich nicht die einzigen, die auf dem großen Parkplatz nächtigen wollen würden, auch einige andere Wohnmobile, Bullis, Pickup mit Wohnkabine und gar Overlander versammelten sich hier. Die meisten hatten ihre Autos aus Deutschland verschifft und waren zu noch viel größeren Abenteuern aufgebrochen als wir. Wir begannen schon zu träumen, welches Auto wir denn am liebsten hätten. Es fühlte sich ein bisschen an als wären wir mit unserem Mini-Auto gerade im absoluten Anfängerlevel unterwegs. Nach oben hin ist hier ein riesigen Spielraum zum Träumen. Eines Tages auch mal mit so einem richtigen Overlander-LKW durch die Wüsten und Gebirge dieser Welt fahren, das wäre schon wunderbar. In dieser Gemeinschaft fühlten wir uns zumindest ein bisschen geschützt.

Zum Abendessen gab es das leckere deutsche Brot und da es – zumindest für die bisherigen Reiseverhältnisse – ziemlich kühl war, wollten wir dazu eine leckere Suppe essen. Nunja, was soll man sagen… Während in Deutschland viele der Dosensuppen, vor allem wenn es wirklich kalt ist, durchaus schmecken, kann man das von denen hier nicht behaupten. Beide Suppen, die wir hatten, schmeckten scheußlich. Tatsächlich undefinierbar schlecht, also wir konnten nicht einordnen, was genau daran alles nicht schmeckte. Nun denn, zumindest hatten wir ja noch Brot und etwas Aufschnitt. Dann wurde noch etwas, im Wagen liegend, gearbeitet oder geschrieben, ehe es Zeit zum Schlafen wurde.

Donnerstag 25.08. Yukons Hauptstadt

So hell war es wirklich die ganze Nacht

Nunja… Eine Nacht aufm Parkplatz, wie soll das schon werden. Nachdem wir die Nächte davor maximal Vögel, Wellen rauschen oder manchmal in der Ferne Kojoten hörten, war dieser Stellplatz definitiv lauter. Durch die Laternen, aufgrund mangelnder Vorhänge, auch definitiv heller. Sonst sorgt man sich um wilde Tiere, hier hat man eher Sorge, dass andere Menschen etwas anstellen wollen. Vor allem der letzte Teil war zumindest unterbewusst recht tief verwurzelt, wodurch man nie wirklich ruhig schlief.

Dann war es 2:30Uhr und plötzlich ging der Alarm unseres Autos los. Wir schauten uns beide mit großen, erschrockenen Augen an. Wie es weiter geht, erfahrt ihr Ende der Woche..

Spaß – so einen Cliffhanger wollen wir euch dann doch nicht zumuten. Wir schreckten hoch und es dauerte kurz, ehe wir so wirklich realisierten, was gerade passierte und was das für ein Geräusch ist. Erstmal kurzer Umgebungscheck; nichts. Kein Mensch oder kein Tier zu hören, keine weiteren Geräusche. Wie geht dieser Alarm aus? Wir wussten es nicht und erstmal wurde der Autoschlüssel gesucht. Dann ging auch schon der Alarm von alleine aus. Die Aufregung und der Puls blieben zunächst. Warum ging der Alarm los? Wir wussten es nicht, aktuell haben wir die Theorie, dass entweder der „Panic“ Knopf am Schlüssel gedrückt wurde, weil der Schlüssel beispielsweise gegen das Taschenmesser drückte, oder, dass der Alarm durch das Wackeln des Autos beim hin und herwälzen im Schlaf ausgelöst wurde. Wir bemühten uns wieder einzuschlafen, ehe wir vom nächsten komischen Geräusch geweckt wurden. Es war der Wecker. Ein Geräusch, das wir tatsächlich nicht mehr wirklich kannten, da wir grundsätzlich von der Sonne um ungefähr 7-8Uhr meist geweckt werden. Da das Meeting um 7 Uhr morgens war, musste aber der Wecker her. Nunja, beim Blick auf das Handy kam dann die Meldung, dass das Meeting verschoben wurde. Die Parkplatz-Übernachtung war also bis zu einem gewissen Grad umsonst gewesen. Fazit jedenfalls: Parkplätze von Supermärkten sind nicht so unser Ding, dafür ist unser Auto nicht optimal ausgestattet (Sichtschutz fehlt beispielsweise) und auch mental ist das nicht unser Favorit. Trotzdem eine Erfahrung, man hat es zumindest mal gemacht.

