Die Inspektion


Der Tag der Wahrheit zum Zustand des Autos war gekommen. Nach dem Frühstück fuhren wir mit den Jungs nach Burnaby. Dort liegt die Werkstatt, wo die Jungs das Auto bereits zuvor schon einmal zur Inspektion und für kleine Reparaturen hingegeben hatten. Nachdem wir das Auto dort abgegeben hatten, gingen wir zu viert zum „Home Depot“, dem Äquivalent zum deutschen Baumarkt. Wir stöberten etwas herum und besorgten uns dort schon mal eine Axt und eine Säge. Im Anschluss ging es zurück zur Werkstatt. Das Ergebnis der Inspektion stand an. Abgesehen von kleineren Reparaturen, unter anderem auch in die Langlebigkeit zu erhöhen und um auf der sicheren Seite zu sein, wurde noch ein Ölwechsel gemacht und dann war das Auto wieder in bestem Zustand. Während wir auf die Reparatur gewartet haben, waren wir kurzerhand nach Downtown Vancouver gefahren und sind durch die Stadt gelaufen und haben uns dann gemütlich auf eine Parkbank beim Stanley Park, in der Nähe des schönen English Bay Strandes, gesetzt.
Nun ist unser Franky, wie die Jungs ihn liebevoll getauft haben, bereit für sein nächstes großes Abenteuer! Wir sind gespannt, welche Geschichten wir gemeinsam mit ihm erleben werden und an welche Plätze dieses wunderschönen Kontinents er uns bringen wird.
Shopping & Car Insurance
Für den Donnerstag stand Shopping auf dem Plan. Kristy wollte uns so gern den Dollarstore zeigen. Er ist das kanadische Pendant zu Tedi, Woolworth & Co. Das Angebot ist qualitativ in Ordnung und die Preise sind ein wenig studierendenfreundlicher als in den anderen großen Shoppingmärkten.
Dementsprechend schnell füllte sich unser Einkaufskorb. Vom Hammer über Lappen bis hin zum Reis war alles dabei. An der Ausstattung wird es uns auf dieser Reise wohl nicht fehlen.


Am Nachmittag stand dann der ganz offizielle Kauf des Autos an. Dies gestaltet sich hier sehr einfach. Wir sind einfach mit den Jungs zu einem Broker gefahren. Dort werden ein paar Formulare ausgefüllt, die Führerscheine registriert und ein Kennzeichen ausgesucht. Wir haben uns für ein Nationalparknummernschild entschieden. Hier muss man zwar eine extra Gebühr bezahlen, dafür sieht das Nummernschild umso schöner aus und die Einnahmen werden an die Nationalparks gespendet. Nach 20 Minuten waren wir nun also auch ganz offiziell die Besitzer:innen von Franky.

Um unseren letzten gemeinsamen Abend, unsere Reise und das Auto zu feiern waren wir am Abend mit Neil und Kristy an den Shipyards lecker essen. An unserem letzten Abend zeigte sich Vancouver nochmal von seiner schönsten Seite. Der Himmel war in ein zartes rosarot getaucht und wir beobachteten die riesigen Frachter und Kreuzfahrtschiffe vor der Skyline Vancouvers.
Let’s Go to Bowen

Freitag Morgen ging es nun los. Wir genossen das letzte Frühstück auf der Sonnenterrasse bevor wir unsere Sachen in unser Auto stopften. Ich frage mich wirklich, wie wir diese ganzen Sachen in unseren Rucksäcken hierher transportiert hatten…
Mit der Fähre ging es für 11$ in 20 schnellen Minuten nach Bowen Island. Das Auto ließen wir am Festland stehen, da wir so einige Dollar sparen können und es auf der Insel einfach nicht benötigen.

Rebecca, Brad und Jay haben uns am Hafen von Bowen Island in Empfang genommen. Wir luden unsere Rucksäcke in Rebeccas Auto und liefen zu Fuß zu ihrem Haus. Die Insel könnte einem Nicholas Sparks Roman entsprungen sein. In kleinen bunten Shops werden handgemacht Dinge wie Seifen oder Schokolade verkauft, jeder kennt hier jeden und auf dieser Insel scheint, zumindest für einen der von außerhalb kommt, der pure Frieden zu herrschen.

Am Abend erlebten wir dann noch ein wunderbares Naturschauspiel. Der unendliche Sternenhimmel über unserem Kopf schien sich im Meer zu unseren Füßen zu spiegeln. Abertausende kleine Einzeller brachten das Wasser bei jeder Bewegung im Wasser zum Leuchten. Es war einfach magisch.
Am Samstag fuhr Rebecca mit uns über die gesamte Insel, zeigte uns die Schulen und Häuser ihrer Freunde. Erklärte uns, wie die Menschen hier leben und welche Herausforderungen das Inselleben mit sich bringt. Zum Abschluss machten wir noch einen Stopp in einer süßen, kleinen Cidery wo wir ein Mini Tasting machten. Frank erklärte uns voller Stolz woher die Äpfel des Ciders stammten und welche unzählige Vielfalt es an Äpfeln auf dieser Welt gibt. Zum Abschied bekamen wir dann von Rebecca noch eine Flasche Cider geschenkt.