Nach den Aufregungen der Nacht, freut man sich schon auf den Abend an einem garantiert schöneren Stellplatz, aber zunächst wird noch der Tag verbracht und hier wird jetzt mit Wäsche waschen und arbeiten begonnen.

Nachdem die Wäsche gewaschen und getrocknet war, haben wir uns dann auch schon wieder auf den Weg gemacht. Unser erster Halt war bei den Five Finger Rapids, eine Felsformation, welche den Fluss in fünf Stromschnellen unterteilt. Wobei es durch Sprengungen inzwischen keine fünf Stromschnellen mehr sind, dafür ist diese Stelle nun für Schiffe auch gefahrlos befahrbar. Ehe Anfang des 20.ten Jahrhunderts die Sprengungen stattfanden, wurden viele Schiffe bei der Durchquerung beschädigt. Vom Parkplatz aus hatte man bereits einen tollen Ausblick. Doch nach einer kleinen Wanderung hinunter zu den Stromschnellen konnte man die immense Stärke des Wassers noch deutlicher erkennen.

Wir fuhren bis zum Pelly Crossing und campten dort auf einem früheren Campingplatz. Dieser wurde inzwischen aufgegeben, ist aber weiterhin nutzbar. Inzwischen allerdings kostenlos. Mit dem Pelly River direkt am Campground versucht man natürlich das Glück beim Angeln, diesmal allerdings erfolglos. Zum Abendessen gab es leckere selbstgemachte Poutine. Die Kartoffelecken wurden hier in einer gusseisernen Pfanne direkt über dem Wasser gebraten.

Freitag 26.08. Auf zum „On top of the world Highway“

Wir hatten den offiziellen Alaskan Highway verlassen, um einen Umweg zu fahren und den „Top of the World Highway“ mitnehmen zu können. Heute sollten wir diesen dann endlich erreichen und verdammt, der Umweg hat sich gelohnt. Doch fangen wir von vorne an.

Zunächst entsorgten wir an einer Tankstelle unseren „Kühlschrank“. Das Kabel der Kühlbox war defekt, wodurch es nicht mehr während der Fahrt anging und kühlte. Also weg damit, da es jetzt eh kalt wurde und die Box zu viel Platz wegnahm. Mit dem Vorteil nun, dass wir das Bett nicht immer umklappen müssen zum Losfahren, da wir die Kühlbox nicht nachts auf den Beifahrersitz und tagsüber auf die Rückbank stellen müssen. Wir fuhren dann mit dem Ziel Dawson City weiter den Klondike Highway entlang. Das Wetter war durchwachsen, immer mal wieder regnete es ganz kurz, allerdings störte das beim Fahren nicht, sondern machte die Fahrt ein bisschen gemütlich, kuscheliger. Die Landschaft ähnelt sich zwar immer wieder, viele Bäume, einige Seen und einige Berge oder größere Hügel, jedoch haben wir uns noch immer nicht satt gesehen an dieser wunderschönen Landschaft. Sie ist dann doch irgendwie immer wieder leicht anders und weiterhin interessant. So vergeht auch die Zeit bei der langen Fahrt relativ schnell. Ohne spektakuläre Wildlife Sichtungen erreichten wir dann das Gebiet von Dawson City und knackten dabei gleich noch die 4000km Marke.

Kurz vor Dawson bogen wir links vom Highway ab. Denn das Gebiet um Dawson City ist seit über 100 Jahren und auch heute noch, ein aktives Goldgräber-Gebiet. Wir wollten zum Discovery Claim und zu einem Claim, wo jeder kostenlos selbst Gold schürfen darf. Auf dem Weg dorthin befindet sich auch „Dredge 4“. Ein riesige, ehemals schwimmende, Dredge. Eine Maschine, welche das Gestein fördert und direkt Gold rausfiltert. Die Dredge 4 arbeitete knapp fünfzig Jahre lang und förderte hierbei insgesamt acht Tonnen Gold zutage. Nachdem wir dieses Geschöpf bestaunt und uns dazu belesen hatten, ging es weiter zum Claim, wo wir es selber mal probieren wollten. Doch durch fehlende ordentliche Ausrüstung fanden wir nicht mehr als ein paar schön aussehende Steine und vielleicht ein wenig Goldstaub. Unsere nächste Tankladung können wir hiermit leider nicht finanzieren. Nunja, dann also weiter.

Ohne Erwartung fuhren wir in die Stadt Dawson City und wurden dann wirklich positiv überrascht. Es ist eine wirklich hübsche kleine Stadt, mit vielen kleinen Läden und in einem tollen Stil. Sehr aufgeräumt, sauber und ohne herumlungernde Menschen, was uns an den letzten Städten dann doch etwas unangenehm aufgefallen war. Dawson City können wir durchaus weiterempfehlen. Nach einem Bummel durch die Stadt ging es zur Fähre. Denn es gibt hier keine Brücke, nur eine kleine kostenlose Fähre, die einen über den Yukon River verhilft.

Wir bekamen eine Privatfahrt und wurden zufälligerweise alleine befördert. Man spürte durch die Bewegungen der Fähre die starke Strömung des Yukon Rivers. Auf der anderen Seite angekommen, fing dann direkt der „Top of the world Highway“ an. Dafür ging es erstmal deutlich bergauf. Doch oben angekommen, war der Ausblick bereits grandios. Wir fuhren staunend den Highway ein paar Kilometer entlang, ehe wir dann auf eine unbefestigte Straße abbogen. An deren Ende sollte eine Stelle für unser Nachtlager liegen.

Die Straße hochzufahren war abenteuerlich und wir waren froh über unsere Auto-Wahl. Auch, wenn wir den Allrad-Antrieb nicht brauchten, mit etwas mehr Nässe, wären wir ohne ihn definitiv nicht weiter vorangekommen. Die Räder und das Auto taten ihren Job und so fuhren wir den Weg bis nach oben und wurden mit einem grandiosen Ausblick belohnt. Wir stellten das Auto auf einem Kiesplatz ab und genossen die Luft und die Aussicht. Ganz alleine dort oben war es wunderbar ruhig, doch durch den Wind auch relativ kühl. Wir bereiteten unser Abendessen zu und mümmelten uns gerade rechtzeitig in die Schlafsäcke, ehe der Regen anfing.

Samstag 27.08. Endlich in Alaska

Während wir am Abend noch kilometerweit sehen konnten, war die Sicht am Morgen etwas eingeschränkt. Tiefe Wolken hingen auf unserer Höhe und so konnten wir nur teilweise etwas Landschaft erblicken. Nach einem kurzen Frühstück ging es dann los. Erstmal die Gravelroad zurück, zurück zum Highway. Diesen sollte es heute die ganze Zeit entlang gehen. Nachdem es am Anfang noch nebelig war, zum Teil sogar leicht regnete, rissen stellenweise dann doch die Wolken auf oder stiegen zumindest etwas höher.

Wir hatten einen grandiosen Ausblick und dieser „Top of the world Highway“ fühlte sich wirklich wie eine Straße ganz nah am Himmel an. Es war faszinierend und die Wolken sorgten für einen nahezu magisch-mystischen Ausblick. Kilometer für Kilometer kamen wir der US-Amerikanischen Grenze immer näher. Dann war der Moment gekommen, Grenzüberquerung.

Der Posten liegt mitten auf dem „Top of the world Highway“, auf einem Bergkamm. Unser ESTA-Antrag wurde am vorigen Tag bereits bestätigt, wodurch wir hofften, ohne Probleme einreisen zu können. Nachdem wir unsere Pässe am Schalter hingegeben hatten, wurden wir gebeten das Auto links hinter dem Häuschen mit dem Schalter zu parken und nach drinnen zu kommen. Oh je, was war nun? Nachdem wir bei der Anreise in Kanada bereits so gefilzt und ausgefragt wurden, stellten wir uns jetzt auf ähnliches ein. Würden sie sogar unser Auto durchsuchen? Doch wir mussten drinnen nur unsere Fingerabdrücke einscannen lassen, dann wurde ein Foto von unserem Gesicht gemacht, ehe wir den Stempel in den Pass bekamen und uns eine gute Reise gewünscht wurde. Im Anschluss durften wir uns selber noch einen Stempel in den Reisepass stempeln, dass wir den „Top of the world Highway“ zur Einreise genutzt hatten.