Wir sind so dankbar für all die Menschen, die wir in der kurzen Zeit, die wir bisher auf Reisen sind, getroffen haben. Uns ist bisher so viel positive, offene Energie und Freundlichkeit begegnet, wie wir es aus dem Leben zu Hause nur selten gewohnt sind. Allen Menschen, denen wir von unserem Trip erzählen, sind begeistert und freuen sich. Sie erzählen uns, wo wir alles noch hin müssen und sorgen sich um uns, ob wir wirklich alle wichtigen Utensilien haben. Von Rebecca haben wir Schlafsäcke, Starterkabel und sogar einen Feuermelder für unser Auto bekommen.
Wir sind sehr gespannt auf all die wundervollen Begegnungen die wir noch erleben werden und schon jetzt unglaublich dankbar für die Freundschaften die wir geschlossen haben.
Unsere erste Nacht in Franky

Von Samstag auf Sonntag erlebten wir nun unsere erste Nacht in unserem Auto. Campingplätze in Kanada sind genau wie überall auf der Welt recht teuer geworden. Für 30-40$ bekommt man einen Platz ohne alles, also ohne Dusche oder Strom oder WLAN. Somit haben wir uns entschieden, einen Platz ohne alles zu nehmen, allerdings ohne dafür etwas auszugeben. Mit der App iOverlander kann man auf der ganzen Welt nach Stellplätzen suchen. Hier beschreiben Reisende, wie der Platz aussieht, was er zu bieten hat oder warum man hier vielleicht nicht hinkommen sollte. Zuerst hatten wir einen Platz auf einem Parkplatz eines Supermarktes herausgesucht. Hier hätten wir WLAN gehabt, was für uns wichtig ist, da wir beide einen Berg Arbeit vor uns haben. Aber wirklich idyllisch ist ein Asphaltparkplatz in einer kanadischen Kleinstadt dann auch nicht. Also nutzten wir den Stopp, um unseren Van einmal komplett aus und wieder einzuräumen. Gefühlt ist das Chaos nach dem Sortieren größer als vorher… Aber wer mit Lichterketten, Kuscheldecken und Klamotten für alle Klimazonen reist, beansprucht eben doch ein bisschen mehr Platz als so ein Auto hergibt. Aber was solls, schnell die Tür zumachen und einfach nicht wieder öffnen, dann passt das schon 😉


Da wir nicht auf dem Parkplatz schlafen wollten, haben wir uns über die App ein kleines Plätzchen auf einem Hügel neben dem Highway ausgesucht. Für unser Auto war die kleine Gravelroad dahin ein Klacks. Also parkten wir das Auto, holten den Kocher raus und genossen erst mal die obligatorischen Campingnudeln mit Tomatensoße. Da es schon recht spät wurde und die Sonne schon lange hinter den Bergen verschwunden war, war es Zeit fürs Bett. Es erfordert eine kleine akrobatische Meisterleistung, um ins Bett zu kommen, aber wenn man einmal drin ist, ist es eigentlich recht kuschelig.
Wir erlebten eine entspannte, ruhige Nacht und starteten den nächsten Morgen bei aufgehender Sonne mit einem leckeren Käse-Bagelfrühstück bevor es nach Vernon ins Okanagan Valley ging.
Wald,Wein und Wüste

Eigentlich hatten wir den Okanagan Lake und die Region rundherum nie auf dem Schirm, auf unserer Reiseroute gehabt. Doch da Neil jeden Abend von diesem Ort erzählte und unbedingt wollte, dass wir hierhin fahren, haben wir ihn natürlich auf unserer Reiseroute ergänzt. Die Region ist auf Grund des semi-ariden Klimas ideal für den Wein- und Obstanbau geeignet. Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein fahren wir auf dem breiten, leeren Highway ins Landesinnere. Schon von weitem sieht man, wie die dunkelgrünen Berge, kargen, beigen Hügeln weichen. Die Spuren der Waldbrände der letzten Jahre sind überall deutlich zu sehen. Leichenbäume ragen schwarz in die Luft und prägen die Landschaft. Doch an manchen Stellen kann man bereits erkennen, wie die Natur diesen scheinbar toten Lebensraum zurückerobert.

Nach ca. 2 Stunden Fahrt eröffnet sich uns der Blick über den gigantischen Okanagan Lake. Ein tiefblau glitzernder See, der sich zwischen den Hügelketten entlang schlängelt. Nach einer kurzen Arbeitsmittagspause geht es nun für uns an den Strand. Die Seele baumeln lassen und die Sonne genießen!













Ganz lieben Dank für Eure Berichte. Es macht sooo viel Spaß alles zu lesen und die Bilder zu betrachten. Und man freut sich mit Euch, wenn man sieht wie gut es Euch geht…
Beste Grüße aus Berlin
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