Schon hatten wir die Grenze passiert und waren in Alaska angekommen. Es ging den wunderschönen Highway weiter und dann im Anschluss noch ein wenig weiter, durch Chicken hindurch, bis nach Tok. Dort hatten wir einen Stellplatz auf einem Campingplatz reserviert. Ausnahmsweise mal wieder. Wir benötigten einen für die Einreise in die USA. Somit gab endlich wieder eine wirklich lange und ausgiebige Dusche mit viel heißem Wasser. Wir merkten schnell, dass wir in den USA angekommen waren, in einem republikanischen Bundesstaat. Schon im Büro des Grenzposten hing ein großes Donald Trump Bild und auch in Tok war die Nähe und Liebe zu diesem ehemaligen Präsidenten nicht zu übersehen. Im Baumarkt steht neben der meterlangen Auswahl an verschiedensten Schusswaffen eine große grinsende Trumppuppe, an den Wohnwagen hängen Trumpflaggen und im Supermarkt prangen Sprüche wie dieser über dem Eingang: „If you can read this thank your teacher and if you can read this in english thank your military“ („Wenn du das lesen kannst, danke deinem/r Lehrer/in und wenn du es in englischer Sprache lesen kannst, danke deinem Militär“). Im Regenbogenbeflaggten, kanadischen Dawson haben wir uns dann doch ein bisschen wohler gefühlt. Aber auch diese Erfahrungen gehören zu Reisen und sind ein wichtiger Teil dieser. Wieder auf dem Campingplatz haben wir uns dann, ganz amerikanisch, leckere Burger gebraten. Und wer hätte es gedacht, sogar mit vegetarischen Patties für Annelie.

Sonntag 28.08. Das Ende des Alaskan Highways

Es war Sonntag, Sonntag ist Pancake Tag. Wir begannen den Tag mit leckerem Frühstück, ehe wir uns langsam und sicher fertig machten zur Weiterfahrt. Auch am Morgen wurden nochmal die heißen Duschen genutzt um den Dreck und Geruch vom Körper zu spülen. Ähnlich wie beim Segeln, wurde noch Wasser gebunkert und dann ging es auch schon wieder auf die Straße. Heute eine kleine Tour bis Delta Junction, dem offiziellen Ende des Alaskan Highways. Dort wollten wir uns irgendwo Internet herholen und dann noch ein wenig arbeiten und studieren, Blog schreiben und weitere Ziele planen. Es ging, inzwischen mit Meilen pro Stunde, statt Kilometern pro Stunde, den Highway entlang. Die hundert Meilen zwischen Tok und Delta Junction fuhren wir gemütlich entlang und waren gegen Mittag in Delta Junction. Nunja, schön ist etwas anderes und schwupps waren wir auch schon wieder durch das kleine Städtchen durchgebraust. Nichts da mit Möglichkeiten für WLAN. Die mobilen Daten heute hierfür aufbrauchen? Lieber nicht. Dann also doch weiter…

Somit wurde das Ziel für Montag zum Ziel für Sonntag, Fairbanks. Den Tanana River stets entlang, fuhren wir weiter. Der Fluss, mit hunderten grauen Kiesbänken gesäumt, führt der Jahreszeit geschuldet, momentan relativ wenig Wasser. Dennoch war der Ausblick an manchem Rastplatz wirklich schön. Die Sonne ließ sich blicken und es wurde richtiggehend warm draußen. Wir haben echt Glück mit dem Wetter. Wir hoffen darauf, dass dieses Glück weiter anhält. Kurz vor Fairbanks liegt North Pole übersetzt „Nordpol“, ein kleiner Ort, an dem der Weihnachtsmann 365 Tage im Jahr wohnt. Wenn man dem Weihnachtsmann Briefe schreibt, kann man sie an diese Adresse schicken und sie werden stets beantwortet. Wir nutzten den Ort in erster Linie für Aktivitäten, die Internet benötigen. Und vielleicht lassen wir dem Weihnachtsmann ja noch den ein oder anderen Wunsch zukommen, vielleicht erfüllt er sie uns ja.

4 Kommentare zu „4. Woche 22.08.-28.08. Liard Hot Springs, Whitehorse und Top of the World Highway

  1. Grandiose Erlebnisse und Bilder, vor allem die heißen Ouellen und die Bisonherde und das Brot 🍞 Whitehorse war ja auch mal unser Ziel, haben es aber leider zeitlich nicht geschafft. Ich freue mich für euch ,dass ihr immer noch so herrliches Wetter habt.
    Ich wusste gar nichts von Hendriks 2. Standbein.😉

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  2. Wieder ein toller Reisebericht. Nachdem Jörg mir das WELAN vom Heim auf meinen PC installiert hat. konnte ich heute unseren Opa einen Bericht von Euch zeigen.Es ist für ihn eine große Freude.
    Danke ihr Weltenbummler!

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